Oradour: Geschichte eines Massakers - Histoire d’un massacre

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Oradour: Geschichte eines Massakers - Histoire d’un massacre
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Oradour:  Geschichte eines Massakers - Histoire d’un massacre

von:  Florence Hervé (Hrsg./dir.) / Martin Graf (Fotos/photos)

Verlag: PapyRossa Verlag, Köln, 6/2014 – zur Verlagsseite

ISBN:  978-3-89438-554-5

143 Seiten, mit 68 Abbildungen und s/w Fotos, EUR 18,00

Am 10. Juni 1944 blieb in Oradour-sur-Glane die Zeit stehen. Das ruhige Dorf im nordwestlichen Zentralmassiv Frankreichs wurde von der SS-Panzerdivision ›Das Reich‹ in Schutt und Asche gelegt. 642 Menschen wurden erschossen, verbrannt – in ihrer Mehrzahl Frauen und Kinder.

Der Bildtextband informiert über das Geschehen, das Massaker von Oradour und die Erhängungen in Tulle einen Tag zuvor, über die unzureichende juristische Aufarbeitung der Verbrechen, die Prozesse von Bordeaux und das Versagen der bundesdeutschen Justiz. In ihren Augenzeugenberichten beschreiben Überlebende den Ablauf der Gräueltaten.

Der Blick namhafter Künstler/innen und Schriftsteller/innen auf den Schrecken von Oradour findet seinen Ausdruck in Gedichten und Zeichnungen. Eine besondere Bedeutung kommt den im Bildteil gebündelten, eindrucksvollen und aussagekräftigen Fotos zu. Eine kleine Chronik und Literaturhinweise ergänzen den zweisprachigen (dt./frz.) Band.

 



Inhaltsverzeichnis:


Vorwort . . . . . . . . . .  7

Zum Geschehen

Bruno Kartheuser
Die Erhängungen von Tulle . . . . . . . . . .  10

Florence Hervé
Das Massaker von Oradour . . . . . . . . . .  14

Hermann Unterhinninghofen
Die Prozesse von Bordeaux und die deutsche Justiz . . . . . . . . . .  18
Die Täter und ihre Gehilfen . . . . . . . . . .  23

Augenzeugenberichte

Antoine Soulier
Das Drama von Tulle . . . . . . . . . .  25

Robert Hébras
10. Juni 1944 – Oradour-sur-Glane . . . . . . . . . .  27
Das Drama Stunde für Stunde

Marguerite Rouffanche
Das Massaker der Frauen und der Kinder in der Kirche  . . . . . . . . . .  40
 
Bericht eines Vaters
Auf den Trümmern der Moral
Oradour-sur-Glane  . . . . . . . . . .   42

Berichte weiterer Überlebender
Jacqueline Pinède  . . . . . . . . . .  43
Jeanine Rénaud  . . . . . . . . . .  45
Marcel Bélivier  . . . . . . . . . .  46
Martial Brissaud, genannt Mimi  . . . . . . . . . .   48

Camille Senon
Es lebt niemand mehr  . . . . . . . . . .  50

Schreiben und Malen über Oradour

Einige Worte vorab   . . . . . . . . . .  53

Jean Tardieu
Oradour (Für Paul Eluard)  . . . . . . . . . .   56

Louis Aragon
Lied der Karawane von Oradour   . . . . . . . . . .   58

Vercors
Oradour   . . . . . . . . . .   59

André Besson
Oradour   . . . . . . . . . .  61

Madeleine Riffaud
Die Kinder sangen   . . . . . . . . . .  63

Danielle Kelder
Grüne Eiche und Weißdorn so weiß – Ein Chanson   . . . . . . . . . .  66

Das Tagebuch der Denise Bardet   . . . . . . . . . .   69

Arbeit für die Zukunft

Richard Jezierski / Stéphanie Boutaud
Centre de la mémoire – Die Oradour-Gedenkstätte   . . . . . . . . . .   71

Robert Hébras / Camille Senon
Stimmen der Überlebenden   . . . . . . . . . .  74

Ulrich Schneider
Die Zukunft des internationalen Erinnerns   . . . . . . . . . .  75

Oradour heute – Fotografien

Martin Graf
Augen-Blicke des Fotografen   . . . . . . . . . .  81

Anhang

Kleine Chronik   . . . . . . . . . .   136
Dank   . . . . . . . . . .  139
Biographisches   . . . . . . . . . .  140
Literatur und Quellen   . . . . . . . . . .  142
Stadtplan   . . . . . . . . . .   144



Vorwort:

Oradour-sur-Glane, »Märtyrerdorf«. Den Namen kennt jeder und jede in Frankreich – Hunderttausende besuchen Jahr für Jahr die Ruinen.

In der Bundesrepublik Deutschland war der Name bis vor Kurzem fast unbekannt – und das obwohl ein grauenhaftes Verbrechen das französische Dorf mit Deutschland verbindet.

Im September 2013, einige Monate vor dem 70. Jahrestag des Massakers, besuchte Joachim Gauck als erster deutscher Bundespräsident den Ort. In seiner Rede erklärte er, mit den Überlebenden und den Familien der Opfer die Bitterkeit darüber zu teilen, »dass die Mörder nicht zur Verantwortung gezogen wurden, dass schwerste Verbrechen ungesühnt bleiben.« – Worte, die dazu anregen, über die Nicht-Bestrafung von Menschheits- und Kriegsverbrechen nachzudenken. Worte, denen nun auch endlich Taten der deutschen Politik und Justiz folgen müssen. Worte, die auch dazu anregen sollten, an deutschen Schulen künftige Generationen über das Verbrechen von Oradour aufzuklären.

Am Samstag, den 10. Juni 1944 blieb in Oradour die Zeit stehen. Das ruhige Dorf im nordwestlichen Zentralmassiv wurde von der SS-Panzerdivision »Das Reich« in Schutt und Asche gelegt. 642 Menschen wurden erschossen, verbrannt, darunter 240 Frauen und 246 Kinder. Der Kommandeur der Division hieß General Heinz Lammerding. Einen Tag zuvor hatte er die Erhängungen von 99 Geiseln in Tulle befohlen.
 

 

Oradour heute: Das sind Häuser, die kein Dach mehr haben. Das sind Straßenbahnschienen, die ins Nirgendwo führen. Das sind Oberleitungsmasten, die keine Verwendung mehr finden. Das sind verrostete Nähmaschinen, die nicht mehr gebraucht werden. Das sind verkohlte Kinderwagen.

Die Eiche vor dem Café hat es überlebt, Julien Morliéras, der Cafébesitzer, nicht. Auch nicht Catherine Morliéras, welche die zahlreichen Gäste an jenem Samstag bediente.

Oradour ist fast einzigartig in seiner Ungeheuerlichkeit. Aber das Verbrechen folgte der Systematik des menschenverachtenden und vernichtenden NS-Regimes, der Logik des Eroberungs- und Vernichtungskriegs, der Fememorde.

In Tulle gab es Widerstand, in Oradour gab es keinen. Und doch verschonte der Tod nicht diejenigen, die keinen Widerstand leisteten.

Oradour und Tulle mahnen uns: Das Schlimmste kann alle treffen, auch diejenigen, die an dem Geschehen gar nicht beteiligt sind. So wie es der Dichter Louis Aragon in ›Rose und Reseda‹ schrieb:


»Beider rotes Blut tropft nieder

Gleiche Farbe gleicher Glanz

Er der an den Himmel glaubte

Er der nicht daran glauben konnt«


Oradour ist nicht nur Synonym für ein Gedenken der Vergangenheit. Es steht auch für ein Nachdenken über die Gegenwart, ein Denken in die Zukunft.

Oradour appelliert an die Verantwortung jedes Einzelnen. Damit niemals wieder ein Oradour geschieht. Damit diejenigen, die die Schreckensherrschaft überlebt haben, nicht noch heute mit der Verharmlosung des Nazismus, gar der Rechtfertigung solcher Verbrechen konfrontiert werden. Und damit rassistische und ausländerfeindliche Überfälle, antisemitische Terrorakte, überhaupt neonazistisches Gedankengut, nicht mehr verharmlost werden, sondern in Zukunft der Vergangenheit angehören.

Diese Überlegungen und Hoffnungen bewogen uns, eine französische Autorin und einen deutschen Fotografen, dieses Buch neu herauszugeben, zwanzig Jahre nach der ersten Auflage. Über die Grenzen hinaus, über die Sprachen hinaus, über die Weltanschauungen hinaus, über die Geschichte hinaus. Oder vielleicht gerade eingedenk dieser Vergangenheit. Im Sinne der Verständigung und der Verantwortung.

Der vorliegende zweisprachige Band soll helfen, vor dem Hintergrund einer weiterhin von Kriegen geprägten Gegenwart, über die Verbrechen des 20. Jahrhunderts zu informieren und zu einem friedlichen Zusammenleben der Völker beizutragen.

Das Gedenken des Massakers wird heute durch die Zeitzeugenaussagen der Überlebenden getragen, durch die Vereinigung der Märtyrerfamilien, durch die nationale Gedenkstätte, durch Historiker/innen, durch literarische Texte und künstlerische Darstellungen – darunter die Fotografie. Dieses Gedenken führt zur Hoffnung auf eine humanere und friedvollere Welt.

In Oradour hat es die Eiche überlebt. Die Eiche der Freiheit. In Tulle wurden 99 Eichen gepflanzt. Damit das Leben obsiegt.

Florence Hervé

Buchvorstellung der Autorin Florence Hervé beim UZ Pressefest Dortmund, 27.-29.Juni 2014:


 

► Informationen über Frau Dr. phil. Florence Hervé:

Florence Hervé, geboren am 17. April 1944 in Boulogne-sur-Seine, südwestlich von Paris und aufgewachsen im Pariser Vorort Ville d'Avray. Nach dem Abitur studierte sie Germanistik in Bonn, Heidelberg und Paris. 1963 erhielt sie am Dolmetscher-Institut Heidelberg ihr Übersetzerin-Diplom und 1972 in Paris das Diplom Mémoire de Maîtrise. 1976 hat sie in Paris promoviert.

Hervé ist in erster Linie als Vertreterin der Frauenbewegung bekannt geworden; ihre breit gefächerten Interessen auf unterschiedlichen Gebieten zeigen darüber hinaus eine vielschichtige Persönlichkeit. Auch wenn Angelegenheiten um, von und mit Frauen das zentrale Anliegen Florence Hervés sind, so hat sie sich außerdem in politischen, soziologischen, historischen und künstlerischen Gebieten profiliert. Das Spektrum ihrer Interessen und Tätigkeitsfelder erweitert sich kontinuierlich.

Florence Hervé bewegt sich in einem Raum zwischen Wissenschaft und Journalismus. Neben Artikeln und Interviews für deutsche und französische Zeitungen liefert sie seit 1993 auch Beiträge für den Rundfunk. Zu der eher abstrakten wissenschaftlichen Arbeit bildet das mehr auf den konkreten Menschen ausgerichtete Journalistische mit seinem unmittelbaren und praktischen Ansatz einen positiven Kontrapunkt. Umgekehrt erschließt sich über einen journalistischen Ansatz oftmals ausreichend Stoff für eine tiefer gehende wissenschaftliche Aufarbeitung.

Frauenpolitisches Engagement

Durch die Verzahnung von politischem und auf Frauen bezogenem Engagement eröffnet sich früh ein weites Arbeitsgebiet für die seit 1969 freiberuflich tätige Publizistin. Das Engagement für die Rechte der Frauen erwächst aus eigenen Erfahrungen: aufgewachsen in einer zwar konservativen, aber verhältnismäßig weltoffenen Familie beginnt Florence Hervé sehr früh ein Studium der Germanistik in Bonn, das von einer 1963 mit Diplom abgeschlossenen Dolmetscherausbildung in Heidelberg unterbrochen wird. Durch eine kurz danach geschlossene Ehe und die Geburt zweier Töchter gerät sie in ein kaum zu lösendes Dilemma zwischen Studium und Familie. Neben dem 1972 abgeschlossenen Fernstudium an der Universität Nanterre (Paris) entwickelt Florence Hervé eigene Initiativen; ihr Streben nach Freiheit und Unabhängigkeit führt zu einer politischen Sensibilisierung wie Radikalisierung.

Ihre politische Tätigkeit während und nach der Studentenbewegung versteht sich als Kampf gegen Unrecht und gilt vor allem der Arbeiter- und der Frauenbewegung. Die Diskriminierung als Frau auch in den politischen Gruppierungen der Studentenbewegung führt 1969 zur Beteiligung an der Gründung des einflussreichen 'Arbeitskreis Emanzipation’(AKE) in Bonn, an dem sich Florence Hervé in den folgenden Jahren maßgeblich beteiligt. Neben der programmatischen Forderung nach Befreiung der Frau werden konkrete Problemfelder bearbeitet, um u.A. die Bildungs- und Berufschancen von Frauen zu hinterfragen und zu verbessern.

Florence Hervé engagiert sich seit Jahrzehnten in der nationalen (DFI) und internationalen (IDFF) Frauenbewegung; bis heute ist sie deren Zielen und Inhalten in vielfältiger Weise verbunden. Diese Vertretung eines marxistisch orientierten Feminismus setzt für die Durchsetzung der Rechte der Frau eine Überwindung des kapitalistischen Systems voraus.

Besonders wichtig sind Florence Hervé stets Kontakte mit Gruppierungen im Ausland und eine auch internationale Koordination der Aktivitäten zwecks Erweiterung der Möglichkeiten und Stärkung der Durchsetzungskraft. Deshalb besucht sie Frauenkonferenzen und unternimmt Vortragsreisen in Europa.

Bei aller Sensibilisierung für politische Hintergründe und größere theoretische Zusammenhänge bleibt immer der Praxisbezug von zentraler Bedeutung. Deshalb beteiligt sich Florence Hervé an konkreten Projekten, so z.B. einer Fraueninitiative zugunsten der kurdischen Abgeordneten Leyla Zana, deren Schicksal als politische Gefangene in türkischen Gefängnissen Hervé auch in Vorträgen publik machte.

Quelle u.a.: Heinrich Heine Universität, Düsseldorf > bitte hier weiterlesen

 

Florence Hervé veröffentlichte zahlreiche Sachbücher: (hier nur eine kleine Auswahl!):


⇒ Flora Flora Tristan oder: Der Traum vom feministischen Sozialismus. Karl Dietz Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-320-02293-8

⇒ Clara Zetkin oder: dort kämpfen, wo das Leben ist. Dietz Verlag, Berlin 2007 / 2011, ISBN 978-3-320-02262-4

⇒ Adélaïde Hautval: Medizin gegen die Menschlichkeit. Dietz Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-320-02154-2 (zus. mit Hermann Unterhinninghofen)

⇒ Absolute Simone de Beauvoir. Verlag Orange Press, Freiburg 2003, ISBN 978-3-936-08609-6 (zus. mit Rainer Höltschl)

Freiheit, Menschenrechte, Emanzipation. Das waren die großen Themen im Leben der berühmtesten französischen Intellektuellen, Simone de Beauvoir (1908-1986). Angesichts der wachsenden Probleme oder zumindest eines wachsenden Bewusstseins für die Probleme der Globalisierung und einer Verschärfung des sozialen Klimas rücken Überlegungen zu Moral und Politik wieder stärker in den Blick. absolute Simone de Beauvoir präsentiert Ausschnitte aus Originaltexten, ein Interview mit John Gerassi, verbunden durch eine ausführliche Biografie, die von Florence Hervé extra für diese Ausgabe verfasst wurde – alles in einem Band.

Bei den von den Herausgebern ausgewählten Texten handelt es sich um ausführliche Originaltextstellen, die teilweise erstmals auf Deutsch erscheinen, wie beispielsweise der Text über Folter und Kolonialismus „Djamila Boupacha“. absolute Simone de Beauvoir präsentiert das beste aus ihren Texten, mit Interview, Bildern, Dokumenten und einer ausführlichen Biografie. absolute – die neue Reihe, die schnell und umfassend informiert: mit den besten Originaltexten, Interview & Biografie in einem Band.

⇒ Geschichte der deutschen Frauenbewegung. PapyRossa Verlag Köln 2000, 7., verb. und überarb. Aufl., ISBN 3-89438-084-5 (zus. mit Buchholz-Will, Wiebke)


Florence Hervé hat zwei erwachsene Töchter. Sie lebt und arbeitet in Düsseldorf und im Département Finistère / Region Bretagne, F.

Frau Hervé sollte Anfang Juli 2014 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen werden, verweigerte allerdings die Annahme der Auszeichnung. Die Begründung hierfür schrieb sie in einem Brief an Bundespräsident Joachim Gauck wofür ihr unser aller Verständnis und Respekt gebührt. Eine couragierte, taffe und geistreiche Frau! Merci Mdme Hervé - bien joué, nous sommes fiers de vous!


► Die Webseite von Dr. Florence Hervé - weiter 

► Foto: Florence Hervé / Medienfoto. © Thomas A. Schmidt

► Bildquellen der 6 Fotos, aufgenommen 2004 in Oradour-sur-Glane:


1. Kirche in Oradour-sur-Glane (Haute-Vienne, Limousin, France). Foto: Dennis Nilsson (Dna-Dennis) aus Schweden. Quelle: Wikimedia Commons. Dieses Werk wurde von seinem Urheber I, Dennis Nilsson als gemeinfrei veröffentlicht. Dies gilt weltweit.

2. Wohnhaus. Foto: Dennis Nilsson (Dna-Dennis) aus Schweden. Quelle: Wikimedia Commons. Dieses Werk wurde von seinem Urheber als gemeinfrei veröffentlicht. Dies gilt weltweit.

3. Autowracks in einer Garage in Oradour-sur-Glane. Foto: Dennis Nilsson (Dna-Dennis) aus Schweden. Quelle: Wikimedia Commons. Dieses Werk wurde von seinem Urheber als gemeinfrei veröffentlicht. Dies gilt weltweit. 

4. Die Hauptstraße des Ortes Foto: Dennis Nilsson (Dna-Dennis) aus Schweden. Quelle: Wikimedia Commons. Dieses Werk wurde von seinem Urheber als gemeinfrei veröffentlicht. Dies gilt weltweit.

5. Die Hauptstraße kurz hinter der Kirche. Foto: Dennis Nilsson (Dna-Dennis) aus Schweden. Quelle: Wikimedia Commons. Dieses Werk wurde von seinem Urheber als gemeinfrei veröffentlicht. Dies gilt weltweit.

6. Hausrat eines zerstörten Hauses. Foto: Dennis Nilsson (Dna-Dennis) aus Schweden. Quelle: Wikimedia Commons. Dieses Werk wurde von seinem Urheber als gemeinfrei veröffentlicht. Dies gilt weltweit.

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Ludwig der Träumer
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Beigetreten: 13.12.2012 - 16:25
Der Greuel hat keine Überschrift


Der Greuel hat keine Überschrift


Selten haben mich Informationen so tief berührt und fassungslos gemacht, wie die im Video von Oradour. Ich mußte heulen, auch meiner Ohnmacht gegenüber, solches zu verhindern. Was kann ich tun um solch Sinnloses zu verhindern? Aufdecken und informieren scheint mir inzwischen in den Wind geblasen.

Ändern wir Zeit und Ort, so kann das Video auch für die Greueltaten in aller Welt gegenwärtig herhalten, ausnahmslos. Nur nicht im Bezug Versöhnung. Die scheint sich immer brutaler in Richtung ‚Auge um Auge, Zahn und Zahn‘ zu verschieben, bis zum Endsieg der Erde über den Menschen. Eine Besserung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil. Die Rüstungsindustrie fährt zur Hochform auf und die braucht ihre Konsumenten. Die Banken brauchen Neubaugebiete. Schrottimmobilien, nicht mehr kreditfähig, schreien nach Abriß und Neubau.

Unermüdliche Aufklärungen werden von der Bevölkerung, wenn überhaupt als lästig empfunden. Wir müssen Opfer bringen um unseren Wohlstand zu erhalten, so der Tenor der Profiteure. Die neuere Expansion der Waffenfabriken lassen nichts gute vermuten.

Welche Greueltaten müssen noch aufgedeckt werden, damit der Mensch aufsteht und die Waffenfabriken und Krieg ächtet? Nachdem die Bundeswehr inzwischen familienfreundlich mit KiTa und Halbtagsjob ausgestattet wird, glaube ich fast nicht mehr, daß solche Infos wie die von Oradour den Menschen zum Umdenken veranlassen. Selbst wenn man darin zerfetzte und krepierende Menschen und Tiere zeigen würde mit dem Todeskampf. Es wäre nur noch Unterhaltung. Solche Szenen sind ja ohnehin schon zur allabendlichen Unterhaltung geworden, in den Action Filmen, nur unterbrochen von der Werbung mit glücklichen Familien, vorzugsweise um die dreißig mit kleiner Tochter und Hund in die Kamera grinsend.

Wie kann also ein solch erschütternder Bericht noch die Menschen bewegen, wenn sie jeden Abend sich teils noch greulicheres reinziehen, zur puren Unterhaltung? Genau hier liegt das Problem. Es findet eine bewußte Abstumpfung statt. Die ist notwendig um im ‚Ernstfall‘ das erforderliche Kanonenfutter zu rekrutieren. Außer Hamsterrad drehen, haben sie ja nichts anderes mehr gelernt. Gewalt, Mord und Totschlag ist längst in deren Hirnen verankert und muß nur noch im richtigen Zeitpunkt aktiviert werden. Sie wurden zum Schläfer erzogen, den man jederzeit mobilisieren kann.

Mir graut vor meinem lieben Nachbarn, der jeden Abend vor dem Fernseher sitzt und ansonsten nur seine Pflicht tut, so liebevoll und anständig er auch jetzt noch sein mag.

 

Die Hölle ist überwindbar. (Hermann Hesse)

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