Gegen Rechts! Birgit Mair: „Ich werde nicht aufhören“

1 Beitrag / 0 neu
Bild des Benutzers Helmut S. - ADMIN
Helmut S. - ADMIN
Online
Beigetreten: 21.09.2010 - 20:20
Gegen Rechts! Birgit Mair: „Ich werde nicht aufhören“
DruckversionPDF version

Gegen Rechts: „Ich werde nicht aufhören“

+++Birgit Mair ist Pädagogin, Journalistin, ver.di-Mitglied und Antirassismus-Trainerin. Auch nachdem sie im Mai von einem AfD-Abgeordneten körperlich angegangen wurde, gibt sie ihren Kampf gegen Rechte und Hardcore-Nazis nicht auf.+++

Von Heinz Wraneschitz

verdi_vereinte_dienstleistungsgesellschaft_gewerkschaft_kritisches_netzwerk_frank_bsirske_tarifpolitik_tarifvertraege_streiks_tarifstreik_warnstreiks.pngAls ein herausgehobenes AfD-Mitglied Anfang Mai im bayerischen Greding einen Fotografen und eine Journalistin körperlich bedrängt, nimmt kaum ein Medium davon Notiz. Gerade mal die Lokalzeitung Hilpoltsteiner Kurier berichtet etwas ausführlicher. Dabei existiert von dem Übergriff sogar ein Video.

Möglicherweise hat sich der bayerische Flügel der selbsternannten „Alternative für Deutschland“ (AfD) ganz bewusst den Ort im Grenzgebiet zwischen Mittelfranken, Oberbayern und der Oberpfalz als Tagungsstätte ausgesucht. Die Zuständigkeit einzelner Redaktionen für Greding ist nicht immer eindeutig, nur ein Mal im Jahr ist der Ort Pflichtprogramm von Presse, Funk und Fernsehen: Der Trachtenmarkt lockt zigtausende Besucher*innen an, und da dürfen überregionale Reporter*innen natürlich nicht fehlen.

► „Kein Kaff zu klein für Protest“

AfD-Deutsche-Blau-ist-das-neue-Braun-Neue-Rechte-Rechtsradikalismus-Rechtsextremismus-Rechtspopulismus-Kritisches-Netzwerk-Guido-Kuehn-Gauland-Hoecke-Burschenschaft Im Mai traf sich im Gredinger „Hippodrom“ hingegen Süddeutschlands Rechtsaußen-Flügel der AfD, und das Interesse war gering. Warum sich die Rechtsaußen der ohnehin rechtsgerichteten Partei um ihren Guru Björn „Bernd“ Höcke, dem Thüringer AfD-Landeschef, ausgerechnet diesen Saal am ersten Maiwochenende als Treffpunkt ausgesucht haben, ist unbekannt. In direkter Nachbarschaft ist eine Flüchtlingsunterkunft angesiedelt, und der Swingerclub im Keller macht das Hippodrom nicht gerade zur besten Adresse der Gegend.

Etwa 100 Meter von der Halle entfernt hatten sich gut 50 AfD-Kritiker der Initiative „Greding ist bunt“ versammelt. Mit Buhrufen, Pfiffen und Plakaten wie „Kein Kaff zu klein für Protest“ demonstrierten sie gegen Höcke und Co. Direkt gegenüber vom Tagungsort standen Medienleute. Auf zwei Journalisten unter ihnen hatten es einige AfD-Anhänger offensichtlich abgesehen. Dabei tat sich Dubravko Mandic aus Freiburg hervor, unter anderem Kandidat der Partei bei der letzten Bundestagswahl. Einen Fotografen

ging er an: ‚Löschen! Löschen! Auch Journalisten dürfen keine Porträtaufnahmen machen‘, schrie er mit zeitweise feuchter Aussprache, sodass dem Mann der Speichel um die Ohren flog“, wie der Hilpoltsteiner Kurier berichtete. Und: „Später entriss Mandic einer Journalistin das Smartphone.

► Morddrohungen gehen ein

Die angegriffene Journalistin ist Birgit Mair. Sie hat sich als Autorin kritischer Beiträge über Rechtsradikalismus einen Namen gemacht; seit einigen Jahren ist sie aktiv im Arbeitskreis „Antirassis­mus/Antifaschismus“ bei ver.di Mittelfranken, seit 2019 dessen stellvertretende Sprecherin.

Bitte diesen überaus wichtigen Artikel auf der ver.di-Webseite weiterlesen.

Heinz Wraneschitz / ver.di Publik Ausgabe 05 / https://publik.verdi.de/.


pin_green.gif  Broschüre "Extreme Rechte und Rassismus in Bayern. Eine Bestandsaufnahme und was wir dagegen tun können". Autorin: BIRGIT MAIR - Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung (ISFBB) e.V. Nürnberg. 2. aktualisierte Neuauflage 2018, 25 Seiten >> weiter.

Kontakt und Bestellung: Bayerisches Seminar für Politik e.V. Oberanger 38, 80331 MünchenTelefon: 089 / 2 60 90 06

E-Mail: bsp@baysem.de > Internet: www.baysem.de


Birgit Mair (52), verheiratet, ein Kind, ist Antirassismus-Trainerin, Pädagogin, Autorin, Journalistin – und noch vieles mehr. Als Österreicherin geboren, hat sie seit langem einen deutschen Pass. Nach Absolvierung der Bundeshandelsschule in Innsbruck, arbeitet Mair im Sekretariat des städtischen Presse- und Informationsamts Nürnberg. Dort wird sie vom Dienst freigestellte, stellvertretende Gesamt­vertrauensperson der ausländischen Beschäftigten bei der Stadtverwaltung. Eine Befragung ergibt schon damals: 12 Prozent dieser Mitarbeiter*innen haben Erfahrungen mit Rassismus.

Ihr Studium als Diplom-Sozialwirtin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg schließt Mair mit einer Diplomarbeit über Josef Jakubowicz ab, ein polnisch-deutscher Holocaustüberlebender, der elf Lager überstand. Das Studium finanziert sie unter anderem durch die Mitarbeit in der Ausstellung „Faszination und Gewalt“ in der Nürnberger Zeppelintribüne. Zudem bringt sie ausländischen Frauen und Mädchen „Deutsch als Fremdsprache“ bei.

Nach dem Studium führt sie am Pädagogischen Institut der Stadt Nürnberg antirassistische und interkulturelle Trainings durch. Seit 2004 engagiert sie sich im und außerhalb des „Instituts für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung“ (ISFBB e.V.) in Nürnberg gegen extrem rechte Menschen und Strömungen. (WRA)


verdi_vereinte_dienstleistungsgesellschaft_gewerkschaft_kritisches_netzwerk_frank_bsirske_tarifpolitik_tarifvertraege_streiks_tarifstreik_warnstreiks.png ► Quelle: Dieser Artikel von Annette Jensen wurde am 19.08.2019 erstveröffentlich in ver.di PUBLIK >> Artikel. ver.di Publik ist die Mitgliederzeitung der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di). Das Printmagazin erscheint acht Mal im Jahr, Druckauflage 2. Quartal 2019 = 1.863.380. Der Bezugspreis ist mit dem ver.di-Mitgliedsbeitrag abgegolten. Man kann die „ver.di publik“ aber auch als Nicht-Mitglied im Jahresabo für 24 Euro lesen. >> weiter.

ACHTUNG: Die Bilder und Grafiken sind nicht Bestandteil der Originalveröffentlichung und wurden von KN-ADMIN Helmut Schnug eingefügt. Für sie gelten ggf. folgende Kriterien oder Lizenzen, s.u.. Grünfärbung von Zitaten im Artikel und einige zusätzliche Verlinkungen wurden ebenfalls von H.S. als Anreicherung gesetzt.

► Bild- und Grafikquellen:

1. Logo der Gewerkschaft ver.di. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ist eine deutsche Gewerkschaft mit Sitz in Berlin. Sie entstand im Jahr 2001 durch Zusammenschluss von fünf Einzelgewerkschaften und ist Mitglied im Deutschen Gewerkschaftsbund. Mit rund zwei Millionen Mitgliedern ist sie nach der IG Metall die zweitgrößte deutsche Gewerkschaft. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hatte schon früher Zweifel, vorbehaltlos für die Bürgerversicherung einzutreten. Nun  nimmt man wohl Abschied von der Bürgerversicherung. Quelle des Logos: Webseite von ver.di >> Pressebereich.

2. Deutsche: Blau ist das neue Braun! Cartoon gezeichnet von Prof. Guido Kühn. Herzlichen Dank an G.K. für die ausdrückl. Freigabe zur Veröffentlichung im Kritischen Netzwerk. Die alleinigen Rechte an seinen Arbeiten verbleiben beim Künstler!

>> cartoons.guido-kuehn und guido-kuehn.com/ .

Über Guido Kühn: Jeder Mensch beginnt als Zeichner, das weiß jeder der Kleininder bei der lustvollen und unverstellten Verarbeitung ihrer Umwelt mit Stiften beobachtet. Mit dem Aufwachsen jedoch verliert sich dies bei den meisten. Der Zeichner Guido Kühn gehört zu den eher wenigen Menschen, die nie aufhörten zu zeichnen. 2001-2019 lehrte er als Professor Design in Schwäbisch Hall und Heidelberg. Er ist Mitglied in internationalen Editorial Cartoon Verbänden u.a. bei Cartoon Network, United Sketches und Cartoon Home International. Für die Union of World Cartoonists ist er zudem der Deutschlandrepräsentant. >> weiter.

3. Cover der Broschüre "Extreme Rechte und Rassismus in Bayern. Eine Bestandsaufnahme und was wir dagegen tun können". Autorin: BIRGIT MAIR - Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung (ISFBB) e.V. Nürnberg. 2. aktualisierte Neuauflage 2018, 25 Seiten. Kontakt und Bestellung: Bayerisches Seminar für Politik e.V. Oberanger 38, 80331 München. Telefon: 089 / 2 60 90 06 oder über die Mitherausgeberin: Georg-von-Vollmar Akademie e.V.

4. Enno-Stahl-Die-Sprache-der-Neuen-Rechten-Populistische-Rhetorik-und-Strategien-Kritisches-Netzwerk-Aggressivitaet-Rechtsextremismus-Rechtpopulismus-VolksverhetzungBuchcover: "Die Sprache der Neuen Rechten. Populistische Rhetorik und Strategien" von Enno Stahl. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart. 1. Auflage 2019, 200 Seiten, Kartonierter Einband (Broschur), ISBN 978-3-520-72101-3, Preis: 14,90 €. Die ISBN des E-Books lautet 978-3-520-72191-4, der Preis beträgt 13,99 €. Es handelt sich um ein angereichtertes PDF.

Eine bedenkliche Aggressivität im verbalen Umgang, eine Abstumpfung gegenüber Gewalt und dem tragischen Schicksal anderer treten immer deutlicher zu Tage – es sind dies Reflexe, die gerade die Politiker und Politikerinnen der Neuen Rechten gerne und ausgiebig bedienen. In Internetforen und sozialen Netzwerken, den »digitalen Stammtischen« von Facebook, Twitter und Co., nehmen die Menschen kein Blatt mehr vor den Mund; zunehmend sind hier brutale, menschenverachtende und volksverhetzende Sprachausfälle zu verzeichnen, die einen angst und bange werden lassen.

Womöglich ist das rechte Lager bereits dabei, den Boden zu bereiten, auch wenn heute noch nicht so viel auf eine neuerliche Machtübernahme von rechts hinweist. Doch damit rechnete vor 86 Jahren auch niemand. Daher ist es wichtig, die Sprachbilder der Neuen Rechten und die dahinterstehenden Denktraditionen zu dokumentieren und zu durchleuchten. Komplexe Kausalzusammenhänge haben dazu geführt, dass es so weit hat kommen können.

Dieser Essay möchte einige davon nennen und die Bedingungen analysieren, die diese Entwicklung begünstigten. Was man dagegen tun kann? Der Essay schließt mit einigen Hinweisen zur Strategie im Handeln gegen Rechts. >> zur ausführlichen Buchvorstellung mit Inhaltsverzeichnis- und Leseprobe >> weiter.

5. Logo der Gewerkschaft ver.di. >> siehe # 1

6. Buchcover >> siehe # 3