Die Rassenideologie des Zionismus

3 Beiträge / 0 neu
Letzter Beitrag
Bild des Benutzers Helmut S. - ADMIN
Helmut S. - ADMIN
Offline
Beigetreten: 21.09.2010 - 20:20
Die Rassenideologie des Zionismus
DruckversionPDF version


Die Rassenideologie des Zionismus

aus:

Palästina Dokumentation Nr. 3, 1975 Hrsg.: Liga der Arabischen Staaten, Bonn


Die grundlegende Behauptung des Zionismus ist die Existenz einer Rasse, einer auserwählten Rasse, die nicht von anderen Rassen assimiliert worden sei und es auch nicht werden soll, und die ihr geschichtliches Schicksal nur durch die Durchsetzung ihres einzigartigen Volkstums und die Errichtung ihrer besondern Eigenstaatlichkeit in Palästina erfüllen könne. Dies ist ein viel mehr einschliessender Anspruch als die einfache menschliche Forderung einer Zufluchtstätte für die Opfer judenfeindlicher Verfolgung.

Der Glaube an eine jüdische Rasse, genauso wie der Glaube an eine deutsche Rasse, ist ein Mythos, jedoch hat der Zionismus sein Möglichstes getan, diesen Mythos unter den Juden der Welt zu verbreiten. Weizmann berichtet, dass die Balfour-Deklaration in ihrem Originaltext von einer nationalen Heimstätte in Palästina für die «jüdische Rasse» gesprochen habe. Brandeis, der verstorbene amerikanische Rechtsgelehrte und ehemalige Zionistenführer, forderte die Ersetzung des Ausdrucks "jüdische Rasse" (1) durch «jüdisches Volk». Brandeis wurde später von Weizmann wegen seinen wirtschaftlichen und philanthropischen Auffassungen des Zionismus kritisiert. (2)

In der Zeit nach dem ersten Weltkrieg hatte dieser Glaube an jüdisch-rassisches Anderssein stärkere Verfechter unter ost- als unter west- europäischen Judenführern. Die frühesten Gründer des Zionismus kamen aus Osteuropa. Während die Judenführer in Westeuropa die Assimilierung der Juden in den modernen Nationen ihrer respektiven Länder befürworteten, riefen die osteuropäischen Juden nach einer Behauptung des jüdischen Nationalismus. Ihre Betonung lag auf jüdischer Exklusivität, und der Einfluss europäischer Rassenlehren führte sie zu einer gefühlsbedingten, intellektuellen und religiösen Gleichsetzung von «Nationalismus» mit «Rassismus».

Das jüdische Exklusivitätsgefühl ist so alt wie das alte Testament. Es hat auch seinen religiösen Ursprung. Charles Mc Ilwain bemerkte in 'The Growth of Political Thought in the West':


"Das erste Gebot des Dekalogs, 'Du sollst keine fremden Götter neben mir haben'.. machte die Religion der Juden und Christen zu einer exklusiven Religion.. Aber es gab einen wesentlichen Unterschied, der schliesslich zwischen Juden und Christen hervortrat... Wie Gibbon sagt, 'Die Juden waren eine Nation; die Christen waren eine Sekte'. Die Exklusivität der Juden veranlasste sie, andere Völker und ihren Glauben zu verachten und sich von ihnen zurückzuziehen; die Exklusivität des christlichen Glaubens, nicht mehr an irgendeine Rasse oder Nation gebunden, nötigte sie, Proselyten unter anderen Religionen zu machen. Der jüdische Glauben war exklusiv, die christliche Religion war exklusiv sowie militant." (3)

 

Vom Antisemitismus verbittert, suchten die osteuropäischen Zionistenführer eine moderne Wiederbelebung dieses altjüdischen Exklusivitätsgefühls. Sie nahmen Anstoss an der Assimilierung und widerstanden ihr so inbrünstig, wie sie den Antisemitismus fürchteten und bekämpften. Sie verlangten die Wiederbelebung der jüdischen Nation, nicht die Verteidigung der Rechte einzelner Juden. «Es hat nie eine organisierte zionistische Kampfesbemühung um Gleichberechtigung für Juden in jeder Nation gegeben,» schreibt ein amerikanischer Rabbiner. Er fährt fort: «Es ist wesentlich für den Zionismus, dass die Juden niemals und fortwährend solche Rechte geniessen können. Die zionistische Antwort bleibt immer, überall bevorzugte, nationale Rechte für alle Juden in ihrem «Heimatland». Das war vor vielen Jahren deutlich in der klassischen und massgebendsten Darlegung der zionistischen Philosophie.» (4)

 

Die zionistische Philosophie hat lieber die Rechte einer auserwählten Rasse betont, einer exklusiven Nation, als die Rechte einzelner Menschen. Die Zionisten sprachen von der Rasse, während liberale Juden und Assimilationsverfechter vom Menschen sprachen. Moses Hess war der erste moderne jüdische Denker, der die alten und neuen Strömungen des «jüdischen Nationalismus» in eine neue Rassenphilosophie eingliederte. Er erläuterte diese Philosophie in seinem Buch 'Rome and Jerusalem,' herausgegeben 1862. Er schrieb:

"... es war nur ein Volk, das Volk Israel, das dank seiner besonderen Begabung das Wirken des göttlichen Planes in der Geschichte der Menschheit sowie in den organischen Lebensbereichen wahrnahm... Das jüdische Volk wird an der grossen historischen Bewegung der heutigen Menschheit nur teilnehmen, wenn es sein eigenes Vaterland hat." (5) Hess glaubte, das «jüdische Volk» habe überlebt, weil es seinen «Rasseninstinkt» bewahrt habe. Er schrieb:


"Gestärkt durch seinen Rasseninstinkt und seine kulturelle und historische Mission, die gesamte Menschheit im Namen des Ewigen Schöpfers zu vereinigen, hat dieses Volk seine Nationalität in der Form seiner Religion bewahrt und beide untrennbar mit den Erinnerungen an das Land seiner Vorfahren verbunden." (6)


In seinem Buch 'Auto-Emancipation', herausgegeben 1892, sprach Leo Pinsker über die «unvermischte Abstammung» aller Juden, Nach Pinsker haben die Juden «eine gemeinsame unvermischte Abstammung, eine unzerstörbare Lebenskraft...» (7)

Ahad Ha'am gab diesem neuen Rassendünkel einen geistigen Ausblick. Er verwandelte die religiöse Idee eines «auserwählten Volkes» in die moderne Idee einer jüdischen "Übernation": «Die Nation Israel als Übernation - die moderne Fassung des auserwählten Volkes - kann auf diese Art in ein wahres System erweitert werden.»

Dieses System borgt von Nietzsche die Idee des Übermenschen zur Anwendung auf eine «jüdische Nation» auf der Suche nach «irgendeiner festen Ruhestätte... um noch einmal Gelegenheit zu haben, ihren Geist zu entwickeln.. und ihre Mission als Übernation zu erfüllen.» (8)

Diese Begriffe fanden ihren beredsamsten Ausdruck in dem berühmten Werk von Theodor Herzl, 'Der Judenstaat'. Herzl ist der Vater des zeitgenössischen Zionismus. 1897 organisierte er den ersten Zionistenkongress in Basel. Sein Buch gründet sich auf die Idee, dass die Juden in ihren Heimatländern weder assimiliert werden könnten noch sollten. Der Jude dürfte nicht seine andersartige Herkunft vergessen. Wenn immer ihm Assimilierung angeboten werde, auch unter den besten Bedingungen, müsse er sie ablehnen. Die Juden seien ein Volk und eine besondere Rasse geblieben, weil die Ehegesetze die Rassenverschmelzung eher verhindert als gefördert hätten. Sie sollten an diesen Unterschieden, die sie von anderen trennen, festhalten. Ihre «Volkspersönlichkeit... kann, will und muss aber nicht untergehen... Deshalb gibt es zur Judenfrage nur eine Lösung, eine Antwort: den Judenstaat.» (9)

In der Fassung einer neuen Ideologie scheinen sich die intellektuellen und politischen Väter des Zionismus in ihren Voraussetzungen mit den «Antisemiten», den Judenfeinden, geeinigt zu haben. Der Zionismus, der vorgibt, die Antwort auf den "Judenhass" zu sein, wird von diesen Voraussetzungen geleitet und hat einen weltweiten Feldzug organisiert für die rassische und nationalistische Indoktrinierung des "jüdischen Volkes."

Dieses ironische Gesinnungszusammentreffen zwischen den Zionisten und den Antisemiten wird von dem jüdischen Schriftsteller Alfred M. Lilienthal zitiert:

«Es ist sonderbar, dass die falsche Zwangsvorstellung eines gefällten Feindes die Philosophie der überlebenden Gruppe beherrschen sollte. Es war Hitler, der, indem er Land um Land den Nazismus auferlegte, sagte: «Du bist kein Deutscher - du bist ein Jude. Du bist kein Tscheche - du bist ein Jude. Du bist kein Pole - du bist ein Jude.» Und Nazigesetze bestimmten, wie viele Generationen zurück ein Tröpfchen besonderen Blutes die zukünftige Rassenangehörigkeit festlegen würde... Für den Nazismus gehörte jeder Deutsche dieser besonderen und auserwählten arischen Rasse an. Es gibt keinen verantwortungsvollen Anthropologen, der nicht beipflichten wird, dass der jüdische Rassendünkel genausoviel Unsinn ist wie der arische Rassendünkel. (10)

Der Begriff einer "auserwählten Rasse" im Zionismus unterscheidet sich vom Begriff einer "auserwählten Rasse" im Nazismus nur durch die Identität dieser Rasse - die Zionisten sprechen von einer «jüdischen Rasse» und die Nazis von einer «arischen Rasse». Rassenbewusstsein führte die beiden Ideologien zu dem Glauben an eine Überrasse oder Übernation, die von einem besonderen historischen Schicksal begünstigt und dazu berufen ist, eine einzigartige kulturelle Mission zu erfüllen. Die Zwietracht zwischen Judaismus und Antisemitismus und der Todeskampf zwischen Zionismus und Nazismus sollte solche Ähnlichkeiten undenkbar gemacht haben. Aber der Antisemitismus, der Zionismus und der Nazismus sind verschiedene Erscheinungen eines Rassenwahns und eines Nationalismus, die in demselben Gebiet und demselben Geistesklima aufgewachsen sind.

Für den Historiker ist es kein Zufall, dass ein jüdischer Zionismus des 19. Jahrhunderts und ein deutscher Neoantisemitismus im 20. Jahrhundert aufeinanderfolgend im selben geographischen Gebiet der westlichen Welt entstanden sind, nämlich in den deutschsprachigen Gebieten des österreichischen Reiches. Toynbee schreibt:


«... Dieses österreichische Gebiet lag weit genug westlich, damit seine jüdischen Bewohner der Ansteckung durch gängige westliche Ideologien ausgesetzt waren - einschliesslich Nationalismus sowie Liberalismus... und weit genug östlich für die nicht jüdischen Bewohner, um nicht weniger der Ansteckung durch die vorliberalen westlichen Ideologien, die sich noch unter den rückständigen nicht jüdischen Bevölkerungen behaupteten, ausgesetzt zu sein... Und die Idee, dass die Westjuden für sich selbst durch die Annahme des westlichen Nationalismus einen Zufluchtsort gewinnen könnten, den, wie sich herausstellen würde, sie sich nicht durch Bekehrung zum westlichen Liberalismus sichern könnten, würde sich natürlich der Vorstellung der österreichischen Juden darbieten, deren Status aus der individuellen Emanzipierung des 19. Jahrhunderts durch die gleichzeitigen Anstürme eines modernen nichtjüdischen Nationalismus aus Westeuropa und eines mittelalterlichen christlichen Antisemitismus "vom Pol" aus bedroht war.» (11)


Judenfeinde und Zionisten schöpften mehr aus den irrationalen Quellen des modernen Nationalismus, als aus den rationalen. Sie bezweifelten beide die Möglichkeit der Assimilierung für die Juden sogar in den liberalen westlichen Gesellschaften.

Herzl meinte, der Antisemitismus überlebe als "eine Folge der Judenemanzipation". Er könne nie verschwinden und «wer eine Besserung der Zustände auf die (herbeizuführende) Güte aller Menschen gründen wollte, der schriebe allerdings eine Utopie.» (12) Gleichermassen glaubt der Antisemit, dass die jüdische Exklusivität sich nicht wandeln würde, mit oder ohne Emanzipierung. Der Zionist behauptet, dass die Vorurteile der Nichtjuden nie verschwinden würden. Ihr gemeinsamer Boden ist ein tiefes Misstrauen in die menschliche Natur und die menschliche Vernunft.

Trotz ihrer gegenseitigen antagonistischen Ziele wurden Antisemiten und Zionisten von diesem gemeinsamen Misstrauen in die menschliche Natur zu demselben Schluss geführt: Der Jude könne niemals unter den Nichtjuden akzeptiert werden; deshalb sollte er ein eigenes abgesondertes Gebiet haben. Das war der von Herzl, dem Hauptsprecher des Zionismus, im Judenstaat erreichte Schluss. Es war auch der von Rosenberg, dem Hauptsprecher des Antisemitismus und des Nazismus, erreichte Schluss.

Zionismus und Rassismus: 38-seitige Broschüre



► Arabische Reaktionen auf zionistische Rassenpolitik

Der israelische Premier, Herr Levi Eschkol, erklärte im März 1965 in London, dass es Israels Ziel sei, ein Land von vier bis fünf Millionen Menschen zu werden. In derselben Erklärung bestätigte Herr Eschkol nochmals Israels Entschlossenheit, die Tore des israelisch besetzten Palästinas den Palästinaarabern, die jetzt Flüchtlinge in den benachbarten Ländern sind, zu verschliessen. Es scheint nach dieser Erklärung - die nur eine der neuesten vieler ähnlicher von israelischen Beamten gemachten Erklärungen ist - dass Israel, das jetzt eine Bevölkerung von über 2 Millionen hat, von seinen Führern für fähig gehalten wird, noch zwei oder drei Millionen jüdische Einwanderer aufzunehmen. Aber Israel wird von seinen Führern nicht für fähig gehalten, den Palästinaarabern die Rückkehr in ihre eigene Heimat zu gestatten. Die von Herrn Eschkol gegebene Ursache für diese Weigerung ist, daß "die Palästinenser nur als Feinde zurückkehren würden." (13)

Chaim Weizmann, der erste Präsident Israels und einer der Gründer der zionistischen Weltbewegung, schrieb in seiner Autobiographie: «Ich bin sicher, dass die Welt den Judenstaat nach dem beurteilen wird, was er mit den Arabern tun wird...« (14) Israel hat dem arabischen Volk Palästinas das Recht auf Repatriierung in seine eigene Heimat verweigert. Seit 1948, dem Jahre der Ausrufung Israels als Staat, ist dieses Recht von der Vollversammlung der Vereinten Nationen in nicht weniger als sechzehn formellen Beschlüssen wiederholt bestätigt worden.

Diese Verweigerung eines wesentlichen Menschenrechtes ist symbolisch für die allgemeine israelische Haltung gegenüber den Arabern. In Palästina, wie im Rest des Mittleren Ostens und in Nordafrika, lebten Juden und Araber über zweitausend Jahre lang in Frieden und Freundschaft. Die zionistische Bewegung, die in Europa im 19. Jahrhundert begann und die in der gewaltsamen Schaffung des Staates Israel kulminierte, hat diese Freundschaft in Feindseligkeit und Hass verwandelt.

Diese jüdisch-arabische Feindseligkeit ist eine Neuerscheinung in der Geschichte des Gebietes. Während der israelische Premier und Israelis und Zionisten im allgemeinen die Araber als Feinde betrachten, haben die Araber (Palästinenser sowie Nichtpalästinenser) die Juden als Mitglieder der grossen Gemeinde der «Besitzer der Schrift», d.h. der monotheistischen Gemeinde, die Juden, Christen und Muslims einschliesst, betrachtet.

Der Zionismus war der Anstifter dieser neuen jüdisch-arabischen Feindseligkeit und der Förderer der Zwietracht zwischen Juden und Arabern. Der amerikanische Gelehrte, Dr. Millar Burrows, Professor für biblische Theologie an der Yale Universität, schrieb in seinem Buch 'Palestine is our Business', die jüdisch-arabische Feindseligkeit sei eine verhältnismässig neue Sache, aber jetzt so tief und bitter, dass sie nicht in Generationen, wenn überhaupt, beseitigt werden kann." Sie sei «in der Furcht verwurzelt, die von der Fremdartigkeit, der offensichtlichen Geschicklichkeit und vor allem der Aggressivität der zionistischen Kolonisten verursacht wird.» (15) Der Gegensatz zwischen dem Stand der jüdisch-arabischen Beziehungen in der Vergangenheit und in der Gegenwart ist auffallend. In der Vergangenheit, sagt Prof. Burrows, haben die Araber «in Vergleich zu westlichen Nationen... verhältnismässig wenig Feindseligkeit gegen die Juden als solche gezeigt. Maimonides, von den Juden in aller Welt als zweiter Moses verehrt, war der Leibarzt des Sohnes Saladins, König Richards grossem Widersacher.» (16)

Dieselbe Anschauung in Bezug auf die jüdisch-arabischen Beziehungen vor dem Aufstieg des Zionismus wird von jüdischen Gelehrten geteilt. Die jüdischen Historiker des 19. Jahrhunderts waren tief verbittert von dem Kontrast zwischen den aufgeklärten Ideen dieses Jahrhunderts und der Verweigerung der Bürgerrechte für Juden in vielen europäischen Ländern. Ceraetz, Verfasser einer zehnbändigen klassischen Geschichte der Juden, «hob sehr emphatisch hervor, dass die rechtliche und tatsächliche Situation der Juden im Mittelalter in den muselmanisch- arabischen Ländern viel besser als im christlichen Europa war, und dass das ,Goldene Zeitalter' des Judaismus im muselmanischen Spanien eine Phrase geworden ist, die sogar in die populärsten Erzählungen jüdischer Geschichte hineingefunden hat.» (17) Allen H. Godbey, Professor für das Alte Testament an der Duke Universität, behauptet unter Hinweis auf die Anwesenheit einer Million sephardischer Juden im arabischen Spanien: «Die sephardische Überlegenheit war das Ergebnis einer Freiheit, die das christliche Europa den Juden nicht gewährte.» (18)

Die Meinungen dieser Gelehrten werden von der Encyclopaedia Britannica unterstützt, die in ihrem Artikel über die «Juden» schreibt:


"Im 7. Jahrhundert gab es eine simultane Welle der erzwungenen Bekehrung der Juden in ganz Europa von Konstantinopel bis Toledo, die ihren Höhepunkt unter den Westgoten in Spanien erreichte, wo die Ausübung des Judaismus proskribiert wurde. Es war die arabische Invasion, die Rettung brachte. Die alten Gemeinden in Nordafrika, besonders in Kairo und Kairouan, die unter der byzantinischen Intoleranz geschwunden waren, erwachten wieder zu neuem Leben. In Spanien kam eine bemerkenswerte Wiederbelebung. Die Juden kannten keine Einschränkungen."


Der Aufstieg des modernen Zionismus war der historische Wendepunkt in den jüdisch-arabischen Beziehungen. Die Hauptursache dieses Wandels war das Ziel, das der Zionismus sich selbst gesetzt hatte: die Schaffung eines jüdischen Nationalstaates in einem arabischen Land - Palästina. Als der Zionismus dieses Ziel auf seinem ersten Kongress (zu Basel 1897) formulierte, war Palästina eine von christlichen und muselmanischen Arabern bevölkerte osmanische Provinz. Als am 2. November 1917 während des ersten Weltkrieges Grossbritannien die Balfour-Deklaration herausgab, die den Zionisten eine nationale Heimstätte in Palästina versprach, verfügten die Briten daher über ein Land, das weder ihnen noch den Zionisten gehörte.

Der jüdische Schriftsteller Arthur Koestler beschreibt die Balfour- Deklaration als:


«...eines der ungewöhnlichsten politischen Dokumente aller Zeiten. In diesem Dokument verspricht eine Nation ... einer zweiten Nation ein Land, das einer dritten Nation gehört.. Die Araber waren in Palästina unter osmanischer Herrschaft. Aber sie hatten jahrhundertelang darin gelebt. Zweifelsohne war Palästina ihr Heimatland.» (19)


Wir finden von Anfang an, dass der Zionismus auf die Umwandlung dieses palästinisch-arabischen Heimatlandes in ein israelisches Heimatland zielte. In einer Ansprache an die Friedenskonferenz in Paris im Februar 1919 erklärte Weizmann, das Ziel des Zionismus sei, dass Palästina "... schliesslich so jüdisch werde wie England englisch ist." (20) Dieses Ziel konnte nicht ohne die Enteignung des arabischen Volkes von Palästina erreicht werden. Weizmanns Kollegen, die Mitglieder der zionistischen Delegation zur Friedenskonferenz, waren sich dessen bewusst. Alle waren «äusserst verlegen», als einer von ihnen, das französische Mitglied der Delegation, Sylvain Lévi, das zugab. Er hatte den Mut, die Friedenskonferenz zu warnen, dass:


«Palästina ein kleines und armes Land sei, dass es schon eine Bevölkerung von 600.000 Arabern habe, dass die Juden dazu neigen würden, diese zu enteignen..» (21)


Also gab Lévi der Konferenz eine prophetische Definierung des aggressiven Wesens des Zionismus und sagte die tragische Geschichte Palästinas voraus. Er sah vom Anfang an, dass die Verwirklichung der zionistischen Bestrebungen in Palästina notwendigerweise zur totalen Invasion eines fremden Volkes in das Land eines anderen Volkes führen würde. Während dieser Invasion, die in der Ausrufung des Staates Israel 1948 ihren Höhepunkt erreichte, «sind die Zionisten geneigt gewesen, fast jedes Mittel zur Erfüllung ihres Zweckes anzuwenden.» (22)

1917 als die Briten Palästina besetzten und die Erfüllung der Balfour-Deklaration begann, zählte die Bevölkerung des Landes ungefähr 700.000, davon nur 56.000 Juden; der Rest waren muselmanische oder christliche Araber. Die Juden besassen damals nur zweieinhalb Prozent des Landes oder 6,576 Quadratkilometer von einer Gesamtfläche von 26.631,2 Quadratkilometern. Im Mai 1948, als Israel als Staat ausgerufen wurde, besassen die Juden 5,67 Prozent der Gesamtfläche Palästinas. Heute befindet sich die grosse Mehrheit der muselmanischen und christlichen Palästina-Araber als Flüchtlinge ausserhalb Palästinas. Etwa zwei Millionen jüdische Einwanderer haben ihren Boden und ihre Wohnstätten besetzt.

Die zionistische Invasion des Heiligen Landes fand im zwanzigsten Jahrhundert statt, das sonstwo das Ende der kolonialen Eroberungen asiatischer und afrikanischer Länder erfahren hat.

Dieses aggressive Wesen der zionistischen Ideologie ist der Hauptgrund für die israelisch-arabische Feindseligkeit. «Erst als die jüdischen Untergrundmächte den arabischen Widerstand in Palästina zu beseitigen begannen.., erkannten die Araber, welcher Dreistheit, Geschicktheit und Grausamkeit sie gegenüber standen.» (23) Um die Palästinaaraber zu enteignen, wurden alle Mittel gebilligt - von der illegalen Einwanderung bis zur Enteignung, zu ausgedehnten Massakern und zu einzelnen Meuchelmorden. Die britischen Behörden spielten alle ihre jeweiligen Rollen, das arabische Volk Palästinas zu einem Massenexodus zu zwingen. Dieser palästinische Exodus kam als das logische Ergebnis zionistischer Entschlossenheit, Palästina zu erobern. Die von den Israelis 1948 begangenen Greueltaten waren nur eine Episode in dem systematischen zionistischen Programm, das auf die Enteignung der Palästinaaraber zielte. In Toynbees berühmten Worten, «dieses Unheil, das die palästinensischen Araber 1948 n. C. überfiel, kommt auf die Häupter der zionistischen Juden, die sich eines Lebensraums in Palästina durch Waffengewalt bemächtigten.» (24)


► Jüdische Reaktionen auf den zionistischen Rassismus

Der Staat Israel erstand nicht als menschenfreundlicher Zufluchtsort, sondern als die Verkörperung eines neuzeitlichen Rassismus, der zwischen Juden und Arabern, zwischen zionistischen und nichtzionistischen Juden und sogar zwischen abendländischen und morgenländischen israelischen Staatsbürgern diskriminiert. Hervorragende jüdische Denker (einschliesslich Einstein, Cohen, Rosenwald und Magnes) erkannten die rassisch bedingten, engstirnigen, chauvinistischen, und totalitär-nationalistischen Elemente des Zionismus und warnten vor ihren Folgen. Ihre Kritik ist äusserst wertvoll für uns, denn sie waren nicht alle Antizionisten: Rosenwald ist tatsächlich ein ausgesprochener Antizionist, aber Magnes war Zionist, und Einstein und Cohen waren eher Nichtzionisten als Antizionisten. Ihre gemeinsame Basis, trotz ihrer Uneinigkeiten über den Zionismus, ist ihr tiefer Glaube an die universale Weltanschauung des Judaismus. Ausserdem unterscheiden alle zwischen den humanitären und philanthropischen Bedürfnissen der jüdischen Opfer der Naziverfolgung und den übermässigen nationalistischen zionistischen Ansprüchen. Sie stimmen überein, daß durch diese Ansprüche der Zionismus den Nazismus nachahmt und neue Arten des Judenhasses hervorbringt.

Nach Weizmanns, des ersten Präsidenten Israels, Tod, schlug Professor Albert Einstein das Angebot der israelischen Regierung ab, Präsident von Israel zu werden. (25) Dr. Ezriel Carlebach, Herausgeber der israelischen Zeitung Maarif, ernannte Einstein mit der Erklärung, «er gehört uns, nicht der Princeton Universität». Dies jedoch war nicht Einsteins Überzeugung. Als guter Jude und echter Liberaler konnte er nicht die Notwendigkeit für einen jüdischen Nationalstaat sehen. Von dem anglo-amerikanischen Palästina-Untersuchungsausschuss im Januar 1964 befragt, ob die Flüchtlingsansiedlung in Palästina einen Judenstaat benötige, sagte Einstein:


«Die Staatsidee geht nicht nach meinem Herzen, ich verstehe nicht, warum sie notwendig ist. Sie ist mit Engstirnigkeit und wirtschaflichen Hindernissen verbunden. Ich glaube, das ist schlimm. Ich bin immer dagegen gewesen.» (26)


Er beschrieb den jüdischen Staatsbegriff als "eine Nachahmung von Europa, dessen Ende durch den Nationalismus herbeigeführt wurde." (27) Nach der Entstehung Israels wiederholte er die gleiche Ansicht in seinem Buch ,Out of My Later Years':


«Ich würde lieber ein vernünftiges Abkommen mit den Arabern auf der Basis des Zusammenlebens sehen als die Erschaffung eines Judenstaates. Ausser den praktischen Erwägungen widersteht meine Bewusstheit von der wesentlichen Natur des Judaismus der Idee eines Judenstaates mit Grenzen, einer Armee und einem Mass weltlicher Macht, egal wie bescheiden. Ich befürchte den inneren Schaden, den der Judaismus erleiden wird.» (28)


In seinem Buch über Einstein erklärte Prof. Philipp Frank diesen Widerstand gegen den «Judenstaat» als Einsteins Ausdruck tiefer Besorgnis, dass die Juden dem Beispiel ihrer Verfolger, den Nazis, folgen würden und so den "jüdischen Nationalismus anstelle des deutschen Nationalismus setzen" würden. (29)

Einstein hatte tiefe Sympathie für die Tragödie seiner Mitjuden. Aber er sah im Zionismus und in Israel selbst nicht die richtige Antwort auf die jüdischen Bedürfnisse. Er war beunruhigt von der Blindheit des Zionismus gegenüber der Ernstheit des Problems der arabisch- israelischen Beziehungen. Er machte mehrere Erklärungen, um zu bekräftigen, dass er "niemals Zionist gewesen war und niemals die Schaffung des Staates Israel unterstützt hatte." Er war besorgt, die Zionistenführer zu erinnern, dass sie nicht arabische Rechte in Palästina übersehen dürften. In einem Gespräch mit Weizmann fragte ihn Einstein: "Was geschieht mit den Arabern, falls Palästina den Juden gegeben würde?" Und Weizmann erwiderte: "Welche Araber ? Sie sind kaum von Bedeutung." (30)

Diese Missachtung der Rechte anderer ist ein Wesenszug der nationalistischen Bewegungen, die total in ihre eigenen Gefühle, Vorurteile, Anstrengungen und Ziele vertieft sind. Sie ist ein Symptom des totalitären Nationalismus. Der Zionismus wuchs im 19. und 20. Jahrhundert inmitten solcher Nationalismen auf. In seiner Propaganda an Nichtjuden betonte der Zionismus seinen philanthropischen Charakter. In seinem Aufruf an die Juden betonte er die rassische, nationale, kulturelle und religiöse Einheit des «jüdischen Volkes.» Wie Einstein haben andere jüdische Denker die Gültigkeit solcher Betonung bezweifelt.

In seiner Studie 'Zionism, Tribalism or Liberalism' schrieb Morris R. Cohen, Professor für Philosophie an der Harvard Universität:


«Der Zionismus ist nicht einfach eine philanthropische Bewegung für Heimatlosenfürsorge. Er behauptet eine Lösung zum Judenproblem zu sein; und seine Betonung Palästinas beruht auf einer nationalen Philosophie, die eine direkte Herausforderung ist an alle, die an den Liberalismus glauben.» (31)


Der Aufstieg des Zionismus wurzelt in verschiedenen Beweggründen, von denen die Rettung der verfolgten Juden nur einer ist. «Wie alle praktischen menschlichen Bewegungen hat der Zionismus seine Wurzeln in einer Menge komplizierter menschlicher Motive, vom Idealistischen und Religiösen bis zum vereitelten persönlichen und gesellschaftlichen Ehrgeiz.» (32) Die Zionisten sind nicht nur gegen den Judenhass, sondern auch gegen die liberale Assimilierung der Juden in demokratischen Gesellschaften. Wie Spinoza, Mendelssohn, Freud, Bergson und Einstein ist Cohen ein Befürworter dieser Assimilierung. Er teilt mit diesen jüdischen Denkern die Ansicht,


«... dass Juden wie andere Gruppen vom Bande des gemeinsamen Leides zusammengehalten werden und dass, sobald die Nationen aufgeklärt würden und ihre Einschränkungen gegen die Juden aufhöben, die letzteren die Bräuche der westlichen Zivilisation annehmen würden und das Problem dadurch beseitigt werde.»  (33) 


Der Zionismus nimmt an dieser liberalen Ansicht nicht teil. Seine Anschauung ist nationalistisch und rassenbewusst:


«Die fortwährende Tendenz, das Rassenbewusstsein zu betonen, hat tragischerweise die vermehrten Verfolgungen der letzten Jahre intensiviert, hat... neuemanzipierte Juden veranlasst, gerade die sehr populäre Philosophie der Geschichte anzunehmen, die auf teutonischer Seite von 'Chamberlains Foundations of the Nineteenth Century,' oder auf russischer Seite von Slawophilen wie Katkoff vertreten wird. Im Grunde akzeptieren die Zionisten die Rassenideologie dieser Antisemiten, aber ziehen andere Schlüsse. Anstatt des Teutonen ist es der Jude, der die reinere oder höhere Rasse ist. Die Zionisten bezeichnen sich immer als Idealisten... Das Wort 'Idealismus' überdeckt eine Masse Sünden, und eine davon ist die Unwilligkeit, den eigentlichen schwierigen Problemen entgegenzutreten und eine Tendenz, statt dessen Zuflucht in willkürlichen Träumen zu suchen... Die idealistischen Zionisten sind vollkommen bereit, die Rechte der nichtjüdischen Bevölkerung Palästinas zu übergehen, fast wie die teutonischen Idealisten mit ihrer überlegenen Kultur.» (34)


Wie Einstein sah Cohen, dass der Zionismus eine neue Art des Rassismus reproduzierte. Er sah auch, dass dieser Rassismus die Zionisten zur totalen Missachtung der Rechte anderer Menschen führte. Seine Befürchtungen wurden durch seine Kenntnisnahme der Errichtungen des «Judenstaates» in Palästina bewiesen. In einer Nachschrift zu seinen früheren Bemerkungen über den Zionismus, die er 26 Jahre später veröffentlichte, schrieb er: «Der Tribalismus ist ein Glaube, der zu Kummer und Massakern führt, ob er das Etikett Zionismus, Ariertum oder angelsächsisches Amerika trägt...» Dann sagte er in Widerlegung derer, die den tribalen Zionismus wegen seiner Errungenschaften in Palästina rechtfertigen:


«...genau wie Verbrechen im Namen der Freiheit begangen werden können, so können viele gute Taten unter dem Banner eines falschen Glaubens vollbracht werden... Diese Errungenschaften... setzten nicht die Errichtung eines Judenstaates voraus, und ich hoffe, dass sie in den kommenden Jahren fortschreiten und sich ausdehnen im Rahmen eines sektenlosen Staates, der allen Gleichberechtigung gewährt - den Juden sowie den Christen, Mohammedanern und Atheisten.» (35)


Israel ist ein Sektenstaat. Er erkennt nicht die Gleichberechtigung an, die mit grosser Leidenschaft von hervorragenden jüdischen Denkern wie Professor Cohen befürwortet worden ist. Die Israelis versäumen es einzusehen, dass sie in Israel dieselbe Diskriminierung anwenden, unter der sie in der Diaspora litten. «Dieses Jahrhundert hat viele tragische und phantastische Schauspiele gesehen, aber keines wohl bizarrer als eine Regierung atheistischer Sozialisten, verbunden mit theokratischen Fundamenlisten, aufrechterhalten von amerikanischen und britischen Kapitalisten.» (36) Dies ist eine Beschreibung Israels von einem jüdischen Schriftsteller, dem verstorbenen Henry Hurewitz.

Der «tragische und bizarre» Charakter des israelischen Abenteuers wird von den Aussenseitern bemerkt, nicht von den Israelis selbst. Selbstisches Rassenbewusstsein, blinder Idealismus und prahlerischer Stolz schliessen konstruktive Selbstkritik aus. Nach seiner Rückkehr von einem Besuch nach Israel betonte Lessing J. Rosenwald, ehemaliger Vorsitzender des 'American Council for Judaism,' dass «Isolationismus» und «Chauvinismus» israelisches Denken pervertierten. An die Israelis schrieb er:


«Die Welt ist die Begrenzung der israelischen Grenzen.. der Chauvinismus ist übermässig... es gibt eine vollkommene Abwesenheit des Verständnisses und der Annahme des Chauvinismus anderer Länder. In Israel ist er wohltätig und recht, sonstwo ist er unheilvoll, grundlos und irrsinnig»


Von ihrer Selbstgerechtigkeit überwältigt, können die Israelis die schädlichen Auswirkungen ihres Chauvinismus nicht erkennen:


«Während die grosse Mehrheit der israelischen Bürger Ziele der Unterdrückung in anderen Ländern waren, ist ihnen die schreckliche Lage, in der sich die arabischen Flüchtlinge befinden, mehr oder weniger gleichgültig.» (37)


Diese selbstische, selbstgerechte Haltung ist symptomatisch für ein intensives Rassenbewusstsein. Seine Intensität stammt aus alten und neuen psychologischen Quellen. Ob diese Quellen so alt sind wie der Talmud oder so neu wie Herzls Judenstaat, sie wurden benutzt, um Exklusivität und Partikularismus zu betonen. Der universale Charakter des Judaismus ist verzerrt worden, um den partikularistischen Zwecken des zionistischen Rassismus zu passen. Anstatt den Nationalismus zu den geistigen und ethischen Normen des Judaismus zu erheben, hat der Zionimus den Judaismus gebraucht, um seinen eigenen politischen Zwecken zu dienen. Der verstorbene Judah Magnes, Präsident der Hebräischen Universität in Jerusalem, war einer der wenigen Zionistenführer, dessen geistige Einsicht nicht von der zionistischen Politik verändert wurde. In einem Vortrage, gehalten an der Hebräischen Universität in Jerusalem am 29. Oktober 1947, mass er den Zionismus am Judaismus. «Er mass nicht, wie so viele, den Judaismus am Zionismus.» (38) Der Zionismus erschien ihm als ein seltsames, totalitäres Phänomen, das im Gegensatz zum universellen Geist des Judaismus steht. Er ist ein


«Totalitarismus, der das ganze jüdische Volk und jedes Individuum darin seiner Disziplin zu unterwerfen sucht und, falls nötig, durch Zwang und Gewalt.. Wir dachten immer.. dass der Zionismus den Judenhass in der Welt vermindern würde. Wir sind Zeugen des Gegenteils; und sind nicht Sie und ich unter den Verantwortlichen, unter den Schuldigen?» (39)


Die «Rassifizierung» des Judenproblems durch die Zionisten läuft auf eine neue «Gettoisierung» hinaus. Das Streben, die Juden in einem eigenen Staat abzusondern, ist nur eine neue Offenbarung des osteuropäischen Geschichtstrends, die Juden in Gettos abzusondern. Jüdische Schriftsteller haben bemerkt, "der jüdische Nationalismus, wie wir ihn aktiv kennen, entstand in 0st- und Südeuropa wegen den dortigen Bedingungen. Die Nationen in jenem Teil Europas waren auf der Basis von rassischen und religiösen Gruppen organisiert und jede Gruppe besass Gruppenrechte. Die Juden kämpften für Anerkennung als Gruppe, um dieselben Rechte zu geniessen..." (40) Dieser Kampf liess einen giftigen Nationalismus entstehen, der von jüdischen Kritikern als «eine Rückkehr zur engstirnigsten Art rassischer Exklusivität und Getto-Tribalismus» (41) verurteilt worden ist.

Es ist kein blosser Zufall, dass dieser Begriff eines neuen "Judengettos" von osteuropäischen Antisemiten und Zionisten ausströmen sollte, die nicht von der grossen Emanzipationsbewegung der Juden in Westeuropa und Nordamerika beeinflusst waren. Während diese Bewegung, die mit der französischen Revolution begann, die Juden zu ebenbürtigen Bürgern in ihren jeweiligen Ländern machte, «wurden die Gettomauern von Osteuropa nicht erstürmt. Vor Hitlers Massenmord zählten die Anhänger des Judaismus in der ganzen Welt insgesamt 16 Millionen und fast die Hälfte davon lebte in Osteuropa. Jahrhundertelang waren die Juden in Polen sorgfältig in Kehillahs organisiert, regiert von ihren eigenen allmächtigen Gemeinschaftsräten, den Wa-ad Arba Aratos. Durch die drei Teilungen Polens erbte Russland die grösste jüdische Körperschaft der Welt. Die Zaren beschränkten ihren Wohnraum auf Russlands Westprovinzen innerhalb der 'besiedelten Grenzen' und ihrer starken inneren Organisation. Polen und Russland blieben praktisch unberührt von der Emanzipierung.» (42)

Die Antisemiten beschränkten die Juden auf abgesonderte Gebiete; die Zionisten haben versucht, sie auf Palästina zu beschränken, diese trennerische, rassische und territoriale Lösung des Judenproblems hatte ihre frühen Befürworter und eifrigen Helfer unter den osteuropäischen Juden. Die Westjuden, befreit durch die Emanzipationsbewegung, lehnten die zionistischen Segregationsanmassungen ab und haben sich im grossen und ganzen geweigert, nach Palästina auszuwandern. Sie haben auch die Ähnlichkeit zwischen den zionistischen und judenfeindlichen Ideen kritisiert. Der amerikanisch-jüdische Rabbiner und Schriftsteller, Dr. Elmer Berger, war unter den einsichtsvollsten Kritikern der zionistischen Bekehrung zu antisemitischen Ideen über die Juden.

In seinem Buch 'The Jewish Dilemma' schrieb er:


«Juden sowie andere verdammen die nazistischen Rassengedanken, jedoch billigen einige Juden die Idee, dass sie ein besonderes Volk oder eine besondere Rasse seien, deren Probleme nur durch die Errichtung eines eigenen Landes gelöst werden könnten. Falls das stimmt, wie unterscheidet sich dieser Begriff von den Implikationen der Nazitheorie, dass die Juden auf Ewigkeit andersartig - ein unintegrierbares Element - seien ?.. Ist es nicht seltsam, dass Zionisten und extreme Antisemiten in derselben Lösung übereinstimmen - die Juden in einem eigenen Land zu isolieren?» (43)


Die Westjuden lehnten den Gedanken einer rassisch-territorialen Lösung des Judenproblems ab, als er zuerst von den osteuropäischen Judenführern proklamiert wurde. Die Westjuden betrachteten sich als emanzipiert und eingegliedert in ihren französischen, britischen und amerikanischen Heimaten. Ihr Interesse am Zionismus war vielmehr humanitär und philanthropisch als nationalistisch. Deshalb hatte der Zionismus seine frühen Zentren in osteuropäischen Ländern.

Die Erlassung der Balfour-Deklaration von Großbritannien im ersten Weltkrieg verursachte eine Verschiebung des Zentrums des Zionismus nach London. Hitlers Judenmassaker während des zweiten Weltkrieges verursachten eine zweite Verschiebung in die Vereinigten Staaten. Trotzdem ist das Interesse der westlichen Judenführer am Zionismus hauptsächlich humanitär, politisch und finanziell geblieben und nicht territorial. Israelische Führer haben sich immer beschwert, daß sogar die eifrigsten Zionisten unter den Westjuden keine Begeisterung zeigten, nach Palästina auszuwandern. Nur eine kleine Anzahl westeuropäischer, nordamerikanischer und lateinamerikanischer Juden hat sich in Israel niedergelassen.

Am Anfang missbilligten die westlichen Judenführer nicht nur Herzls Projekt für einen jüdischen Nationalstaat, sondern widersetzten sich auch aktiv seiner Durchführung. Zwölf Jahre, nachdem Herzls Zionismus begonnen hatte, die osteuropäischen Juden zu begeistern, veröffentlichte die 'Central Conference of American Rabbis' einen Beschluss, der die Missbilligung jeglichen Versuches, einen Judenstaat zu errichten, ausdrückte. Der Beschluss erklärte: «Solche Versuche zeigen ein Missverständnis der Mission Israels, die aus dem engen politischen und nationalen Bereich erweitert worden ist auf die Förderung ihrer weiten und universalistischen Religion unter dem ganzen Menschengeschlecht, die zuerst von den jüdischen Propheten proklamiert wurde.» (44) Die Reformkongregationen gleichermassen machten ihre Opposition zum politischen Zionismus laut und bekräftigten nochmals den Begriff ihrer Identität als eine Religionsgemeinde. Sie fügten hinzu: «Der Zionismus war ein kostbarer Besitz der Vergangenheit.. Als solcher ist er ein heiliges Vermächtnis, aber er ist nicht unsere Hoffnung für die Zukunft. Amerika ist unser Zion.» (45) Der Zionismus wurde als eine Philosophie ausländischen Ursprungs betrachtet, mit wenig Empfehlenswertem für die Amerikaner. Die reformjüdische Zeitung 'The American Israeli' wies darauf hin, dass alle von geborenen Amerikanern herausgegebenen oder kontrollierten jüdischen Zeitungen stark antizionistisch waren. 1904 bemerkte diese Zeitung, «es gibt nicht einen einzigen hervorragenden amerikanischen Juden, der ein Befürworter des Zionismus ist» (46)

Während des ersten Weltkrieges, als Weizmann und andere Zionistenführer danach strebten, von der britischen Regierung eine offizielle Verpflichtung für die Errichtung eines Judenstaates in Palästina zu erhalten, wurden ihre Bemühungen von britischen und westeuropäischen Judenführern bekämpft. Diese Führer waren hauptsächlich Assimilationisten und Antizionisten. Sie wurden in Großbritannien und Frankreich von dem 'Conjoint Committee,' bzw. der 'Alliance Israelite' vertreten. Weizmann berichtete, dass, was den Zionismus betraf, beide Körperschaften « eine fast identische Politik (verfolgten)... Diese Politik kann in einem Wort zusammengefasst werden: 'Opposition'« (47) Sie betrachteten den Zionismus als ein osteuropäisches Phänomen und «das osteuropäische Judentum als einen Gegenstand des Mitleids und der Philanthropie und den Zionismus höchstenfalls als den leeren Traum einiger irregeleiteter Idealisten.» Sie blieben ihrem jüdischen Glauben und ihrer britischen Nationalität treu. Ihnen dünkte "der Nationalismus als unter dem religiösen Niveau der Juden auch abgesehen von ihrer Eigenschaft als Engländer." (48) Als das britische Kabinett seine Diskussion des Balfour-Deklarationsentwurfs begann, war das jüdische Mitglied des Kabinetts, Edwin Montagu, der leidenschaftlichste Kritiker des Entwurfs. Während der Kabinettsitzung hielt er «eine Rede gegen den vorgeschlagenen Schritt». Er drückte tiefe Besorgnis der britischen Juden über den Zionismus aus. "Die Heftigkeit, mit welcher er seine Ansichten vertrat, die Unerbittlichkeit seines Widerstandes verblüfften das Kabinett.. Der Mann weinte fast.."(49) Dieser leidenschaftliche jüdische Widerstand gegen den Entwurf veranlasste das britische Kabinett beinahe, ihn abzulehnen. Politische und propagandistische Rücksichten und die Intervention des Obersten House bei Präsident Wilson besiegten den jüdischen Widerstand. Weizmann beschreibt diese Intervention als einen «der wichtigsten individuellen Faktoren, um die von den britisch- jüdischen Antizionisten geschaffene Stockung zu zerbrechen und die britische Regierung zum Entschluss zu bringen, ihre Deklaration zu erlassen.» (50) Andere entscheidende Faktoren, die das britische Kabinett veranlassten, den jüdischen Widerstand gegen die Balfour-Deklaration zu übergehen, wurden von dem damaligen britischen Premier Lloyd George ausgesprochen. 1937, in einer Erklärung an die 'Palestine Royal Commission' sagte er:


"Die Zionistenführer hatten uns fest versprochen, dass, wenn sich die Alliierten verpflichteten, ihnen die Möglichkeiten zur Errichtung einer nationalen Heimstätte für Juden in Palästina zu geben, sie ihr Bestes tun würden, jüdische Meinung und Unterstützung in der ganzen Welt für die alliierte Sache aufzurufen." (51)


Britische Judenführer, wie alle antizionistischen Judenführer, waren überzeugt, dass die Probleme, die der Zionismus schaffen würde, viel grösser und bei weitem komplizierter sein würden, als das Problem, das er zu lösen vorgab. Sie erkannten die Notwendigkeit, das Problem der verfolgten und vertriebenen Juden in Osteuropa zu lösen. Aber sie fühlten, dass das rassische und territoriale zionistische Vorgehen eine Gefahr für die im Westen durch Emanzipierung, Liberalismus und Demokratie errungenen Vorteile darstellte. Die zionistische rassenpolitische Haltung würde ein Problem der zweifachen Loyalität verursachen und den Judenhass fördern anstatt ihn zu beseitigen. Einige waren sich auch des Unrechts bewusst, das die zionistische Politik dem arabischen Volk Palästinas zufügen würde. Von ihrem Fanatismus geblendet, gaben die Zionisten nicht einmal acht auf die Existenz dieses Volkes.

Obwohl das britische Kabinett sein jüdisches Mitglied überstimmte, konnte es nicht vollkommen seine Einwände gegen die Grundsätze und den Entwurf der Deklaration ausser acht lassen. Dies ist aus dem Unterschied zwischen der von den Zionistenführern entworfenen Balfour-Deklaration und der Deklaration, wie sie endgültig vom britischen Kabinett angenommen wurde, ersichtlich. Die Zionisten suchten eine bedingungslose britische Verpflichtung zur Umgestaltung Palästinas in einen Judenstaat, ungeachtet all der tragischen Implikationen einer solchen Umgestaltung. Nach Weizmann wäre diese Verpflichtung im folgenden Text ausgedrückt gewesen: «... 1. Seiner Majestät Regierung akzeptiert den Grundsatz, dass Palästina als die nationale Heimstätte des jüdischen Volkes wieder hergestellt werden soll. 2. Seiner Majestät Regierung wird ihre besten Bemühungen einsetzen für die Erreichung dieses Zieles und wird die notwendigen Methoden mit der Zionistenorganisation besprechen.» (52)

Dieser Entwurf enthüllt die wirkliche zionistische Absicht: die Eroberung Palästinas unter britischem Schutz und mit britischer Unterstützung.

Zionistische Hilfe in den Kriegsbemühungen war den Briten lieb, die auch hofften, dass die zionistischen Kolonien in Palästina einen britisch-imperialistischen Brückenkopf nördlich des Suezkanals bilden würden. (53) Trotzdem konnten es sich die Briten nicht leisten, zionistische Gebietsbegierden in Palästina zufriedenzustellen durch bedingungslose Akzeptierung der zionistischen Ansprüche. Statt dessen qualifizierten sie ihr Versprechen der Unterstützung mit Vorbehalten in Bezug auf die Rechte des nichtjüdischen Volkes in Palästina und die Rechte der Juden ausserhalb Palästinas. Diese Einschränkungen wurden in den endgültigen Text der Balfour-Deklaration aufgenommen, der vom britischen Kabinett angenommen wurde und folgendermassen lautet: "Seiner Majestät Regierung betrachtet mit Wohlwollen die Errichtung einer Nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina und wird ihre besten Bemühungen einsetzen, um das Erreichen dieses Zieles zu erleichtern, in der Voraussetzung, dass nichts getan werde, das die bürgerlichen und religiösen Rechte der bestehenden nichtjüdischen Gemeinden in Palästina oder die von Juden in irgendeinem anderen Lande genossenen Rechte und deren politischen Status beeinträchtigen könnte." (54) Eigentlich widersprach diese Verpflichtung sich selbst, wie die Geschichte gezeigt hat. Das wirkliche Ziel der Zionisten war unvereinbar mit den in die Deklaration aufgenommenen Vorbehalten und Sicherungen. Die Abänderung des Originalentwurfs konnte nicht den zionistischen Geist wandeln, noch konnte sie zionistische Bestrebungen zügeln. Weizmann schreibt diese Textänderung dem Druck der antizionistischen Judenführer zu. Er schreibt: "Es ist gewiss, dass Montagus Widerstand, verbunden mit den Dauerangriffen, die die antizionistische Gruppe monatelang geführt hatte - ihre Briefe in der Presse, die Broschüren, ... ihre fieberhaften Interviews mit Regierungsbeamten - für die Kompromissformel verantwortlich war" (55), die vom britischen Kabinett angenommen wurde.

Die jüdische Opposition gegen die Balfour-Deklaration wurzelte in einer radikalen Opposition gegen die zionistische Ideologie. Die Westjuden betrachteten diese Ideologie als eine Gefahr für ihre neuerrungene Stellung im Westen. Trotz seines fanatischen Glaubens an den Zionismus als Lösung für das Judenproblem, war Weizmann dieser Gefahr nicht unbedacht. Er gab zu, dass der letzte Satz der Balfour-Deklaration so gefasst war, um Judenfeinde daran zu hindern, die Deklaration als Waffe für die Herbeiführung der Entrechtung der Juden zu ergreifen.

Die in der Balfour-Deklaration enthaltenen Gefahren waren nicht nur die Entrechtung der Westjuden, sondern auch die Enteignung des arabischen Volkes Palästinas und die weltweite Unzufriedenheit der Christen und Muselmanen, die Palästina als ihr heiliges Land betrachten. In Erkennung dieser Gefahren riet der amerikanische Judenführer Henry Morgenthau dem Präsidenten Wilson von der Unterstützung der Erlassung oder der Durchführung der Deklaration ab. Er schrieb an Wilson:


«Es scheint mir überzeugend, dass die 400 Millionen Christen ihre Rechte in Palästina behaupten und jeden Versuch seitens der Juden, diese Provinz zu beherrschen, verübeln werden. Die Christen, Mohammedaner und Juden müssen auf gleiche Weise behandelt werden.» (56)



► Der Zionismus gebiert rassische und ethnische Diskriminierung

David Ben Gurion hat Israel als eine Vielheit von Gemeinden beschrieben, die in der «Galuth» aufgelöst waren und in Israel versammelt worden sind, ohne noch eine Nation zu bilden. «Sie sind eine gemischte Vielheit, formloser Lehm, ohne gemeinsame Sprache, ungelehrt und wurzellos, nicht erzogen in den Traditionen und Idealen der Rasse.» (57) Dieser Vielheit fehlt immer noch ein wirkliches und klares Identitätsgefühl. Der neue Ansiedler wird zwischen seinen vorhergehenden Erfahrungen in der "Diaspora" und seinen neuen Erfahrungen in Israel hin und her gerissen. Sholom J. Kahn, ein amerikanischer Gelehrter, der an der Hebräischen Universität zu Jerusalem unterrichtet, beschrieb diesen Konflikt folgendermassen: Ausserhalb Israel «fühlte und erkannte sich der Jude als Jude; und es war in dem einen oder anderen Sinn wegen seines Jüdischseins, dass er nach Israel kam (oder getrieben wurde). Aber in Israel, paradoxerweise, neigt sein Jüdischsein dazu, in den Schatten gestellt zu werden, im Gedränge und Gehetze des Alltags zu versinken; und er neigt dazu, sich weniger als Jude und mehr als Deutscher, Angelsachse, Russe oder Jemenit zu fühlen und zu erkennen. Das Ergebnis ist eine seltsame Umkehrung der Rollen: vom Minderheitsjuden in Amerika zum Minderheitsamerikaner in Israel.» (58)

Europäische Israelis haben einen Superioritätskomplex gegenüber den asiatischen, afrikanischen und arabischen Israelis entwickelt. Der Staatsapparat wird von europäischen Israelis geleitet. Nichteuropäischen Juden werden Schlüsselpositionen in der Regierung verweigert. In diesem Klima der Diskriminierung führen viele Gruppen ein abgesondertes Leben, welches an die Abgesondertheit in ihren Ursprungsländern erinnert. Viele haben ihre Absicht ausgedrückt, lieber in ihre Ursprungsheimaten zurückzukehren, als in Abgeschlossenheit in Israel weiterzuleben. Ein typisches Beispiel sind die indischen Juden, die Repatriierung nach Indien verlangt haben: «Gewisse Elemente des indischen Judentums... veranstalteten eine Demonstration ausserhalb der Hauptquartiere der jüdischen Vertretung und drohten nach Gandhi-Art mit Hungerstreik bis zum Tode, wenn man ihnen nicht den Transport nach Hause (d.h. Indien) gewähre. Einige verliessen ihre Siedlungen und zogen vor, sich in Beerscheba niederzulassen, mit dem Ziel - nicht etwa um eine indische Kollektivsiedlung zu errichten, sondern um genug zu verdienen, um ihre Rückfahrt nach Bombay bezahlen zu können.» (59)

Afrikanische Delegierte bei den Vereinten Nationen haben dargelegt, daß trotz israelischer Propaganda und Aktivitäten in Afrika, die afrikanischen Juden nicht fühlen, dass sie in Israel willkommen wären. Der mauretanische Delegierte bemerkte, dass »Israel sogar noch extremer in seiner Rassenpolitik sei als Südafrika; seine europäischen Führer diskriminierten nicht nur die arabische Bevölkerung, sondern auch Juden orientalischen und afrikanischen Ursprungs. Obwohl Israel eine breite diplomatische Offensive in Schwarzafrika unternehme, sei es bezeichnend, dass es niemals Einwanderer von den Tausenden schwarzer Juden in Abessinien angenommen habe.» (60)


»Israels Diskrimierungspolitik spiegelt sich wider in der israelischen Haltung bei den Vereinten Nationen. Der algerische Delegierte bei den Vereinten Nationen bemerkte, dass «Israel jedesmal gegen die Selbstbestimmung für das algerische Volk gestimmt habe, wenn die Algerienfrage vor die Vereinten Nationen kam.» (61)


Geistig und interessenmässig hat es eine Begegnung, wenn nicht ein Einverständnis, zwischen israelischer Politik und kolonialistischer und rassistischer Politik gegeben. Der marokkanische Delegierte bei den Vereinten Nationen bemerkte: "Es war interessant, Israels Haltung gegenüber der Lage in Südafrika und gegenüber den algerischen, tunesischen und marokkanischen Unabhängigkeitsfragen zu beobachten, obwohl Tausende von Juden in diesen Gebieten durch die Unabhängigkeit Vorteile gezogen hatten. In der Tat, während des Algerienkrieges hatten europäische Terroristenorganisationen merkliche Unterstützung von Israel erhalten, und gab es Beweise von dem Vorhandensein israelischer Kriegsausrüstung in Angola. Israels Stimmen zu den Fragen Südrhodesien und Angola waren daher vom Opportunismus bewegt und konnten schlecht Israels Geschichte der Feindseligkeit gegenüber dem afrikanischen Nationalismus verbergen." (62)

Israel diskriminiert unter seinen Bürgern nicht nur auf rassischer und nationaler Basis, sondern auch auf rein sektiererischer Basis. Der Staat schwankt zwischen dem «Säkularismus» einer Mehrheitspartei, der Mapai, und dem "Theokratismus" seiner mächtigen orthodoxen Gruppe. Diese Gruppe konnte dem Reformjudaismus die Kultusfreiheit in Israel verweigern. Die orthodoxe Gruppe konnte auch das Ehegesetz in Israel bestimmen, das Mischehen verbietet.

Diskriminierung zwischen israelischen Juden verschiedenen Ursprungs und verschiedener Sekten liegt der rassenpolitischen und theokratischen Atmosphäre Israels zugrunde, die logischer- und natürlicherweise zur Diskriminierung zwischen jüdischen Bürgern führt.


Israel hat ein Recht für seine jüdischen Bürger und ein anderes Recht für seine arabischen Bürger. Seine arabischen Bürger sind eine Minderheit der Palästinenser, die den Exodus von 1948 überlebt haben und es fertigbrachten, in ihrer eigenen angestammten Heimat zu bleiben. Israel hat sie als zweitrangige Bürger behandelt. Ein offizieller Ausschuss, von der israelischen Regierung 1955 gebildet, um die Lage der Araber in Israel zu untersuchen, gab zu, dass die Haltung der israelischen Behörden «dazu neigt, in Teilen der arabischen Bevölkerung das Gefühl zu erwecken, dass sie zweitrangige Bürger seien». (63)


Die israelischen Behörden fanden in dem «jüdischen» Charakter ihres Staates eine einfache Rechtfertigung für ihre Diskriminierung gegen nichtjüdische Bürger. Belebt von einem totalitärrassischen Begriff des Judentums als Religion, Nationalität und Kultur versuchen sie auf ihre eigene Art die "Judaisierung" aller israelischen Bürger. Theoretisch ist der Zionistenstaat eine Demokratie. Alle seine Bürger sind angeblich gleichberechtigt, ungeachtet ihres Ursprungs, ihres Glaubens oder ihrer Kultur. Aber die Tatsachen zeigen, dass die bisher durchgeführte Politik von einer blinden Gleichsetzung von Israeli mit Jude diktiert worden ist.

Israel ist der einzige Staat der Welt, wo die Bürgerrechte gleichzeitig unter nationalen, religiösen und kulturellen Einschränkungen stehen.


► Nachwort

Die Israelis haben den Rassismus im Mittleren Osten unter einem neuen Namen - dem Zionismus - eingeführt. Die authentischen Bräuche und Ideale der Völker des Gebiets, wie im Judaismus, im Christentum und im Islam ausgedrückt, sind antirassistisch. Palästina war die Wiege des Monotheismus, der für die Einheit der gesamten Menschheit unter einem Gott, einer Wahrheit, einer Gerechtigkeit und einem Frieden für alle eintritt. Die Zionisten befürworten eine Gerechtigkeit für die Opfer der Naziverfolgung in Europa und eine andere für die Opfer der Zionistenverfolgung in Palästina. Indem sie den Zionismus ablehnten, haben die Völker des Mittleren Ostens seine rassenpolitische Einstellung gegenüber dem jüdischen sowie dem arabischen Volk verurteilt.

Die zionistische Rasseneinstellung hat grössere Probleme geschaffen, als sie zu lösen vorgab. Israel hat versucht, die Illusion zu schaffen, dass seine Existenz das Judenproblem löse. In Wahrheit hat es jedoch dem Problem einen viel ausgesprocheneren Rassencharakter verliehen als es jemals besass. Und es hat den universalen geistlichen Charakter Palästinas als Land des Friedens und der Liebe verzerrt. Israelische Propaganda war nicht ganz erfolgreich, die palästinensischen Realitäten vor den Augen der Welt zu verbergen. In einem Artikel über die «zionistische Illusion» schrieb Professor Ch. T. Stace von der Princeton Universität:


"Dass eine Nation durch Gewalt oder Drohungen eine andere Nation zwingen sollte, gegen ihren eigenen Willen oder entgegen den Wünschen der Mehrheit ihres Volks zu handeln, ist «Aggression». Es ist gegen die Grundsätze der Gerechtigkeit, der Demokratie und der Selbstbestimmung in ihrer äusseren und internationalen Anwendung. Dass eine Minderheit innerhalb einer Nation gewaltsam ihren Willen der Mehrheit aufzwingen sollte, ist gleichfalls Aggression, wird jedoch gewöhnlich «Tyrannei» genannt. Es ist die Verneinung der Grundsätze der Gerechtigkeit, der Demokratie und der Selbstbestimmung in ihrer inneren oder innenpolitischen Anwendung. Dies ist der einzige 'abstrakte' oder moralische Grundsatz, der für die Urteilsfällung in der Palästinafrage nötig ist. Und keine Wandlungen auf der Ortsszene, nichts im Kaleidoskop der wechselnden Ereignisse, wird das ändern. Er wird weder in einem Jahr noch in fünfzig Jahren überholt sein." (64)


Diese Worte, 1947 geschrieben, sind heute genauso belangvoll für die Palästinafrage wie vor zwanzig Jahren. Die Grundsätze, die Professor Stace angeführt hat, sind noch anwendbar sogar für die letzte Phase des Palästinaproblems. Falls die Worte eines weisen Mannes durch die Geschichte bestätigt werden müssen, die Weisheit Professor Staces wurde in den Beschluss in Bezug auf Palästina übertragen, der von der zweiten Konferenz der Staats- oder Regierungshäupter der blockfreien Länder, abgehalten in Kairo im Oktober 1964, angenommen wurde. Auf dieselben Grundsätze begründet, die Professor Staces Erklärung angeregt hatten, erklärt der Beschluss:

«Die Konferenz verurteilt die im Mittleren Osten verfolgte imperialistische Politik und beschließt in Übereinstimmung mit der Charta der Vereinten Nationen:

  • 1. der vollen Wiederherstellung aller Rechte des arabischen Volkes von Palästina auf seine Heimat und seines unveräusserlichen Rechts auf Selbstbestimmung beizupflichten;
  • 2. ihre volle Unterstützung für das arabische Volk Palästinas in seinem Kampf für Befreiung vom Kolonialismus und Rassismus zu erklären.»

 


 

Quelle: Palästina Dokumentation Nr. 3, 1975 Hrsg.: Liga der Arabischen Staaten, Bonn


► Anmerkungen:


1. Weizmann, Chalm, Trial and Error, New York, Harper & Brothers, 1949, S. 206.

2. Ebd., S. 249.

3. McIlwain, Charles Howard, The Growth of Political Thought in the West, New York, The Macmillan Company, 1932, S. 145.

4. Berger, Elmer, Judaism or Jewish Nationalism, The Alternative to Zionism, New York, Bookman Associates, 1957, S. 53.

5. Heas, Moses, Rome and Jerusalem, A Study in Jewish Nationalism, zuerst hrsg. 1862. Ausgabe 1918, New York, 1918, S. 181, 167.

6. Ebd., S. 36

7. Pinsker, Leo, Auto-Emancipation, Washington, D.C., 1944, S. 16.

8. Bentwich, N.M., Abad Ha'am and His. Philosophy, Jerusalem, 1927, S. 13.

9. Herzl, Theodor, The Jewish State, Vierte Auflage, London, 1946, S. 15, 25, 27.

10. Lilienthal, Alfred, What Price Israel, Chicago, Henry Regnery Company, 1953, S. 213.

11. Toynbee, Arnold, A Study of History, Bd. 8, London, Oxford University Press, 1963, S. 294-295.

12. Herzl, a. a. O., S. 27.

13. "Iaraeli PM Tells Frank Giles," Sunday Times, (London), 28. März, 1965.

14. Weizmann, a. a. O., S. 462.

15. Burrows, Millar, Palestine Is Our Business, Philadelphia, The Westminster Press, S. 43-44 (Betonung vom Verf.).

16. Ebd., S. 43.

17. Goitein, S.D. (Vorsitzender, Schule für Orientstudien, Hebräische Universität), Jews And Arabs, Shocken Books, New York, 1955, S. 7.

18. Godbey, Allen H., The Last Tibes: A Myth, S. 154.

19. Koestler, Arthur, Analyse d'un Miracle, übers, Dominique Aury, Paris, 1949, S. 17.

20. Weizmann, a. a. O., S. 244.


21. Ebd.

22. Taylor, Alan R., Prelude to Israel, New York, Philosophical Library, 1959, S. 113.

23. Cremeans, Charles D., The Arabs and The World, hrsg. für den Rat für Auslandsbeziehungen, New York, 1963, S. 182.

24. Toynbe, a. a. O., S. 290, Anm. 2.

25. Lllienthal, a. a. O., S. 171.

26. Ebd., S. 172.

27. Ebd.

28. Einstein, Albert, Out of My Later Years, New York, Philosophical Library, 1950, angeführt in Lilienthal, a.a.H. S. 173.

29. Frank, Philipp, Einstein, New York, Knopf, 1947, angeführt in Lilienthal, a. a. O., S. 173.

30. Lilienthal, a. a. O., S. 173.

31. Cohen, Prof. Morris R., Zionism Tribalism or Liberalism, New York, 1946, S. 4.

32. Ebd.

33. Ebd., S. 5.

34. Ebd., S. 8.

35. Ebd., S. 12.

36. Hurewitz, H., "Israel: What Next ?" im Menorah Journal, Frühling 1954, S. 7.

37. News vom American Council for Judaism Inc., 13. Feb. 1960 (Betonung vom Verf.).

38. Berger, a.a.O., S. 32.

39. Ebd., S. 32-34,.

40. Lazaron, Rabbiner Dr. Morris, "The Impact of Jewish Nationalism on Judaism and Jews," achte Jahreskonferenz des American Council for Judaism, Washington, 4. April 1952.


41. Getting Back to Fundamentals, eine Predigt gehalten von Irving F. Reichest, Rabbiner Emeritus des Temples Emmanu-El, San Francisco, an der Washingtoner Hebräerversammlung, Washington, D C, 4. April, 1952 für die 8. Jahreskonferenz des American Council for Judaism.

42. Lilienthal, a. a. O., S. 12.

43. Berger, The Jewish Dilemma, New York, 1946, S. 5

44. Cohen, Naomi Wiener, The Reaction of Reform Judaism in Americea to Political Zionism, Publications of the American Jewish Historical Society, Juni 1951, S. 365.

45. Ebd., S. 371.

46. Ebd., S. 368.

47. Weizmann, a. a. O., S. 158.

48. Ebd., S. 157,.

49. Ebd., S. 206.

50. Ebd., S. 208.

51. Berger, The Jewish Dilemma, S. 118.

52. Weizmann, a. a. O., S. 204.

53. Taylor, a. a. O., S. 23.

54. Weizmann, a. a. O., S. 208.

55. Ebd., S. 206.

56. Manuel, Frank E., The Realities of American Palestine Relations, Public Affairs Press, 1949, S. 172.

57. Ben-Gurion, David, Rebirth and Destiny of Israel, New York, The Philosophical Library, 1954, S. 348.

58. Kahn, Sholom J., "Israel's First Pentad", The Menorah Journal, Frühling-Sommer 1954, S. 116.

59. Ebd.

60. Politisches Sonderkomitee, 363. Sitzung, 6. Dez 1962, A/SPC/SR. 363, S. 194.

61. Politisches Sonderkomitee, 370. Sitzung, 14. Dez. 1962, A/SPC/SR. 370, S. 244

62. Politisches Sonderkomitee, 369. Sitzung, 13. Dez. 1962, A/SPC/SR. 369, S. 234.

63. Weekly News Bulletin Bd. III, No. 3, 22. März 1956, (Israel Office of Information, N.Y.C.).

64. Stace, Ch. T., "The Zionist Illusion," The Atlantic Monthly, Februar 1947.
 

Bild des Benutzers Elias Davidsson
Elias Davidsson
Offline
Beigetreten: 22.02.2013 - 18:05
Die Rassenideologie des Zionismus

Der Beitrag "Die Rassenideologie des Zionismus" ist seriös und gut begründet, obwohl ich es ein wenig anderes formulieren würde.  Der Begriff der "Rasse" wird weitgehend durch biologischen Merkmalen verstanden und ist daher ein wenig irreführend.  Der Autor ist sich allerdings dessen bewusst und erklärt die Zionisten hatten es auf "Volk" oder "Nation" umgestellt.  

Dennoch muss betont werden, dass Zionismus sich nicht auf "biologischen Rassismus" beruft, sondern auf die Mitgliedschaft in der jüdischen "Nation".  Zionismus ähnelt insoweit mit dem Begriff des deutschen Blutes, dass noch heute im Gesetz existiert.  Russland-Deutsche z.B. sind als "Deutsche" betrachtet.  Und Ausländer in Deutschland werden nur tolerierend als Deutsche erkannt.  

Der Rassismus der Zionismus ist in der jüdischen Religion verwurzelt, die Mischehen verbietet.  Dagegen erlaubt die jüdische Religion, dass Menschen zum Judentum übertreten. Da gibt es keine rassistische Hindernisse.  Daher gibt es auch schwarze, indische und japanische Juden.  Diese Differenzierung fehlt es meines Erachtens im Beitrag.  Aber als historischer Beitrag ist er völlig verwendbar.

Elias Davidsson

Bild des Benutzers Wolfgang Blaschka
Wolfgang Blaschka
Offline
Beigetreten: 09.11.2010 - 02:16
Zionismus ist nicht völkisch-rassistisch, sondern kolonialistisc


Zionismus ist nicht völkisch-rassistisch, sondern kolonialistisch-rassistisch


In seiner Schlussbemerkung weist Elias Davidsson zurecht darauf hin, dass der "Rasse"-Begriff im Zionismus eben doch ein anderer ist als der in Deutschland von Nationalisten gebräuchliche ethnische bzw. individual-genetische, kommt aber dann doch dazu, den Unterschied zu verwischen, indem er die biologistisch-völkische Herkunfts-Auffassung von Nation und Nationalität, wie sie in der "Ausländergesetzgebung" bis zum Einwanderungsgesetz festgeschrieben war, mit der zionistischen Definition von "Schicksalsgemeinschaft" fast gleichsetzt oder zumindest ähnlich sieht. Als Beispiel nennt er den Umgang der BRD mit "Russland-Deutschen" oder Siebenbürger Sachsen, die tatsächlich nach "Bluts"- und Abstammungskriterien dem "Deutschtum" zugeschlagen wurden, ähnlich den "Reichsangehörigen", deren deutsche Vorfahren in den Grenzen von 1937 aus den nach dem Krieg abgetrennten "Ostgebieten" des heutigen Westpolen stammten. Zum Nachweis der Zuzugsberechtigung nach Westen konnte der von den Nazis eingeführte "Ahnenpass" herbei gezogen werden.

Das ist beim israelischen Einwanderungsgesetz naturgemäß nicht so, galt es doch Juden aus verschiedensten Ländern den Zugang zu ermöglichen, und zwar allen, die sich dem Judentum oder dem kolonialen Projekt Israel verbunden oder zugehörig fühlten – religiös, kulturell oder ideell, in selteneren Fällen vielleicht sogar sprachlich, keinesfalls aber genealogisch oder ethnisch. Israeli wollte man ja erst werden durch Einwanderung, konnte es also qua Herkunft nicht vorher schon sein, auch wenn man noch so orthodoxer Jude war, aus welcher Weltgegend auch immer. Das nationalitätsstiftende Kriterium konnte nur darin bestehen, sich von einem der zwölf Stämme Israels abkömmlich und also in der Tradition des Judentums verwurzelt diesem zugehörig zu fühlen. Die Bildung des israelischen Nationalstaats wurde frühestens 1948 konstituiert, ist jedoch nach den Ansprüchen der Hardliner-Zionisten bis heute nicht abgeschlossen, wie man an der systematischen Besiedelung und Kolonisierung selbst der immer wenigeren den Palästinensern noch verbliebenen (besetzten oder blockierten, "kontrollierten" oder bombardierten) "Gebiete" erkennen kann.

Das Problem des Rassismus ist ein anderes, vom Nationalismus zwar abgeleitet, aber noch viel mehr vom Kolonialismus geprägt und befördert: Der Dünkel der "Grand Nation" beispielsweise, die Abschottung vor Maghreb-Zuwanderern und soziale Ausgrenzung der Nicht-"Mutterländler" funktioniert in Frankreich ungebrochen, obwohl dort ein republikanischer Nationalitätsbegriff herrscht, also zum französischen Volk genausogut immigrierte Algerier zählen nach dem Staatsbürgerschaftsrecht, und doch auf vielerlei Weise diskriminiert sind. Ähnlich ergeht es in Großbritannien den "Commonwealth"-Immigranten, sofern sie den "unteren" sozialen Schichten angehören. Die eurozentrische Überheblichkeit geht von einer zivilisatorischen, technischen, wirtschaftlichen und nicht zuletzt militärischen Überlegenheit gegenüber anderen Ländern und Weltregionen aus, mit einem Gefälle von West nach Ost, von Nord nach Süd. In der Tat geht es den meisten Menschen in genau dieser Reihenfolge ökonomisch schlechter. Seit der Implosion der Sowjetunion pflanzt sich diese Abschüssigkeit auch unter den GUS-Staaten fort. Das Wiederaufflammen des Nationalismus nach 1989/90 fand ausgerechnet im multiethnischen Jugoslawien seinen ersten blutigen Höhepunkt, nachdem er sich bereits vorher in Deutschland in Volksverhetzung und Brandfanalen der Nazi-Pogrome ausgetobt hatte, und im ("Nationalsozialistischen") Untergrund weiter terrorisieren konnte – mit geheimdienstlicher Duldung und Unterstützung.

Dabei hatte der Nationalismus historisch durchaus emanzipative Züge, galt er doch als Kampfansage gegen den Feudalismus mit seiner Kleinstaaterei wie auch seinen Großreichen ("Völkergefängnissen") und war untrennbar verknüpft mit den Ideen des Liberalismus; es ging um Selbstbestimmung der Völker, um repräsentative Volksvertretung und Demokratie, um Aufklärung und eben auch um (Juden-)Emanzipation von den alten Mächten von Adel und Kirche. Er war getragen vom fortschrittlichen Bürgertum und unterstützt von Handwerkern und Arbeitern, sofern sie aus der beginnenden Industrialisierung zur Klasse formiert nicht schon als politisch handelndes Subjekt für die Ideen des Sozialismus fochten, also für den Internationalismus agierten, um die Republik kämpften sie allemal. Dafür ging ein Richard Wagner ebenso auf die Barrikaden wie ein Karl Marx (und ein Friedrich Engels) in die Bibliotheken und in die damals noch revolutionären sozialdemokratischen Arbeitervereine und Gewerkschaftsverbände. Das Bürgertum verriet die Revolution 1848 und machte seinen faulen Frieden mit dem Adel. Die niedergeworfenen Rebellen mussten in die Emigration, zogen aber völlig unterschiedliche Schlüsse aus dem gescheiterten Aufstand. Der resignativ-rückwärtsgewandte Romantizismus führte in nebulöse Innerlichkeit und Deutschtümelei und später in die finsterste Reaktion, während den Anderen ihr Kommunistisches Manifest gelang.

Die allseits virulenten Nationalstaatsträume wurden aber erst viel später erfüllt, den mittel- und osteuropäischen Völkern erst nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie im Ersten Weltkrieg. Das aus der Niederschlagung der Pariser Commune triumphierend mit Blut getaufte Deutsche Reich war bei der Aufteilung der Welt zu spät und zu kurz gekommen, und entwickelte einen besonders aggressiven, chauvinistischen Nationalismus, der im Zeitalter des Imperialismus konsequent und schier unaufhaltsam in die Weltkriege führte. Bereits nach dem ersten waren die wenigen Kolonien schon wieder verloren, worauf sich unverhohlener Revanchismus Bahn brach: Rache für Versailles, Rache für die Räte-/Republik. Die gespaltene Arbeiterbewegung konnte dem aufkommenden Faschismus nichts wirksam entgegensetzen, und damit weder die eigene Entrechtung noch Krieg noch Shoa verhindern.

Auch wenn Reich und Wehrmacht zu bedingungsloser Kapitulation niedergezwungen werden konnten, der deutsche Nationalismus und der Militarismus wurden nicht besiegt, sondern bald wieder in Stellung gebracht gegen den Osten. Manche witzelten, dass die Welt Deutschland so sehr liebe, dass sie gleich zwei davon haben wolle. Jetzt, wo sie wieder eines hat, muss sie die deutsche Dominanz über Europa ertragen, als Motor und Garantie für einen Euro-Supranationalismus. Manche sagen, dadurch würde der Nationalismus gezähmt, aber das Gegenteil ist der Fall: Ringsum erstarkt er – als kurzsichtiger Abwehrreflex gegen allzu teutonisch-eurokratische Zumutungen, und im Inland wieder als Reaktion darauf. Dabei geht es längst nicht mehr um territoriale Eroberungen, sondern um wirtschaftliche Macht, weltstrategische Interessen und militärpolitische Teilhabe, um Rohstoffsicherung und Einflusssphären.

Anders der jüdisch-israelische Nationalismus in Gestalt des Zionismus: Ihm geht es tatsächlich um Landnahme mittels Entrechtung, Enteignung und Vertreibung der ansässigen Bevölkerung, insofern am ehesten vergleichbar mit der Besiedelung des nordamerikanischen Kontinents durch europäische Siedler. Wer sich am Treck nach Westen beteiligte, egal wie arm, in Europa verfolgt oder kriminell, konnte sein Glück machen und sich irgendwann als "guter Amerikaner" fühlen, während die indigene Bevölkerung dezimiert und in Reservate verdrängt wurde. Die Verheißung von "Gods own Country" klang ähnlich der des "Gelobten Landes", auch ohne antike Bezugnahmen und Deutungen. Im Ergebnis lief es ähnlich: Binnen kurzem etablierte sich ein rudimentäres Staatswesen, das sich vom "alten Europa" losgesagt hatte, und sich seiner "unbegrenzten Möglichkeiten" nicht zu schämen trachtete. Außer der Sklaverei vielleicht, aber die wurde mit dem Bürgerkrieg zumindest formell eingegrenzt, später tatsächlich abgeschafft. Was blieb, war der Rassismus, er ist die ureigenste Begründung für die selbstherrliche Inbesitznahme fremder Territorien, und ebenso die Grundvoraussetzung zur bedenkenlosen Führung von Kriegen, gegen wen und wo auch immer. Nicht zur Eroberung im klassischen Sinne, sondern zur Durchsetzung seiner Interessen. Das nötige Überlegenheitsgefühl speist sich aus institutionalisierter Geringschätzung und Verächtlichmachung des Gegners, sowie aus einer selbstüberhöhenden Vorstellung, man sei "auserwählt" oder prädestiniert eine Mission nicht (nur) für sich, sondern im Namen der Menschheit oder im Dienste einer Gottheit zu erfüllen.

Aber es gibt einen deutlichen Unterschied zum Blut-und-Boden-Eroberungsprogramm deutscher Provenienz: Es handelte sich immer um Arrondierung und Sicherung des als "eigen" reklamierten Territoriums, nicht um Gebietserweiterungen außerhalb, mit Ausnahme strategischer, aber nur vorübergehender Besetzungen. Alaska wurde den russischen Zaren abgekauft, nicht erobert einverleibt. Auch Israel hat die Sinai-Halbinsel an Ägypten zurückgegeben (wiewohl die Golan-Höhen an Syrien noch nicht). Das Ziel ist indes nicht in erster Linie die Ausbreitung auf Kosten der Nachbarstaaten, sondern die "Sicherung", Durchdringung und Besiedelung des für sich reklamierten Raums. Das immer wieder proklamierte Erez-Israel umfasst allerdings ganz selbstverständlich alle Palästinensergebiete und darüber hinaus. Dennoch, die physische Vernichtung der Palästinenser steht nicht auf dem Programm. Sie sollen nur "weg" sein, wie auch immer. Aus den Augen, aus dem Sinn. Ähnlich wie die Indianer Nordamerikas in den Reservaten oder die Schwarzen Südafrikas in den Bantu-Staaten. Die Affinität des "reinen Judenstaats" zu den segregierenden Apartheid-Praktiken ist augenfällig.

Dagegen war die Vernichtungs- und Ausrottungspolitik der Nazis etwas grundsätzlich anderes. Sie betraf in ihrer blutigen Konsequenz die polnische Intelligenz ebenso wie Sinti und Roma oder die Politkommissare der Roten Armee, aber vor allem die Juden, wo immer deutsche Wehrmachtssoldaten und im Gefolge die Sonderkommandos von SS und SD hingelangten, um "ihrem Volk" den "Raum" zu schaffen, den sie (vom slawischen "Untermenschentum" geraubt) "arisch" besiedeln wollten. Die deutschen Überlegungen zu einem jüdischen Exodus nach Madagaskar waren von Anfang an unrealisierbares Hirngespinst. Spätestens seit der Wannseekonferenz im Januar 1942 war die physische "Ausschaltung des (Welt-)Judentums" Staatsraison. Die Wahnvorstellung einer "Endlösung" durch industriell betriebenen Völkermord wird weder in Israel noch wurde sie je in den USA "geträumt" oder gar realisiert, so abscheulich ihre Kriegsverbrechen auch gewesen sein mögen.

Diesen gravierenden Unterschied sollten wir bei aller Empörung über den Umgang der Zionisten mit den "Ureinwohnern Palästinas" nicht verwischen. Dennoch waren die kriegerischen "Maßnahmen" gegen den Gazastreifen ein Schritt in genau diese Richtung: Den Bewohnern wurden systematisch die Lebensgrundlagen entzogen, indem Israel selbst UN-Magazine mit Phosphor-Bomben belegte, um nur ja "alles verbrannt" zurück zu lassen.

Wie das ein Staat zu tun vermag, dessen Gründungsausweis der Holocaust ist, weiß der Teufel. Mit Judentum hat das weniger zu tun als mit blankem Imperialismus in seiner menschenverachtendsten Form. In der Tat wird dieses zionistische Besatzungsregime verschwinden müssen (da hat Ahmadineschad nicht unrecht), schon um den absurden Umstand zu beenden, dass ausgerechnet Israel der unsicherste Ort für Juden auf der Welt zu sein scheint. Im durchaus nicht ungefährlichen New York fliegen zumindest keine Scud-Raketen und auch keine israelischen, um extralegale Hinrichtungen zu vollstrecken. Dort leben mehr Juden als in Israel – unbehelligt.

Israel wird sich grundsätzlich ändern müssen in seiner Verfasstheit, will es nicht die völlige internationale Isolation riskieren. Denn selbst die treuesten Bündnispartner werden sich angesichts veränderter Gegebenheiten im nördlichen Afrika neu orientieren, um ihre Interessen zu wahren. Ob es am Ende einen oder zwei Staaten gibt, ist der zwingenden Notwendigkeit, sich vom expansiven und aggressiven Zionismus zu emanzipieren, untergeordnet. Wahrscheinlich wird es nur in Etappen gehen – so oder so. Auch wenn sie noch so sehr "Fakten schaffen", eines können die jüdischen Israelis nicht erzwingen, weder mit Mauerbau noch mit Checkpoint-Blockaden oder infernalen Raketenangriffen: Frieden. Den gibt es nur mit Gerechtigkeit.

Wolfgang Blaschka, München
 

Zum Verfassen von Kommentaren bitte Anmelden oder Registrieren.