Kurt H. Zube: Begriffsdefinitionen

1 Beitrag / 0 neu
Bild des Benutzers Wilhelm Klingholz
Wilhelm Klingholz
Offline
Beigetreten: 07.09.2013 - 12:33
Kurt H. Zube: Begriffsdefinitionen
DruckversionPDF version

Kurt H. Zube: Begriffsdefinitionen


ZUR BEACHTUNG: “Wenn wir uns eine Stunde über ein wichtiges und interessantes Thema unterhalten wollen, müssen wir uns zuvor vier Stunden lang über die Begriffe einigen, die wir dabei verwenden, sonst reden wir aneinander vorbei.”  (Prof. Carl Ludwig Schleich)

FREIHEIT:  ist kein subjektiver, sondern ein objektiv recht exakt bestimmbarer Begriff, wenn es um Freiheit in sozialer Beziehung geht.

Entweder ist meine Freiheit grösser als die eines  anderen oder einer Gruppe, indem sie auf dessen oder deren Kosten geht, dann sind jene nicht frei; oder sie ist geringer als die eines anderen oder einer Gruppe, wobei dies auf meine Kosten geht, dann bin ich nicht frei.

In beiden Fällen besteht kein Zustand der Freiheit. Dieser kann also nichts anderes bedeuten als die gleiche Freiheit (nicht Gleichheit!) Aller, was im wesentlichen mit Herrschaftslosigkeit identisch ist.

HERRSCHAFT:  ist ein Zustand ungleicher Freiheit, wobei die Freiheit der einen grösser ist als die der anderen, auf Kosten jener und gegen deren Willen. Ein Zustand ungleicher Freiheit, der mit Zustimmung der Benachteiligten besteht, ist also keine Herrschaft.  

GEWALT:  ist die Anwendung physischen oder psychischen Zwanges, wenn dieser in aggressiver Form, d.h. unter Verletzung des gleichen Freiheitsspielraums anderer erfolgt; Verteidigung gegen solche Aggression, auch mit physischen Machtmitteln, sollte daher nicht als Gewalt bezeichnet werden, wenn man Begriffsverwirrung vermeiden will.

METAPHYSIK:  sind alle Vorstellungen und Lehren, die über den Bereich der mit den Sinnen und der Logik erfassbaren Erfahrungswirklichkeit hinausgehen und im Gegensatz zu dieser nicht als falsch oder richtig nachgewiesen werden können. Dabei mag offenbleiben, ob jene Vorstellungen oder Lehren, die von subjektiver Erlebniswirklichkeit, von übersinnlicher (transzendenter) Wirklichkeit, sprechen, auch eine reale, vielleicht sogar die eigentliche Wirklichkeit, oder leere Gedankenspielereien darstellen. Was man nicht mit Maßstäben der Erfahrungswirklichkeit beweisen kann, von dem kann man ebenso gut auch das Gegenteil behaupten.

IDEOLOGIEN:  sind Aussagen, die – ähnlich den metaphysischen – durch ihre Art oder ihren Gegenstand sich der empirischen Bewahrheitung oder Widerlegung entziehen, indem sie zumindest über die Erfahrungswirklichkeit hinausgehende Elemente enthalten.

DEMOKRATIE: ist eine Ideologie, welche die Interessen der Einzelnen den angeblichen einer Mehrheit, der Abstraktion “Volk” oder “Staat” unterordnet, ein Herrschaftssystem, das die Repräsentanten der Gottheiten “Volk”, “Staat”, “Menschheit” von den Einzelnen zwar wählen lässt, sie von einer Bindung an ihren Auftrag jedoch ausdrücklich befreit, und einen Zustand ungleicher Freiheit zur Voraussetzung und zum Ziel hat.

ANARCHIE:  ist ein Zustand der Herrschaftslosigkeit. Da es einen solchen in konsequenter Form noch niemals gegeben hat, ist die Behauptung, er sei mit Unordnung oder gar Chaos identisch, keine Erfahrungstatsache, sondern Polemik und Demagogie solcher, die Herrschaft als notwendig propagieren.

ANARCHISMUS:  ist ein durch willkürliche Umdeutungen verzerrter Begriff. Der wirkliche Anarchismus sieht in der Freiheit nicht die Tochter, sondern die Mutter der Ordnung, ist keine Ideologie, sondern geht von beweisbaren Tatsachen aus, die zu einer unausweichbaren Alternative führen.
(Kant: Anarchie ist Freiheit ohne Gewalt!)

Definitionen von K.H.Z Solneman aus seinem Buch “Das Manifest der Freiheit und des Friedens – Der Gegenpol zum Kommunistischen Manifest”



Wir denken mehr oder weniger den ganzen Tag, reden und sabbeln allein oder scharenweise und nur selten, sehr selten, stellen wir die Begriffe, die wir ständig verwenden, einmal in Frage. Manchmal fällt uns vielleicht auf, dass wir Begriffe unterschiedlich definieren und wenn wir gut drauf sind, bemühen wir uns vielleicht sogar um Übereinstimmung in unseren Definitionen, weil uns klar wird, dass jedes weitere Gesabbel ohne diese Definitionsversuche wirklich nur Gesabbel sein und bleiben kann.

Wenn ihr euch die Definitionen von Kurt Heinrich Zube alias solnemaN anschaut, werdet ihr vielleicht finden, wie wohltuend so ein gelegentlicher kleiner Hausputz im Oberstübchen sein kann, auch wenn man vielleicht den einen oder anderen Begriff ganz anders definieren würde. Na ja, vielleicht nicht immer nur wohltuend. Ich nehme beispielsweise mal den Begriff der Freiheit, der also nichts anderes bedeuten kann “als die gleiche Freiheit (nicht Gleichheit!) Aller, was im wesentlichen mit Herrschaftslosigkeit identisch ist.” Möglicherweise muss ich entdecken, dass ich immer nur von meiner angeblichen Freiheit geredet habe, wenn ich von Freiheit geredet habe und dabei nicht bedacht habe, dass meine Freiheit eher den Namen Willkür verdient hätte. Tun und lassen können, was ich will, ist nach Solnemans Definition überhaupt keine Freiheit, da sie die Freiheit des Anderen völlig ausklammert.

Interessant und hochaktuell auch Solnemans Definition von Gewalt, der die meisten Gandhi-Anhänger wohl nicht zustimmen würden. Wie ist das denn nun mit den Anhängern Mursis, die sich mit physischer Gewalt dagegen zur Wehr setzen, dass ihr demokratisch gewählter Präsident gewaltsam weggeputscht wurde.

Demokratisch gewählt. Ja, ja, die Demokratie, die nach Solneman nichts als eine Ideologie ist – ganz wie die Metaphysik übrigens.

Also nachdem unsere Begriffswelt in einem so ungeheuren Ausmaß unser Erleben zu bestimmen scheint, ist ein gelegentliches Hinterfragen einiger unserer Lieblingsbegriffe sicher ganz spannend.

Wilhelm K.

 



Quelle: mein Blog satyamnitya > Artikel