Kapitalismuskritiker – auf ewig gespalten? Was Kapitalismus überhaupt ist?

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Marie-Luise Volk
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Beigetreten: 28.10.2010 - 13:29
Kapitalismuskritiker – auf ewig gespalten? Was Kapitalismus überhaupt ist?
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Kapitalismuskritiker – auf ewig gespalten?

Müssen wir nicht immer zuerst fragen, was Kapitalismus überhaupt ist? Allein diese Fragen spaltet die Kapitalismuskritiker-Community – zum Nutzen der Kapitaleigner. Kommen die Kapitalismuskritiker aus der “Marx’schen” Ecke, dann stehen die Argumente wie z.B. Eigentum an Produktionsmitteln, Mehrwert-Theorie und die Ansicht, dass Geld den Waren äquivalent sei, im Vordergrund. In dem “Lehrbuch politische Ökonomie” (Verlag Dietz, 1. Aufl. 1954, Kapitel 5) wird die Problematik beschrieben, die in der Geldwirtschaft durch die Trennung von Verkauf und Kauf entsteht:

Die Verdoppelung der Ware in Ware und Geld kennzeichnet die Entwicklung der Widersprüche der Warenproduktion. Beim unmittelbaren Austausch einer Ware gegen eine andere trägt jeder solche Akt isolierten Charakter, ist der Verkauf nicht vom Kauf zu trennen. Etwas anderes ist der Austausch mit Hilfe des Geldes, d.h. die Warenzirkulation. Hier bedingt der Austausch den allseitigen Zusammenhang der Warenproduzenten und die ständige Verflechtung ihrer Tauschgeschäfte. Er bietet die Möglichkeit, den Verkauf vom Kauf zu trennen. Der Warenproduzent kann seine Ware verkaufen und das erlöste Geld zeitweilig zurückhalten. Sobald viele Warenproduzenten verkaufen, ohne zu kaufen, kann eine Absatzstockung eintreten. Somit schließt bereits die einfache Warenzirkulation die Möglichkeit der Krisen ein.

Stünde aber statt “Warenzirkulation” der Begriff “Geldzirkulation”, dann wäre die eigentliche Ursache exakter beim Namen genannt. Bereits hier kann man erkennen, dass die Begriffe, wenn sie richtig eingesetzt wären, für mehr Klarheit sorgten.

 
Woran erkennt man den Kapitalismus?

Beim Kapitalismus geht es in erster Linie um die Erzielung von Kapitalertrag. Das Kapital hat Vorrang vor allen anderen Ansprüchen. Durch den Zinseszinsmechanismus kommt es zu einer Überentwicklung von Geldvermögen. 90 % der Bevölkerung müssen die leistungslosen Gewinne bedienen. Das Geld ist nicht mehr durch reale Werte gedeckt. Um die 90 % der Bevölkerung in die Rolle “von-Fleiß-nach-Reich” zu zwingen, ist ein monopolitisches Herrschaftssystem erforderlich. All dies sind sichere Zeichen für die Existenz des Kapitalismus. Dies anzuerkennen wäre der erste Schritt, um die Spaltung zu überwinden.
 
Dabei wäre es höchste Zeit, wenn die Kapitalismuskritiker eine gemeinsame Linie fänden. Solange sie nicht zusammenfinden, wird die Frage, wie kann man den Kapitalismus zwingen, aufzuhören, er selbst zu sein, nicht beantwortet werden. Sollte es aber gelingen, die Geldsystemfrage gemeinsam zu lösen, könnte der Kapitalismus endlich Geschichte werden. Danach käme eine freie und soziale Marktwirtschaft, die gekennzeichnet ist von Angebot und Nachfrage, flankiert von einem Geldsystem mit konstruktiver Geldumlaufsicherung.

Auch die Frage, ob denn dies überhaupt funktionierte, könnte zweifach bejaht werden: In der Brakteatenzeit von 1150 – 1450, also 300 Jahre lang, gab es das bereits schon einmal. Und auch von 1930 bis 1932 wurde sehr erfolgreich ein konstruktiv umlaufgesichertes Geldsystem eingeführt, was als “Wunder von Wörgl” in die Geschichte einging. Generationen vor uns, haben bereits Erfahrungswerte gesammelt, die wir nutzen könnten.
 
Nach den Angaben des "Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Flüchtlinge" (UNHCR) war 2015 ein Rekordjahr der weltweiten Migration. 2015 sind fast 63 Millionen Menschen geflohen. Die Zahlen werden weiter steigen, weil die wesentlichen Ursachen der Flucht wirksam bleiben – nämlich die Kriege, die Armut und die zunehmende Umweltkatastrophe. Die Fluchtursachen sind aber auch eng verknüpft mit Misswirtschaften. Und Kapitalismus ist Misswirtschaft.

Geld neu denken: Die schmerzlose Beseitigung der perversen Geldwirtschaft  - weiter.

Um-fair-teilen statt Un-fair-teilen - weiter.

Marie-Luise Volk (bitte auch die acht angehängten  Dateien beachten!)
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Fehler im Geldsystem (Dauer 7:38 Min.)

Dieser Film von MonNetA.org zeigt in anschaulichen Grafiken und Animationen welche Folgen Zins und Zinseszins in der Finanzwirtschaft haben und wie systematisch von der großen Mehrheit der Bevölkerung zu den Vermögenden umverteilt wird. Die im Film gezeigten Grafiken und Berechnungen basieren zum teilweise auf Arbeiten von Helmut Creutz. Die Idee eines von der "Liquiditätsverzichtsprämie" oder vom "Urzins" befreiten Geldes, des *Freigelds*, geht auf Silvio Gesell zurück.


       

Wo ist unser Geld? Natürliches, lineares und exponentielles Wachstum u.v.m. (Dauer 6:48 Min.)


 

Margrit Kennedy „Geld neu gestalten – Die Vorzüge komplementärer Währungen (Dauer: 1:01:21 Std.)

Wer verstehen will, wie Geld funktioniert und in welcher Weise es unser Leben beeinflusst, sollte Margrit Kennedy fragen. Mit ihren Büchern und Vorträgen deckt sie systematische Fehler unseres Geldsystems auf. Als Ausweg aus dem krisenanfälligen Monopolgeld beschreibt Kennedy die Einführung einer Vielfalt von komplementären Geldsystemen, die für spezielle Zwecke entworfen werden können, ähnlich dem Prinzip der Vielfalt in der Natur. Auf sehr persönliche Weise erzählt sie von ihrer eigenen Spurensuche in der Finanzwelt und berichtet von erfolgreichen Geldexperimenten, mit denen man in Zu­kunft Finanzkrisen vermeiden kann.


        

Geld frisst Welt - Tobias Plettenbacher am Top Info Forum - Reportage/doku (Dauer: 57:31 Min)


        



 

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Bild- und Grafikquellen:

1. Graffito: "PEOPLE OF EUROPE RISE UP AGAINST CAPITALISM!" Foto: x-andra photography / © Wassilis Aswestopoulos. W.A. ist freier Journalist und Autor zweier Bücher, u.a. das in 2. und erweiterter Auflage erschienene Buch "Griechenland - eine europäische Tragödie". Quelle: Flickr. Die Rechte am Bild verbleiben beim Fotograf - herzlichen Dank für die Genehmigung es hier im KN veröffentlichen zu dürfen. > www.aswestopoulos.de..

2. DIE EINZIGE KUNST IM KAPITALISMUS IST DER AUFSTAND GEGEN ALLE AUTORITÄTEN! Foto: Christian Mayrhofer. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 2.0 Generic (CC BY-NC-ND 2.0). Dalmatiner Archie aus Wien.

3. Buchcover: "Das Geld-Syndrom 2012 – Wege zu einer krisenfreien Wirtschaftsordnung"; aktualisierte Neuausgabe, 2014 nochmals updated! (v. Helmut Creutz) ISBN 10: 3-8107-0140-8, ISBN 13: 978-3-8107-0140-4, Druck & Verlagshaus Mainz, Wissenschaftsverlag, Aachen, Euro 16,80.

"Warum werden die weltweit vagabundierenden Geldströme immer größer, weshalb reagieren die Kurse an den Aktien- und Vermögensmärkten immer hektischer und warum bekommen die Notenbanken Geldmenge und Kaufkraft nicht in den Griff? Vielleicht haben Sie sich das auch schon gefragt, vor allem angesichts der Ereignisse in den letzten zehn Jahren, wahrscheinlich aber auch, warum wir jedes Jahr unsere Wirtschaftsleistung steigern müssen und trotzdem die Staatsverschuldungen ständig zunehmen und ebenso die Scherenöffnung zwischen Arm und Reich? -

Helmut Creutz veranschaulicht auf verblüffende Weise, wie alle diese Fehlentwicklungen mit den Strukturen unseres Geldsystems zusammenhängen und bietet sinnvolle und kompetente Lösungsvorschläge. Helmut Creutz, geboren 1923, ein erfahrener Wirtschaftspraktiker und -analytiker, hat in zahlreichen Veröffentlichungen, Vorträgen und Seminaren seine wirtschaftsanalytischen Untersuchungen dargelegt.

1990 erhielt er einen Lehrauftrag an der Universität Kassel und wurde mehrfach für den Alternativen Nobelpreis vorgeschlagen. Eigentlich kann ich Helmut Creutz als den wichtigsten Lehrer meines Lebens bezeichnen. Ich denke, dass er einen Platz in der Geschichte unserer Evolution bekommen sollte."
(Prof. Dr. Margrit Kennedy, Steyerberg/A.).

4. Grafik "DIE MONETÄRE TEUFELSSPIRALE" Automatische Eskalation der Geldvermögen und Schulden. © Helmut Creutz. Herzlichen Dank für die Freigabe zur Veröffentlichung im KN.

5. Buchcover "Occupy Money - Damit wir zukünftig ALLE die Gewinner sind" (v. Margrit Kennedy) - zur Buchvorstellung oder hier eine ausführliche Leseprobe.

6. Buchcover "Silvio Gesell - Die natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld." Verlag für Sozialökonomie.

7. Grafik: Geldvermögen und Schulden in Deutschland, 1950-2010. Quelle: BBk - Sozialprodukt: lfd. Monatsberichte - Vermögen/Schulden: Sonderveröffentlichung

Erläuterungen zur Darstellung Nr. 034/043: In der Darstellung werden, bezogen auf den Zeitraum 1950 bis 2010 und den deutschen Wirtschaftsraum, den Entwicklungen der Geldvermögen im oberen Teil der Grafik die der Verschuldungen im unteren Teil gegenüber gestellt.

Wie aus den eingetragenen nominellen Milliardenbeträgen hervorgeht, nahmen beide Größen in den 60 Jahren auf etwa das 220- bzw. 260-fache zu. Umgerechnet in Prozenten des BIP, also gemessen an der Wirtschaftsleistung stiegen sie auf gut das fünffache und erreichten 2010, mit Größen von 320- bzw. 305% des BIP, mehr als das Dreifache der Wirtschaftsleistung! - Die zusätzlich eingetragenen langfristigen Trendlinien lassen die Überentwicklungen der Größen durch den Börsenboom um 2000 ebenso erkennen wie den nachfolgenden Einbruch durch die Finanzmarkt-Krisen.

Bezogen auf die Entwicklungen in den einzelnen Sektoren sind vor allem die des Staates interessant: Deutlich wird, dass die anfänglich hohen und sogar ansteigenden öffentlichen Geldvermögen schon in den 1960er Jahren abgebaut wurden und ab den 1970er Jahren in eine ständig steigende Verschuldung übergingen. - Und das entgegen der Festlegung in den Maastricht-Verträgen von max. 60% des BIP, die man nur im Einstiegsjahr 2000 bzw. 2001 eingehalten hat!

Trotz Abänderungen der statistischen Erfassungen ab 1991, bei denen man u. a. die Hypothekenschulden den privaten Haushalten zugeordnet hatte, lagen deren Schulden 201O deutlich unter jenen des Staates. Die Verschuldungen der Unternehmen (offiziell der „nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften") machten mit 3.857 Mrd und 156% des BIP dagegen mehr als die Hälfte der Gesamtverschuldung aus.

Der steile Anstieg der Geldvermögen von 1995 bis 2000 und der anschließende Einbruch bis 2005 , war vor allem die Folge des übernormalen Anstiegs und Einbruchs der Börsenkurse , der - verstärkt durch die Banken- und Finanzmarkt-Krisen - bis 201O nicht ausgeglichen werden konnte (siehe auch die gestrichelte Trendlinien).

Der Überanstieg der Geldvermögen insgesamt und diesen folgend auch der Verschuldungen, resultiert vor allem aus jener zins- und zinseszinsbedingten „Selbstalimentation der Geldvermögensbildung", die von der Deutschen Bundesbank bereits 1993 auf 80% der Neuersparnisse geschätzt wurde. Dass solche sich exponentiell beschleunigenden Entwicklungsprozesse letztlich zusammenbrechen müssen, wie auch bei jedem anderen „Pyramidenspiel", dürfte einsichtig sein. Helmut Creutz - 2012

Anmerkung: Seit den 1960er Jahren liegen die gesamten Geldvermögen immer über den vergebenen Krediten und damit den Schulden. Aufgrund der Überlappungen und Verrechnungen mit den Reichsmarkbeständen war dies in den ersten zehn Jahren teilweise noch umgekehrt.

8. Grafik: „Unser heutiges Geldsystem bewirkt . . . . . und am Ende konventionelle oder atomare Kriege, aus dem Buch „Das Geldsyndrom 2012“ von Helmut Creutz, S. 400, farblich gestaltet von Wilfried Kahrs / QPress.

9. Buchcover "Silvio Gesell und die natürliche Wirtschaftsordnung: eine Einführung in Leben und Werk" von Werner Onken. 194 Seiten, Pb., ISBN 978-3-87998-439-8. VKP: 19,90 EURO

10. Buchcover "Schwundgeld - Bürgermeister Michael Unterguggenberger und das Wörgler Währungsexperiment 1932/33" von Dr. Wolfgang Broer; StudienVerlag GmbH, 6020 Innsbruck/A.; 414 Seiten, kartoniert mit zahlreichen s/w-Abbildungen; Euro 44,90 - ISBN: 978-3-7065-5298-1.

In den Jahren 1932/33 führte der Wörgler Bürgermeister Michael Unterguggenberger in seiner Gemeinde das sogenannte „Schwundgeld“ ein, eine Parallelwährung neben dem amtlichen Schilling. Er initiierte dadurch inmitten der Weltwirtschaftskrise ein Währungsexperiment, welches seit damals nicht nur in Österreich, sondern auch in vielen anderen Ländern der Welt große Beachtung und Nachahmung gefunden hat. Dieses Buch stellt das Wörgler Experiment erstmals umfassend in das damalige politische und soziale Koordinatensystem und führt ganz nah an die Menschen und Probleme dieser Zeit heran. Das Wörgler Experiment war natürlich zum einen Dorfgeschichte, gleichzeitig aber zum anderen auch ein Teil der Geschichte Tirols und Österreichs – und in gewisser Hinsicht Weltwirtschaftsgeschichte!

Der Autor: Wolfgang Broer, Dr., Historiker und Publizist, langjähriger Redakteur der Tageszeitung „Kurier“, Osteuropa-Korrespondent deutscher Zeitungen und Rundfunkanstalten, Chefredakteur des a3-Wirtschaftsverlags. Zahlreiche Bücher und Beiträge in Fachzeitschriften zu zeitgeschichtlichen, osteuropäischen und verschiedenen wirtschaftlichen Themen. Bestellung per Email: order@studienverlag.at