DER ARABER IST AUCH NUR EIN TÜRKE: Eine Stellungnahme des Münchner NSU-Gerichtes

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Wolfgang Blaschka
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DER ARABER IST AUCH NUR EIN TÜRKE: Eine Stellungnahme des Münchner NSU-Gerichtes
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DER ARABER IST AUCH NUR EIN TÜRKE

Eine Stellungnahme des Münchner NSU-Gerichtes


von Wolfgang Blaschka, München


Unser Münchner Korrespondent hat uns vor der Veröffentlichung eine interne Stellungnahme des bayerischen NSU-Gerichtes zugespielt:

Ja mei, da hat ein ordentliches Münchner Gericht mal was zum zweitenmal entschieden, und schon beschwert sich das ausländische Gschwerl scho wieder. Bloß weil mir, von der FAZ bis zur TAZ, ein paar von dene Bladln nicht ausgelost haben: Das sei ein gar schweres Los, sagen die Schreiber, die ja auf nichts anderes warten, als über ein königlich bayerisches Amtsgericht herzufallen. Was geht denn des die an, diese elenden Zeitungsschmierer, wie mir wem unsern Prozess machen, ha? Kenna de net einfach das Urteil entgegen nehmen, und ausg'red't is's?! Ist des denn denen ihr Prozess oder der unsere? Also, nachad!

Jetza kommen's damit daher, dass ein Frauen-Bladl ausgelost worden wär und auch eins aus'm Allgäu, aber die New York Times hätten's auch gern gesehen. Ja wos? Is der Newyorker ebba wichtiger als der Allgäuer? Sonst sand's doch immer so für die Emanzipation, die Emanzi-Bazis, aber d' "Brigitte" wollns net dabei ha'm. Ja, ist denn die Frau Zschäpe keine Frau oder was? Schon des Verfassungsgericht, das ausgeschamte, bayernferne, hat uns zwingen wollen. Da hat's es se aber sauber brennt! Wozu samma mir ein Freistaat? Kennts ihr unsere Farben? Wer uns a so kommt, der kriegt erst recht nicht das, was er möcht'. Uns an Willen aufzwingen! Den hamma schon selber. Hamma halt a Tombola g'macht. Allermal revisionsfester als drei Stühl' dazua g'ruckt! Das waar doch viel'z'einfach g'wesen.

Und wegen Al Tschassiera, dem Sender, woll'ns uns jetzt derblecken, de Haderlumpen. Die hätten mir als Türken ausgelost, aber in Wahrheit seien die doch Araber! Woher soll denn des unsereiner wissen? "Al" wird doch auch nur so ein Ali sein. Und Tschassiera hin, Tschindarassasa her, wer hat die Blechmusik erfunden? Der Türke. Der Türke in der Türkei. Wenn der sich jetzt als Araber ausgibt oder umgekehrt: Was schert des uns?! Mir san mir, und ihr könnts uns kreuzweis'. Wer Türke ist, entscheiden mir, und wenn ich noch ein Widerwort hör', dann schließe ich die Öffentlichkeit komplett aus.


gez. Moosbauer, Amtsgerichtsrat

 



Der Beitrag erschien vormals auf RATIONALGALERIE > Artikel vom 30.04.2013

 

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Peter Kern
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Beigetreten: 15.12.2011 - 11:30
Unvernünftige Richter in München


Unvernünftige Richter in München


Bildung ist als Herzensweite zu verstehen. Vernünftige und weise Menschen sind, metaphorisch gesprochen, Menschen mit Herz. Nur die Herzlosen werden zur unversieglichen Quelle von Dummheit, Elend und Tod. Herzlosigkeit ist Unvernunft. Herzlosigkeit, gepaart mit scharfem Verstand, ist gesteigerte Unvernunft.

Verstandesheroen der Juristerei können sich bei Herzlosigkeit  im Recht wähnen, weil sie im eng umgrenzten Horizont ihrer Disziplin Presseplätze für den NSU-Prozess in München „richtig“ vergeben haben. Dass ihre „richtige“ Entscheidung keine „wahre“ Entscheidung ist, vermögen sie nicht zu sehen.

Gefesselt an die von allem anderen isolierten Partikularinteressen ihrer Zunft, können die Münchener Richter nicht wahrnehmen, dass ihr Rechtssystem in vielfacher Hinsicht mit unserer Gesellschaft verbunden ist. Diese Richter beherzigen nicht, dass ihre Profession nur Teil eines übergeordneten Ganzen ist.

Das Richtige ihrer rationalen und damit von ihnen als objektiv gewerteten Entscheidung wird in diesem erweiterten Horizont schlicht falsch. Diese Münchener Richter haben nicht gelernt, vernetzt zu denken. Ihnen fehlt die Gabe des integralen Blicks.

Folglich dokumentieren diese hoch ausgebildete Juristen dann, sit venia verbo, man verzeihe das Wort, ihre Gedankenlosigkeit, ja ihre Dummheit. Sie kennen nicht die Spannung zwischen Verstand-orientiertem Recht und der Vernunft-geleiteten Idee der Gerechtigkeit, die immer auch das nächsthöhere Ganze umgreift und mit bedenkt, von dem die juristischen Entscheidungen betroffen sind.

Die Münchener Richter haben bisher bei der Vergabe der Presseplätze zwar juristisch korrekt ihren Verstand gebraucht, dabei aber keine Vernunft walten lassen. Sie kamen zu ungerechten Urteilen.

Das erklärt die Empörung, die ihnen national und international entgegenschlägt.

Als ausgezeichnet ausgebildete juristische Verstandesvirtuosen verstehen sie diese Kritik an ihrer Vorgehensweise überhaupt nicht. Sie reagieren inzwischen bockig. Dadurch bestätigen sie nur ihren Status als Juristen ohne Vernunft. Sie dokumentieren, dass sie in erschreckendem Ausmaß Bildung vermissen lassen. Das hat, wie inzwischen zu besichtigen ist, fatale Folgen.

Vgl. u.a. SPIEGEL-ONLINE vom 29.04.2013: „Losverfahren für NSU-Prozess: Große Medien gehen bei Sitzplatzvergabe leer aus." - zum Artikel

 

Peter Kern



► Diesen Beitrag habe ich am 30.04.2013 als Tagebucheintrag auf meinem Blog veröffentlicht.

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Liebe Grüße v. Peter Kern - http://haus-des-verstehens.ch

 

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