Das Oslo-Abkommen war kein Misserfolg.

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Adam Keller
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Das Oslo-Abkommen war kein Misserfolg.
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Das Oslo-Abkommen war kein Misserfolg.

Es wurde einfach nur nicht umgesetzt.

von Adam Keller (  version)

Am fünfundzwanzigsten Jahrestag des historischen Handschlags zwischen dem israelischen Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin und dem PLO-Vorsitzenden Jasser Arafat müssen wir uns erinnern und an die Wahrheit gemahnen: Das Oslo-Abkommen war kein Misserfolg. Das Oslo-Abkommen wurde einfach nur nicht umgesetzt. Diese Nichtumsetzung des Abkommens hat schon Tausende Menschen das Leben gekostet und wird vielleicht noch viele weitere das Leben kosten.

In der Oslo-Vereinbarung wurde eine Interims-Zeit von fünf Jahren angesetzt, die im April 1994 begann. Die Situation, in der die Palästinensische Autonomiebehörde nicht einmal über die Ansammlung voneinander isolierter Enklaven, die ihr unterstanden, wirklich die Macht innehatte, sollte im Mai 1999 zu Ende sein. Entsprechend sollte die Aufteilung des Westjordanlandes in A-, B- und C-Gebiete nur temporär, nämlich für nur diese fünf Jahre gelten, also von 1994 bis 1999. Nach diesen fünf Jahren sollte alles das beendet sein und durch die Einführung des endgültigen Status ersetzt werden.

Die Palästinenser erwarteten, dass der endgültige Status natürlich ein Ende des israelischen Besatzungsregimes und die Errichtung eines unabhängigen und souveränen Staates Palästina bedeuten würde. Der Grund dafür, dass Jasser Arafat die Oslo-Vereinbarung unterzeichnete, war seine Annahme und seine Erwartung, dass 1999 der Staat Palästina gegründet würde.

Jitzchak Rabin seinerseits, der sich den größten Teil seines Lebens dem Krieg gewidmet hatte, wusste, dass mit dem Feind Frieden geschlossen wurde. Er hatte voll und ganz die Absicht, das, was er unterzeichnet hatte, auch auszuführen und einen vollwertigen Frieden mit den Palästinensern zu schließen.

Wenn Arafat gewusst hätte, dass auch noch 2018 das israelische Militär das gesamte Westjordanland besetzt halten und dem Gazastreifen eine würgende Belagerung auferlegen würde, wäre ihm sicherlich nicht im Traume eingefallen, die Vereinbarung zu unterzeichnen. Ebenso wenig hätte Mahmoud Abbas oder irgendein anderer palästinensischer Führer die Oslo-Vereinbarung unterzeichnet, wenn er hätte wissen können, dass dabei nichts herauskommen würde.

Das Ziel, mit dem die Palästinenser die Vereinbarung unterzeichneten: die Besetzung beenden und einen Staat Palästina errichten – wurde nicht verwirklicht. Der Staat Israel hat seinen Teil der Vereinbarung nicht eingehalten. Natürlich bekamen auch der Staat Israel und seine Bürger nicht das, was sie erwartet hatten, nämlich ein Ende des Konflikts mit den Palästinensern, einen Friedensschluss und gute Nachbarschaftsbeziehungen. Wenn die Oslo-Vereinbarung umgesetzt worden und der endgültige Status 1999 erreicht worden wäre, dann könnten wir jetzt in das zwanzigste Jahr des Friedens zwischen dem Staat Israel und dem Staat Palästina eintreten. Dann würden die Opfer der Zweiten Intifada und der darauf folgenden Jahre heute noch leben und es würde ihnen mit uns gemeinsam gut gehen.

Adam Keller - Aus dem Englischen von Ingrid von Heiseler (Übersetzerin, Lektorin, Buchautorin) >> Ingrids Webseite.
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Adam Keller (siehe Foto unten) begann im Sommer 1969 im Alter von 14 Jahren ehrenamtlich für die Partei HaOlam HaZeh – Koah Chadasch („Diese Welt - Neue Kraft“) zu arbeiten, in der Uri Avnery federführend war, „weil sie sich gegen religiösen Zwang wandte und sich für die Trennung von Religion und Staat, öffentlichen Verkehr am Schabbat und die Zivilehe einsetzte.“ 

Später schloss er sich Uri Avnerys Kampf um die Beeinflussung der öffentlichen Meinung in Richtung Frieden und Versöhnung mit den Palästinensern an.

Die Wochenzeitung HaOlam Hazeh [1] hatte Uri Avnery 40 Jahre lang, seit 1950, herausgegeben. Sie war ein markantes Markenzeichen der 1950er Jahre, besonders vor den Wahlen. HaOlam Hazeh wurde 1937 gegründet und Anfang der 1950er Jahre von Uri Avneri und Shalom Cohen gekauft, danach wurde sie zu einer wichtigen Kraft im Land. Sie erklärte dem "Establishment", der regierenden Mapai-Partei und ihrem Führer Ben Gurion, den Krieg.

Bei der Schließung sagte er: „Die Zeitung war nur ein Werkzeug, das einem Zweck diente. Wir werden andere Werkzeuge finden.“ Eines dieser anderen Werkzeug war die 1992 gegründete Friedensvereinigung Gusch Schalom, in der Adam Keller und seine Frau Beate Zilversmidt auch heute noch tätig sind.
 
[1] Ergänzungen von KN-ADMIN H.S.: HaOlam Hazeh plädierte leidenschaftlich und laut für eine Lösung des israelisch-arabischen Konflikts. Sie hat die Mapai-Regierung angeprangert und sich nachdrücklich gegen die Sicherheitsdienste ausgesprochen, die sich ihrer Meinung nach in einer Weise verhalten haben, die eines demokratischen Staates unwürdig ist. Sie verurteilte auch die Zensur und das Gesetz gegen Verleumdung.

HaOlam Hazeh war eine außergewöhnliche und bedeutende Stimme für die Pressefreiheit in Israel. Seine Enthüllungen schafften es, das Establishment zu stören, und sie scheute sich nicht, der Zensur auszuweichen und auf die Erfahrung mit der "unglücklichen Angelegenheit" hinzuweisen.

Auf dem Höhepunkt des Wahlkampfes, im Mai 1955, wurde eine Bombe in der Druckerei in Tel Aviv platziert, wo die Wochenzeitung produziert wurde. Anschuldigungen wurden bei den Sicherheitsdiensten für den Einsatz der Bombe und anderen bei Treffen der Generalzionisten erhoben, die nach dem Kastner-Prozess eine Koalitionskrise ausgelöst hatten.

Uri Avnery wurde 1965 in die Knesset gewählt (Amtszeit 22.11.1965 - 21.01.1974) und Shalom Cohen schloss sich ihm an, als die Partei bei der Wahl 1969 einen weiteren Sitz einnahm. (Amtszeit 17.11.1969 - 21.01.1974). Cohen verließ die Partei jedoch 1972 und im folgenden Jahr benannte Avnery sie in Meri um.

Uri Avnery (* 10. Sept. in Beckum als Helmut Ostermann; † 20. August 2018 in Tel Aviv) wird schmerzlich fehlen!

Detaillierte Infos zu Uri Avnery >> BIO.

Uris Website >> http://uriavnery.com/en/.

Seit 2013 sind Avnerys Artikel in Jahresbänden als Bücher erschienen: drei als Papierbücher und drei als eBücher. Der Band Letzte Artikel schließt die Reihe ab. In den Artikeln zeigt sich der Autor als engagierter, zugleich immer auch besonnener, genauer Beobachter seiner Umwelt, als einer, der den Mut nicht verloren hat, als – so nennt er sich selbst – „Optimist“. Trotz Optimismus und Humor bleibt die Bedrohlichkeit der Gesamtsituation immer spürbar.

Bitte klickt auf die einzelnen Buchcover!

     

     


► Bild- und Grafikquellen:

1. Bill Clinton, Yitzhak Rabin und Yasser Arafat im Weißen Haus am 13. September 1993. Sie unterzeichneten in Anwesenheit der Außenminister Mahmud Abbas, Schimon Peres, Warren Christopher und Andrei Kosyrew. Der Begriff Oslo-Friedensprozess bezeichnet eine Reihe von Abkommen zwischen Palästinensern und Israel zur Lösung des Nahostkonflikts. Der Friedensprozess bekam diesen Namen, weil die ersten geheimen Verhandlungen der Streitparteien PLO und Israel unter norwegischer Vermittlung in Oslo stattfanden.

Foto: Vince Musi / The White House. Quelle: Wikimedia Commons. Dieses Bild ist ein Werk eines Mitarbeiters des Executive Office of the President of the United States, aufgenommen oder erstellt als Teil der amtlichen Aufgaben der Person. Als ein Werk der Bundesregierung der Vereinigten Staaten, ist das Bild als gemeinfrei (public domain).

2. “Our land is our right”. Gefangen, enteignet und entrechtet im geraubten Land. Foto: International Solidarity Movement (ISM) - zur Webseite .

3. Adam Keller, geboren 1955 in Tel Aviv-Yafo, ist ein israelischer Friedensaktivist, Gründungsmitglied der Friedensorganisation Gusch Schalom und einer seiner Sprecher. Das Foto enstand im November 2016 in Tel Aviv, aufgenommen von Ingrid von Heiseler (Übersetzerin, Lektorin, Buchautorin). Copyright: © Ingrid von Heiseler. >> http://ingridvonheiseler.formatlabor.net/ .

4. Israel und Palästina in Frieden vereint. »Ich bin optimistisch im Sinne, dass ich darauf gefasst bin, dass sehr schlimme Sachen passieren werden. Warum bin ich optimistisch? Wenn das Allerschlimmste passiert . . was dann? Wird sich irgendwas an der Lage, an den Grundelementen der Lage ändern? Am nächsten Tag werden wir wieder vor dem selben Problem stehen, dass wir zwei Völker in diesem Lande haben, und zwei Völker in Jerusalem haben. Und dass es überhaupt keine andere Alternative gibt, als zwischen diesen beiden Völkern Frieden zu machen«. Zitat von Uri Avnery (*10 September 1923 in Beckum; †20. August 2018 in Tel Aviv). Urheber der Grafik: unbekannt.

5. - 10. Buchcover-Collage: Seit 2013 sind Avnerys Artikel in Jahresbänden als Bücher erschienen: drei als Papierbücher und drei als eBücher. Der Band Letzte Artikel schließt die Reihe ab. In den Artikeln zeigt sich der Autor als engagierter, zugleich immer auch besonnener, genauer Beobachter seiner Umwelt, als einer, der den Mut nicht verloren hat, als – so nennt er sich selbst – „Optimist“. Trotz Optimismus und Humor bleibt die Bedrohlichkeit der Gesamtsituation immer spürbar.

Über Uri Avnery

Uri Avnerys Stimme war (und bleibt auch für die Nachwelt) eine Stimme des Friedens und der Vernunft. In seinen wöchentlichen Artikeln stellte er geografische und vor allem historische Zusammenhänge heraus. Seine bei aller Kritik an Entscheidungen seiner Regierung von der Liebe zu seinem Land geprägte Darstellung weckte Verständnis für die aktuellen Ereignisse in der Region, die Mentalität der Israelis und die politische Stimmung im Land.

Uri Avnerys Artikel erweisen sich auch als hilfreich für das Verständnis der unübersichtlichen weltpolitischen Ereignisse und Situationen: Sein unbestechlicher Blick in die jeweilige GESCHICHTE – oft aus den unterschiedlichen Perspektiven der Beteiligten – scheint dafür unerlässlich zu sein.

Tiefe der Analyse, Treffsicherheit des Ausdrucks und Humor erheben die Artikel über die Tagesaktualität ihrer Themen in Allgemeingültigkeit und Zeitlosigkeit. Der Autor zeigt sich als engagierter, zugleich immer auch besonnener, genauer Beobachter seiner Umwelt, als einer, der den Mut nicht verliert, als – so nannte er sich selbst – „Optimist“.

 

 

Ich bin optimistisch im Sinne, dass ich darauf gefasst bin, dass sehr schlimme Sachen passieren werden.

Warum bin ich optimistisch? Wenn das Allerschlimmste passiert . . was dann?

Wird sich irgendwas an der Lage, an den Grundelementen der Lage ändern?

Am nächsten Tag werden wir wieder vor dem selben Problem stehen,

dass wir zwei Völker in diesem Lande haben, und zwei Völker in Jerusalem haben.

Und dass es überhaupt keine andere Alternative gibt, als zwischen diesen beiden Völkern Frieden zu machen.

Uri Avnery (*10 September 1923 in Beckum; †20. August 2018 in Tel Aviv)

 

 

Uri Avnery war Weltbürger und schrieb daher immer ebenso für seine Landsleute wie für die Menschen in der übrigen Welt.

Uri Avnery wurde am 10. September 1923 in Beckum in Westfalen geboren und starb am 20. August 2018 in Tel Aviv in Israel. 1933 wanderten seine Eltern mit ihm und seinen Geschwistern nach Palästina aus. Dort kämpfte er seit früher Jugend für die Befreiung von der britischen Besatzung und gegen arabische Kämpfer. Nach einer schweren Verwundung änderten sich seine Anschauungen grundsätzlich.

Mit Büchern und seiner Zeitung HaOlam HaZeh setzte er sich für die Verständigung zwischen Israelis und palästinensischen Arabern und später für die Zweistaatenlösung ein. Das brachte ihm viele Feindschaften, ja sogar Mordanschläge ein. Er nahm in vorderster Front an Demonstrationen teil, in denen es im auf die jeweilige Situation bezogenen Sinn um die Durchsetzung der Menschenrechte ging. Später führte er diese Arbeit mit der Bewegung Gusch Schalom fort. Sein letzter Artikel »Wer sind die Israelis« erschien in Haaretz am 7. August, am selben Tag, an dem er einen Schlaganfall erlitt. Bis zu seinem Tod zwei Wochen danach kam er nicht wieder zu Bewusstsein.