Ökobilanz von TÜV Rheinland: Klimaoptimiertes Grillen entlastet die Umwelt

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Marie-Luise Volk
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Ökobilanz von TÜV Rheinland: Klimaoptimiertes Grillen entlastet die Umwelt
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Der nachfolgende Text ist eine Pressemeldung vom TÜV Rheinland - www.tuv.com/ - Stand: Juli 2011
 



Ökobilanz von TÜV Rheinland:

Klimaoptimiertes Grillen entlastet die Umwelt



Wer beim Einkauf für den nächsten Grillabend nicht nur auf Geschmack, Qualität oder Preis achten will, sondern auch auf die Umwelt, hat es leicht:

Allein knapp 20 Prozent klimaschädlicher Emissionen lassen sich vermeiden, wenn man auf Rindfleisch und Grillkäse verzichtet und stattdessen auf Gemüse, Würstchen oder Schweinefleisch ausweicht. Das haben Fachleute von TÜV Rheinland in einer vergleichenden Ökobilanz zum Grillen festgestellt. Bei einer solchen Ökobilanz werden rechnerisch die Emissionen und andere Umweltauswirkungen über den gesamten „Lebensweg“ eines Produktes analysiert: von der Herstellung oder Erzeugung über Transport und Verkauf bis zur Verwendung und Verwertung. Ralf Martin Müller, Projektverantwortlicher für Ökobilanzierungen bei TÜV Rheinland: „Ob Holzkohle, Gas- oder Elektrogrill ist für die Umwelt längst nicht so wichtig wie die Auswahl des Grillguts. Tierische Produkte beispielsweise belasten die Umwelt über den gesamten Lebensweg weit mehr als Gemüse.“

Für die Studie haben die Fachleute von TÜV Rheinland die Umweltauswirkungen eines kompletten Grillabends von zwei Familien mit acht Personen analysiert. Gegrillt wurde auf Holzkohle, auf einem Einweggrill mit Holzkohle, auf einem Gas- sowie einem Elektrogrill. Dabei kamen zunächst je 400 Gramm Rindfleisch, Schwein und Hähnchen, Rinds- und Schweinewürstchen sowie Feta und Mais auf den Grill. Das Ergebnis: Je nach Grillart (Gas, Kohle, Elektro) entstanden insgesamt Emissionen zwischen 17,5 und 18 Kilogramm CO2-Äquivalente (CO2e). Das entspricht etwa einer Autofahrt von rund 120 Kilometern mit einem Mittelklassewagen. „Klimasünder“ sind vor allem Rindfleisch mit Emissionen von 2,9 Kilogramm CO2-Äquivalent je 200 Gramm gegrilltem Fleisch und Grillkäse (1,9 kg CO2e je 200 Gramm). Schwein und Würstchen schneiden deutlich günstiger ab, am besten für’s Klima ist der gegrillte Mais mit nur 50 Gramm CO2e-Emmissionen.

Alternativ haben die Fachleute einen „klimaoptimierten“ Warenkorb gegrillt – ohne Rindfleisch und Grillkäse und mit entsprechend 560 Gramm des anderen Grillguts für die achte Personen. Ergebnis: minus 18 Prozent bei den klimarelevanten Emissionen. Das heißt: „Bewusstes Einkaufen nützt der Umwelt. Wer also einmal auch auf Grillkäse und Rindfleisch verzichtet, kann leicht Gutes für die Umwelt tun“, so Müller.

Betrachtet man das gesamte Grillen von der Herstellung der einzelnen Grills und der Erzeugung des Grillguts über das Grillen selbst bis zur Entsorgung der Grillgeräte zeigt sich, dass nahezu 95 Prozent der anfallenden klimarelevanten Emissionen durch das Grillgut verursacht werden. Trotzdem haben die Fachleute auch die Umweltauswirkungen der verschiedenen Grillarten genauer analysiert. Betrachtet man hier ebenfalls die klimarelevanten Emissionen schneidet der Elektrogrill mit einem 0,5 Kilogramm CO2e am günstigsten ab, gefolgt vom konventionellen Holzkohlegrill sowie dem Gas- und dem Einweggrill mit je rund 1 Kilogramm CO2e. In punkto Materialverbrauch schneiden der Gas- und der Einweggrill am schlechtesten ab: Der Gasgrill weil er für die Herstellung des verwendeten Butans eine nicht erneuerbare Ressource nutzt und der Einweggrill, da er eben nur einmal verwendet werden kann. Unter dem Gesichtspunkt der Abfallvermeidung ist der Einweggrill ohnehin die ungünstigste Alternative.

Für die Studie hat TÜV Rheinland ausschließlich Umweltaspekte berücksichtigt, insbesondere die Auswirkungen von Treibhausgasen wie Methan, Kohlendioxid oder Lachgas (Distickstoffoxid), die Energieeffizienz und den Rohstoffbedarf. Einkaufspreis, Qualität der Grills oder der Lebensmittel oder beispielsweise der Geschmack spielten keine Rolle.

Ökobilanzierungen, wie sie TÜV Rheinland für das Grillen vorgestellt hat, schaffen die Voraussetzung, um die Umweltlasten von Produkten zu beziffern und auf dieser Basis verschiedene Produkte oder Produktgruppen miteinander zu vergleichen. Eine solche Produkt-Ökobilanz, Englisch „Life Cycle Assessment“, untersucht den gesamten Lebensweg eines Produkts – von der Wiege bis zur Bahre (cradle-to-grave). Das heißt, es wird nicht nur der eigentliche Herstellungsprozess berücksichtigt. Die Bilanz umfasst vielmehr auch die Herstellung von Vorprodukten, die Energieerzeugung, die Förderung und Bereitstellung von Rohstoffen, alle Transporte sowie Verwendung und Entsorgung. Indem sie systematisch die Umweltwirkungen der einzelnen Prozessschritte durchleuchtet, ist die Produkt-Ökobilanz ein wichtiges Instrument, um ökologische und damit zugleich ökonomische Schwachstellen zu erkennen. So liefert die Methodik Ansatzpunkte zur Verbesserung der Umweltbilanz, zur Ressourceneffizienz und zur Kostenoptimierung.

Internationales Kompetenzteam Ökobilanzierung TÜV Rheinland hat seine vielfältigen Aktivitäten zur nachhaltigen Analyse und Bewertung von Produkten sowie Unternehmen in einem internationalen Kompetenzteam gebündelt: Das Leistungspaket des internationalen Teams zur Analyse der Nachhaltigkeit umfasst neben der Ökobilanz nach ISO 14040 und 14044 auch vergleichende Ökobilanzen, die Erstellung von Ökoprofilen und des CO2-Fußabdrucks von Produkten sowie Unternehmen. Für Produkte werden ferner Analysen zum so genannten Waterfootprint und zur Ökoeffizienz durchgeführt.

Ökobilanzen können auch für Umweltproduktdeklaration (Environmental Product Declaration, EPD) verwendet werden. Die EPD erfasst den Lebenszyklus eines Produktes vollständig und spielt im Bausektor bereits heute eine wichtige Rolle. Weitere Projekte setzen die Fachleute unter anderem bereits in der Konsumgüter- und Lebensmittelindustrie, im Logistiksektor sowie in der Automobil- und Chemiebranche um.



Weitere Informationen zur Ökobilanzierung u. Nachhaltigkeitsbewertungen unter www.tuv.com/oekobilanz

 

Ralf Diekmann

Telefon: +49 221 806-1972

E-Mail: ralf.diekmann@de.tuv.com

 



TÜV Rheinland ist ein weltweit führender unabhängiger Prüfdienstleister mit 140 Jahren Tradition. Im Konzern arbeiten 16.000 Menschen an 500 Standorten in 65 Ländern. Sie erwirtschaften einen Jahresumsatz von 1,4 Milliarden Euro. Die unabhängigen Fachleute stehen für Qualität und Sicherheit von Mensch, Umwelt und Technik in fast allen Lebensbereichen. TÜV Rheinland prüft technische Anlagen, Produkte und Dienstleistungen, begleitet Projekte und gestaltet Prozesse für Unternehmen.

Die Experten trainieren Menschen in zahlreichen Berufen und Branchen. Dazu verfügt TÜV Rheinland über ein globales Netz anerkannter Labore, Prüf- und Ausbildungszentren. Seit 2006 ist TÜV Rheinland Mitglied im Global Compact der Vereinten Nationen für mehr Nachhaltigkeit und gegen Korruption.


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