Bündnis-Rede gegen die NATO-Sicherheitskonferenz

6 Beiträge / 0 neu
Letzter Beitrag
Bild des Benutzers Wolfgang Blaschka
Wolfgang Blaschka
Offline
Beigetreten: 09.11.2010 - 02:16
Bündnis-Rede gegen die NATO-Sicherheitskonferenz
DruckversionPDF version

Rede für das Aktionsbündnis gegen die

 

NATO-Sicherheitskonferenz


von Wolfgang Blaschka


1. Februar 2014 auf dem Münchner Marienplatz


Liebe Friedensfreunde, liebe Kriegsgegnerinnen und Kriegsgegner,

liebe Münchnerinnen und Münchner, liebe Gäste in unserer Stadt,

ganz besonders jene, die von weither angereist sind, um an dieser Antikriegs-Demonstration gegen die SiKo teilzunehmen.
 
Ausdrücklich nicht meine ich mit diesem Willkommensgruß jene 350 - 400 Gipfel-Touristen, die sich da drüben, kaum 500 Meter Luftlinie von hier entfernt, in dem Viertel der Altstadt um das Nobelhotel Bayerischer Hof eingeigelt haben unter massivem Polizeischutz, bewacht von Scharfschützen und (grundgesetzwidrigerweise!) auch von Bundeswehr-Soldaten, die im Inneren des Landes nichts zu suchen haben sollten außerhalb ihrer Kasernen.

 


Die heißen wir ausdrücklich nicht willkommen, sie sind unerwünscht, nicht nur hier in München, sondern überall auf der Welt, wo Menschen leben wollen. Leben – und nicht sterben oder gerade so um die Runden kommen für die Profite der großen Banken und Konzerne. Die sind es, die letztlich immer an den Kriegen verdienen: Die Holdings, die großen Fonds, die Versicherungen mit ihren riesigen Anlagevermögen. Allianz, Commerzbank, Deutsche Bank, Linde AG und wie sie alle heißen, nicht zu vergessen die Rüstungsindustrie, die bei der SiKo gern gesehene Gäste und Sponsoren sind.

Deren bewaffneter Arm ist die NATO. Mit ihr geht es schnurstracks in den nächsten Krieg. Von hier aus wird er jeweils propagiert. Die Blutspur der NATO-Staaten zieht sich, wie wir hier augenfällig demonstriert bekommen, von Vietnam über Jugoslawien, vom Irak über Libyen, von Somalia bis nach Mali. Afrika wird auf dieser Kriegskonferenz wohl als nächste Etappe benannt werden, das ist abzusehen. Zur Hölle also mit dieser NATO, bevor sie uns alle da hinführt! Mit ihr gibt es keinen Frieden.

Die NATO-Kriegselite trifft sich hier zum 50. Mal, um zu beraten, wie sie die Welt in den Griff ihrer kapitalistischen Gleichschaltung bekommen kann, wie sie Länder, die nicht nach ihrer Pfeife tanzen, willfährig machen kann – wenn es sein muss – mit militärischer Gewalt, Putsch, „Regime-Wechsel“, wie es in Neusprech heißt.

Wo immer eine Regierung sich ihnen und ihrer Weltordnung verweigert, wird sie erst zum „Regime“ deklassiert, dann erpresst, mit Sanktionen in die Enge gedrängt oder, wenn alles nichts hilft, weggebombt. So ging das seit 1999 reihenweise. Selbst der große Vitali Klitschko geht vor der Nordatlantischen Terrororganisation freiwillig in die Knie und tanzt hier an – sein niederschmetterndster KO!

Doch im letzten Jahr, 2013 hatten sie plötzlich Schwierigkeiten, ihre aggressive Erpressungspolitik gegenüber dem bürgerkriegs-gebeutelten Syrien zu legitimieren. Selbst die Abgeordneten gingen ihnen von der Fahne. Zum erstenmal seit 1782 verweigerte das britische Unterhaus einem Premierminister die Gefolgschaft in den Krieg, und auch das US-Repräsentantenhaus wurde wankelmütig.

Nicht zuletzt mit Blick auf bevorstehende Wahlen waren die Parlamentarier nicht bereit, Obamas, Camerons und Hollandes rücksichtslosen Angriffskurs mitzutragen, denn Zweidrittel bis Dreiviertel der Bevölkerung waren in Europa und auch in den USA gegen einen neuerlichen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg. Das war mittelbar auch der unermüdlichen weltweiten Friedensbewegung zuzuschreiben.

Als deren Teil stehen wir heute hier. Und wir denken dabei auch an das Taksim-Bündnis und an die Blockupy-Bewegung und an die vielen Menschen und Bewegungen, die sagen: Ja, es gibt Alternativen zu Krieg. Ja, es gibt Alternativen zur systematischen Zerstörung von Natur und Zusammenleben. Es gibt Alternativen zur Menschenfresserkultur des Immermehr für immer weniger.

Nicht dass wir so mächtig wären, aber steter Tropfen höhlt den Stein: Die Menschen in den Zentren der Macht sind müde vom Terrorkrieg, der von George W. Bush auf hundert Jahre angelegt war. Ein kleiner Hoffnungs-Schimmer immerhin.

Nicht auszumalen, wie Europa heute aussähe, wäre der Erste Weltkrieg, der vor hundert Jahren begann, gerade erst zu Ende gegangen! Der Kontinent wäre verwüstet und verheert, wie es heute in jenen Ländern zu besichtigen ist, die die NATO heimgesucht hat: Kaputte Infrastruktur, Elend, Not und Tod, und Millionen von Kriegsflüchtlingen.

In München sind gerade einmal etwas über 9000 Asylbewerber, vornehmlich aus Kriegs-und Krisen-Gebieten. Die Meisten stammen aus Afghanistan, Irak, Pakistan und Somalia. Von überall dort, wo die Kriegsministerin künftig auch mit deutschen Drohnen präsent sein will, leyenweise als familienfreundliches Unternehmen getarnt, mit Kinder-Spielplätzen neben dem Exerzierplatz, zur frühzeitigen Rekrutierung von inzwischen auch minderjährigem Nachwuchs. Der soll jetzt schon mit 17 an die Waffe dürfen – zur Verjüngung des Tötungsapparats.

Die USA führen von Stuttgart-Möhringen und Bitburg aus einen hinterhältigen Drohnenkrieg in Afrika. Genau dorthin möchten Steinmeier und die Kriegsgärtnerin jetzt auch die Bundeswehr schicken zum Uran- und Coltan-Nachschub sichern, nachdem in Afghanistan die Truppen reduziert, aber längst noch nicht vollständig abgezogen werden, wie großspurig angekündigt – wieder mal so eine dreiste Kriegslüge!

Denn wenn Militärs von „Abzug“ sprechen, meinen sie den am Gewehrlauf. Wir sagen zu diesen Umzugsplänen: Nein. Nein zum Afrika-Einsatz! Schluss mit vorsätzlich extralegalen, heimtückischen Morden von deutschem Boden aus!

 


Als 1962 die unselige Tradition der Kriegskonferenzen in München begann als Wehrkundetagung, also mit allem anderen als dem Vorsatz, friedliche Konfliktlösungsmodelle zu suchen – die wären ja geradezu geschäftsschädigend gewesen –, hatte West-Deutschland gerade erst wieder aufgerüstet, gegen starken Widerstand aus der Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg.


Heute ist das im Windschatten der USA größer gewordene Deutschland Drehscheibe und unverzichtbare Nachschubbasis für die weltweiten Kriege der NATO. Vor den Gegnern dieser Wiederaufrüstung hatten sie damals schon Angst, die Kriegstreiber, Sicherheitspolitiker, Generäle und Rüstungs-Lobbyisten.

Daher verboten sie die KPD, die konsequent gegen die Remilitarisierung kämpfte. Daher machten sie die Notstandsgesetze, die die Demokratie über Nacht auf Sonderurlaub schicken kann, falls das Volk rebellisch wird. Daher lassen sie heute in Militärübungs-Modellstädten zum Häuserkampf trainieren für die Aufstandsbekämpfung. Dafür wurde kürzlich auch das letzte Occupy-Camp in Hamburg geräumt.

Aber die Vernunft lässt sich nicht verbieten, die Friedenssehnsucht ebensowenig wie die Vision von einer gerechten Wirtschaftsordnung für eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung. Da helfen weder Atombomben noch Räumpanzer auf Dauer. Die Sicherheit des großen Geldes gefährden sie schon selber, durch Krisen, Kriege, Katastrophen, durch Fehlspekulationen und Staatspleiten. Ihre Sicherheit ist keine für uns, im Gegenteil. Denn ohne Gerechtigkeit wird es keinen Frieden geben. No justice – no peace.

Demonstrieren wir heute entschlossen, lautstark und phantasievoll gegen diese Sorte von „Sicherheit“, die am Ende Jedem und Jeder die letzten Reste Freiheit kostet, die letzten privaten Räume und die letzten Bürgerrechte, am Ende schließlich Gesundheit und Leben.

Unter dem Vorwand des Terrorkrieges spionieren sie die ganze Welt aus, schnüffeln die Geheimdienste der Five Eyes in unseren E-Mails, auch die deutschen, und die Kanzlerin sorgt sich lediglich um Industriespionage und ihr Handy-Gewäsch. – Welch bodenlose Heuchelei angesichts der willigen Kollaboration des BND mit der NSA!

Doch kann ich durchaus verraten, ganz unter uns, was in meinen Mails in der letzten Zeit so geschrieben stand: Haut ab, ihr Kriegstreiber! Weg mit der SiKo! Bundeswehr auflösen! – Und: Raus aus der NATO! – Ziehen wir also los gegen diese 50. Militärtagung, die wir jetzt dann umrunden und einkreisen werden, um deutlich zu machen: 50 mal SiKo war schon 50 mal zuviel!

Wolfgang Blaschka, München

 

Fotoquellen: Demonstration gegen die SIKO in München. 2x Fotos: Heidrun Andre (Herzl. Dank!!)


 

Bild des Benutzers Peter Weber
Peter Weber
Offline
Beigetreten: 23.09.2010 - 20:09
Gegen Gewalt, Krieg und Kapitalismus

 

Gegen Gewalt, Krieg, Imperialismus und destruktiven Kapitalismus


Das emphatische und leidenschaftliche Bekenntnis von Wolfgang Blaschka für den Frieden und gegen Krieg, Imperialismus sowie den Kapitalismus, das er in seiner „Rede für das Aktionsbündnis gegen die NATO-Sicherheitskonferenz" vorgetragen hat, ehrt ihn.

[quote=Wolfgang Blaschka]Ja, es gibt Alternativen zu Krieg. Ja, es gibt Alternativen zur systematischen Zerstörung von Natur und Zusammenleben. Es gibt Alternativen zur Menschenfresserkultur des Immermehr für immer weniger.[/quote]

Sein kompromißloses Engagement gegen Aggression jeglicher Art und die dafür stellvertretende NATO ist bewundernswert, bringt ihm aber wohl nicht nur Freunde ein. Manch einer wird ihn wahrscheinlich einen naiven Träumer nennen, der die Natur des Menschen nicht versteht und die Realität leugnet, daß nur Gegengewalt etwas gegen Gewalt ausrichten könne.


Eine meiner eigenen Maximen lautet: „Es gibt keine Systemrelevanz und niemals nur eine Alternative oder Wahrheit“. Aber trotzdem existieren plausible Gründe, warum in bestimmten Ausnahmefällen auch Prinzipien durchbrochen werden müssen: wenn es sich um die Frage brutaler zielgerichteter Gewalt, die Menschentötungs-Maschinerie Krieg sowie Unterdrückung und sinnlose Zerstörung von existenziellen Gütern dreht. In diesen Kategorien darf es keine Kompromisse geben, denn dann wären es faule Kompromisse. Eben – es gibt kein bißchen Schwangerschaft, wie auch kein bißchen Krieg akzeptiert werden darf.

 

Die einzige Alternative in diesen Fällen kann nur heißen: Gegensteuerung mit allen Mitteln – mit gewaltlosem Widerstand, Mut und unbeugsamer Beharrlichkeit sowie natürlich aktiver menschenfreundlicher Hilfe für die Betroffenen, ob Freund  oder Feind. Wie sich Wolfgang Blaschka ausgedrückt hat, sollte man sich mit der Regel aufbauen „Steter Tropfen höhlt den Stein“. Dies ist eine unverrückbare Tatsache, aus der man Hoffnung und Zuversicht zum Nichtaufgeben schöpfen kann – die einzige Voraussetzung dafür ist eine Menge Geduld, die gesammelt werden muß.

 

Nur eine einzige Konstellation erlaubt den Einsatz von begrenzter (Gegen)-Gewalt: die Notwehrsituation, wenn das eigene Leben und das der im Sichtfeld befindlichen Menschen akut bedroht und keine andere Verhinderungsreaktion mehr möglich ist. Und das auch nur, wenn nach Lage der Dinge keine andere Wahl bleibt. Wenn man persönlich noch nie in eine solch prekäre Situation verwickelt war, handelt es sich nur um eine theoretische Vorstellung. Damit man für den Ernstfall gewappnet ist und spontan richtig reagieren kann, muß man sich mit seiner Vorstellungskraft darauf vorbereiten. Aber eine Garantie für einen richtigen ad hoc - Reflex  ist auch dies nicht.

 

In der Tat fällt es schwer, unter dem Eindruck von total verworrenen und verfahrenen  in Krisen- und Kriegsgebieten, eine gewaltfreie Lösung ohne Militär in Erwägung zu zienen. Eine zumindest für einen Übergang praktikable Version wäre die Präsenz von neutralem Militär wie dem der UNO, das als Abschreckung und Verhinderung des Schlimmsten zwischen die Fronten gestellt wird. Aber auch diese Methode ist zweischneidig und kein Allheilmittel. Wo befinden sich z. B. bei einem Bombardement oder der Verwendung von Drohnen die Fronten?


Bezüglich der zu wählenden Verfahrensweise  muß unterschieden und getrennt werden zwischen akuten Bedrohungen, die ein unvermitteltes Eingreifen erfordern und den längerfristigen Übeln, die gesellschaftlich und politisch bedingt sind und einen radikales Umdenken einschließlich Systemwechsel voraussetzen. An den Beispielen Ukraine und Syrien möchte ich meinen Gedankenansatz zu verdeutlichen versuchen.


In der Ukraine sind die Probleme eindeutig durch eine geschickte und druckvolle Verhandlungsführung lösbar. Dafür hat die ukrainische Bevölkerung durch ihre harte Widerstandshaltung gesorgt. Wenn in verantwortungsvoller Weise auf dieser Basis beide Seiten akzeptable Vorschläge unterbreiten, besteht eine realistische Chance zur Einigung. Die EU muß sich gefallen lassen, daß sie außer dem ukraninischen Präsidenten Wiktor Janukowytsch, seinem Regime und auch Putin die Mitverantwortung für die Eskalation und heutige mißliche Lage trägt. Sie hätte gleich zu Beginn durch eine vernünftige und zuvorkommende Einstellung die Krise verhindern können. Aber es ist noch nicht zu spät dazu.


Jedoch in Syrien ist der Fronten- und Interessenverlauf unklar bzw. sehr gespalten. Sicher, auf der einen Seite steht der Schlächter Assad, der von Rußland und dem Iran gedeckt wird und der seine eigene Bevölkerung mit Faßbomben ausrottet. Auf der anderen Seite haben wir es mit einer uneinheitlichen Opposition zu tun, in der verschiedene ausländische Kräfte ihr Süppchen kochen und die sich in ihren Mitteln der Brutalität des Diktators angepaßt haben. Das reicht von gerechtfertigten revolutionären Bewegungen, die demokratische uneigennützige Motive verfolgen, über zerstrittene religiöse Gruppen, fundamentalistische muslimische Aktivisten, die den Gottesstaat lieber heute als morgen ausrufen würden, bis zu Gruppierungen, die von westlichen Interessenverbänden und Geheimdiensten unterstützt werden. Wie soll man bei einem solchen verstrickten Konglomerat von sich gegenseitig spinnenfeinden Akteuren, die zudem noch ideologisch verrannt sind, eine für alle annehmbare  Antwort und gleichzeitig friedliche Regulierung finden?


Ehrlich gesagt – da bin ich selbst ratlos. Das wichtigste Anliegen dabei muß es sein, daß das Leiden der Zivilbevölkerung sowie der bereits in die Millionen gehenden Flüchtlinge endlich und schnellstens beendet wird. Dabei müssen alle beteiligten Kontrahenten schon bereit sein, Kröten zu schlucken. Aber wer soll die Beteiligten überreden oder zwingen, mit ehrlichen Konzessionen an den Verhandlungstisch zu treten und dem Spuk ein Ende zu bereiten? Die derzeitige Syrienkonferenz in Genf bietet ein dafür typisches Bild der Einfallslosigkeit und Unversöhnlichkeit und gibt der Resignation Nahrung.


Wer übernimmt Verantwortung und spricht ein Machtwort? Warum können sich die maßgebenden Großmächte  - insbesondere Rußland und die USA - nicht auf einen Nenner einigen und die übrigen Mitspieler wie der Iran, Israel oder China sich dem nicht anschließen? Welches Mittel soll es geben, die rücksichtslosen und über Leichen gehenden Machtinteressen auszuschalten? Wenn der gesunde Menschenverstand und/oder Menschenliebe, Solidarität gepaart humanitären Einstellungen nicht in der Lage ist, derartige Konflikte zum Vorteil der Menschen beizulegen, wer dann?



MfG Peter A. Weber

Bild des Benutzers Klaus Fürst
Klaus Fürst
Offline
Beigetreten: 27.06.2013 - 18:02
Es gibt nur einen Frieden: kein Krieg!


Es gibt nur einen Frieden: kein Krieg!


Wir waren gesegnet mit der Gnade der Geburt in der Nachkriegszeit. Unsere Eltern hatten einen Konsens: Nie wieder Krieg! Was sie durchgemacht hatten, prägte unser Wertebewusstsein. Auch wenn sich die Politik rasch ihres pazifistischen Schwurs entledigte, in den Köpfen der Menschen blieb er bestehen, und es war das Wichtigste, was sie uns an Erfahrung mitgaben: Krieg ist die schrecklichste Sache, die man sich vorstellen kann.

Dieser Konsens besteht nicht mehr.

Krieg ist wieder zum akzeptierten Mittel der Politik geworden. Dagegen müssen die Menschen auftreten! Neben dieser Aufgabe nimmt sich alles Andere, was die Zivilgesellschaft zu leisten vermag, klein und unbedeutend aus.

Doch wir schaffen nur eine starke Front gegen Krieg und Gewalt, wenn alle Relativierungen strikt abgelehnt werden. Wie Peter Weber richtig sagt: "In diesen Kategorien darf es keine Kompromisse geben, denn dann wären es faule Kompromisse."

Peter Weber spricht auch den Tatbestand der "Notwehrsituation" an. Seine anschließend selbst zugegebene Ratlosigkeit zeigt aber, dass gerade in diesem Punkt die Kriegsgegnerfront am leichtesten verletzbar ist. Hier fehlt eben die "eine Wahrheit", die als Richtschnur dienen könnte.

  • Richtig ist, dass sowohl Individuen wie auch Gemeinschaften das Recht auf Notwehr haben.
  • Richtig ist auch, dass sie in Wahrnehmung dieses Rechts Verbündete in Anspruch nehmen dürfen.
  • Falsch ist aber, dass diese Verbündeten entscheiden, ob eine Notwehrsituation vorliegt, und Notwehrmaßnahmen selbst einleiten.

Der Notwehr- oder Verteidigungsfall liegt nur dann vor, wenn das eigene Land oder ein fremdes Land, dessen international anerkannte, demokratisch gewählte Regierung um Hilfe ersucht, mit Waffengewalt angriffen wird. Das bedeutet

1. Jede Form von Präventivkrieg ist zu verbieten. Die Geschichte hat gezeigt, dass immer eine Legitimation für militärisches Einschreiten konstruiert werden kann. Deshalb muss dieses Verbot strikt und nicht auslegbar ergehen.

2. In Bürgerkriegsgebieten darf keine der beteiligten Parteien militärisch unterstützt werden, außer im Fall des bewaffneten Putsches gegen eine demokratisch legitimierte Regierung, die um Hilfe ersucht.

3. Terroristen repräsentieren keine Nation, deshalb ist der militärische Angriff auf Staaten zum Zweck der Terrorismusbekämpfung nicht legitim, auch dann nicht, wenn diese Staaten mit Terroristen sympathisieren.

Nur wenn diese Prinzipien als Rahmen der Außenpolitik verbindlich werden, kann über die Legitimation von Kampfeinsätzen entschieden werden. Jede andere Entscheidung - weil Irgendjemand begründet, der Kampfeinsatz wäre erforderlich, um die Zivilbevölkerung zu schützen - führt mindestens genauso oft ins Desaster wie sie von Erfolg gezeichnet ist. Zumal ein angeblicher Erfolg meist gar nicht an den tatsächlichen Opferzahlen gemessen wird (siehe Irak).

Leider habe ich keine Hoffnung, dass dies jemals zum Wahlkampfthema wird. Oder kann sich jemand vorstellen, dass eine Partei die Wahl gewinnt mit dem Versprechen, den Artikel 26 des Grundgesetzes zu reformieren?

Da gibt es schließlich Wichtigeres!

Klaus Fürst

Bild des Benutzers Marie-Luise Volk
Marie-Luise Volk
Offline
Beigetreten: 28.10.2010 - 13:29
Hauseigene Kanaillen


Es wird einem speiübel, wenn man sieht, wie unsere Interessen geopfert werden:

Die Münchner Sicherheitskonferenz hätte, wenn wir nicht nur Verräter an der Regierung hätten, abgesetzt werden müssen. Aus Protest fürs Besetzen und Abhören. Aber unsere hauseigenen Kanaillen machen wegen wirtschaftlicher Interessen gemeinsame Sache mit den Verrätern und Okkupanten.

Charakterlos wie sie sind, machen sie auf unsere Kosten sämtliche Kriegsspielchen mit. Nach Hindukusch kommt Afrika und wo es sonst noch „Freiheiten“ zu verteidigen gilt.

Und der doofe deutsche Michel hat durch tägliche Gehirnwäsche verinnerlicht, dass „Deutschland mehr Verantwortung tragen muss.“  Dafür lässt er sich notfalls noch das letzte Geld aus der Tasche ziehen und sogar zum Ruhm und zur Ehre von Gauck, Merkel, von der Leyen & Co. und der Finanzindustrie hinrichten.

Marie-Luise Volk

 

 

 

 

Bild des Benutzers Stefan Posselt
Stefan Posselt
Offline
Beigetreten: 21.01.2014 - 09:15
Folge dem Geld - wem nützt der Krieg


Kein Volk der Welt führt von sich aus einen Krieg, kein Mensch wird als Soldat geboren. Es sind immer die "wirtschaftlichen Interessen" einiger weniger, denen ihr Reichtum und Einfluss noch nicht genug ist, die mehr und mehr haben wollen. Gerade in der modernen Zeit des wahnwitzigen Wirtschafts-Wachstums-Wahns sind Kriege Motoren der Konjunktur.

Eine Aufstachelung zu Kriegen in Europa oder Amerika gestaltet sich als schwierig, also geht man eben in die "dritte Welt". Jeder neuzeitliche Krieg folgt ähnlichen Mustern: "Böse Buben" werden aus dem Hut gezaubert, selbst wenn man zuvor mit ihnen zusammen gearbeitet hat. Geheimdienstmitarbeiter stacheln ethnische Gruppen gegen andere auf und wenn die ersten Kriegshandlungen beginnen, muss die NATO ran. Dann wird alles schön zerbombt, damit unsere Bauwirtschaft beim Wiederaufbau mitverdienen kann.

Kriege können nur verhindert werden, wenn den Eliten die Lust am Weltmachtspielen vergeht.

 

Bild des Benutzers Helmut S. - ADMIN
Helmut S. - ADMIN
Online
Beigetreten: 21.09.2010 - 20:20
Ernst Winkler


"Der Krieg ist die großzügigste und wirkungsvollste ‘Reinigungskrise zur Beseitigung der Überinvestition’, die es gibt. Er eröffnet gewaltige Möglichkeiten neuer zusätzlicher Kapitalinvestitionen und sorgt für gründlichen Verbrauch und Verschleiß der angesammelten Vorräte an Waren und Kapitalien, wesentlich rascher und durchgreifender, als es in den gewöhnlichen Depressionsperioden auch bei stärkster künstlicher Nachhilfe möglich ist. So ist ... der Krieg das beste Mittel, um die endgültige Katastrophe des ganzen kapitalistischen Wirtschaftssystems immer wieder hinauszuschieben."

Ernst Winkler, Theorie der natürlichen Wirtschaftsordnung, 1952

 

[quote=Stefan Posselt]Eine Aufstachelung zu Kriegen in Europa oder Amerika gestaltet sich als schwierig, also geht man eben in die "dritte Welt".[/quote]

Ich verwehre mich entschieden gegen die Aufteilung der Welt in die vier Blöcke ..

 

"Erste Welt"  (kapitalistische Industriestaaten)

"Zweite Welt"  (Schwellenländer)

"Dritte Welt"  (Armuts- / Entwicklungsländern). Dieses aus den Jahren des Kalten Krieges stammende Relikt verdeutlicht den Machtanspruch der Reichen über die Armen. Frantz Fanon beschrieb in seiner 1961 veröffentlichen Schrift "Die Verdammten dieser Erde" die Gleichsetzung "Dritte Welt" mit der kolonialisierten, unterentwickelten Welt mit ihren unterdrückten u. ausgebeuteten Menschen. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges befanden sich viele Dritte-Welt-Staaten in Kolonien und wurden über einen sehr langen Zeitraum von den Kolonialmächten ausgebeutet, woraus besonders die Defizite im Wirtschaftsbereich dieser Staaten resultieren. Ursprünglich bezeichnete "Dritte Welt" die blockfreien Staaten, die sich abgrenzend vom Ost-West-Konflikt dritter Block nannten.

"Vierte Welt"  (engl.: Least Developed Countries) umfasst mehr als 40 Länder, insbesondere die Staaten des afrikanischen Kontinents, welche im Vergleich zu anderen Entwicklungsländern durch ihre enorme Unterentwicklung und Armut gekennzeichnet sind. Hinsichtlich ihrer Rohstoffe, ihres Kapitals und ihres Exports sind diese Länder auf Entwicklungshilfe angewiesen und haben selbst ungenügende Voraussetzungen, um aus dieser Misere herauszukommen. Die zudem notwendigen Nahrungsmittelimporte wirken sich immer negativer auf die schon bestehende hohe Auslandsverschuldung aus und diese stellt wiederum eine Blockade für benötigte Auslandskredite dar.

Wir leben heute mit über 7 Mrd. anderen Menschen in einer Welt, auf einem Planeten und sehen dabei dieselbe Sonne. Uns alle erwartet früher oder später die biologische Endbestimmung, zu der wir keine materiellen Güter mitnehmen können. Wer oder was gibt uns also das Recht, uns über minder priviligierte Menschen zu erheben und eine ausgrenzende Blockteilung vorzunehmen? Sie vermittelt - zumindest subtil - eine Wertigkeit.

 

Kämpfer für politische u. gesellschaftskritische Aufklärung, aber gegen Angepasstheit, Autoritätsgläubigkeit, fehlende kritische Distanz, digitale Demenz, Un-Bildung ..

Zum Verfassen von Kommentaren bitte Anmelden oder Registrieren.