Die gigantischen Kosten des billigen Atomstroms
► von Franz Garnreiter / isw (Institut für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung e.V.)
Schön langsam, viel zu langsam, steigt Deutschland aus der Atomenergie aus. Die jahrzehntelang verdrängten Ausstiegskosten werfen heute ein neues Schlaglicht auf den unermüdlich bis heute als besonders billig propagierten Atomstrom.
► Der gesetzliche Rahmen
Das Atomgesetz [1] (⇒ Gesetzestext [2]) legte von Anfang an fest, dass die AKW-Betreiber für den AKW-Rückbau und alle Entsorgungskosten aufzukommen haben. Um das zu finanzieren, wurden von Anfang an pro erzeugte kWh Atomstrom Rückstellungen gebildet: das sind Gelder, von denen man weiß, dass man sie künftig mal flüssig verfügbar haben muss, um anfallende Kosten zu bezahlen. So haben auch etwa VW und Deutsche Bank Milliarden rückgestellt, um die Entschädigungssummen aus der Abgas-Betrugsaffäre bzw. aus den Hunderten Straf- und Zivilprozessen wegen krimineller Machenschaften zu finanzieren.

Die AKW-Konzerne – Eon, RWE, Vattenfall, EnBW – haben bisher rund 38 Mrd. € (Stand 2014) für den Atomausstieg rückgestellt. Viele Jahrzehnte lang kümmerten sich die Regierungen nicht darum, ob diese Rückstellungen reichen und im Bedarfsfall auch wirklich liquide sind, also verfügbar. In den letzten Jahren ist es mit den Atomkonzernen wirtschaftlich allerdings massiv bergab gegangen. Mit allen Tricks und Hebeln und Lobbyaktivitäten versuchen sie, ihr überkommenes extrem umweltversauendes Geschäftsmodell gegen jeden Ansatz einer etwas klimaschonenderen Stromwirtschaft in Stellung zu bringen (vgl. isw-report 99 [3], 2014). Das daraus resultierende Missmanagement, das Versagen, die Trends der Zeit Richtung regenerative Energien aufzunehmen, hat allein den Börsenwert von Eon und RWE von rund 150 Mrd. € in 2008 auf heute etwa 25 Mrd. € reduziert – dies in einer Zeit eines allgemeinen Anstiegs der Aktienkurse.
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