Frei von Herrschaft. Fragmente einer anarchistischen Anthropologie (DAVID GRAEBER)

1 Beitrag / 0 neu
Bild des Benutzers Helmut S. - ADMIN
Helmut S. - ADMIN
Online
Beigetreten: 21.09.2010 - 20:20
Frei von Herrschaft. Fragmente einer anarchistischen Anthropologie (DAVID GRAEBER)
DruckversionPDF version

Frei von Herrschaft. Fragmente einer anarchistischen Anthropologie


Autor: David Graeber  / Übersetzer: Werner Petermann

Verlag: Peter Hammer Verlag, Wuppertal  (2008) - zum Online-Partner 

ISBN:  978-3-7795-0208-1

Broschiert, 254 Seiten, 19,90 EUR


Beschreibung:

Wie denken und leben Menschen ganz ohne Herrschaftsstrukturen? Was könnten wir von ihnen lernen? Immer drängender werden diese Fragen von all denen gestellt, die an globalen gesellschaftspolitischen Zusammenhängen und an einer Weiterentwicklung der politischen Philosophie interessiert sind. Längst gibt es weitreichende wissenschaftliche Erkenntnisse über funktionierende anarchische Gesellschaften.

Der amerikanische Anthropologe David Graeber zeigt in seinem Buch, welche Möglichkeiten zu einem gerechteren Zusammenleben menschlicher Gesellschaften bereits gefunden wurden.


Inhalt:

 

Darum …………7

Fragmente einer anarchistischen Anthropologie …………24

Gesellschaftstheorie als Wissenschaft und Utopie …………118

Die eigentliche Idee des Konsums …………146

Einen Westen hat es nie gegeben …………186


Infos zum Autor:

David Rolfe Graeber (geb. 12.02.1961) ist Professor für Anthropologie und lehrte bis Juni 2007 an der Yale University (Connecticut), bis sein Vertrag trotz einer weltweiten Solidaritätskampagne nicht verlängert wurde. Seitdem hat Graeber eine Lehrstelle am Goldsmith’s College in London. Graeber, der sich als Anarchist versteht,  ist im angloamerikanischen Raum ein bekannter sozialer und politischer Aktivist. Er ist Mitglied der radikalen Gewerkschaft "Industrial Workers of the World"


Rezension von Winfried Stanzick, (Ober-Ramstadt, Hessen) vom 02. Mai 2012:

Man sollte als politisch bewusster Zeitgenosse David Graebers Schriften unbedingt zur Kenntnis nehmen.

Als David Graeber 2005 dieses Buch in den USA veröffentlichte, war er noch ein relativ unbekannter Wissenschaftler. Auch als der Peter Hammer Verlag in Wuppertal diese "Fragmente einer anarchistischen Anthropologie" in einer deutschen Übersetzung von Werner Petermann heraus brachte, kannte David Graeber hierzulande fast niemand. Dementsprechend ist dieses Buch lange völlig unbeachtet geblieben.

Das änderte sich erst mit David Graebers ihm gegen seinen Willen aufgedrückten führenden theoretischen Rolle im Zusammenhang der Occupy Wall Street Bewegung in den USA, die sehr schnell auch auf Europa überschwappte.

Der 1961 geborene und seit einem Rauswurf in Yale nun in London lehrenden Ethnologe David Graeber ist seitdem "der Mann der Stunde" (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung). Vor allem durch seine politischen Bücher und sein Engagement bei "Occupy" wurde der bekennende Anarchist schnell einem großen Publikum auch außerhalb der Bewegung bekannt.

In seinem in diesem Frühjahr erschienenen Sammelband "Kampf dem Kamikaze-Kapitalismus. Es gibt Alternativen zum herrschenden System" benennt und formuliert in bisher verstreuten Essays "Alternativen zum herrschenden System". Denn "noch immer weigern sich Kapitalisten kollektiv, auch nur die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, ihre Grundannahmen über die Welt zu hinterfragen. Dies könnte nicht nur den Tod des Kapitalismus zur Folge haben, sondern praktisch die ganze Welt zerstören. Somit bleibt uns nichts anderes übrig, als die Dinge selbst in die Hand zu nehmen - und damit eine neue Sprache, ein neues gemeinsames Verständnis davon zu entwickeln, was die Menschen im Grunde ausmacht und was sie realistischerweise von der Welt und voneinander erwarten dürfen. Man könnte sehr wohl argumentieren, dass das Schicksal der Welt davon anhängt."

In Deutschland hat gerade der greise Heiner Geißler in seinem Buch "Sapere aude" in eine ähnliche Richtung argumentiert. Ob man nun eher anarchistisch oder eher aus christlich-sozialen Gründen für eine Überwindung des "Kamikaze-Kapitalismus" eintritt, deutlich ist: die Welt wird sich verändern und die Schriften David Graebers zeigen wichtige Richtungen an. Dabei argumentiert er immer historisch, seine Essays sind Dokumente eines Gelehrten, der seine Wissenschaft in den Dienst des politischen Engagements stellt und sie dennoch darin nicht aufgehen lässt.

Mit Spannung hat man sein im Mai 2012 bei Klett-Clotta veröffentlichte großes Werk "Schulden: Die ersten 5000 Jahre" erwartet, ein ebenso radikaler wie befreiender Blick auf die Wurzeln unserer Schuldenkrise. Man sollte als politisch bewusster Zeitgenosse David Graebers Schriften unbedingt zur Kenntnis nehmen, auch wenn man nicht zu den Aktivisten zählt. Er gibt dem, was derzeit scheinbar schicksalhaft in der Welt der Ökonomie passiert, eine historische und radikal-humanistische Perspektive.

Eine andere Wirtschaft, ein anderes Modell menschlicher Gemeinschaft ist nicht nur denkbar, sondern auch möglich und machbar. In diesem Zusammenhang ist auch die hier anzuzeigende theoretische Grundlegung seiner "anarchistischen Anthropologie" für eine breitere Leserschaft von Interesse geworden. Kein Wunder, dass der Peter Hammer Verlag vor einigen Wochen eine zweite Auflage hat drucken lassen müssen.

In insgesamt vier Essays legt Graeber die Ergebnisse seiner Forschungen nieder. "Ein tastender Beginn", wie er in seinem Vorwort schreibt, "in der Hoffnung, dass andere sie aufgreifen und vielleicht gemeinsam , aber in heterogener Weise; zu besseren Ergebnissen kommen mögen, als ich es je vermöchte."

Die Titel der Essays:


Fragmente einer anarchistischen Anthropologie
Gesellschaftstheorie als Wissenschaft und Utopie
Die eigentliche Idee des Konsums
Einen Westen hat es nie gegeben


Auch wenn man keinen persönlichen Zugang zu diesen Theorien hat, weil man politisch anders geprägt ist, die Fragestellungen, die Graeber aufwirft, sind wichtig, wenn nicht gar überlebenswichtig für unsere Gesellschaften. Können anarchistische Lebensformen irgendetwas beitragen zu einer gerechteren Welt? Ist ein menschliches Zusammenleben in einer Gesellschaft ohne Hierarchie überhaupt möglich?

Bisher ist dieses Buch gerade dort, wo man nach eigenen Angaben immer wieder über alternative gesellschaftliche Entwürfe nachdenkt, bei den Grünen und den Linken, bei der SPD kaum diskutiert worden. Einzig eine universitäre Arbeit von Tomislav Polic aus Frankfurt habe ich unter dem nachfolgenden Link ]gefunden.

http://www.jsbielicki.com/David-Graeber.pdf