Nichts als Gegenwart (JEAN KLEIN)

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Helmut S. - ADMIN
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Nichts als Gegenwart (JEAN KLEIN)
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Nichts als Gegenwart - Jean Kleins "I AM"


Autor:  Jean Klein / Übersetzer: Daniel Herbst

Verlag:  Noumenon-Verlag, Hamburg (2012) – zur Verlagsseite

ISBN:  978-3-941973-12-1

Hardcover, 190 Seiten, Preis 18,90 € [D]


Wahrheit kann nicht gedacht, sondern nur gelebt werden.

Wahrheit, die keines Vermittlers bedarf, um bekannt zu sein, ist unvorstellbar. Das Verlangen, autonom zu sein, bewusst, ohne Agenten, hat seine Wurzeln im Bewusstsein selbst. Es ist ein Ruf aus den Tiefen Ihres Innern, aus dem, was Ihnen am nächsten ist. Es kann nicht zu einem Objekt des Verlangens gemacht werden. Sobald Sie das verstehen, wird die Energie, die das Unwirkliche aufrechterhalten hat, befreit und kehrt zum Ursprungsort zurück, dem ultimativen Selbst.

In dem Augenblick, in dem sich die Wahrheit selbst erfahrbar macht, nimmt Ihr ganzes Leben einen anderen Verlauf. Sie fühlen sich unabhängiger, Ihre Gewohnheiten, Emotionen, Gefühle und Entscheidungen werden klarer. Diese Veränderung ereignet sich ohne die leiseste Absicht vonseiten der Person.

Wir sehen klar, wie wir uns selbst für etwas halten, was wir nicht sind, und wie all unsere Handlungen und Gedanken, unsere Ideen von Erfolg und Scheitern, von wirklich und unwirklich, aus dieser falschen Seinsvorstellung entstehen. Vom neuen, unpersönlichen Standpunkt aus existiert nur das Unpersönliche wirklich.

Stellen Sie sich selbst die Frage „Wer bin ich?“ und beobachten Sie klar, dass der Fragende, der Denker, der Handelnde, der Leidende alles Formen sind, die im Bewusstsein von „Ich bin“, dem ewig-lebend(ig)en Hintergrund, auftauchen und verschwinden. Sie haben aus sich selbst heraus keine Wirklichkeit. Was wir die Person nennen, ist Folge eines Fehlers. Endlos erscheinen und verschwinden Gedanken, Gefühle und Handlungen und erschaffen die Illusion von Kontinuität. Die Vorstellung, eine Person zu sein, ein Ego, ist nichts anderes als ein Bild, das vom Gedächtnis zusammengehalten wird.

Kreativität ist ein Ausdruck des Ultimativen, aber wenn es ein Vergessen von sich selbst als dem Ultimativen gibt, ergibt sich Unsicherheit und Identifikation mit dem Erschaffenen. Die Welt der so-genannten Objekte ist, wie das Ego, eine Projektion. Zu denken, dass Sie dieses oder jenes sind, ist Ihre Einbildung, eine Halluzination.


Zitate aus dem Buch:


Das Ego ist komplementär und manchmal betrübt, damit es Freude suchen und ihr Gegenteil “Niedergeschlagenheit” vermeiden kann. Düsterheit zu vermeiden ist unmöglich, weil Fröhlichkeit und Düsterheit die beiden Seiten derselben Medaille sind. Die Momente des Zufriedenseins, die Sie erfahren, befinden sich nicht in einer Subjekt-Objekt-Beziehung, in der Sie sagen: “Ich bin frei, ich bin glücklich.” Diese Augenblicke ohne Gedanken, Traum oder Symbolisierung und unsere wahre Natur, sie sind Fülle, die nicht projiziert werden kann. Hier stoßen wir auf eine Erfahrung, in der es weder einen gibt, der sie erfährt, noch etwas, das erfahren wird. Nur diese Wirklichkeit ist spirituell. Alle anderen Zustände, “Höhenflüge” – ob durch Techniken, Erfahrungen oder Drogen hervorgerufen, selbst das oft so gepriesene Samadhi – sind Phänomene, die Spuren von Objektivität in sich tragen. Mit anderen Worten: Da das, was Sie sind, kein Zustand ist, ist es eine Zeit- und Energieverschwendung, immer neuen Erfahrungen in der Hoffnung hinterherzujagen, der Nicht-Erfahrung dadurch näher zu kommen.[…]

S. 33 „Es gibt im Wesentlichen zwei Annäherungen an die Wahrheit, die allmähliche und die direkte. Bei der direkten Annäherung ist Voraussetzung, dass Sie die Wahrheit SIND, es gibt nichts zu erreichen. Jeder Schritt, um etwas zu erreichen, heißt davon wegzugehen. Der „Pfad“, der streng genommen kein Pfad von irgendwo nach irgendwo ist, ist nur dazu da, einzuladen, um für die Wahrheit, das „Ich bin“, zu öffnen. Wenn Sie einmal einen kurzen Blick auf Ihre wahre Natur erhascht haben, umwirbt sie Sie. Deshalb gibt es nichts zu tun, nur seien Sie darauf eingestellt, wann immer Sie eingeladen werden. In diesem Eingestelltsein gibt es kein Element des Willens. Es ist nicht so, dass sich der Verstand auf das „Ich bin“ einstellt, vielmehr absorbiert das „Ich bin“ den Verstand.[..]

Bei der allmählichen Annäherung sind Sie an den Verstand gebunden. Der Verstand bildet sich ein, dass er, wenn er sich wandelt, Zustände verändert oder anhält, von dem absorbiert wird, was über ihn hinausgeht. Diese irrtümliche Annahme führt zum tragischsten Zustand, in dem sich ein Wahrheitssuchender vorfinden kann: Er hat sich selbst an sein Netz gefesselt, ein Netz höchst subtiler Dualität.“

S, 124 „…Wenn Sie einen Gedanken aus der Vergangenheit zurückrufen, dann ist das ein vollkommen neuer Gedanke, der in keiner Hinsicht mit dem Gedanken zu tun hat, der sich in der Vergangenheit entfaltet hat….“