Kulturelle Auswirkungen der Globalisierung

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Helmut S. - ADMIN
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Kulturelle Auswirkungen der Globalisierung
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Kulturelle Auswirkungen der Globalisierung

von Antônio Inácio Andrioli


„Wir leben im Zeitalter der Globalisierung, alles wächst zusammen, die Grenzen verschwinden“. Wer hat in den letzten Jahren einen dieser Ausdrücke nicht schon einmal gehört? Globalisierung ist ein Schlagwort unserer Zeit, eine modische Diskussion geworden, in der sich auf Schicksal orientierte Meinungen mit kritischen Äußerungen auseinandersetzten, wobei die Befürchtung einer universalen Homogenisierung im Mittelpunkt der Debatte steht. Vorstellungen einer Weltgesellschaft, eines Weltfriedens oder wenigstens einer Weltwirtschaft kommen mehrfach vor, deren Folgen zum Anpassungsdruck, zu Vereinheitlichungs- und Angleichungsprozessen, zu gleichen Konsummustern, zu gleichen Leitbildern, zu gleichen Kulturen führen soll. Handelt es sich nur um ein Streitwort oder ändert sich tatsächlich etwas in dieser Richtung ? Was sind eigentlich die kulturellen Auswirkungen der Globalisierung?

Das Prozeß des Aufbaus einer weltweiten Wirtschaft ist nicht neu. Schon in den kolonialen Zeiten gab es Versuche, interkontinentale Standorte in ein Reich zu integrieren, womit die Idee der „Weltbeherrschung“ immer näher kam. Anderseits ist die Integration der verschiedenen Kulturen und Völker in „eine Welt“ schon seit längerer Zeit gewünscht worden und bleibt weiter ein Ziel vieler Generationen. In dieser Hinsicht könnte der Begriff Globalisierung eine ambivalente Bedeutung darstellen, wäre er nicht so von der neoliberalen Entwicklung der internationalen Politik geprägt gewesen.

Nach dem deutschen Sozialwissenschaftler Ulrich Beck werden mit Globalisierung Prozesse identifiziert „in deren Folge die Nationalstaaten und ihre Souveränität durch transnationale Akteure, ihre Marktchancen, Orientierungen, Identitäten und Netzwerke unterlaufen und querverbunden werden“ (BECK, 1997, S. 28-29). Deshalb ist es so, dass man von Globalisierungsbefürwortern und von Globalisierungskritikern spricht, durch deren Streit verschiedene Organisationen immer bekannter werden. In diesem Sinn handelt es sich nicht um den Streit über die Globalisierung, sondern um die Durchführung und die Bekämpfung einer Übermacht des Kapitals. Dieser Prozess, so wie er heutzutage statt findet, dürfte überhaupt nicht als Globalisierung bezeichnet werden, da es den gesamten Globus so unterschiedlich betrifft und den größten Teil sogar ausschließt – wenn man die weltweite Zirkulation des Kapitals betrachtet, sieht man, dass die Mehrheit der Weltbevölkerung (in Asien, Afrika und Lateinamerika) davon ausgeschlossen bleibt.

Diese Form von Globalisierung bedeutet die Überlegenheit der Marktwirtschaft und des Freihandels, eine Situation, in der alles Mögliche in den Dienst der Verwertung gestellt wird, sprich Privatisierung und sozialer Abbau. Konkret führt es zur weltweiten Dominanz der Finanzmärkte, zur Reduzierung der Spielräume von Regierungen - wobei die Länder zum Neoliberalismus gezwungen werden -, zur Vertiefung der weltweiten Arbeitsteilung und der Konkurrenz und nicht letztlich zur Verschuldungskrise der Nationalstaaten. Um zustande kommen zu können, benötigte diese Globalisierung eine weltweite Vernetzung der Kommunikationstechniken und die Angleichung des Warenangebots, der Währungen und der Sprachen, was sich in den letzten Jahrzehnten fortschreitend entwickelte. Konzentration des Kapitals und wachsende Kluft zwischen Armen und Reichen (48 Unternehmen haben so viel Kapital zur Verfügung wie 600 Millionen andere Menschen zusammen) und die Zunahme der Arbeitslosigkeit (1,2 Milliarden Arbeitslose weltweit) und der Armut (800 Millionen Menschen leiden unter Hunger) sind die wichtigsten sozialen Probleme der neoliberalen Globalisierung, die immer mehr an Bedeutung gewinnen.

Selbstverständlich hat eine solche Entwicklung Auswirkungen auf die Kultur der Menschheit, besonders in den Entwicklungsländern, wo die sozialen Kontraste offensichtlicher sind. Zuerst kann man von einer Art von Konformität und Anpassung sprechen. Wegen der Forderung an Konkurrenzfähigkeit sieht jeder sich als Gegner der Anderen und will um die Erhaltung seines Arbeitsplatzes kämpfen. Die sozial Ausgeschlossenen werden als inkompetent bezeichnet und die Armen für ihre eigene Armut verantwortlich gemacht. Dazu taucht in den Industrieländern eine neue Art des Rechtsextremismus auf, so dass Fremdenfeindlichkeit und Gewalt mit dem Kampf um Arbeitsplätze verbunden wird. Selbstverständlich kommt die Gewalt auch als Reaktion der sozial Ausgeschlossenen vor und die Logik des Systems, die auf Wettbewerb basiert, führt zur Entwicklung einer zunehmenden Gewaltkultur in der Gesellschaft. Man darf auch nicht vergessen, dass die organisierte Kriminalität selbst den sozial Ausgeschlossenen Erwerbsmöglichkeiten, Absicherung und Schutz anbietet.

Obwohl immer mehr Kommunikationsmittel entwickelt und zur Verfügung gestellt werden, findet eine zunehmende Isolierung der Individuen statt, so dass die Sozialisationsmöglichkeiten paradoxerweise reduziert werden. Das Ausgrenzen vieler Gruppen in der Gesellschaft und die zunehmende Trennung der sozialen Schichten trägt dazu bei, das die versprochene Zunahme an Integration verschiedener Völker überhaupt nicht erfolgt, sondern zu einem Prozess der Atomisierung der Gesellschaft führt. Der Wert liegt am Fragment, so dass auch das Engagement der meisten sich auf bestimmte Themen begrenzt: Feminismus, Umweltbewegungen, Bewegungen gegen ethnische und sexuelle Diskriminierung, usw. ohne dass man einen roten Faden bemerkt, der alle isolierten Kämpfe zu einem gemeinsamen gesellschaftlichen Projekt vereinigen könnte. In dieser Perspektive wird von einem „Ende der Utopien“ gesprochen, die sich mit einer neuen Form von Relativismus kombiniert: „Die Wahrheit selber gibt es nicht; die Mehrheit bestimmt sie“.

Was das Erziehungsmodell angeht, nimmt die Überbewertung an Pragmatismus, Effizienz und Konformismus zu. Das wichtigste ist die Berufsausbildung, die als einzige Alternative für den Zugang zum Arbeitsmarkt angenommen wird. Die Idee ist, dass man mit einer besseren technischen Qualifikation mehr Möglichkeiten hätte, einen Job in einem abnehmenden Arbeitsmarkt zu finden. Demzufolge zählt die Reflexion über die Probleme der Gesellschaft immer weniger und Werte wie Engagement, soziale Mobilisierung, Solidarität und Gemeinschaft verlieren an Bedeutung. Wichtig ist Luxus, Profit, Egozentrismus, „Freiheit des Individuums“ und Teilhabe an der „Wohlfahrt der Wenigen“. Diese Werte werden von den Medien verbreitet und die Jugendlichen sind am meisten davon betroffen. Die Verminderung des Subjekts bzw. des Individuums ist die Folge, denn der Mensch wird zunehmend wie ein Ding behandelt und zur Befriedigung überflüssiger Lüste stimuliert. Sozial Ausgeschlossene werden ohne Perspektive geopfert und finden immer weniger Platz in der Gesellschaft, die sich eigentlich nur noch an die Konsumenten richtet, und den öffentlichen Zugang drastisch reduziert.

Es gibt allerdings Reaktionen, die sich weltweit gegen diese Tendenz entwickeln. Die Ausdehnung der Kommunikationsmöglichkeiten haben auch dazu beigetragen, dass bisher isolierte Proteste schnell zusammen kommen und sich vernetzen. Das Motto: „Global denken und lokal handeln“ konnte schon überwunden werden, so dass ein globales Handeln auch möglich geworden ist, was das Weltbild und die Grenzen von Raum und Zeit veränderte. Über die ethischen, religiösen und sprachlichen Unterschiede zwischen Völkern kann man von einer neuen Teilung der Menschheit sprechen: eine Minderheit, die von der neoliberalen Globalisierung profitiert einerseits und die Mehrheit, die vom Freihandel betroffen ist, anderseits. Dieser Konflikt steht im Mittelpunkt der aktuellen Debatte der Menschheit, deren Auswirkungen unseren Zeitgeist charakterisiert und die zukünftige Kultur der Menschheit beeinflussen wird. Ob das Bild der zukünftigen Generationen zersplitterter oder homogenisierter wird als das der heutigen, steht noch nicht fest, aber die Wahrscheinlichkeit einer Dehumanisierung ist sehr groß. (Text: Antônio Inácio Andrioli)



Literatur:  BECK, U. (1997) Was ist Globalisierung? – Frankfurt: Suhrkamp.

Quelle: zum Originalbeitrag

Informationen zu ANTÔNIO INÁCIO ANDRIOLI  auf seiner Seite, die aber von korrupten Lobbyisten für den europäischen Raum gesperrt wurde!