Das Auto als Teil der Megamaschine der Endzeit

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Rene Wolf
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Das Auto als Teil der Megamaschine der Endzeit
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Das Auto als Teil der Megamaschine der Endzeit

Know-how statt „Know- why“


Geisteskrank: Kopfstand schafft Blutleere im Hirn

Autos machen unfrei und immobil. Unsere Werte stehen kopf. Mobil bin ich, wenn ich mich selbst bewegen kann. Wie sehen die meisten Vielautofahrer ab 40 Jahren aus? Haltungsschäden und Übergewicht sind die Regel. Die Physio- und Psychotherapie und die Ernährungswissenschaft, gepaart mit Fitness- Centern müssen dann versuchen, das wieder gerade zu biegen. So schafft ein Bedürfnis viele andere.

Ein Auto spart Zeit und macht deshalb freier? Wie lange arbeiten die meisten Menschen für das Auto? Hm, da wird’s eng mit dem Zeit- Begriff.

Wie abhängig sind Autofahrer von

  • Tankstellen,
  • Werkstätten („Reparieren ist nicht, wir müssen das komplette System tauschen- 500 Euro bitte“),
  • Staus,
  • Parkplätzen
  • und schließlich von der Verschmutzung und Zerstörung der Umwelt durch Abgase und Straßenbau,
  • von der Ausbeutung von Menschen in Billiglohn- Ländern?

Autofahren ist sogar a- sozial!

Der Philosoph Ivan Illich schreibt in seinem Buch „Selbstbegrenzung“: „In den letzten Jahren haben die Fortschrittsverfechter zugeben müssen, daß Autos, wie sie heute verwendet werden, ineffizient sind. Ineffizient sind sie, weil man geradezu zwanghaft von der Vorstellung besessen ist, hohe Geschwindigkeiten wären gleichbedeutend mit einer besseren Beförderung. Wie der Gesundheitswahn, der jegliche Kosten zu rechtfertigen scheint, so ist auch der Geschwindigkeitswahn eine Form von Geisteskrankheit.“

Der Verkehrswissenschaftler Professor Hermann Knoflacher: (siehe Foto unten) "Also ein Mensch der andere bedroht, der die reine Luft verunreinigt, ja sogar lebensgefährlich macht, der in der Nacht lärmt, der würde nach dem allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuch als Krimineller eingestuft, also als total asoziales Element.“ (siehe hier und kl. Broschüre im Anhang)



 

Künstliche Erotik

Der leichte Druck aufs Gaspedal garantiert den Kick: ich bin schneller, als ich eigentlich bin. Es ist gefährlich- aber ich habe es im Griff. Gefahr kitzelt. Das ist erotisch. Erotisch ist auch die Karosserieform eines ästhetisch wohlgeformten Autos - nicht nur die werbetechnisch auf der Motorhaube platzierte Dame. Ein Autofan erlebt regelrechte Gehirn- Orgasmen, wenn er vor einem Oldtimer hockt und jedes Detail mit verliebt dreinschauenden Augen betrachtet. Bella macchina. Good Vibrations! Du kannst es fühlen! Perfektion macht geil?

Die meisten heutigen Autos sind kaum noch als schön zu bezeichnen. Sie sind funktional, aerodynamisch ausbalanciert und sie gleichen sich immer mehr. Als schön mögen Formen gelten, die der Natur ähnlich sind. Schwünge und Kurven, die an - na, was - erinnern? Jawohl, an einen gesunden menschlichen oder tierischen Körper. Seltsam nur, dass die Freude an der Schönheit der (kopierten) Natur teuer erkauft werden muss. Je naturähnlicher, desto teurer. Deshalb wird das Massenauto immer hässlicher und gleichgeschalteter, eben normgerecht. Autofahrer vernachlässigen ihren eigenen Körper, um viel Energie und Zeit in das technische Vehikel zu investieren. Autofahrer ab 40 Jahren, schaut auf Eure Hüften! Eure verspannten Schultern, Euren gebückten Gang. Es gibt kein Tier, dass sich so schnell bewegt, dass es sich dabei selbst krank oder tot macht. Menschen tun das.



Identifikation und Neid

Die Welt wird Auto- gerecht eingerichtet. Nicht menschenfreundlich. Kinder und andere Fußgänger sind gefährdet- gleichzeitig träumen auch sie davon, selbst zu Gefährdern zu werden. Weniger aus Lust an Zerstörung, als vielmehr aus der eigenen Identifizierung mit allem, was Macht verheißt. Schnell sein heißt: gewinnen. Anerkannt sein. Macht haben. Aus „wer bin ich?“ wird „mit was oder wem kann ich mich identifizieren?“ Eigenidentität schwindet durch Identifizierung, durch das Kopieren anderer Kopien. Das funktioniert bei „Du bist Deutschland“ ebenso wie bei „Ich bin Porsche“.

Wer sich schnell und oft weit fortbewegen kann, ist mächtig. Ihm gilt unsere Bewunderung, und oft auch unser Neid. Der Neid ist eine mächtige Triebkraft, und er ist eine der sieben „Todsünden“- die schlimmste davon. (Ohne religiös zu sein, kann ein durchschnittlich psychologisch gebildeter Mensch das verstehen. Dabei ist das Objekt der Begierde- oder des Neides- sekundär. Primär geht es darum, die eigene Persönlichkeit durch den Besitz von Dingen „beneidenswert“ zu machen. Obwohl Eigentum selten den Charakter verbessert.)



Vom Verfahren der Erfahrung

Erfahrungen machen Menschen, wenn sie auf ihre Sinne hören. Ein erfahrener Mensch ist jemand, der sein Erb- Potenzial genutzt hat, um sich zu entwickeln, zu entfalten. Je mehr Erfahrungen er hat, desto leichter fällt ihm das Leben, desto weniger ist er gefährdet. Welche Erfahrungen bringt das Autofahren mit sich?

Die größte mögliche Geschwindigkeit, die ein Mensch erreichen kann, dürfte bei ungefähr 36 Kilometern pro Stunde liegen. Das entspricht 10 Sekunden für 100 Meter. Eine Weltrekord-Leistung. Selbst ein Marathonläufer mit nur 20 Kilometern pro Stunde ist schon schnell. Dass wir ermüden, wenn wir lange und schnell laufen, hat einen Sinn. Es bewahrt uns davor, uns zu überschätzen. Nicht nur unsere Energiereserven zu überschätzen, sondern auch die Gefahr zu unterschätzen, die mit höheren Geschwindigkeiten verbunden ist.

Dem natürlichen Instinkt, sich zu bremsen, wenn man eine Situation nicht mehr überschauen kann, setzt der Mensch im Auto sogenannte Sicherungssysteme entgegen. Anschnall- Gurte und Airbags etwa. Auch die Größe und Masse des Autos wirkt wie ein Schutz. Sie soll uns das Gefühl von Sicherheit vermitteln. Wie viel weniger Unfälle würde es jedoch geben, wenn statt Airbags Stahlspitzen in die Lenkräder geschraubt wären?

Wer sich allzu sicher fühlt, ist in Gefahr. Und umgekehrt: wer eine Situation als gefährlich erkennt, ist sicherer. Das Auto dreht die natürliche Logik um. Es bringt uns dazu, unsere Instinkte zu unterdrücken. Nicht erst ein Unfall beschädigt uns, auch die ständige Angst, die in unserem Unterbewusstsein weiterwirkt, macht etwas mit uns. Angst ist wichtig, ist lebenserhaltend. Jedoch nur dann, wenn sie temporär auftritt. Stundenlange Autobahnfahrten dagegen sind nichts, was die Natur für uns vorgesehen hat. Angstzustände, selbst wenn wir sie nicht bewusst wahrnehmen, können uns auf Dauer krank machen. Der Stress fährt mit. Interessant wäre eine Studie über Berufskraftfahrer. Über ihre kognitive und emotionale Intelligenz. Man sehe sich solche Fern-und Busfahrer, die jahrzehntelang ihren Beruf ausübten, näher an. Nicht nur äußerlich. Man unterhalte sich mit ihnen.

Es mag Einzelne geben, die recht schlau und schlagfertig sind. Wieviel schlauer und schlagfertiger könnten sie sein ohne ihren degenerierenden „Job“?

Eine Landschaft lässt sich besser erfahren, wenn wir sie erlaufen. Uns in ihr ergehen. Nur dann sind wir in der Lage, ihre Atmosphäre, ihre Details und Besonderheiten zu erlauschen, zu riechen, zu begreifen. Statt dessen warten wir sitzend darauf, sie möglichst schnell zu durchkreuzen. Den Begriff „Straßenkreuzer“ könnte man auch in dieser Art verstehen. Wir verfahren Erfahrenswertes. Und verpassen unsere Erfahrung.

Wir sind, wenn auch nicht auf so perverse Weise wie von Politikern heute formuliert, auf lebenslanges Lernen programmiert. Wir sind neugierig, wir sind kreativ, das ist in unseren Genen impliziert. Und das hat uns zu Menschen gemacht. Wie lernen wir? Am besten dann, wenn wir keine Angst haben. Angst ist der Notschalter im Gehirn. Bei Dauerbetätigung bedroht Verblödung. Ein Autofahrer kennt das: Gas geben und gleichzeitig Bremsen macht das Auto kaputt. Zuerst die Reifen, schließlich auch das Getriebe und den Motor.

Ähnliches geschieht im Gehirn, wenn es dauernd Angst hat. Es wird krank. Das ist die eigentliche Erfahrung, die wir beim Autofahren ständig machen. Eine Erfahrung des Krankwerdens. Wir verfahren unserer Erfahrungs-Fähigkeit.


Mobilmachung durch Motorisierung

Unter Mobilmachung versteht man die Vorbereitung von Menschenmassen auf den Krieg. Was hat das mit dem Auto zu tun? Man könnte ein Wortspiel wagen, etwa so: wer ein Auto bekommen, also kriegen will, ist im Krieg angekommen. Nicht etwa, dass es für uns in den Industrieländern besonders schwierig oder außergewöhnlich wäre, ein Auto zu erwerben.

Wir hinterfragen unsere Erwerbsarbeit kaum noch, die es uns ermöglicht, Autos zu besitzen. Arbeiten gehen gehört zum Alltag. Das wir mit einer Arbeitszeit von weit weniger Stunden täglich alles normal geltend uns erhalten und sogar gesellschaftlich bewegen könnten, wird meist ausgeblendet. Wer errechnet schon, welchen tatsächlichen Wert er mit seiner Arbeit schafft? Abgesehen davon, dass uns ein immer geringerer Teil des von uns erschaffenen Wertes ausgezahlt wird, bilden wir uns ein, ganz natürliche Bedürfnisse mit unserem Lohn erkaufen zu können. Zu diesen Bedürfnissen- also Dingen und Leistungen, die wir wünschen DÜRFEN, das steckt ja schon im Wort „Bedürfnis“-  gehört vieles, was wir eigentlich überhaupt nicht brauchen. Brauchen im Sinne von „ein gutes Leben führen“. Genug ist nie genug. Diese ständige Erweiterung unserer angeblich natürlichen Bedürfnisse, der Drang nach Wachstum als Krebsgeschwür, ist nekrophil. Produktion heißt Zerstörung.

Zerstörung von Ressourcen, sowohl materieller als geistiger Art. Auch Geschwindigkeit ist Zerstörung, sofern sie das natürliche Maß übersteigt. Wir müssen zerstören, um uns größer zu fühlen, als wir sind. Wir müssen Dinge kriegen. Wenn wir sie gekriegt haben, wenn wir sie also im Konkurrenzkampf mit anderen erstritten haben, sind wir befriedigt. Oder befriedet. Dieser Frieden ist jedoch trügerisch. Die Bedürfnis-Befriedigung findet kein Ende. Wünsche wecken Wünsche. Das macht sich die Reklame zu Nutze. „Wer ist dein Nächster“ heißt in Anspielung auf wechselnde Liebschaften: „Welcher Wagen dein nächster?“ Das mit der Anschaffung eines neuen Autos nicht nur mit Geld, was ein Abstraktum ist, sondern mit konkreter individueller Lebenszeit bezahlt wird, wer reflektiert das schon?

Die Opferung von Lebenszeit für ein künstlich geschaffenes Bedürfnis, welches absolut unnötig ist, darf als verschleierter Suizid betrachtet werden. Wir verkürzen unser Leben durch Erwerbsarbeit, die hauptsächlich dem Profit anderer dient. Wir werden mobil gemacht und machen uns mobil für den weltweit tobenden Wirtschaftskrieg. Dabei töten wir nicht nur ein Stück von uns selbst. „Ausbeutung“, dieser Begriff erscheint noch als Euphemismus angesichts der Tatsache, das auch für unseren Auto- Wahn täglich Menschen sterben. Nicht nur auf Straßen. Auch in ihren Häusern, in der Wüste, in den Fabriken.

  • Welches Auto trägt das Siegel „fair trade“ oder „biologisch abbaubar“ oder „garantiert ohne künstliche, Krebs erregende Zusatzstoffe“ ?
  • An welcher Tankstelle steht „Unser Benzin wurde nicht mit blutigem Öl hergestellt“ ?

Ausbeutung ist nichts anderes als Mord.

Neben dem Krieg nach außen, gegen unsere Rohstofflieferanten und Auto- Produzenten, also Arbeiter, tobt die Anti-Mobilmachung gegen uns selbst. Man mag das daran erkennen, wie Menschen in zivilisierten Gesellschaften sich bewegen. Wie sie gehen, laufen, gestikulieren oder tanzen. Und wie andere, weniger zivilisierte- meist arme- Menschen sich bewegen. Mit zunehmendem- materiellen- Wohlstand wächst die Trägheit, die Versteifung, die Starre. Mobil heißt, sich gut bewegen können. Wir ahnen, was ein Physiotherapeut unter dem Begriff Mobilisierung versteht. Etwa nach der Operation eines Unfallopfers. Oder bei der Behandlung von Haltungsschäden, hervorgerufen durch Bewegungsmangel.

Wir werden mobilisiert für unsere De- Mobilisierung. Durch Motorisierung. Das Auto- Mobil ist ein Widerspruch in sich. Mobil, also beweglich, sind wir, wenn unser Gehirn Signale an die die Muskeln sendet. Bewegung ist denken. Erfolgt die Bewegung jedoch automatisch, von selbst, braucht es kein Denken.

Automobilität verdummt. Kinder, die sich wenig bewegen, lernen schlechter als andere Kinder, die sich genug bewegen. Menschen, die den ganzen Tag sitzen- ob im Auto oder am PC- denken schlechter als Menschen, die sich ausreichend bewegen, also tatsächlich mobil sind. Es gibt Geschichten von Schriftstellern, deren Teppiche eine Geh- Spur tragen. Sie stehen regelmäßig auf, gehen hin und her, weil ihnen dann mehr einfällt. Wer das im Büro macht, bekommt Probleme. Schon in der Schule wird die Unbeweglichkeit trainiert. Und im Auto?


Mensch und Maschine - wer benutzt wen?

„Mach mich nass, benutz` mich, aber lass mich nicht fallen“ Diesen Spruch fand ich auf einem Taschentuch. Wir benutzen Taschentücher. Und wir bilden uns ein, Maschinen zu benutzen.

  • Was aber macht es mit uns, dieses tägliche auf Knöpfe drücken, für Ersatzteile sorgen, Maschinen kaufen, Maschinen produzieren, uns von Maschinen informieren und unsere Meinung einimpfen zu lassen?
  • Überblicken wir noch, was wir produzieren und konsumieren?
  • Können wir verantworten, was wir machen?
  • Was ist wichtiger, das Machen oder das Denken?
  • Müsste nicht vor jedem Machen ein Nachdenken über mögliche Folgen einsetzen?

Wer ein Gerät gekauft hat, will es auch nutzen. Es soll sich schließlich amortisieren. Ein Auto, das meistens nutzlos auf der Straße steht und Kosten verursacht, wer will das? Also müssen wir das Auto nutzen. Und sei es nur dafür, 200 m bis zum nächsten Bäcker zu fahren. Aber das Auto als Einzelgerät würde nicht funktionieren. Es braucht Tankstellen, Werkstätten, Straßenbaumaschinen, Ampeln, Institutionen zu Kontrolle des Verkehrs und Institutionen zur Kfz-Steuer-Verwaltung. Ein Auto ist eines der typischen Vertreter von Geräten, die viele andere Geräte und Einrichtungen benötigen. Es ist ein Teil eines Netzwerks von Geräten, einer Megamaschine. Ein Auto ist ein Bedürfnis, das viele andere Bedürfnisse nach sich zieht. Navigationssysteme, Öl-Raffinerien, und Kriege um Öl. Selbst der Hinweis auf Bio-Kraftstoffe und Elektroautos verfängt nicht. Öl ist und wird noch lange Streitgrund bleiben. Ohne Öl gibt es kein Plastik - nur ein Beispiel.
 

Wir kennen den Spruch „Heute vertanken wir Lebensmittel“. Anbauflächen für Getreide und Mais, welche zur Ernährung dienen, werden der Kraftstoffindustrie geopfert. Natürlich weniger bei uns, sondern dort, wo Land noch billig ist. Dort, wo die "Primitiven" leben, also jene Menschen, die sich ihre Natürlichkeit zu bewahren trachten. Natürlichkeit aber ist nicht zeitgemäß. Sie ist nur begrenzt verwertbar. Indem wir Natur verwerten, verwerten und verwursten wir uns selbst. Es macht etwas mit uns, oder wie Rainer Maria Rilke sagte:

„Wir stehen und stemmen uns an unsere Grenzen und reißen ein Unkenntliches herein.“

Dieses Unkenntliche ist der Verlust unserer Eigenmächtigkeit. Unserer Möglichkeit, selbstbestimmt zu denken und zu handeln. Wir sind Spezialisten für einzelne Fachgebiete. In der extremen Form sind wir ein Wissenschaftler: dieser weiß immer mehr über immer weniger, bis er alles über nichts weiß. Selbst ein geschickter Automechaniker oder Autoelektriker sagt oft nicht nur aus Profitinteresse: „Das lohnt sich nicht zu reparieren, wir müssen das komplette System auswechseln“. Dabei schämte er sich nur, weil er weiß, dass er die Maschine nicht beherrscht und sie deshalb nicht reparieren kann. Das ist die „prometheische Scham“ (Günther Anders), die Scham darüber, dass der Mensch nie so perfekt wie die Maschine handelt, weil er geworden, nicht aber gemacht ist.
 

Die Maschine macht uns „nass“, sie erregt uns, sie benutzt uns (ohne eigenes Maschinen- Bewusstsein, nur deshalb, weil wir sie in ihrer Perfektion über uns erhoben haben, hängt sie über uns als Damokles- Schwert, als modernes Fallbeil unserer Eitelkeit, unserem Anspruch, größer sein zu wollen als wir es sind) und: SIE WIRD UNS FALLEN LASSEN. Uns zerschmettern. Die Atombombe kann nicht nur eingestetzt werden, sie wird eingesetzt. Täglich. Durch ihre bloße Drohung leben wir seit Jahrzehnten in unserem letzten Albtraum.

Radioaktivität zerstört jahrhundertelang. Verursacht durch Atombomben- „Tests“ und durch Atommüll aus Kraftwerken, der erstaunlicherweise durch zerrostende Metallfässer strahlt. Ein Krebs, der sich als unendliches Wachstum zeigt und unaufhaltbar ist. Atomstrahlung ist nicht der einzige Teufel. Ein anderer heißt Gentechnik. Beide sind Ausgeburten der Megamaschine.


Die Megamaschine als Katapult ins Nichts

Schließlich ist das Auto nur ein- wenn auch besonders populäres- Teil der gewaltigen Megamaschine, die wir nicht mehr beherrschen und die erst durch Katastrophen zum Nachdenken über sie zwingt. Atomzeitalter bedeutet: die Endzeit der Menschheit. Erstarrung durch Bequemlichkeit. Das ist Fortschritt. Fortschreiten vom Lebendigen. Bis zur titanenhaften Macht, zum letzten Knopfdruck: ins Nichts. Die Beantwortung der letzten philosophischen Frage: Warum gibt es eigentlich nicht NICHTS? Die Sehnsucht Rilkes:

„In dieser Zeit des Drängens und der Drähte,

in dieser Zeit der rasenden Geräte

will ich die Hand, die wieder schlichte Dinge täte,

die gerne wieder jätete und säte,

zurückgewinnen für die Ewigkeit.“

Dies könnte sich kurzzeitig erfüllen, nach einem Atomkrieg, in der es noch etwas Leben gäbe, bevor auch das durch dauernde Radioaktivität langsam in sich zerfiele. Zerfiele? Zerfällt. Die Menschheit kann das Sterben der Sonne nicht erwarten. Wir inszenieren unseren Abgang selbst. Wie ein Liebender, der aus Stolz „Schluss macht“, bevor es die Geliebte tut. Wie ein lungenkrebskranker Raucher, der weiter raucht und sagt: „Sonst wäre ja mein Tod nichts wert“. Danach werden wir nicht nur „gewesen sein“.

Wir werden NICHT gewesen sein. Denn wer würde sich an uns erinnern?

Ein ökonomistisch denkender Außerirdischer wird vielleicht angesichts der von ihm aus der Ferne beobachteten Apokalypse reimen:

Es ist zwar schlimm,

doch immerhin:

Da stecken viele Arbeitsstunden drin.

Oh, Mann, Wau!

Welch ein Know- how!

(Do you know: Why?)


 

Bild- und Grafikquellen:

1. After Atom Auto. So könnten Autos aussehen, wenn sich die Menschheit ins Jenseits befördert hat. Kreation: Sabine FoxMaterial: Kork, Holz und eine Metallschraube.

2. Hermann Knoflacher (* 21. September 1940 in Villach, Kärnten) ist ein österreichischer Zivilingenieur. Er ist Professor emeritus am Institut für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik der Technischen Universität Wien. Um die Problematik unseres Verkehrswesens aufzuzeigen, entwickelte er 1975 das Konzept des „Gehzeugs“. Dabei handelt es sich um einen Holzrahmen, den sich Fußgänger umhängen können, um dieselbe Fläche wie PKW-Fahrer in Anspruch zu nehmen. Es wird vor allem in Österreich in Demonstrationen gegen den Autoverkehr eingesetzt und verbildlicht die auch von Knoflacher formulierte Kritik an der Irrationalität des Straßenverkehrs, vor allem des städtischen, und an dessen relativ hohem Platzbedarf. Foto: Institut für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik, TU Wien. Quelle: Wikimedia Commons. Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Österreich“ lizenziert.

3. Das Automobil ist ein populäres- Teil der gewaltigen Megamaschine zur Beförderung ins Nichts. Foto: Bagal. Quelle: Pixelio.de

4. Buchcover "Wieviel ist genug". Autoren: Robert u. Edward Skidelsky. Verlag Antje Kunstmann, München; ISBN 978-3-88897-822-7, zur Verlagsseite

5. "Denk mal nach solange es noch legal ist" Grafikbearbeitung: Wilfried Kahrs / QPress.de

6. Oil Peakalypse Now: "I love the smell of oil wars in the morning." Grafik: Theo Wolters / Climategate.nl - Quelle: climategate.nl


7. Buchcover "Die Antiquiertheit des Menschen", 1. und 2. Band von Günther Anders.