Bedingt einsatzfähig: Droht eine neue SPIEGEL-Affäre?

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Wolfgang Blaschka
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Beigetreten: 09.11.2010 - 02:16
Bedingt einsatzfähig: Droht eine neue SPIEGEL-Affäre?
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Bedingt einsatzfähig


Droht eine neue SPIEGEL-Affäre?


Was Viele immer nicht glauben wollen: Die Bundeswehr ist doch nicht so unbedingt einsatzfreudig wie man ihr gemeinhin unterstellt. Das sickert nun aus dem Kriegsministerium durch. Gezielt werden Informationen gestreut, die den SPIEGEL-Herausgeber Rudolf Augstein und seine Chefredaktion in den 60-er Jahren noch in den Knast gebracht haben. Er hatte getitelt: "Bedingt abwehrbereit?" (⇒ Artikel DER SPIEGEL 41/1962). Das Hamburger Nachrichtenmagazin barmte damals staatstragend besorgt um den Bestand der alten Bundesrepublik, wo doch "der Russe" minütlich im Kalten Krieg losschlagen konnte. Noch ehe ein ausgeschlafener Ostagent am Montag mit ungeputzten Zähnen zum Kiosk geeilt wäre, hätte die Rote Armee davon schon Wind bekommen und hätte die kritische Situation schamlos ausgenutzt. Im Osten geht die Sonne bekanntlich früher auf, und die wochenenderschöpften und vom Sonnenaufgang geblendeten Wehrpflichtigen hätten nicht einmal mehr pünktlich zu Dienstbeginn ihre Kasernen erreicht ohne vom geballten Feindfeuer des "Warschauer Pakts" gepackt zu werden.

Franz Josef Strauß ließ da als Bundesverteidigungsminister nichts anbrennen, und sorgte von Spanien aus für die sofortige Verhaftung der Geheimnis-, ja Hochverräter. Kurz darauf kostete ihn seine Anmaßung wider die Pressefreiheit sein Amt, und der SPIEGEL hatte dafür seinen guten Ruf als Enthüllungsblatt, den er schon längst nicht mehr verdient. Damals handelte es sich um kriegsuntaugliche Rüstungsbeschaffungs-Programme, heute um irreparabel veraltetes Gerät, das aber auch nicht einmal zum Friedensbruch taugt. So hat ein Bundeswehr-Kampfhubschrauber vom Typ Eurocopter Tiger auf dem heimischen Truppenübungsplatz Grafenwöhr in der Oberpfalz einfach so mir nichts, dir nichts seinen Waffenträger mit Panzerabwehrraketen verloren. Rumms! (⇒ Artikel FOCUS ONLINE) Nur weil kein Gefechtskopf montiert war, blieb der Schaden am Boden gering. Es war auch kein Panzer zum Abwehren da.

Nun würde sich eine solche Schlagzeile inzwischen als Rohrkrepierer erweisen, seit es nicht mehr um Verteidigung, sondern um Angriffskriege geht. Da muss man technisch auf dem neuesten Stand sein, wenn man gegen das bereits ausgemusterte Material, das vorher großzügig in alle Welt geliefert wurde, noch einen Stich landen will. Dass es aber gar so mau aussieht um die Truppe, hätten die Wenigsten geahnt oder erträumt. Von 180 gepanzerten Transportfahrzeugen "GTK Boxer" sind angeblich nur 70 einsetzbar, also deutlich weniger als die Hälfte. Beim "Eurofighter Typhoon" stehen von theoretisch 109 Flugzeugen nur 42 startklar in den Hangars. Nur 8 von 33 Transporthubschraubern NH 90 heben ab, beim besagten Tiger immerhin 10 von 31. Dafür tun es beim "Sea Lynx" nur 4 von theoretisch 22 und beim "Sea King" ganze 3 von 21, die auf dem Papier stehen. Nachdem nun die geheimsten Geheimnisse von dpa ausgeplaudert sind, darf über die Einsatzstärke der Panzertruppen frei spekuliert werden.

Die Botschaft dieser gezielten Indiskretion soll wohl lauten: Mehr Geld für den Barras! Wenn das Heer in der Infanterieschule Hammelburg schon Kurden ausbilden muss, dann doch bitte auch ein paar schicke Killerdrohnen auf Vorrat! Niemand redet angesichts dieser kaum verklausulierten Bettelei von Verrat militärischer Geheimnisse. Alle sollen wissen, dass der Sparzwang und der gemeine "deutsche Pazifismus" ihr entwaffnendes Werk nur allzu gründlich verrichtet haben. Nun soll die Bundeswehr tatsächlich dastehen als das, was sie laut Werbeoffizieren doch schon immer gewesen sein wollte: Die eigentlich größte Friedensbewegung Deutschlands, die ihre NATO-Verpflichtungen kaum mehr erfüllen könne. Nur im kleiner Gedruckten wird verdruckst eingeräumt, dass es für die laufenden Missionen allemal reicht. Doch die sind weit weg von daheim. Was ist, wenn der Russe ... in der Ukraine, wenn schon nicht in Polen oder gar im von Deutschen luftüberwachten Baltikum ...! Die Weiten des Ostens drohen auf einmal wieder greifbar nahe wie weiland dem Napoleon. Man muss nur offensiv genug denken, und das dann dem Gegner unterstellen. Es wird nicht mehr lange dauern, da sitzen Offiziere in den Fußgängerzonen und halten den Helm auf.

Die Kriegsministerin wird sich bei Schäuble die 4 Milliarden Euro leyen müssen, die die Bundeswehr in den letzten Jahren nicht abgerufen hat, obwohl sie schon genehmigt waren. Die Mechaniker-Knappheit könnte durch kriegserprobte Zivilfahrzeug-Bastler und improvisationsgestählte Schrauber aus Afghanistan behoben werden. Türkische Bodentruppen könnten zumindest einen allerletzten südöstlichen Verteidigungsring von Kreuzberg bis Neukölln um das Berliner Regierungsviertel legen, sie bräuchten nur Uniformen und Splitterschutzwesten. Putin könnte unter Umständen um ein paar ausrangierte "Antonow"-Transportflugzeuge angegangen werden, vielleicht sogar um eine kleine Spezialeinheit ohne Hoheitsabzeichen, dafür mit einem Ärmelaufnäher "Russen-Inkasso", zum Schutz der Odergrenze. Das würde das Regime in Kiew zwar nicht direkt beruhigen, doch bei weniger Personal zur Eintreibung ihrer Schulden bei Gazprom erheblich entlasten.

Tatsächlich denkt das Kriegsministerium über die Anmietung von Flugzeugen privater Gesellschaften nach, um ihre Transportkapazitäten aufzustocken. Nur noch eine Frage der Zeit, bis die rassistischen Wachmänner aus den Flüchtlingsunterkünften in Nordrheinwestfalen, die Asylbewerber geschlagen und gedemütigt haben, ihre Abu-Ghraib-Gepflogenheiten direkt vor Ort an der syrischen Grenze verrichten, zur Abschreckung.

Auch die deutschen Patriot-Raketen an der türkischen Grenze sind nicht länger sicher und könnten bald von "gemäßigten" oder "moderaten" Anti-Assad-Kämpfern übernommen werden. Immerhin 5000 davon wollen die USA jetzt ausbilden, um gegen IS zu Felde zu ziehen. 1600 US-Militärberater scharren bereits im Kampfgebiet mit den Hufen, um bei der Waffen-Einweisung behilflich zu sein. Vielleicht denen von der Al-Nusra-Front. Obwohl, nach den ersten US-Luftschlägen haben die nun wiederum die Seiten gewechselt und wollen jetzt lieber eine gemeinsame Abwehrfront aller Sunniten gegen den Westen bilden. Bei soviel Verwirrung trifft es sich, dass die USA inzwischen eine ganz neue, noch viel schlimmere Gefahr erfunden haben als alle bisher bekannten: Chorosan! Das seien angeblich extrem hart gesottene Al-Qaida-Veteranen, die in den USA und Europa Anschläge vorzubereiten imstande wären. Der Dritte Weltkrieg muss jedoch noch einmal verschoben werden, das ist das Tröstliche, denn die BRD ist nicht genügend gerüstet. Ohne Deutschland lassen sich Weltkriege gar nicht anzetteln. Das war bisher immer so bei Weltkriegen. Egal, was der undurchschaubare Putin denkt und unergründlich plant: Das wird er respektieren müssen.

Wolfgang Blaschka, München

 



Quelle:  erstveröffentlicht bei  ISW – Institut für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung e.V. > Artikel

Bild- und Grafikquellen:

 

1. Kampfhubschrauber Eurocopter Tiger. Foto: Florian Lindner. Quelle: Wikimedia Commons. Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung 2.5 generisch“ (US-amerikanisch) lizenziert.

2. Beim "Eurofighter Typhoon" stehen von theoretisch 109 Flugzeugen nur 42 startklar in den Hangars. Die Karikatur wurde von Kostas Koufogiorgos, Stuttgart, gezeichnet - ein erstklassiger Künstler. Bitte besucht seine Webseite.

3. "Eurofighter im desolaten Zustand" Die Karikatur wurde von Kostas Koufogiorgos, Stuttgart, gezeichnet - ein erstklassiger Künstler. Bitte besucht seine Webseite.