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Brasilien, Fußball und Proteste


Von Ignacio Ramonet / Übersetzung: Malte Daniljuk / amerika21.de


Es ist wenig wahrscheinlich, dass die Brasilianer der dreisten Parole folgen, die Michel Platini [1] – ehemals ein großer Fußballer und heute Präsident der Europäischen Fußballliga (UEFA [2]) – am vergangenen 26. April ausgab: "Strengt euch an, unterlasst soziale Aufstände und haltet einen Monat Ruhe."1

Die Fußball-Weltmeisterschaft [3] beginnt am 12. Juni in Sao Paulo, um am 13. Juli in Rio de Janeiro zu enden. Und es besteht tatsächlich Besorgnis. Nicht nur in den internationalen Sportgremien sondern auch innerhalb der Regierung von Dilma Rousseff [4] selbst, wegen der Proteste, die sich während des Sportereignisses intensivieren könnten. Die Ablehnung der Weltmeisterschaft durch Teile der Bevölkerung hat sich seit Juni vergangenen Jahres anlässlich des Confederation Cup immer breiter ausgedrückt. Die Mehrheit der Brasilianer erklärt, dass sie sich nicht noch einmal für Brasilien als Sitz der Weltmeisterschaft aussprechen würde. Sie gehen davon aus, dass sie mehr Schaden anrichtet, als Nutzen bringt.2
 

 

Warum erlebt das wichtigste Fest des Fußballs eine derartige Zurückweisung in dem Land, das als Mekka des Fußballs angesehen wird? Seit einem Jahr versuchen Soziologen und Politiker diese Frage zu beantworten, wobei sie sich auf eine Feststellung beziehen: In den vergangenen elf Jahren – oder seit die Demokratische Arbeiterpartei (PDT [5]) regiert – ist das Lebensniveau der Brasilianer feststellbar gestiegen. Die schrittweise Erhöhung des Mindestlohns führten dazu, dass die Einkommen der Ärmsten sich wesentlich erhöht haben.

Mithilfe von Programmen wie "Bolsa Familia"3 oder "Brasil sin miseria" konnten die unteren Klassen ihre Lebensbedingungen verbessern. Zwanzig Millionen ließen die Armut hinter sich. Auch die Mittelklasse wuchs an und heute verfügen die Menschen über Zugang zu Gesundheitsprogrammen, Kreditkarten, Eigenheimen, Privatautos, Impfungen... Aber weiterhin fehlt es an vielem, bis Brasilien ein weniger ungerechtes Land ist und würdige materielle Verhältnisse für alle bietet, denn die Ungleichheiten sind weiterhin tiefgreifend.
 

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Links
[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Michel_Platini
[2] http://de.wikipedia.org/wiki/UEFA
[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Fu%C3%9Fball-Weltmeisterschaft_2014
[4] http://de.wikipedia.org/wiki/Dilma_Rousseff
[5] http://de.wikipedia.org/wiki/Partido_Democr%C3%A1tico_Trabalhista
[6] http://www.kritisches-netzwerk.de/forum/fussball-wm-2014-leidenschaft-kommerz-und-soziales-elend