Die Kritik von Silvio Gesell an Karl Marx

1 Beitrag / 0 neu
Bild des Benutzers Helmut S. - ADMIN
Helmut S. - ADMIN
Online
Beigetreten: 21.09.2010 - 20:20
Die Kritik von Silvio Gesell an Karl Marx
DruckversionPDF version

Die Kritik von Silvio Gesell an Karl Marx

von Georg Lehle, Rothenburg o/T

silvio_gesell_freihandel_freigeld_humane_wirtschaft_freiwirtschaft_freiwirtschaftslehre_umlaufgesichertes_geld_kritisches_netzwerk_umlaufsicherung_natuerliche_wirtschaftsordnung.jpg1916 erschien das Buch „Die natürliche Wirtschaftsordnung“ von Silvio Gesell. Der deutsch-argentinische Kaufmann übt darin profunde Kritik an den Ansichten von Karl Marx. Für Karl Marx wäre Geld eine ganz normale Ware: Waren und Geld seien äquivalent, vollständig gleichberechtigt und austauschbar.  Daher suchte Karl Marx den kapitalistischen Systemfehler im Produktionsprozess. Dort würde vom Unternehmer ein Mehrwert (Gewinn) erwirtschaftet werden, zunehmend zu Lasten der Arbeiter.

Dieser Ansicht tritt Silvio Gesell entgegen. In einer funktionierenden Marktwirtschaft (ohne Monopole) würde der Gewinn gegen Null eliminiert werden, durch Wettbewerb und vermehrte Produktion. Soweit könne es aber nicht kommen, da das Geld vorher „streikt“ und eine positive Verzinsung erzwingt. Für Gesell ist der Ausbeuter also der Geldbesitzer und nicht der Unternehmer.

► Text aus dem Buch v. Ernst Winkler, „Theorie der Natürlichen Wirtschaftsordnung“, 1952:

„Aus dem offenkundigen Versagen des historischen Liberalismus erwuchs die sozialistische Bewegung mit dem Ziel, die missbrauchten Freiheitsrechte einzuschränken zugunsten der Gesamtheit und besonders zugunsten der wirtschaftlich Schwachen. Diese Zielsetzung beruht jedoch auf einem Denkfehler; denn der historische Liberalismus versagte nicht, weil er zuviel, sondern weil er zuwenig Freiheit verwirklichte.

Eine „freie Wirtschaft“ hat es im Liberalkapitalismus in Wahrheit nie gegeben, sondern nur eine vermachtete Wirtschaft: vermachtet durch Privatmonopole, durch den privaten Monopolbesitz von Grund und Boden und den Rohstoffen, durch das Geld- und Bodenmonopol, durch die Bildung von Syndikaten, Kartellen und Trusts. An die Stelle einer freien Konkurrenzwirtschaft trat die Herrschaft privater Wirtschaftsmächte, die durch ihre Maßnahmen weitgehend auch die Höhe von Preisen, Löhnen und Zinsen und damit das Wirtschaftsgeschehen insgesamt nach ihren Interessen bestimmen konnten.

Karl_Marx_Philosoph_Oekonom_Gesellschaftstheoretiker_Kapital_Trier_Arbeiterbewegung_Marxismus_Sozialismus_Kommunismus._Klassengesellschaft_Oekonomie_Bourgeoisie_Kapitalismus_Religionskritik.jpgDie sozialistischen Bestrebungen laufen darauf hinaus, die liberalkapitalistische durch eine zentralgeleitete Wirtschaft, also die private durch eine staatliche Vermachtung und die Privatmonopole durch Staatsmonopole zu ersetzen. Das bedeutet nichts anderes, als dass die vielen erbarmungslosen Wirtschaftsdiktatoren, die sich immerhin noch durch einen letzten Rest von Konkurrenz gegenseitig in ihrer Macht beschränken, durch einen einzigen, ebenso erbarmungslosen, aber völlig unbeschränkten Wirtschaftsdiktator in Gestalt des Staates abgelöst werden. Dadurch kann sich die Lage der arbeitenden Menschen nur noch hoffnungslos verschlimmern, wie mannigfache geschichtliche Erfahrungen hinlänglich bestätigen.“

► Karl Marx schrieb in seinem Hauptwert „Das Kapital“:

„Die Arbeitskraft ist die Quelle des Zinses (Mehrwert). Der Zins, der das Geld in Kapital verwandelt, kann nicht vom Geld herrühren.  Wenn es wahr ist, daß das Geld Tauschmittel ist, so tut es nichts anderes, als die Preise der Waren bezahlen, die es kauft. Wenn es solchermaßen unveränderlich bleibt, so nimmt es nicht an Wert zu. Daher muß der Mehrwert (Zins), von den gekauften Waren herrühren, die teurer verkauft werden. Diese Veränderung kann weder beim Kauf noch beim Verkauf stattfinden; in diesen beiden Handlungen werden Äquivalente ausgetauscht. Es bleibt darum nur eine Annahme frei, daß die Änderung durch den Gebrauch der Ware nach dem Kauf und vor dem Wiederverkauf vor sich gehe.” (Marx: Das Kapital, Kap. VI.)[Das Marxsche Kapital Bd. I-III im Internet]

► Silvio Gesell antwortet:

„Eine besondere Geldmacht kennt Marx selbstverständlich nicht. Die Ausbeutung der Völker durch die goldene Internationale, durch die Börsen- und Wucherspieler muß Marx verneinen. Börsenraub gibt es nicht, sondern nur ”Prellereien”. Der Börsenräuber bedient sich der List, nicht der Macht. Er ist nur ein Dieb. Raub setzt Macht voraus, und diese haben nicht die Geldleute, nicht die Börsenfürsten, sondern die Besitzer der Produktionsmittel. Kurz, Geld und Ware sind ”Äquivalente”, zu jeder Zeit, an jedem Ort, gleichgültig, ob das Geld in den Händen eines als Selbstverbraucher oder als Kaufmann auftretenden Käufers liegt.

Und so spricht er es geradezu aus: ”Daß nun, obschon Gold und Silber nicht von Natur aus Geld, Geld aber von Natur Gold und Silber ist, beweist die Kongruenz seiner Natureigenschaften mit denen seiner Funktionen als Tauschmittel.“ (…)

Mit diesem Loblied auf das Gold und die Goldwährung hat Marx die Aufmerksamkeit des Proletariats vollkommen vom Geld abgelenkt und die Börsenräuber, Wucherspieler, Spitzbuben unmittelbar in den Schutz der besitzlosen Klasse, des Proletariats gestellt. Und so hat man das traurig-lustige Schauspiel, daß jetzt überall in der Welt ”die Wachen vor Mammons Tempel durch die rote Garde besetzt sind”.

Tatsache ist, daß in den sozialdemokratischen Wahlflugblättern und in der Presse das Wort Zins und Geld nicht ein einziges Mal erwähnt wird!

► Woher stammt der Gewinn der „Mehrwert“?

„Warum spricht man in allen Zeitungen der Welt von Marx und seiner Lehre? Einer meinte, das läge an der Hoffnungslosigkeit und entsprechenden Harmlosigkeit der Marxschen Lehre. Kein Kapitalist fürchte diese Lehre, wie auch kein Kapitalist die christliche Lehre fürchtet. Es wäre geradezu vorteilhaft für das Kapital, möglichst viel und breit von Marx und Christus zu reden. Marx würde ja dem Kapital niemals etwas anhaben können, weil er die Natur des Kapitals falsch beurteilt.“

pierre_joseph_proudhon_anarchismus_eigentum_ist_diebstahl_kritisches_netzwerk_proudhonismus_anarchie_ausbeutung_herrschaft_privateigentum_zinsknechtschaft_freiheit_gleichheit.jpg„Marx Untersuchung des Kapitals schlägt von Anfang an den verkehrten Weg ein. Wie es der erste beste Bauer macht, so betrachtet auch Marx das Kapital als ein Sachgut. Für  Pierre-Joseph Proudhon dagegen ist der Mehrwert nicht Produkt eines Sachgutes, sondern eines wirtschaftlichen Zustandes eines Marktverhältnisses. Marx sieht im Mehrwert einen Raub, die Frucht des Mißbrauches einer Macht, die der Besitz gibt. Für Proudhon unterliegt der Mehrwert dem Gesetz von Angebot und Nachfrage. Für Marx ist der positive Mehrwert selbstverständlich, für Proudhon mußte auch die Möglichkeit eines negativen Mehrwertes in den Kreis der Betrachtung gezogen werden (positiv= der Mehrwert auf seiten des Angebots, d. i. der Kapitalisten, negativ= Mehrwert auf seiten der Nachfrage, d. i. der Arbeiter).

Marx Ausweg ist die durch Organisation zu schaffende politische Übermacht der Besitzlosen; Proudhons Ausweg ist die Beseitigung des Hindernisses, das uns von der vollen Entfaltung unserer Produktionskraft abhält.“

► Wie kann der Mehrwert beseitigt werden?

„Ist, wie Marx sagt, das Kapital ein Sachgut, auf dessen Besitz die Übermacht der Kapitalisten beruht, so müßte mit jeder Vermehrung dieser Sachgüter das Kapital entsprechend gestärkt werden. Wiegt ein Bündel Stroh, eine Schubkarre voll Wertliteratur 2 Zentner, so wiegen zwei Bündel, zwei Schubkarren überall, zu allen Zeiten, genau 4 Zentner. Und wirft ein Haus 1000 Mark Mehrwert ab im Jahr, so müssen zehn Häuser, die daneben erbaut werden, immer und selbstverständlich 10 x 1000 Mark abwerfen – die Richtigkeit vorausgesetzt, daß das Kapital als Sachgut zu betrachten ist.

Wir wissen aber, daß man das Kapital nicht wie die Sachgüter zusammenzählen kann, daß im Gegenteil sehr oft das neu hinzukommende Kapital vom bereits bestehenden abgezogen werden muß. (…)

Als, nicht lange vor Ausbruch des Krieges, die verzweifelten Hausbesitzer in den Vororten Berlins auf den Niedergang der Mieten – also des Mehrwertes – hingewiesen und in den bürgerlichen Zeitungen allen Ernstes von der „Bauwut der Arbeiter und Unternehmer“ von der „Baupest, die im Häuserkapital herrsche“, gesprochen wurde, da konnte jeder die wahre Natur des Kapitals in ihrer ganzen Erbärmlichkeit sehen. Das von den Marxisten so gefürchtete Kapital stirbt an der Baupest, reißt vor den Bauwut der Arbeiter aus! (…)

„Hört auf zu bauen, hätte Marx gesagt, klagt, bettelt, jammert über Arbeitslosigkeit, streikt obendrein, denn jedes Haus, das ihr baut, mehrt die Macht der Kapitalisten, wie 2 + 2 = 4 ist. (…) Darum empfehle ich euch, laßt ab von dieser ungefesselten Bauwut, verlangt den acht-, den sechsstündigen Arbeitstag, denn je mehr ihr Häuser baut, desto größer ist selbstverständlich der Mehrwert, und Wohnungsmiete ist – Mehrwert. Also Schluß mit der Baupest; je weniger ihr baut, um so billigere Wohnungen werdet ihr vorfinden.“

Vielleicht hätte Marx sich gehütet, solchen Unsinn auszusprechen, aber so denken und handeln die Arbeiter doch heute auf Grund der Marxschen Lehre, die das Kapital als Sachgut behandeln.“ S. 35

„Dagegen Proudhon. Immer drauf los! Her mit der Bauwut, her mit der Baupest! hätte er gesagt. Arbeiter, Unternehmer, laßt euch unter keiner Bedingung die Maurerkelle aus der Hand winden. Schlagt sie tot, die euch von der Arbeit abhalten. Das sind eure Erbfeinde. (…) Das Kapital soll an der Baupest zugrunde gehen! Seit etwa 5 Jahren hat man euch ohne Aufsicht eurer Bauwut überlassen, und schon spüren es die Kapitalisten, schon schreien sie über den Niedergang des Mehrwertes; schon ist der Hauszins von 4 auf 3 % gefallen (…). Noch 3 x 5 Jahre ungestörter Arbeit, und ihr werdet in mehrwertfreien Häusern euch breit machen, wirklich einmal „wohnen“ können. Das Kapital stirbt, ihr seid dabei und auf dem Weg, es mit eurer Arbeit zu vernichten.“

Warum kann der Mehrwert nicht sinken?

„Proudhon fragte: warum haben wir zu wenig Häuser, Maschinen und Schiffe? Er gab darauf auch die richtige Antwort: weil das Geld den Bau nicht gestattet! (…) Sobald das Kapital den herkömmlichen Zins nicht mehr abwirft, streikt das Geld und unterbricht die Arbeit. Das Geld wirkt also tatsächlich wie ein Schutzmittel gegen Baupest und Arbeitswut. Es nimmt das Kapital (Häuser, Fabriken, Schiffe) in seinen Schutz gegen jede Kapitalvermehrung.“

► Silvio Gesells Plädoyer für Schwundgeld

„Auch müssen wir beachten, daß das Geld allgemein als Sparmittel gebraucht wird; daß alles Geld, das als Tauschmittel dem Handel dient, in die Sparkassen mündet und dort liegen bleibt, bis es vom Zins herausgelockt wird. (…) Wie wollen wir es machen, daß die Sparer, statt Geld zu sparen, ihre Sparbüchsen oder Sparkammern mit Stroh, Büchern, Speck, Tran, Häuten, Guano, Dynamit, Porzellan usw. füllen?“

„Und doch ist die Lösung der Aufgabe, die Proudhon nicht glücken wollte, einfach genug. Man braucht dazu nur einmal den gewohnten Standpunkt des Geldbesitzers zu verlassen und sich die Aufgabe vom Standpunkt der Arbeit und des Warenbesitzers anzusehen. Dann findet man die Lösung sofort.

Die Ware ist die wahre Grundlage der Volkswirtschaft, nicht das Geld. Aus Waren und ihren Zusammensetzungen bestehen 99 % unseres Reichtums, nur 1 % aus Geld. (…) Fault, bricht, vergeht die Ware, gut, so lassen wir sie vergehen. Es ist ja ihre Natur. (…) wir können nicht verhindern, daß die Zeitung, die morgens um 6 Uhr von Schnelläufern ausgeschrieen wird, zwei Stunden danach schon zum Ausschußpapier geworfen werden muß, wenn sie keinen Käufer fand.“

Muß das Geld so sein, wie es ist? Muß das Geld als Ware besser sein als die Waren, denen es als Tauschmittel dienen soll? (…) Und ist dieses „Bessersein“ nicht eben das Vorrecht, dessen Bestehen wir als die Ursache des Mehrwertes erklären (…)?

Also weg mit den Vorrechten des Geldes! Das Geld soll als Ware für niemand, auch für den Sparer, Spekulanten und Kapitalisten nicht besser sein als der Inhalt der Märkte, Läden, Eisenbahnschuppen.

Das Geld soll also (…) wie die Waren verrosten, verschimmeln, verfaulen; es soll zerfressen werden, erkranken, davonlaufen, und wenn es verendet, soll der Besitzer noch den Lohn des Abdeckers bezahlen.“

Georg Lehle, Rothenburg o/T


► Quelle: Erstveröffentlicht auf dem Blog FRIEDENSBLICK > Artikel. Das Blog ist eine private werbefreie Initiative von Georg Lehle. Vielen Dank für die Freigabe zur Veröffentlichung im Kritischen Netzwerk.  

"Kapitalismuskritiker – auf ewig gespalten? Was Kapitalismus überhaupt ist?" - weiter.

"Geld neu denken: Die schmerzlose Beseitigung der perversen Geldwirtschaft" - weiter.

"Zinseszins und fiktives Kapital" - weiter.

"Das Marx´sche Kapital" Bd. I-III im Internet

__________________________________________

Fehler im Geldsystem (Dauer 7:38 Min.)

Dieser Film von MonNetA.org zeigt in anschaulichen Grafiken und Animationen welche Folgen Zins und Zinseszins in der Finanzwirtschaft haben und wie systematisch von der großen Mehrheit der Bevölkerung zu den Vermögenden umverteilt wird. Die im Film gezeigten Grafiken und Berechnungen basieren zum teilweise auf Arbeiten von Helmut Creutz. Die Idee eines von der "Liquiditätsverzichtsprämie" oder vom "Urzins" befreiten Geldes, des *Freigelds*, geht auf Silvio Gesell zurück.


    

Wo ist unser Geld? Natürliches, lineares und exponentielles Wachstum u.v.m. (Dauer 6:48 Min.)


Margrit Kennedy „Geld neu gestalten – Die Vorzüge komplementärer Währungen (Dauer: 1:01:21 Std.)

Wer verstehen will, wie Geld funktioniert und in welcher Weise es unser Leben beeinflusst, sollte Margrit Kennedy fragen. Mit ihren Büchern und Vorträgen deckt sie systematische Fehler unseres Geldsystems auf. Als Ausweg aus dem krisenanfälligen Monopolgeld beschreibt Kennedy die Einführung einer Vielfalt von komplementären Geldsystemen, die für spezielle Zwecke entworfen werden können, ähnlich dem Prinzip der Vielfalt in der Natur. Auf sehr persönliche Weise erzählt sie von ihrer eigenen Spurensuche in der Finanzwelt und berichtet von erfolgreichen Geldexperimenten, mit denen man in Zu­kunft Finanzkrisen vermeiden kann.


  

Geld frisst Welt - Tobias Plettenbacher am Top Info Forum - Reportage/doku (Dauer: 57:31 Min)


  

► Bild- und Grafikquellen:

1. Silvio Gesell 1920. Das Foto wurde der Webseite http://www.silvio-gesell.de/ entnommen. Diese von der "Stiftung für Reform der Geld- und Bodenordnung" verantwortete Website bietet auf authentische Quellen gestützte Informationen über Gesells Leben und Werk.

2. Karl Marx Portrait. Urheber: John Jabez Edwin Mayall (1813–1901), engl. Fotograf. Quelle: International Institute of Social History in Amsterdam, NL / Wikimedia Commons. Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Parallel zu dieser Lizenz muss auch ein Lizenzbaustein für die United States public domain gesetzt werden, um anzuzeigen, dass dieses Werk auch in den Vereinigten Staaten gemeinfrei ist.

3. Johann Silvio Gesell (* 17. März 1862 in Sankt Vith, damals Preußen, heute Belgien; † 11. März 1930 in der Obstbau-Genossenschaft Eden bei Oranienburg) war ein deutscher Kaufmann, Finanztheoretiker, Sozialreformer und Begründer der Freiwirtschaftslehre.

Silvio Gesell vertrat eine weltbürgerliche Einstellung. Nach seiner Überzeugung sollte die Erde allen Menschen gleichermaßen gehören, ohne Unterschied von Rasse, Geschlecht, Stand, Vermögen, Religion, Alter oder Leistungsfähigkeit. Landesgrenzen müssten überflüssig werden. Gesell war ethischer Vegetarier, der aus Achtung vor Tieren das Fleischessen ablehnte.

Gesell baute seine volkswirtschaftlichen Überlegungen auf den Eigennutz des Menschen als gesundem, natürlichem Antrieb, der es ihm erlaube, seine Bedürfnisse zu verfolgen und wirtschaftlich tätig zu sein. Dieser Gegebenheit müsse auch eine Wirtschaftsordnung gerecht werden, sonst sei sie zum Scheitern verurteilt. Deshalb nannte Gesell die von ihm entworfene Wirtschaftsordnung „natürlich“. Mit dieser Haltung stellte er sich bewusst in Gegensatz zu Karl Marx, der eine Änderung der gesellschaftlichen Verhältnisse forderte.

In Berücksichtigung des Eigennutzes trat Gesell ein für freien, fairen Wettbewerb mit gleichen Chancen für alle. Dazu gehörte für ihn der Abbau aller ererbten und gesetzlichen Vorrechte. Jeder sollte einzig seine persönlichen Fähigkeiten einsetzen, damit aber auch sein Auskommen finden können. In der von ihm angestrebten „natürlichen Wirtschaftsordnung“ würde der freie Wettbewerb den Begabtesten gerechterweise das höchste Einkommen sichern, ohne Verfälschung durch Zins und Bodenrente. Ebenso würde sie den weniger Befähigten ein ausreichendes Auskommen gewähren, weil ihnen keine Abgaben für Zins und Bodenrente auferlegt sein würden. Ein gerechter Ausgleich von Arm und Reich wäre möglich. Daneben stünden für die Unterstützung von Bedürftigen genügend Mittel zur Verfügung, weil das erhöhte Durchschnittseinkommen jedem erlaube, für sie das Nötige aufzuwenden. (Text: Wikipedia, bitte weiterlesen)

Foto: Florian Seiffert, Köln. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Generic (CC BY-NC-SA 2.0).

4. Pierre-Joseph Proudhon, 1860, (* 15. Januar 1809 in Besançon; † 19. Januar 1865 in Passy, Paris) war ein französischer Ökonom und Soziologe. Er gilt als einer der ersten Vertreter des solidarischen Anarchismus. Er setzte sich für die Abschaffung der Ausbeutung und der Herrschaft des Menschen über den Menschen ein, außerdem für Mutualismus und Föderalismus. Vielzitiert ist der Satz „Eigentum ist Diebstahl“ aus seinem Werk Qu’est ce que la propriété? Ou recherches sur le principe du droit et du gouvernement.

Urheber: Nadar (1820–1910). Quelle: Wikimedia Commons. Dieses Werk ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für das Herkunftsland des Werks und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 100 oder weniger Jahren nach dem Tod des Urhebers. Parallel zu dieser Lizenz muss auch ein Lizenzbaustein für die United States public domain gesetzt werden, um anzuzeigen, dass dieses Werk auch in den Vereinigten Staaten gemeinfrei ist.

5. Buchcover "Silvio Gesell und die natürliche Wirtschaftsordnung: eine Einführung in Leben und Werk" von Werner Onken. 194 Seiten, Pb., ISBN 978-3-87998-439-8. VKP: 19,90 EURO

6. Buchcover "Schwundgeld - Bürgermeister Michael Unterguggenberger und das Wörgler Währungsexperiment 1932/33" von Dr. Wolfgang Broer; StudienVerlag GmbH, 6020 Innsbruck/A.; 414 Seiten, kartoniert mit zahlreichen s/w-Abbildungen; Euro 44,90 - ISBN: 978-3-7065-5298-1.

In den Jahren 1932/33 führte der Wörgler Bürgermeister Michael Unterguggenberger in seiner Gemeinde das sogenannte „Schwundgeld“ ein, eine Parallelwährung neben dem amtlichen Schilling. Er initiierte dadurch inmitten der Weltwirtschaftskrise ein Währungsexperiment, welches seit damals nicht nur in Österreich, sondern auch in vielen anderen Ländern der Welt große Beachtung und Nachahmung gefunden hat. Dieses Buch stellt das Wörgler Experiment erstmals umfassend in das damalige politische und soziale Koordinatensystem und führt ganz nah an die Menschen und Probleme dieser Zeit heran. Das Wörgler Experiment war natürlich zum einen Dorfgeschichte, gleichzeitig aber zum anderen auch ein Teil der Geschichte Tirols und Österreichs – und in gewisser Hinsicht Weltwirtschaftsgeschichte!

Der Autor: Wolfgang Broer, Dr., Historiker und Publizist, langjähriger Redakteur der Tageszeitung „Kurier“, Osteuropa-Korrespondent deutscher Zeitungen und Rundfunkanstalten, Chefredakteur des a3-Wirtschaftsverlags. Zahlreiche Bücher und Beiträge in Fachzeitschriften zu zeitgeschichtlichen, osteuropäischen und verschiedenen wirtschaftlichen Themen. Bestellung per Email: order@studienverlag.at

7. Buchcover: "Das Geld-Syndrom 2012 – Wege zu einer krisenfreien Wirtschaftsordnung"; aktualisierte Neuausgabe, 2014 nochmals updated! (v. Helmut Creutz) ISBN 10: 3-8107-0140-8, ISBN 13: 978-3-8107-0140-4, Druck & Verlagshaus Mainz, Wissenschaftsverlag, Aachen, Euro 16,80.

"Warum werden die weltweit vagabundierenden Geldströme immer größer, weshalb reagieren die Kurse an den Aktien- und Vermögensmärkten immer hektischer und warum bekommen die Notenbanken Geldmenge und Kaufkraft nicht in den Griff? Vielleicht haben Sie sich das auch schon gefragt, vor allem angesichts der Ereignisse in den letzten zehn Jahren, wahrscheinlich aber auch, warum wir jedes Jahr unsere Wirtschaftsleistung steigern müssen und trotzdem die Staatsverschuldungen ständig zunehmen und ebenso die Scherenöffnung zwischen Arm und Reich? -

Helmut Creutz veranschaulicht auf verblüffende Weise, wie alle diese Fehlentwicklungen mit den Strukturen unseres Geldsystems zusammenhängen und bietet sinnvolle und kompetente Lösungsvorschläge. Helmut Creutz, geboren 1923, ein erfahrener Wirtschaftspraktiker und -analytiker, hat in zahlreichen Veröffentlichungen, Vorträgen und Seminaren seine wirtschaftsanalytischen Untersuchungen dargelegt.

1990 erhielt er einen Lehrauftrag an der Universität Kassel und wurde mehrfach für den Alternativen Nobelpreis vorgeschlagen. Eigentlich kann ich Helmut Creutz als den wichtigsten Lehrer meines Lebens bezeichnen. Ich denke, dass er einen Platz in der Geschichte unserer Evolution bekommen sollte."
(Prof. Dr. Margrit Kennedy, Steyerberg/A.).

8. Grafik "DIE MONETÄRE TEUFELSSPIRALE" Automatische Eskalation der Geldvermögen und Schulden. © Helmut Creutz. Herzlichen Dank für die Freigabe zur Veröffentlichung im KN.

9. "Occupy Money - Damit wir zukünftig ALLE die Gewinner sind" (v. Margrit Kennedy) - zur Buchvorstellung oder hier eine ausführliche Leseprobe.

10. Buchcover "Silvio Gesell - Die natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld." Verlag für Sozialökonomie.