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Startseite > Bräuner wohnen auf der Ostseeinsel #Rügen: #Prora wird bewohnbar


► von Wolfgang Blaschka, München


Wo sich an Rügens heller Küste Hase und Igel gute Nacht sagen, dämmert ein vier Kilometer langer, sanft gebogener Gebäuderiegel entlang des sandigen Küstenabschnitts bei Prora [1] vor sich hin: Das niemals ganz fertig gestellte und in Betrieb genommene Kraft-durch-Freude-Projekt (KdF [2]) der Nazis, wo zehntausende "Volksgenossen" Urlaub genießen und beim Frühsport den Führer loben sollten, um sich mit Kind und Kegel vom Judenjagen und Kommunistenkillen zu erholen und frische Kräfte zu sammeln für die Vierjahres- "Aufbauschlacht" zum Autobahnbau, zur Hochrüstung mit U-Booten, Panzern, Flugzeugen.
 



"Erholung im großen Stil" blieb ebenso ein hohles Versprechen wie das vom "Tausendjährigen Reich", der "Wunderwaffe" oder dem "Endsieg". Dummerweise kam ein Krieg dazwischen; da gab es wichtigeres, wozu Baumaterial gebraucht wurde: Unterirdische Flugzeugwerften, Kasernen, Atlantikwall. Seit Jahrzehnten als militärisches Sperrgebiet vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen und nach der Wende privatisiert und parzelliert, wird Prora nun von Immobilien-Erschließern in Teilabschnitten renoviert und aufgeputzt, – alles piekfein und zeitgemäß komfortabel.
 

 

Für die ersten 32 Wohneinheiten stehen bereits 120 Interessenten auf den Listen, und jeden Tag geben sich ausgebuffte Vermarkter von 8 bis 18 Uhr redlich Mühe, zwischen endloser Häuserschlange und Kiefernwaldgürtel potenziellen Käufern einer KdF-Suite das Wohnen auf historisch belastetem Areal schmackhaft zu machen: Einmaliger Blick (endlos Ostsee, so weit das Auge reicht, brettl-eben und hoher Himmel, soweit man ihn vom diesigen Horizont unterscheiden kann), frische Luft (die es woanders genauso gibt) und beste Ausstattung (wie man sie von einer gerade instandgesetzten Immobilie doch wohl erwarten darf). Allerdings das Ambiente ist tatsächlich einmalig, denn sowas gibt es kein zweites mal: Reinster NS-Kolossalstil von 1937, schnörkellos modern für die wulstigen Verhältnisse damals, ohne viel Dekor und pathetische Säulengänge: Ballermann von Anno dunnemal. Die Kaufinteressierten stört's wenig, im Gegenteil: Der Genius loci scheint zu locken. Wo sonst könnte man in einem original Nazi-Monumentalbau wohnen?

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Links
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Prora
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Kraft_durch_Freude
[3] http://www.kritisches-netzwerk.de/forum/klage-gegen-israels-regierungschef-netanjahu-chile-eingereicht
[4] http://www.kritisches-netzwerk.de/forum/braeuner-wohnen-auf-der-ostseeinsel-ruegen-prora-wird-bewohnbar