Anschuldigungen sexuellen Missbrauchs gegen kirchliche Mitarbeiter

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Helmut S. - ADMIN
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Beigetreten: 21.09.2010 - 20:20
Anschuldigungen sexuellen Missbrauchs gegen kirchliche Mitarbeiter
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Wie das Bistum Regensburg mit Menschen in Wirklichkeit umgeht,

die Anschuldigungen sexuellen Missbrauchs gegen kirchliche Mitarbeiter erheben


Unter der fast wortgleichen Überschrift verbreitet das Bistum Regensburg auf seiner Homepage seit Januar 2013 falsche Darstellungen und versucht durch Halbwahrheiten und unwahre Behauptungen ausgesuchte Betroffene des sexuellen Missbrauchs bei den Regensburger Domspatzen in der Öffentlichkeit unglaubwürdig zu machen (für Interessierte hier der Link: Bistum Regensburg – Stellungnahme zu den Äußerungen Herrn Alexander Probst).


Etterzhausen Altbau Internat der Domspatzen   Foto: © c.z. 1976Privatfoto!


Zu Beginn des Textes heißt es:

„Jede Beschuldigung gibt das Bistum Regensburg weiter an die Staatsanwaltschaft. Stellt die das Verfahren wegen Verjährung ein, strengen wir kirchenrechtliche Aufarbeitung an. Für den Fall, dass dies nicht möglich ist, weil der Schuldige verstorben ist, hat die Kirche als einzige Institution in Deutschland ein Anerkennungsverfahren eingeführt…“

Dies ist eine eindeutige Fälschung der „Leistungen in Anerkennung des Leids, das Opfern sexuellen Missbrauchs zugefügt wurde“, wie sie im März 2011 von der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlicht wurde. Dort heißt es nämlich „Das vorliegende Papier behandelt ausschließlich Fälle sexuellen Missbrauchs Minderjähriger, bei denen eine Schmerzensgeld- oder Schadensersatzleistung aufgrund von eingetretener Verjährung rechtlich nicht mehr durchsetzbar ist.“ Davon, dass der Schuldige verstorben sein muss, steht da nichts geschrieben.

Durch diese Verfälschung des Originaltextes wird suggeriert, dass die Betroffenen des sexuellen Missbrauchs im Fall Sturmius Wagner (1970er Jahre), so wie in einigen späteren Fällen, kein Recht auf Zahlungen und anderen Hilfen aus diesem Beschluss der deutschen Bischofskonferenz haben, weil die Täter ja noch leben. Da wird auch verständlich, warum ausgerechnet diese Betroffenen bis heute vergeblich auf eine Antragsbearbeitung warten müssen und auch auf mehrfache Nachfrage keinerlei Auskünfte über den Verbleib ihrer Anträge oder den Stand der Dinge bekommen. Das Bistum Regensburg versucht damit offensichtlich von der Entschädigungsregelung der Deutschen Bischofskonferenz abzurücken.

Dass es dem Bistum Regensburg in dieser Darstellung noch um einiges mehr geht, wird deutlich, wenn man weiter liest. Unter dem Titel „Stellungnahme zu den Äußerungen Herrn Alexander Probsts“ schreckt man nicht davor zurück unter dem Deckmantel einer Richtigstellung, unwahre Behauptungen (= Lügen) zu verbreiten. Mit ausdrücklichem Hinweis auf die Sendung stern-tv werden einige Dinge in den Raum gestellt, die Alexander Probst in den Medien verbreitet haben soll. Nach einer Überprüfung des gedruckten wörtlichen Protokoll der stern-tv-Sendung bleibt festzustellen: Alexander Probst hat in dieser Sendung keine einzige Aussage gemacht, wie sie ihm von dem Artikel auf der Homepage des Bistums Regensburg unterstellt wird. Weder wurde Frau Dr. Böhm erwähnt, noch wurde über Aktenvernichtung gesprochen. Einzig das kirchenrechtliche Verfahren gegen den Täter Sturmius Wagner wurde erwähnt, die dazu gemachten Aussagen von Alexander Probst stehen jedoch in keinerlei Widerspruch zu den Darstellungen des Bistum Regensburg.

Unsere Redaktion hat in den letzten Wochen alle zur Verfügung stehenden Rundfunk- und Fernseh-Originaltöne von Alexander Probst aus diesem Jahr mehrfach überprüft. In keinem einzigen war eine der vom Bistum unterstellten Behauptungen aufzufinden. Gleiches gilt für die gedruckten Berichte. Lediglich in der einzigen Regensburger Tageszeitung wurden unsere Mitarbeiter fündig. Da scheint es glaubhaft, der Aussage von Alexander Probst zu folgen, der darauf verweist, dass hier seine Aussagen zu älteren Vorgängen versehentlich in die aktuelle Berichterstattung eingeflossen sind.

Wenn man sich an die Berichterstattung zurückerinnert, die im Januar 2013 nach dem Aufkündigen, der sog. „Pfeiffer-Studie“ ein breites Echo fand, dann wundert man sich auch nicht darüber, dass bei Alexander Probst das Gefühl aufkam, „seine Akte“ könnte möglicherweise vernichtet worden sein: Einen Tag bestreiten die Kirchenvertreter jegliche Aktenvernichtung, am nächsten Tag wird die systematische Aktenvernichtung nach Kirchenrecht (!) offiziell mehrfach bestätigt. Dass da bei Betroffenen das Gefühl aufkommt, auch ihre Akten könnten vernichtet worden sein, ist nicht weiter verwunderlich. Vor allem dann nicht, wenn man bedenkt, dass die kath. Kirche jegliche Auskunft nach dem Stand der Dinge in den vorangegangenen Monaten mit Hinweis auf den „Datenschutz“ verweigert hat und das nicht nur in einem Einzelfall. Bleibt immer noch die seit Monaten unbeantwortete Frage, wessen Daten da geschützt werden sollen, wenn ein Betroffener in eigener Sache eine Anfrage stellt, vielleicht erklärt uns das endlich mal ein Vertreter des Bistums.

 



Vorstellung des Projektes - Über uns:

Angestoßen durch die Presseveröffentlichungen und die Fernsehauftritte von Alexander Probst und Franz Wittenbrink haben sich einige Ehemalige der Regensburger Domspatzen zusammengesetzt um an einer möglichst vollständigen Darstellung der früheren Zustände an den Schulen und Internaten in Regensburg und Etterzhausen / Pielenhofen sowie einer möglichst umfassenden Aufklärung der sexuellen Übergriffe mitzuwirken.  Anlass hierfür sind vor allem die bagatellisierenden Darstellungen durch handelnde Personen (wie beispielsweise Georg Ratzinger und Sturmius Wagner) in der Öffentlichkeit, und auch die verharmlosenden Stellungnahmen auf der Homepage der Regensburger Domspatzen und der oberflächlichen Berichterstattung auf den Internetseiten des Bistums Regensburg.

Dies ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass auch heute sowohl in der Chorleitung wie auch in der Schulleitung Personen tätig sind, die diese Zeiten selbst miterlebt haben. Es drängt sich hier leider wieder der Eindruck auf, dass nur maximal soviel in der Öffentlichkeit zugegeben werden soll, wie sich aufgrund der Darstellung in den Medien nicht mehr verheimlichen lässt. Selbst uns bekannte Opfer die sich heute noch in Diensten bzw. scheinbaren Abhängigkeiten zur kath. Kirche befinden, umgeben sich bei telefonischer Nachfrage weiterhin mit der Mauer des Schweigens, die die jahrzehntelangen Missstände erst ermöglicht haben.

Uns allen ist klar, dass sich auch in der Zukunft Übergriffe und Missbrauch nicht vollständig verhindern lassen. Aber nur mit einer umfassenden Aufklärung und Aufarbeitung der Vergangenheit, wird sich ein Bewusstsein schaffen lassen, das die Anzahl solcher Vorfälle vermindert. Und ein einziger Fall, der durch eine solche Aufarbeitung in der Zukunft verhindert wird, rechtfertigt diese für manchen auch schmerzliche Aufklärung.


Warum erst heute?

… eine der am häufigsten gestellten Fragen, das hat mehrere Gründe. Viele der Betroffenen haben lange geschwiegen, aus Scham (vor allem bei den sexuellen Übergriffen), oftmals auch wegen der Reaktionen der eigenen Umgebung. Mit Berichten über die Geschehnisse an Schule und Internat stieß man früher meistens auf ungläubige Reaktionen. Übertreibung und überbordende Fantasie wurden schnell unterstellt. Ein Versuch die Redaktion der Süddeutschen Zeitung Ende der 70er Jahre für die Zustände in Regensburg zu interessieren wurde nach einer kurzen Anhörung mit einem nachsichtigen Lächeln abgelehnt. Viele wollten die Wahrheit einfach nicht glauben oder sich mit der damals noch viel zu einflussreichen kath. Kirche anlegen.


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Grundsätzlich sollen diese Seiten für jeden offen sein, der meint einen Beitrag leisten zu können, wenn dies aufgrund persönlicher Umstände erforderlich ist, auch anonym. Wir behalten uns jedoch vor, vor der Veröffentlichung ggf. über telefonische oder postalische Rückfrage festzustellen, wer seinen Artikel auf dieser Seite veröffentlichen will.

 


Ziel der Initiative ist ein Archiv:

Auf Anregung zweier ehemaliger Lehrer, die uns dankenswerter Weise auch einige Unterlagen zur Verfügung gestellt haben, mit denen wir u.a. die Fehler in der „Personaldarstellung“ in der „Festschrift 50 Jahre Musikgymnasium der Regensburger Domspatzen“ darstellen konnten, ist geplant eine Institution zu gründen, die ein „unabhängiges Archiv ehemaliger Regensburger Domspatzen“ begründen soll. Langfristiges Ziel ist ein wertfreies, weitgehend frei zugängliches Internetarchiv das unabhängig von dieser Homepage alles enthalten soll, was in den Jahrzehnten in und um die Institutionen der Regensburger Domspatzen geschehen und veröffentlicht worden ist. Eine Kommentierung soll da nur bei den Dingen erfolgen, die ansonsten für Außenstehende nicht nachvollziehbar wären, bzw. die dem besseren Verständnis bestimmter Abläufe und Vorgänge dienen.

Interessant für dieses Archiv ist prinzipiell alles was die unterschiedlichen Zustände und Befindlichkeiten in den verschiedenen Jahrzehnten deutlich werden lässt. Sei es Privates (beispielsweise Briefe und Berichte aus Schule, Internat oder von Konzertreisen), Schülerzeitungen bis hin zu Schulunterlagen (Schulaufgaben, Mitteilungen etc.). Ebenso alte Fotos, Tondokumente oder auch persönliche Erfolge (vor allem im musikalischen Bereich), die von Schülern individuell erreicht werden konnten. Basis für dieses Archiv werden die vielen Dokumente sein, die uns in den letzten Monaten von verschiedenster Seite erreicht haben.

Vielleicht kann es gelingen, auf diese Weise im Laufe der Jahre ein Gesamtbild über die vergangenen Jahrzehnte zu zeigen, dass die positiven Erlebnisse und Ergebnisse ausreichend würdigt, dabei aber die negativen Seiten, nicht ganz beiseite schiebt und auf diese Weise sowohl als Ansporn wie auch als Mahnung für kommende Generationen von Schülern und Lehrern dienen kann.

Wer etwas beitragen will, kann sich gerne über diese mail-adresse: archiv(at)intern-at.de melden.

 



► Quelle:  intern-at.de: Vereinigung ehemaliger Regensburger Domspatze mit unabhängigem Archiv im Aufbau - Artikel

Herzlichen Dank für die Freigabe zur Veröffentlichung durch den verantwortlichen Redakteur Michael Sieber

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