Anerkennung des sog. Staates Palästina ist keine wirkliche Anerkennung

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Helmut S. - ADMIN
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Verbunden: 21.09.2010 - 20:20
Anerkennung des sog. Staates Palästina ist keine wirkliche Anerkennung
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Das ist NICHT Anerkennung!

"Zionismus muss, genau wie die Rassengesetze, verschwinden!"

von Miko Peled

Während die Anerkennung eines sogenannten „Staates Palästina“ fortschreitet, wird es offensichtlich, daß das nichts als ein alter kolonialer Trick ist, abgestaubt und wieder benutzt. Die Tatsache, daß liberale zionistische Heuchler wie die israelischen Schriftsteller Amoz Oz und David Grossman überall auftauchen, sagt alles. In den Dreiecksbeziehungen zwischen den Europäern, dem kolonialen Regime in Palästina – Israel, und den Palästinensern bleibt alles gleich.

Wie gewöhnlich profitieren die Europäer, Israel wird gestattet, sein brutales koloniales Regime über Palästina zu behalten, und die Palästinenser bleiben allein. Die Anerkennung des „Staates Palästina“ ist nicht mehr als das, was Frantz Fanon „die Farce nationaler Unabhängigkeit“ nennt (Frantz Fanon: „Die Verdammten dieser Erde“). Es versorgt eine ausgewählte Gruppe von Palästinensern mit der Illusion von Macht, mit Titeln wie „Präsident“, „Minister“, „Botschafter“ und dem ständigen Favoriten „Sicherheitschef“ und spricht die Europäer wegen ihrer Komplizenschaft mit Israel frei.
 

Es gibt nun also gemäß einigen europäischen Ländern einen palästinensischen Staat. Seht doch, es muß ihn geben, wo sogar Großbritannien und Schweden und ein paar andere ihn anerkannt haben, und sie haben sogar einen „Präsidenten!“ Macht nichts, daß sich in Wirklichkeit nichts geändert hat. Gaza ist noch immer unter Belagerung und kein Ende in Sicht, palästinensische Gefangene siechen in den Gefängnissen der Kolonisatoren dahin, bewaffnete israelische Mobs und die terroristische Organisation, bekannt als IDF, terrorisiert Palästinenser, in der israelischen Knesset werden rassistische Gesetze verabschiedet, und kein einziger Flüchtling darf zurückkehren. Wir wären alle gut beraten, wenn wir uns daran erinnerten, daß die Anerkennung eines nicht wirklich existierenden „Staates“ zur Betäubung des Widerstands gegen ein rassistisches, kolonialistisches Regimes nichts Neues ist; sie wurde von den Europäern in Afrika und früheren Kolonien in anderen Teilen der Welt benutzt und immer von den Liberalen unter den Kolonialisten begrüßt.

Israelis, die frei sind und die Privilegien eines rassistischen Regimes in Palästina genießen, erinnern sich gern an Leute wie meinen Vater, den pensionierten General Matti Peled und andere wie ihn, die – nach wie vor Zionisten – das Recht der Palästinenser auf Selbstbestimmung fordern, aber nur auf einem kleinen Gebiet, natürlich von Israel definiert, so daß wir unser rassistisches Regime aufrechterhalten und uns gleichzeitig aufgeklärt fühlen können.

Es funktioniert gut für diejenigen, die Israel und seine Politik verurteilen, aber doch den Staat Israel als Teil der Lösung sehen wollen. Wir hören, daß die „Zwei Staaten“ der erste Schritt zu einer einzigen, vereinten Demokratie sind, eine Behauptung, die nur die Unwissenheit derer beweist, die sie aussprechen.

In Palästina reicht es nicht mehr, gegen die Ungerechtigkeit zu sprechen. Tatsächlich war es nie genug. Als Menschen mit Gewissen müssen wir für die Aufhebung der Ungerechtigkeit und ihre Ersetzung durch ein freies, demokratisches System handeln. Aber viele vergessen, daß ein Kampf nötig ist, um dies zu erreichen. Ein richtiger Kampf - und nicht irgendeine intellektualisierte Version eines Kampfes, wie einige israelische Liberale oft empfehlen – ist die einzige Möglichkeit, rassistische kolonialistische Regimes zu besiegen.

Liberale Zionisten und sogar einige Fortschrittliche streben an, weiterhin zu reden und zu debattieren, weshalb sie Organisationen wie die Palästinensische Autonomiebehörde und die verschiedenen NGOs, die in Palästina hervorgesprossen sind, mögen. Sie reduzieren den Kampf auf eine philosophisch-politische Debatte über Menschenrechte und Selbstbestimmung. Sie gaukeln den Menschen die Illusion vor, daß Kolonialismus am Verhandlungstisch gelöst werden kann. Sie fördern die Täuschung, daß, wenn nur palästinensische Jungen und Mädchen und israelische Jungen und Mädchen sich in einem Sommerlager treffen und miteinander spielen könnten, eines Tages alles gut sein würde. Aber die jungen Israelis kehren zurück und dienen in der brutalen, bewaffneten Armee des kolonialen Regimes, und die jungen Palästinenser kehren in die Flüchtlingslager, verschiedenen Konzentrationslager und Freiluftgefängnisse zurück, die Israel für sie geschaffen hat, und bleiben unerwünschte Bewohner in ihrem eigenen Land.

Doch, wie Frantz Fanon in „Die Verdammten dieser Erde“ schreibt, „Kolonialismus ist keine Maschine, die denken kann, kein mit Verstand ausgestattetes Gebilde. Er ist nackte Gewalt und gibt nur auf, wenn er mit größerer Gewalt konfrontiert wird.“ Mein Vater und die anderen liberalen Zionisten waren im Unrecht und ihre Nachfolger sind jetzt im Unrecht. Denn es gibt keine Möglichkeit, die koloniale Maschine anzuhalten, wenn sie einmal gestartet ist. Man kann ihren unstillbaren Hunger nicht eindämmen, nicht ihre Gier nach Macht und ihre brutale Gewalt. Deshalb ist ein „Zionistisches Friedenslager“ ein Schwindel, deshalb gibt es keine Möglichkeit eines Friedens mit dem Apartheidregime, bekannt als Israel.

Europäische Regierungen mochten niemals Leute, die nicht weiß und christlich wie sie waren. Sie haben eine Geschichte des brutalen Kolonialismus, des Diebstahls von Land und Ressourcen, und man fragt sich, ob Afrika und Teile des Mittleren Ostens nicht inzwischen blühende Demokratien wären, wenn es die mörderische, gierige Politik der Kolonisatoren in der Vergangenheit nicht gegeben hätte. Diejenigen von uns, die sich kümmern und tatsächlich für Gerechtigkeit in Palästina kämpfen, täten gut daran, nicht auf die alten kolonialen Tricks hereinzufallen. Vielmehr sollten wir die Anerkennung fordern, daß Israel besetztes Palästina ist, daß alle israelischen Gemeinden und Städte illegale Siedlungen sind, und daß es an der Zeit ist, Palästina und seine Menschen von dem illegitimen kolonialistischen Regime, bekannt als Israel, zu befreien.
    
Miko Peled

Herzlichen Dank an Toni Brinkmann für die Übersetzung und freundliche Überlassung des Artikels!

Miko Peled, jüdischer Israeli und Friedensaktivist, Sohn eines Israelischen Generals, über die Verbrechen Israels:

DEUTSCHE UNTERTITEL - Dauer: 1:08:30 - bitte anhören !


 



Quelle:  erschienen am 12. Dezember 2014 auf > Miko Peled > Artikel

Die Weiterverbreitung des Textes ist durchaus erwünscht. In diesem Fall bitte die Angabe der Webadresse www.antikrieg.com nicht zu vergessen, wo Toni Brinkmanns Übersetzung des Artikels zu finden ist. Dank auch an Klaus Madersbacher.

Bild- und Grafikquellen:

1. "THE HORROR SHOW CALLED ISRAEL". Karikatur von Carlos Latuff, einem "Politischen Karikaturist", geboren November 1968 in Rio de Janeiro, Brazil. Carlos Latuff (eigentlich Carlos Henrique Latuff de Souza) gewährt jedem das bedingungslose Recht, dieses Werk für jedweden Zweck zu nutzen, es sei denn, Bedingungen sind gesetzlich erforderlich. Sein Blog > latuffcartoons.wordpress.com > zu dieser Karikatur. Dieses Werk wurde von seinem Urheber Carlos Latuff als gemeinfrei veröffentlicht. Dies gilt weltweit.

2. Texttafel:   "Antizionismus ist nicht Antisemitismus, sondern Ablehnung von Nationlismus und Rassismus!"   Grafik: Wolfgang Blaschka, München.

3. Frantz Fanon (* 20. Juli 1925 in Fort-de-France, Martinique; † 6. Dezember 1961 in Bethesda, Maryland) war ein französischer Psychiater, Politiker, Schriftsteller und Vordenker der Entkolonialisierung. Seine Anklageschrift "Die Verdammten dieser Erde" gilt noch heute das das Manifest gegen den Kolonialismus. Foto: Buchcover, Verlag Zweitausendeins