DER FAULE ATOM-KOMPROMISS einer verfehlten Atom-Politik

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DER FAULE ATOM-KOMPROMISS einer verfehlten Atom-Politik
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DER FAULE ATOM-KOMPROMISS

Eine Karriere: Vom Friesen-Nerz zum Escada-Kostüm


Man trug Parka und Bart, den gelben Friesen-Nerz und Schlaghosen, man hörte "Ton Steine Scherben" und Helmut Schmidt war Kanzler. Damals. Im März 1979. Als die Hunderttausend aus dem Wendland nach Hannover zogen. Als man gegen das Atom-Lager in Gorleben protestierte. Es war die faktische Geburtsstunde der GRÜNEN. Nun scheint der Kampf gegen das Gorleben-Lager vorbei zu sein. Friedlich vereint standen Umweltminister Altmaier von der CDU, der sozialdemokratische Ministerpräsident Stephan Weil und der GRÜNEN-Chef Jürgen Trittin vor den Kameras und verkündeten den Kompromiss: Ab heute wird unvoreingenommen nach einem Endlager gesucht. Und Trittin plakatierte gar einen "Großen Erfolg der Anti-Atombewegung." Der lange Marsch aus dem Wendland, er ist in einer Kommission gelandet. Die soll jetzt ein Ruhe-Lager für den Jahrtausend-Müll finden. Kein Standort soll ausgeschlossen werden. Auch nicht Gorleben.

Auch nicht Gorleben: Jener Salzstock, den Geologen zwischen 1979 und 1999 untersucht haben und bereits zu Beginn der 1980er-Jahre dessen Eignung zur Atomlagerung anzweifelten: Ein instabiles Deckengebirge und der Grundwasserkontakt sprachen gegen den Standort. Wer die Auswirkungen solcher Salzstockeigenschaften sehen will, der muss nur das Lager der Schachtanlage Asse besuchen: Er kann radioaktiv kontaminierte Salzlauge besichtigen und rund um die Asse von den auffällig häufigen Krebserkrankungen erfahren. Und es gibt das Gutachten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) aus 1995, die auch andere Standorte für denkbar hielt. Daraus log sich dann die damalige Bundesumweltministerin Merkel folgendes zusammen: "Das Wichtigste aus diesem Gutachten ist, dass es keinen Standort in der Bundesrepublik Deutschland gibt, der besser geeignet ist als der derzeitige Standort Gorleben." Gorleben ist mehr als nur der falsche Standort. Gorleben ist das Symbol einer falschen Atompolitik.

Unmittelbar nach der Verkündung des Atomkompromiss mochte die deutsche Atom-Industrie im Kampf um Milliarden-Investitionen und das Standort-Symbol im Wendland nicht zurückstehen. Die Lobby-Organisation "Deutsches Atomforum" begrüßte es, dass auch im neuen Suchverfahren Gorleben als potenzieller Standort in der Auswahl bleiben solle, "weil alle bisherigen wissenschaftlichen Ergebnisse nicht gegen diesen Salzstock sprechen". Das stimmt nicht. Was stimmt ist: Dass in die Untersuchung des Lagers über 1,6 Milliarden Euro investiert worden sind. "Für die Übernahme zusätzlicher Kosten durch die Betreiber infolge alternativer Standorterkundungen vor einer abschließenden Bewertung zur Eignung Gorlebens gibt es nach unserer rechtlichen Auffassung keine Grundlage." Sagt das Atom-Forum.

Als zwischen 1972 und 1975 bundesweit 250 verschiedene Salzstöcke für die Lagerung atomarer Reststoffe untersucht und in Klassen unterschiedlicher Eignung kategorisiert wurden, war Gorleben nicht mal in den ersten beiden Klassen erfasst. Der damalige CDU-Ministerpräsident von Niedersachsen, Ernst Albrecht , antwortete auf den Hinweis, dass Gorleben nicht auf der Analyseliste der vordringlichen und besonders gut geeigneten Salzstöcke stand, mit den Worten: "Das macht nichts, das ist jetzt eine politische Entscheidung". In der Vorahnung auf künftige große Koalitionen ließ Kanzler Helmut Schmidt das Hüttendorf der "Republik Freies Wendland" im Juli 1980 durch die Polizei räumen. Und die GRÜNEN? Damals trugen sie den Anti-Atomprotest in die Parlamente. Heute tragen sie "Escada". Katrin Göring-Eckardt hielt Gorleben jüngst noch für "politisch verbrannt". Caudia Roth hoffte vor ihrer erneuten Wahl zur GRÜNEN-Vorsitzenden, dass die neue Endlagersuche den Standort "letztlich ausscheiden lässt". Letztlich, verbrannt, aber keineswegs ausgeschieden.

Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg stellt zum gefeierten Atom-Kompromiss spannende Fragen: "Geht es um einen Neustart der Endlagersuche oder geht es um einen politischen Burgfrieden zwischen Regierung, SPD und den Grünen? Warum wird erst ein Gesetz beschlossen, und dann folgt die Kommissionsarbeit? Ist die Kommission nur ein Feigenblatt, um am Ende Gorleben nach einem Vergleich gerichtsfest als Endlager durchzuboxen?" Sicher ist eins: Solange Gorleben auf der Suchliste steht, ist der Standort denkbar. Und bleibt so das Emblem für eine verfehlte Atom-Politik, der Fuß in der Tür zurück zum Atomstaat.

Aber vielleicht hoffen die GRÜNEN ja auch auf eine kapitalistische Lösung: Im September 2010 wurde öffentlich bekannt, dass am Salzstock Gorleben Gaseinschlüsse entdeckt wurden. Das gilt als Indiz dafür, dass sich in größerer Tiefe womöglich große Erdgasvorkommen befinden. Diese Vermutung stützt sich auf Erdgasfunde im nur wenige Kilometer entfernten Lenzen.  Dort wurde in den 1960er Jahren nach Erdgas gebohrt; dabei kam es allerdings zu einer schweren Gasexplosion. Die Bohrungen wurden eingestellt. Falls unter dem geplanten Atommüll-Endlager Gorleben ebenfalls große Gasmengen lagern, was wegen der Nähe zu Lenzen denkbar ist, erledigt sich vielleicht die atomare Lagerung zugunsten einer Gasförderung. Das wäre dann der "Große Erfolg der Anti-Atombewegung" wie ihn Jürgen Trittin sich vorstellt.

Uli Gellermann
 



Quelle:  RATIONALGALERIE > Artikel vom 11.04.2013

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Peter Weber
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Verbunden: 23.09.2010 - 20:09
Gesetz zur Suche nach Atommüll-Endlager

Gesetz zur Suche nach Atommüll-Endlager - eine Farce
 
Ein entsprechendes Gesetz soll am 5.7.2013 verabschiedet werden. Hilfloser kann man sich nicht zeigen, als die Entscheidung im Endlagerproblem wiederum für ein paar Jahre oder mehr aufzuschieben. Alleine die Bezeichnung „Suchgesetz“ spricht schon Bände: Inkompetenz, Machthunger, moralische Disqualifikation und Korruption sind tonangebend.
 
Denn zunächst soll eine Bund-Länder-Kommission zwei Jahre lang beraten, um entsprechende Kriterien zu entwickeln. 2015 gibt es dann – wenn wir Glück haben – Kriterien, die auf weiteren faulen Kompromissen beruhen, um vielleicht eine politische Entscheidung zu finden. Die meisten Länder haben schon signalisiert, daß sie nicht daran interessiert sind, einen Standort zur Verfügung zu stellen. Da es eh kein sicheres Endlager auf dieser Welt gibt, wird eine Entscheidung immer politischer Natur sein und angebliche Eignungskriterien stets nur vorgeschoben sein. Gorleben hat man trotz der faktischen Unsicherheiten immer noch als letzten Strohhalm behalten, falls alle anderen Stricke reißen sollten. Man hat das Jahr 2031 anvisiert, um eine endgültige Entscheidung zu treffen. Oder dürfen es noch ein paar Jährchen mehr sein? An  der langen Bank kann man noch anbauen.
 
Damit wird neuer Atommüll vorerst weiter in den Atomkraftwerken zwischengelagert. Die Politiker aller Parteien übertreffen sich mit Zuversichtsparolen, die an Schwammigkeit nicht zu überbieten sind. Von „neuem Anfang“ und „Befriedung des Themas“ faselt Umweltminister Altmaier, Ministerpräsident Weil (NDS) verspricht einen „Konsens“, und Grünen-Fraktionsvorsitzender Trittin glaubt, das Suchgesetz „mache den Atomausstieg vollständig“. 
 
Ich habe eher den Eindruck, daß nach einem Hintertürchen gesucht wird, um die glorreiche Brückentechnologie Atomstrom noch länger im Sinne der Konzerne am Leben zu halten. Wenn man sich dirigistisch auf einen Endlagerstandort einigt, dann bieten sich wieder Argumente für den Weiterbetrieb von AKWs. Von den zig-Milliarden, mit denen der Atomstrom und die Energiekonzerne bereits subventioniert wurden und den Wucherpreisen für Strom will ich jetzt nicht ausführlich berichten. Jedenfalls rechnet Altmaier mit zusätzlichen 2 Milliarden Kosten, was wahrscheinlich leicht untertrieben ist. Das Deutsche Atomforum wehrt sich schon einmal vorsorglich gegen eine Kostenübernahme, weil es nach dessen rechtlicher Auffassung dafür keine Grundlage gäbe. Auch über die lächerlichen Versicherungssummen für den Fall eines GAUs, die nur einen verschwindend geringen Teil der möglichen Schäden decken würden, redet schon keiner mehr.
 
Aufgrund der Verfilzung der Energiekonzerne mit der Politik auf allen Ebenen und der Servilität, die die Regierung – an der Spitze Angela Merkel – ihnen in der Vergangenheit gegenüber gezeigt hat, ist nicht mit einem politischen Richtungswechsel zu rechnen. Auch auf das längst fällige Umschwenken auf die Forcierung einer dezentralen Energiewirtschaft werden wir noch lange warten müssen. Unsere saubere „Elite“ setzt alle Karten auf ein Weiterso.
 
 
Peter A. Weber
 
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Wolfgang Blaschka
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Verbunden: 09.11.2010 - 02:16
Fukushima-GAU


Man müsste nur einfach tiefer bohren, durch die Erdkruste hindurch, und dann durch den Erdmantel bis runter zum heißglühenden Kern, da würden die runterkullernden Fässer schon im Absinken aufschmelzen, und wir hätten vielleicht mit ein bisschen Glück und ohne Verstand eine klitzekleine, kontrollierbare Kernfusion. Daran muss technisch noch ein bisschen gefeilt werden: Radioaktiv-Recycling im globalen Stil, am besten auf einem erloschenen Vulkan, da wäre schon natürlich "vorgebohrt"! Sowas gibt's in Deutschland zuhauf. Es wäre doch ein Jammer, den teueren Müll nur schnöde zu vergraben oder gar zur Sonne zu expedieren! Die Erde könnte von sich aus strahlen und leuchten bei Nacht, die Straßenbeleuchtung wäre einzusparen, das Oktoberfest könnte das ganze Jahr über laufen, und alle Energieprobleme wären auf Generationen verpufft, selbst wenn die Sonne nie mehr schiene, so wie in diesem Winter. Den Grünen tät's auch taugen, sie müssten sich nicht erst noch schwarzärgern: Wir hätten einen grünlich schimmernden Planeten, ähnlich Krypton, Supermans ferner Heimat. Das müsste zu machen sein. Wozu hat denn die Kanzlerin Physik studiert?! Und in Gorleben ließe sich ein Museum für die planetarische Weisheit der Salzstock-Erkundungs-Kommission einrichten, bis die Kammer erdgasgefüllt explodiert. Irgendwie bestehen wir doch alle aus Atomen. Mutti macht das schon.

Übrigens, wem das alles zu absurd klingt: Der Auslöser für den Fukushima-GAU sollen ja nicht allein das Erdbeben und der daraus resultierende Tsunami gewesen sein, sondern ein lückenhaftes Nagetier-Management von TEPCO; die haben einfach an der falschen Stelle gespart oder waren zu tierlieb. Neben dem durchgeknabberten Kabel eines Notstrom-Generators fand sich der vertrocknete Kadaver einer Ratte. Ohne den Spieltrieb des Tierchens wäre das Ganze nicht so eskaliert. Zumindest wäre ohne diesen vermuteten Kurzschluss die Notkühlung angesprungen, um die ansonsten unausweichliche Kernschmelze zu verhindern. Die Energiewende verdankt sich also letztlich einer fehlenden Tüte Rattengift.

So funktioniert Hochtechnologie!

Wolfgang Blaschka

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