Ein Bail-In bei der Hypo Alpe Adria? Alarmstufe rot fürs globale Finanzsystem!

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Ernst Wolff
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Beigetreten: 17.02.2015 - 23:40
Ein Bail-In bei der Hypo Alpe Adria? Alarmstufe rot fürs globale Finanzsystem!
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Ein Bail-In bei der Hypo Alpe Adria?


Alarmstufe rot fürs globale Finanzsystem!


Am Sonntag, den 1. März 2015 teilten das österreichische Finanzministerium und die Aufsichtsbehörde FMA mit, dass die Abbaugesellschaft HETA Asset Resolution AG abgewickelt werde und ein Konkurs nicht auszuschließen sei. Die Rückzahlung fälliger Schulden werde mit sofortiger Wirkung ausgesetzt. Bereits einen Tag später wurden 25 Mio. Euro aus dem Schuldscheindarlehen eines institutionellen Investors nicht zurückbezahlt.

Bei der HETA Asset Resolution handelt es sich um eine „Bad Bank“, die im Herbst 2014 als Auffanggesellschaft der HYPO ALPE ADRIA, der ehemals sechstgrößten österreichischen Bank, gegründet wurde. Die Rettung der HYPO ALPE ADRIA kostete die österreichischen Steuerzahler insgesamt 5,6 Mrd. Euro. Eine Rettung der HETA Asset Resolution würde nach Schätzungen von Experten bis zu 20 Mrd. Euro verschlingen. Der Betrag entspräche in etwa 6 % der Wirtschaftsleistung Österreichs.

Finanzminister Hans Jörg Schilling bekräftigte am Montag, dass die Regierung in Wien nicht finanziell einspringen und auch nicht für das Bundesland Kärnten geradestehen werde. Kärnten haftet mit 10,7 Mrd. Euro für die Bank und ist somit von der Zahlungsunfähigkeit bedroht.

Obwohl dieser Vorgang in den Mainstream-Medien außerhalb Österreichs kaum Beachtung fand, ist er von allergrößter Bedeutung: Sollte es tatsächlich zum Konkurs kommen, würden mit großer Sicherheit Kreditausfallversicherungen fällig werden. Weil dieser Markt unreguliert ist, kann niemand deren Höhe genau beziffern. Sie dürften sich aber in Größenordnungen bewegen, die nicht nur das österreichische Finanzsystem, sondern sogar das globale Finanzsystem gefährden könnten.

Um diesen Fallmit allen Mitteln abzuwenden, werden Insidern zufolge derzeit Vorbereitungen für einen „Bail-In“, also die teilweise Konfiszierung der Einlagen von Anlegern und Sparern, getroffen. In der Tat wäre dies die einzig realistische Möglichkeit, einen systemgefährdenden Domino-Effekt zu vermeiden. Sollte es allerdings dazu kommen, träte Europa endgültig in die dritte Phase der globalen Krise ein, die am Ende unausweichlich zum Crash des gesamten Weltfinanzsystems führen wird.

Die erste Phase wurde 1998 durch den drohenden Zusammenbruch des Hedgefonds "Long Term Capital Management" (LTCM) eingeläutet. Damals brachten die im Fall eines Crashs fälligen Kreditausfallversicherungen das globale Finanzsystem zum ersten Mal in seiner Gesamtheit in Gefahr. Um einen Crash zu verhindern, wurde LTCM von einem Bankenkonsortium mit einer Summe von 3,75 Mrd. US-Dollar gerettet.

Die zweite Phase begann 2008 nach dem Zusammenbruch der US-Großbank Lehman Brothers mit dem drohenden Kollaps des größten Versicherungskonzerns der Erde, "American International Group" (AIG). Auch hier drohte die Fälligkeit von Kreditausfallversicherungen das globale Finanzsystem zum Einsturz zu bringen. Die notwendigen Gelder übertrafen allerdings bei weitem die Summen, die bei der Rettung von LTCM geflossen waren und schlossen eine Rettung durch andere Finanzinstitute aus. Deshalb sprang damals die US-Regierung ein und rettete den Konzern (und nicht nur ihn) unter dem Vorwand, er sei „too bigtofail“, mit Steuergeldern.

Zahlreiche Regierungen in aller Welt folgten dem amerikanischen Beispiel. Ihr Eingreifen riss allerdings riesige Löcher in die Staatshaushalte. Um diese zu stopfen, wurden den arbeitenden Menschen in den betroffenen Ländern anschließend harsche „Austeritätsprogramme“ auferlegt. Da sich aber schon bald abzeichnete, dass diese nicht ausreichen würden, um den Finanzbedarf zu decken und das System zu stabilisieren, schlug die "Bank für Internationalen Zahlungsausgleich" (BIZ) 2010 vor, das Prinzip des „Bail-Out“ von Banken - ihre Rettung durch Steuergelder - durch ein „Bail-In“ - die teilweise Enteignung von Anlegern und Sparern - zu ersetzen.

Dieser Mechanismus, der den Eintritt in die dritte Phase der globalen Krise einleitete, wurde erstmals im März 2013 auf Zypern angewandt. Dort mussten Sparer und Anleger mit Einlagen über 100.000 Euro anteilig für die Spekulationsverluste zweier Banken in Höhe von 5,8 Mrd. Euro aufkommen. Die Aktion verlief in den Augen von Politikern und Bankern erfolgreich, da größere Proteste der Bevölkerung und ein zunächst befürchteter Run auf die Banken ausblieben.

Dass ein solcher Bail-In nun in Österreich und damit im Herzen Europas ins Auge gefasst wird, zeigt allerdings, dass der Finanzindustrie das Wasser inzwischen bis zum Hals steht.

  • Oder rechnet sie wirklich damit, dass Einleger und Investoren ihre teilweise Enteignung unwidersprochen hinnehmen - bei einer Bank, die bis zu ihrem Zusammenbruch das Rating AAA hatte und deren Sicherheit sowohl durch die Unterstützung eines Bundeslandes wie auch des Staates garantiert schien?
  • Geht sie allen Ernstes davon aus, dass Investoren und Anleger anderer Banken diesem Schauspiel tatenlos zusehen werden?
  • Muss sie nicht befürchten, dass Investoren wie auch private Anleger aus reinem Selbstschutz massenweise ihre Depots räumen und damit einen Banken-Run auslösen, der sich möglicherweise auf die gesamte Eurozone ausweitet?

 

Verschiedene Skalen werden für die Ratings verwendet. Einen Überblick über die Skalen der führenden Agenturen anhand anerkannter Vergleichstabellen gibt nachfolgende Tabelle:

Moody’s S&P Fitch DBRS Englische
Bezeichnung
Deutsche
Beschreibung
Long
Term
Short
Term
Long
Term
Short
Term
Long
Term
Short
Term
Long
Term
Short
Term
Aaa P-1 AAA A-1+ AAA F1+ AAA R-1 (high) Prime (Triple A) Schuldner höchster Bonität, Ausfallrisiko auch längerfristig so gut wie vernachlässigbar
Aa1 AA+ AA+ AAhigh R-1 (middle) High grade Sichere Anlage, Ausfallrisiko so gut wie vernachlässigbar, längerfristig aber etwas schwerer einzuschätzen
Aa2 AA AA AA
Aa3 AA- AA- AAlow
A1 A+ A-1 A+ F1 Ahigh R-1 (low) Upper Medium grade Sichere Anlage, sofern keine unvorhergesehenen Ereignisse die Gesamtwirtschaft oder die Branche beeinträchtigen
A2 A A A
A3 P-2 A- A-2 A- F2 Alow R-2 (high)
Baa1 BBB+ BBB+ BBBhigh R-2 (middle) Lower Medium grade Durchschnittlich gute Anlage. Bei Verschlechterung der Gesamtwirtschaft ist aber mit Problemen zu rechnen
Baa2 P-3 BBB A-3 BBB F3 BBB R-2 (low)
Baa3 BBB- BBB- BBBlow R-3
Ba1 Not Prime BB+ B BB+ B BBhigh R-4 Non Investmentgrade
speculative
Spekulative Anlage. Bei Verschlechterung der Lage ist mit Ausfällen zu rechnen
Ba2 BB BB BB
Ba3 BB- BB- BBlow
B1 B+ B+ Bhigh R-5 Highly Speculative Hochspekulative Anlage. Bei Verschlechterung der Lage sind Ausfälle wahrscheinlich
B2 B B B
B3 B- B- Blow
Caa1 CCC+ C CCC C CCC D Substantial risks Nur bei günstiger Entwicklung sind keine Ausfälle zu erwarten
Caa2 CCC CC CC Extremely speculative
Caa3 CCC- In default with little
prospect for recovery
Moody’s: in Zahlungsverzug
Standard & Poor’s: hohe Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls oder Insolvenzverfahren beantragt, aber noch nicht in Zahlungsverzug
Ca CC C C
C
C SD / RD / D / In default Zahlungsausfall
D D

Daneben gibt es weitere Abkürzungen. So werden nicht geratete Schuldner mit NR, nicht mehr geratete Unternehmen mit WD gekennzeichnet. (Quelle: Wikipedia)

 

Mit Unterstützung von Politik und Medien versucht die Finanzindustrie bereits, die Angelegenheit herunterzuspielen und die Öffentlichkeit in Sicherheit zu wiegen. Alle beschwichtigenden Worte aber können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Fall HYPO ALPE ADRIA zeigt, in welcher Klemme die globale Finanzindustrie inzwischen steckt: Nachdem 1998 ein einzelnes Institut (der Hedgefond LTCM), durch andere gerettet wurde, mussten im Zuge der Krise von 2007 / 2008 eine große Anzahl Banken mittels Bail-Outs durch die Staaten gerettet werden. Inzwischen sind die Staatskassen so leer, dass weitere Bail-Outs nicht möglich sind. Da die Finanzindustrie Banken wie die HYPO ALPE ADRIA aber wegen der dann fälligen Kreditausfallversicherungen und wegen des Risikos eines Domino-Effekts für den Rest der Branche nicht fallen lassen kann, bleibt nur eine Lösung: Einleger und Sparer müssen – zumindest teilweise – enteignet werden.

Die rechtlichen Grundlagen für eine derartige Enteignung sind in den vergangenen Jahren weltweit geschaffen worden. Ob in den USA, Kanada, der Schweiz oder der EU – überall haben die Gesetzgeber die notwendigen juristischen Vorkehrungen für einen solchen Schritt getroffen. Nur eines konnten die Technokraten nicht in ihr Kalkül einbeziehen: die mögliche Reaktion der Betroffenen.

Mark Twain hat einmal gesagt, die Geschichte wiederhole sich nicht, könne sich aber gelegentlich reimen. Im Jahre 1931 löste der Crash der österreichischen Credit-Anstalt den Zusammenbruch des globalen Finanzsystems aus. Es ist nicht auszuschließen, dass wir bald feststellen werden, dass "Heta Asset Management" und Credit-Anstalt in der Sprache der Finanzweltrecht ähnlich klingen.

Ernst Wolff

 



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Lesetipp: "IWF-Kredite an die Ukraine: Ziel ist die vollständige Destabilisierung des Landes" - weiter


Bild- und Grafikquellen:


1. Die Hypo Alpe Adria war ein Bankkonzern mit Sitz im österreichischen Bundesland Kärnten, der aus der 1896 gegründeten Landes-Hypothekenanstalt Kärnten hervorgegangen ist. Die Hypo Alpe-Adria-Bank International AG (HBInt) war die Holdinggesellschaft der in Südosteuropa tätigen Hypo Group Alpe-Adria (HGAA); die Hypo Alpe‐Adria‐Bank AG (HBA) die österreichische Tochtergesellschaft. In Summe war der Konzern mit 384 Niederlassungen in 12 Ländern (u.a. in Österreich, Italien, Slowenien, Kroatien, Serbien und Montenegro, Bosnien und Herzegowina) tätig und gemessen an der Bilanzsumme das sechstgrößte Geldhaus Österreichs.

Im Herbst 2014 wurde der Konzern von der Republik zerschlagen und alle Restbestände in Abbaugesellschaften umgewandelt. Das Südosteuropa-Geschäft wird verkauft. Die heutige Heta Asset Resolution AG ist eine Abbaugesellschaft im Eigentum der Republik Österreich. Sie hat den gesetzlichen Auftrag, den notleidenden Teil der 2009 verstaatlichten Hypo Alpe Adria so effektiv und wertschonend wie möglich zu verwerten.

Foto: Wiki-User JJ55. Quelle: Wikimedia Commons. Es ist erlaubt, die Datei unter den Bedingungen der GNU-Lizenz für freie Dokumentation, Version 1.2 oder einer späteren Version, veröffentlicht von der Free Software Foundation, zu kopieren, zu verbreiten und/oder zu modifizieren; es gibt keine unveränderlichen Abschnitte, keinen vorderen und keinen hinteren Umschlagtext.

2. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ; englisch Bank for International Settlements, französisch Banque des règlements internationaux, italienisch Banca dei Regolamenti Internazionali, spanisch Banco de Pagos Internacionales) ist eine Internationale Organisation des Finanzwesens. Die BIZ wurde am 17. Mai 1930 im Rahmen einer Neuregelung der deutschen Reparationsverpflichtungen gegründet. Sie ist die weltweit älteste internationale Finanzorganisation.

Eine Mitgliedschaft ist Zentralbanken oder vergleichbaren Institutionen vorbehalten. Die Deutsche Bundesbank zählt zu den gegenwärtig 60 Mitgliedern. Die BIZ gilt als „Bank der Zentralbanken“ und nimmt eine Schlüsselrolle bei der Kooperation der Zentralbanken und anderer Institutionen aus dem Finanzbereich ein. So hält sie regelmäßige Sitzungen auf Ebene der Zentralbankgouverneure ab, auf deren Tagesordnung vor allem Fragen der Konjunktur- und Finanzmarktlage sowie der internationalen Währungs- und Finanzstabilität stehen. Ebenso ist das Sekretariat des Financial Stability Board (FSB) und der nach dem Zusammenbruch der Kölner Herstatt-Bank gegründete Basler Ausschuss für Bankenaufsicht bei der BIZ angesiedelt.

Hauptsitz der BIZ ist das schweizerische Basel. Aufgrund eines Abkommens mit dem Schweizer Bundesrat unterliegen die Grundstücke, Gebäudeteile sowie die Bediensteten der BIZ der schweizerischen Hoheitsgewalt nur eingeschränkt. Repräsentanzen der BIZ befinden sich in Hongkong und Mexiko-Stadt. Mitglieder des Verwaltungsrats sind derzeit u.a. EZB-Präsident Mario Draghi, der Bundesbankpräsident Jens Weidmann, die Präsidentin der US-Zentralbank Federal Reserve Board, Janet Yellen sowie der Gouverneur der Chinesische Volksbank, Zhou Xiaochuan.

Foto: Taxiarchos228 / Wladyslaw Sojka, Lörrach - www.sojka.photo. Quelle: Wikimedia Commons. Copyleft: Dieses Kunstwerk ist frei, es darf weitergegeben und/oder modifiziert werden entsprechend den Bedingungen der Lizenz „Freie Kunst“.

3. Tabellarischer Überblick über die Skalen der führenden Agenturen anhand anerkannter Vergleichstabellen (Quelle: Wikipedia)

4. Cover: "WELTMACHT IWF - Chronik eines Raubzugs" von Ernst Wolff.