Achtung Sommerglosse: Biker und anderes Getier

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Peter Weber
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Beigetreten: 23.09.2010 - 20:09
Achtung Sommerglosse: Biker und anderes Getier
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Ich stehe noch unter dem Eindruck der Fahrradtour, die ich gerade im Moseltal bei herrlichem Sommerwetter absolviert habe. Da würde doch jeder von einer Idylle pur ausgehen – aber denkste:

Schlangen von Autos mit Sonntagsfahrern und Hornissenschwärme (nur lauter) von Motorräder, die nichts Anderes im Sinn hatten, als sinnlos aus Jux und Dollerei in der Gegend herum zu fahren und ihren Lärm sowie die dazu gehörigen Abgase unter die Leute zu bringen.  Als ob das noch nicht genug wäre, wurde ich von der Wasserseite auch noch mit dem Anblick der – leider nicht lautlosen – sog. Sportboote beglückt.

Aber ich kann es nicht abwarten, mich mit meinem Lieblingsobjekt zu beschäftigen, den Motorradfahrern. Zur Sippe der Bikes gehören bekanntlich auch die Trikes und Quads, die sich mittlerweile auch steigender Beliebtheit erfreuen. Die Motorradfahrer – neudeutsch Biker – scheinen ja eine ganz besondere Art von Mäusen zu sein, wenn man sich ihr Outfit betrachtet. Bei Bullenhitze an der Mosel zugeknöpft bis oben, so daß nicht ein Quadratzentimeter Haut das Licht der Sonne erblickt und sich an der frischen Luft beglücken kann, fühlen sie sich auf ihren stinkenden und bollernden Kisten wie die Ritter oder Cowboys der Landstraße und rasen teilweise mit atemberaubender Geschwindigkeit daher. Böswillige Zungen sprechen ja in diesem Zusammenhang von „Frischfleisch“. Eingeengt in warme Klamotten und Helme unterliegen sie der Illusion, die letzten Freien zu sein und die Luft des Abenteuers zu schnuppern.

Wenn ich mir so vorstelle, mich wie ein Ritter in seine Rüstung einzuzwängen - sozusagen eingekerkert zu sein -  und dann noch von der großen Freiheit zu träumen, dann frage ich mich wie groß der Realitätsverlust in diesem Fall wäre. Eine Steigerung der Rationalisierung der Wahrnehmung von Freiheit und Unabhängigkeit ist noch der Umstand, daß Biker meist als Horde vorkommen. Das heißt, sie sind Herdentiere, die willig folgen, wenn ihr Leitwolf sich auf den Bock schwingt. Wenn ich mir schließlich auch noch vergegenwärtigte, daß ich mir zumuten würde, mich mit einem Boliden zu bewaffnen, der das Gewicht eines Kleinwagens (und dessen Kosten noch übersteigt) auf die Räder bringt, kaum noch zu handeln ist und somit an Praktikabilität kaum noch zu unterbieten ist, dann müßte ich schon an meinem Verstand zweifeln.

 

Postkarte 1910 bis 1920 - Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung durch Ansichtskarten-Center.de

 

Da ich gerade schon mal dabei bin, kann ich mich gleich auch noch über die Radfahrer auslassen, die man hier in zwei Hauptklassen (Anteil 95  %) unterteilen kann: in Touris und Sportis. Bei den Touris überwiegen mittlerweile die Pseudoradfahrer mit Elektromotor. Diese sind kaum in der Lage, gerade aus zu fahren und ihnen schaut die Angst und Unsicherheit schon aus dem Gesicht. Leute wie ich, die sich noch ausschließlich mit Hilfe ihrer Muskeln mit MS (=Muskel- oder Menschen-Stärke) fortbewegen, gehören mittlerweile zu einer aussterbenden Spezies. Wenn sie dann auch noch wie ich – ich bekenne, daß ich mich als Exot sonne – mit nichts Anderem als einem kurzen Laufhöschen (keine Schuhe, natürlich kein Helm) bekleidet sind, dann wird man ähnlich eines Affen im Zoo begafft. Die sportlich Ambitionierten unter den Radfahrern treten meist in einer Kanarien-Kluft auf und erscheinen mir in ihrem optischen Eindruck als Plastikklone in inkognito. Mein bester Freund könnte mir in dieser Maskerade begegnen – ich würde ihn nicht erkennen.

So, jetzt habe ich mir die Läuse von der Leber entfernt. Oder gibt es in oder außerhalb des Käfigs noch ein paar Tierchen, denen ich eins auswischen kann?

 

Peter A. Weber

 

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Rene Wolf
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Beigetreten: 19.05.2012 - 09:03
Mobilität ohne Führerschein

Lieber Peter,
 
natürlich machen rein muskelbetriebene "Esel" uns stolz. Dennoch sollten wir nicht all jene vorschnell verurteilen, die sich des elektrischen Velozipeds erfreuen. Neben tatsächlich Faulen und Trägen gibt es auch jene, die ohne Batterie gar nicht mehr fahren könnten. Auf einem E- Bike muss mensch auch treten, er wird nur technisch unterstützt. Wenn auch diese Unterstützung Einiges kostet, mithin wieder einmal nicht allen zugänglich ist. Freue Dich, so lange Du noch kräftig treten kannst. Und spare auf den "Plan B".
 
Ich bin 47. Durch glückliche Umstände kann ich so viel Rad fahren, wie ich will. Das ist ein Privileg. Lange werde ich es nicht mehr genießen. Es reift ein "Plan B".  Und nun bereite ich meine Tour Dresden- Berlin vor. 200 km in zwei Tagen. Einen Führer- Schein besaß ich nie.


Das Thema "Mobilität" könnte im Übrigen hier gut näher besprochen werden. Ich kenne es aus der Physiotherapie, angewandt auf Verkehrs- Opfer. Da gibt es den Begriff der Mobilisierung, nach dem Unfall. Die Hälfte der Deutschen sind übergewichtig. Übrigens.
 

Nu pogodi!

René L. Wolf

 

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Peter Weber
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Beigetreten: 23.09.2010 - 20:09
E-Bikes - Unterstützung der menschlichen Faulheit

Lieber Anarchist,

es gereicht Dir zur Ehre, die Gebrechlichen unter den Radfahrern zu verteidigen. Aber Dir dürfte wohl nicht entgangen sein, daß es sich um eine Glosse handelt und der Schwerpunkt meines Spottes auf die Motorradfahrer gerichtet war.

Um jedoch zum Ernst des Lebens zurück zu kehren: Es gibt sicherlich Gegebenheiten, unter denen ein Fahrrad mit Hilfsmotor sinnvoll ist, aber in den übrigen Fällen ist er nur der Faulheit zuträglich. Außerdem handelt es sich wieder um eine typische Modeerscheinung der Konsumgesellschaft, die dem Fetisch Wachstum dient.

Ich habe 30 Jahre im Münsterland gelebt - dort sind selbst die alten Omas, die nicht mehr richtig laufen konnten, Fahrrad gefahren - selbstverständlich ohne Hilfsmotor! Aber abgesehen davon glaube ich nicht, daß es sinnvoll ist, Menschen bis kurz vor die Bahre auf Biegen und Brechen noch auf E-Bikes zu heben, die auch ohne Motor unsichere Kandidaten sind und nicht in der Lage sind, gerade aus zu fahren. Da helfen auch keine Helme oder sonstige Produkte der Sportartikelindustrie mehr.

 

Peter A. Weber

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