Deutscher Werberat schützt die Junkfood-Industrie

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Marie-Luise Volk
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Deutscher Werberat schützt die Junkfood-Industrie
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Deutscher Werberat schützt die Junkfood-Industrie



foodwatch und die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) legen Einspruch gegen ein Urteil des Deutschen Werberats ein. Dieser hatte eine Beschwerde der Organisationen gegen die EM-Kampagne von Coca-Cola zurückgewiesen. Das absurde Argument: Die Marketingmaßnahmen, darunter Cola-Aktionspackungen mit Panini-Stickern und Cola-Sammeldosen mit den Gesichtern der deutschen Nationalelf, richteten sich nicht explizit an Kinder, sondern in erster Linie an Erwachsene.

foodwatch und die DDG hatten Ende Juni einen sofortigen Stopp der EM-Kampagne von Coca-Cola gefordert und dies mit einem Verstoß gegen Verhaltensregeln für Lebensmittelwerbung begründet. Bei der Kampagne „Hol Dir das Team auf 24 Sammeldosen“ sind die Gesichter der Fußballnationalspieler auf Cola-Dosen abgebildet. Coca-Cola bietet zudem Aktionspackungen mit speziellen Stickern für die beliebten Panini-Alben an.

 


Coca-Cola verstößt gegen mehrere Verhaltensregeln

Coca-Cola verstößt mit seiner Kampagne gegen drei Verhaltensregeln des Deutschen Werberats über die „kommerzielle Kommunikation für Lebensmittel“:

⇒ 1. sei die Kampagne eine „direkte Aufforderung zum Kauf oder Konsum an Kinder“.

⇒ 2. nutze Coca-Cola das besondere Vertrauen aus, das Kinder Vertrauenspersonen wie den deutschen Fußball-Nationalspielern entgegenbringen.

⇒ 3. erschwere die Kampagne das „Erlernen einer ausgewogenen, gesunden Ernährung“.

Zuckergetränke wie Coca-Cola gelten nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als unausgewogene Lebensmittel, für deren Absatz Hersteller kein Kindermarketing betreiben sollten.


Werberat: Panini-Alben sind eher was für Erwachsene

Der Deutsche Werberat wies die Beschwerde nun zurück. Die strittigen Werbemaßnahmen richteten sich nicht explizit an Kinder, sondern in erster Linie an Erwachsene, so die Erklärung. Fußballstars seien zudem keine Idole, die vorrangig Kinder ansprechen. Das Sammeln von Panini-Bildern der Nationalmannschaft sei vor allem ein Hobby von Erwachsenen, schrieb der Werberat, das Selbstkontrollorgan der Werbewirtschaft. foodwatch und der DDG bezeichneten die Argumentation als absurd und legten Einspruch gegen die Entscheidung des Werberats ein.

 


Sammelwut an Schulen

foodwatch bezeichnete die Argumentation als absurd und lächerlich. Gemeinsam mit der DDG legte die Verbraucherorganisation Einspruch gegen die Entscheidung des Werberats ein. Denn Fußballstars seien sehr wohl Idole für Kinder, entgegneten foodwatch und die DDG und verweisen auf jüngste Umfragen, wonach Jungen im Alter von 6 bis 12 Jahren „Fußballprofi“ als häufigsten Berufswunsch angeben.

Besonders die Panini-Sammelalben seien bei Kindern und Jugendlichen extrem beliebt. Mehrere deutsche Schulen sahen sich in diesem Jahr gezwungen, das Sticker-Tauschen auf dem Schulgelände zu verbieten, weil kleine Kinder für hohe Summen fehlende Sticker kaufen. Der Panini-Verlag hat seine Sammelheftchen laut Medienberichten an insgesamt 2.500 Schulen bundesweit direkt schicken lassen – zur kostenlosen Verteilung. Elternvertreter und Schulleiter bezeichneten die Aktion als Lockvogelangebote und unzulässige Werbung.


Werbeexperten: Sammelaktionen sind im Kindermarketing effektiv

Studien zeigen, dass Lebensmittel-Werbung mit bei Kindern beliebten Sportlern die Essenswahl von Jungen beeinflussen. Zudem verweisen Marketing-Fachleute auf die Macht von sogenannten Promotions, also Sammelaktionen oder Gewinnspiele. Promotions seien „vor allem im Kindermarketing ein sehr effektives Kommunikationsmittel“, erklärt Cobra Youth, eine führende Agentur für Kinder- und Jugendmarketing, auf ihrer Webseite. Kinder seien bei Promotions maßgeblich in die Kaufentscheidung ihrer Eltern mit einbezogen und begleiteten diese auch meist beim Einkauf.
 

     

 

Werberat macht sich unglaubwürdig

foodwatch und die DDG bleiben bei ihrer Forderung: Der Deutsche Werberat muss die Coca-Cola-Kampagne öffentlich rügen und damit ein wichtiges Signal gegen Kindermarketing für ungesunde Lebensmittel zu setzen. Mit der aktuellen Entscheidung mache sich der Deutsche Werberat zumindest absolut unglaubwürdig.

Ihr foodwatch Team



Cola, Fanta und Co. sind keine „soften“ Drinks, sondern flüssige Krankmacher. Sie können zu weit ernsteren Krankheiten führen, als häufig angenommen – neben Zahnschäden und Fettleibigkeit drohen zum Beispiel Diabetes und Potenzstörungen. Sehen Sie selbst: (Dauer 3:44 Min)


       

 



Lebensmittel statt Nahrungsmittel!
 


Lesetipp:  Nahrungsmittel = Lebensmittel ? - weiter

► Quelle: Artikel von foodwatch und die Pressemitteilung dazu vom 12. Juli 2016 - weiter.

 


 

► Links:

E-Mail-Protestaktion von foodwatch „Kein Kindermarketing für Ungesundes mit Neuer, Schweinsteiger & Co.“ - weiter.

Cola-Fakten - weiter.

foodwatch: DFB ist „Diabetes Förderer-Bund“ - weiter.


Blogeintrag von Coca-Cola über finanzierte Gesundheitspartnerschaften - weiter.

Cobra Youth zu „Promotions“ - Marketing-Agentur für Kinder- und Jugendkommunikation - weiter.

Studien zu Lebensmittelwerbung mit Sportlern - weiter.

⇒ Coca-Cola-Initiative „Hör auf dein Herz“ - weiter.

Harvard School of Public Health zu Soft Drinks und Krankheiten - weiter.


► Kontakt zu foodwatch e.V. für Mitglieder und Verbraucherweiter

Juristische Auseinandersetzungen mit Behörden und Unternehmen kosten viel Geld. foodwatch ist dabei auf Ihre Unterstützung angewiesen – nur gemeinsam können wir uns zur Wehr setzen. Daher unsere große Bitte: Helfen Sie uns und werden Sie jetzt Fördermitglied: www.foodwatch.de/mitglied-werden

 

Literatur:

"Idealgewicht ohne Hungerkur", Dr. med. Max Otto Bruker, emu-Verlag Lahnstein b. Koblenz

"Übergewicht – Der Kampf mit dem eigenen Körper", Mathias Jung, emu-Verlag

"Unsere Nahrung – Unser Schicksal", Dr. med. Max Otto Bruker, emu-Verlag

"Diäten. Wunderdiäten genauer betrachtet", Dr. med. Max Otto Bruker und Ilse Gutjahr, emu-Verlag

Kleinschrift "Schlank werden ohne Hungerkur“ Dr. Max Otto Bruker, emu-Verlag

Kollath-Tabelle "Die Ordnung unserer Nahrung“, emu-Verlag, in der Bearbeitung von Andrea Dornisch, Gesundheitsberaterin (GGB)


Bild- und Grafikquellen:


1. Der Inhalt einer Coca-Cola Sammeldose  entspricht 11,5 Zuckerwürfel. Foto/Quelle: Pressefoto von foodwatch. Foto wurde vom KN-Betreiber digital nachbearbeitet.

2. Coca-Cola Sammeldosen: Der Zuckergehalt aller 24 Sammeldosen entspricht 280 Zuckerwürfel. Foto/Quelle: Pressefoto von foodwatch.

3. Schöne Aussichten! Foto: Dani Vázquez. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0).

4. Die Menschen häufen die Fehler ihres Lebens an und erschaffen daraus das Ungeheuer das sie Schicksal nennen. Falsche Ernährung und der (zweifelhafte) Genuss von Softdrinks können nicht nur die Gesundheit massiv beeinträchtigen, sondern auch das Aussehen. Originalfoto: Dani Vázquez. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0). Bild wurde digital bearbeitet von Willfried Kahrs (WiKa) / QPress. Lizenz bleibt wie beim Original.

5. Buchcover: "Zucker, Zucker ... krank durch Fabrikzucker. Von süssen Gewohnheiten, dunklen Machenschaften und bösen Folgen für unsere Gesundheit." von Max Otto Bruker und Ilse Gutjahr. 12. Auflage August 2017, 345 Seiten, gebunden, emu-Verlags- und Vertriebsgesellschaft Ernährung-Medizin-Umwelt, Lahnstein bei Koblenz. http://emu-verlag.de/

Dr. Bruker konstatiert: „Zucker ist nicht nur süß, sondern gefährlich. Zucker zaubert – sagt die Industrie. Ich belege: Zucker zaubert Krankheiten herbei. Denn längst hängen die Industrienationen am Zucker wie Fixer an der Nadel. Das ist eine gesundheitspolitische Tragödie von kriminell anmutenden Ausmaßen.“ Aus dem Inhalt: Unzureichende Ausbildung der Ärzte – Zucker und Zucker ist nicht identische – Der große Irrtum: Fruchtzucker für den Diabetiker – Der Zucker als Vitamin- und Kalkräuber – Zucker und Sucht – Zucker und Leberschäden – Zucker und Übergewicht – Zucker und Magengeschwüre – Zucker und Kinderlähmung – Krankheitsfälle aus der Praxis – Womit darf man süßen?

6. Kollath-Tabelle. Grafik: © emu-Verlag, Lahnstein. Prof. Werner Kollath (1892 – 1970) („Die Ordnung unserer Nahrung“),  Dr. Max Bircher-Benner („Vom Werden des neuen Arztes“) und Dr. Max Otto Bruker („Unsere Nahrung – unser Schicksal“) u.a. waren die Pioniere, die durch Forschungsergebnisse den Unterschied zwischen Lebensmittel und Nahrungsmittel auf den Tisch legten. Doch bis heute bleibt dieser Unterschied der breiten Masse verborgen.

7. Buchcover: "Zucker – der süße Verführer.  Alles Wissenswerte und praktische Gesundheitstipps", von Franz Binder /Josef Wahler - zur Buchvorstellung.

8. Buchcover: "Unsere Nahrung unser Schicksal. Alles über Ursachen, Verhütung und Heilbarkeit ernährungsbedingter Zivilisationskrankheiten von Dr. Max Otto Bruker, emu-Verlags- und Vertriebsgesellschaft Ernährung-Medizin-Umwelt; Auflage: 49 (1. Februar 2016). TOP-TIPP!

9. Buchcover: "Die Ordnung unserer Nahrung“ von Prof. Werner Kollath (1892 – 1970).

10. Max Otto Bruker (* 16. November 1909 in Reutlingen; † 6. Januar 2001 in Lahnstein) war ein deutscher Sachbuchautor, Arzt und Politiker. Er war ein Verfechter der Vollwerternährung, für die er einen eigenen Ansatz erarbeitete („vitalstoffreiche Vollwertkost“). Bruker leitete von 1974 bis 1977 als Chefarzt die psychosomatische Abteilung der Klinik am Burggraben in Bad Salzuflen. Von 1977 bis 1991 war er ärztlicher Leiter der Klinik Lahnhöhe in Lahnstein. In seiner Ausbildung zum Röntgenarzt hat er gelernt, dass zwei Mammographien die Krebsrate um das Doppelte erhöhen.

Bruker hielt 20 Jahre lang monatlich in seinem Gesundheitszentrum Lahnhöhe eine für die Öffentlichkeit zugängliche Sprechstunde mit dem Namen „Ärztlicher Rat aus ganzheitlicher Sicht“ ab. Bruker starb 91-jährig, erst ein Jahr zuvor hatte er sich in den Ruhestand begeben. Seine Bücher erreichten eine Auflage von über vier Millionen. Foto: © GGB e.V., Lahnstein