Small is beautiful. Die Rückkehr zum menschlichen Maß (ERNST FRIEDRICH SCHUMACHER)

1 Beitrag / 0 neu
Bild des Benutzers Helmut S. - ADMIN
Helmut S. - ADMIN
Offline
Beigetreten: 21.09.2010 - 20:20
Small is beautiful. Die Rückkehr zum menschlichen Maß (ERNST FRIEDRICH SCHUMACHER)
DruckversionPDF version

Small is beautiful.  Die Rückkehr zum menschlichen Maß


Autor:  Ernst Friedrich Schumacher

Verlag: oekom verlag, München (2013) - zur Verlagsseite

ISBN-13:  978-3-86581-408-1

gebunden, 320 Seiten, Preis: 19.95 € [D] , auch als eBook für 15.99 €

Originalausgabe: Small is Beautiful. A Study of Economics as if People Mattered, London 1973
 

1973 setzte sich Ernst Friedrich Schumacher, britischer Ökonom deutscher Herkunft, der Gefahr aus, als unmodern und rückständig gebrandmarkt zu werden: In seinem späteren Weltbestseller "Small is beautiful" entwarf er die Idee einer - wie wir sie heute nennen - Postwachstumsgesellschaft. Der Technikgläubigkeit seiner Zeit setzte er eine Wirtschaftsweise entgegen, in der Ethik und Moral ihren Platz haben und in der die Ökonomie wieder ins Soziale eingebettet ist. Er forderte eine Rückkehr zum menschlichen Maß. 40 Jahre später ist diese Idee zukunftsweisend und moderner denn je: "'Small is beautiful' war nicht nur seiner Zeit voraus, sondern ist von einem Scharfsinn geprägt, der das Gros aller späteren Einlassungen zum Thema blass aussehen lässt", so Niko Paech im Vorwort der Neuauflage, die am 26. August 2013 erschien.

Wir müssen zurückfinden zu einer "auf Permanenz ausgerichteten Lebensweise", also dem, was wir heute unter dem Begriff "Nachhaltigkeit" verstehen, so Schumachers Vision. Denn Gigantismus, das ständige Streben nach Output und unbegrenztes Wachstum sind keine menschlichen Grundbedürfnisse. Eine immer intensivere Vernetzung, immer bessere und schnellere Technik sowie eine immer stärkere Spezialisierung machen uns anfällig für Störungen aller Art und führen oftmals zu Entscheidungen, die von jeglicher Moral losgelöst sind. Das ausschließlich auf Wachstum ausgerichtete Wirtschaften moderner Industrienationen ist nicht vereinbar mit ökologischem und sozialem Denken.

Schumachers Alternativvorschlag - Rückkehr zu arbeitsintensiven Vorgängen, Miniaturisierung der Technik - sorgt nicht nur für mehr soziale Gleichheit und größere Überschaubarkeit, sondern auch für ein gutes Leben: In Freiheit, Sicherheit, Demokratie und einem gerechten Umfeld empfindet der Mensch seine Tätigkeit wieder als sinnstiftend. Die philosophische Basis seines Wirtschaftsentwurfs bildet dabei die "Buddhistische Ökonomie". Sie lehnt die übertriebene Bindung an materielle Güter ab. Es geht schlicht darum "mit einem Minimum an Konsum ein Maximum an Glück zu erreichen." (Pressemitteilung oekonom Verlag)


Klappentext:

Das Prinzip des »Größer, Schneller, Mehr« ist am Ende. Die Natur ächzt unter der Ausbeutung ihrer Ressourcen, eine überentwickelte Technik und eine entfesselte Wirtschaft stoßen immer öfter an ihre Grenzen. Zu einer Zeit, in der die Gesellschaft noch unreflektiert der Religion des »industriellen Gigantismus« anhing, hat Ernst F. Schumacher die heutige Systemkrise bereits vorausgeahnt. Mit seiner Vision einer humanen Technologie, die einen geringeren Fußabdruck hinterlässt und den Menschen ein Höchstmaß an selbstbestimmten Tätigkeiten erlaubt, hat er viel von dem vorweggenommen, was wir heute unter nachhaltiger Entwicklung verstehen. »Small is beautiful« ist daher aktueller denn je, ein perfekter Wegweiser in eine Welt, in der die Wirtschaft dem Menschen dient und nicht umgekehrt.

Ob Stuttgart 21, die Hamburger Elbphilharmonie oder der Hauptstadtflughafen - was wir gerade erleben ist das grandiose Scheitern von Großprojekten. Vordergründig sind dafür explodierende Kosten und Missmanagement verantwortlich; doch dahinter "blitzt eine bedenkliche gesamtgesellschaftliche Entwicklung auf" (NZZ): Die Gier nach Macht und Größe. Diesem Gigantismus stand bereits Ernst F. Schumacher kritisch gegenüber. In seinem Weltbestseller Small is beautiful hat er sich schon vor 40 Jahren für eine "Miniaturisierung der Technik" stark gemacht und dafür, "ein Maximum an Glück mit einem Minimum an Konsum zu erreichen". Die Neuausgabe macht die hochaktuellen Thesen Schumachers einer breiten Leserschaft wieder zugänglich und bietet Hintergründe zu Buch und Autor.


Inhalt:


Geleitwort der Ernst Friedrich Schumacher Gesellschaft . . . . . . . . . . . . . . .  7

Vorwort von Niko Paech . . . . . . . . . . . . . . .  9

TEIL I: Die moderne Welt

Das Problem der Produktion . . . . . . . . . . . . . . .  21

Frieden und Stetigkeit . . . . . . . . . . . . . . .  30

Die Rolle der Wirtschaftswissenschaft . . . . . . . . . . . . . . .  46

Buddhistische Wirtschaftslehre . . . . . . . . . . . . . . .  58

Groß oder klein? . . . . . . . . . . . . . . .  67

Teil II: Aktivposten

Der größte Aktivposten – Bildung . . . . . . . . . . . . . . .  81

Die richtige Nutzung von Grund und Boden . . . . . . . . . . . . . . .  104

Hilfsquellen für die Industrie . . . . . . . . . . . . . . .  119

Atomenergie – Rettung oder Verderben? . . . . . . . . . . . . . . .  134

Technologie mit menschlichen Zügen . . . . . . . . . . . . . . .  145

Teil III: Die Dritte Welt

Entwicklung . . . . . . . . . . . . . . .  161

Gesellschaftliche und wirtschaftliche Aufgaben, die die Entwicklung einer Mittleren Technik erfordern . . . . . . . . . . . . . . .  168

Zwei Millionen Dörfer . . . . . . . . . . . . . . .  185

Das Problem der Arbeitslosigkeit in Indien . . . . . . . . . . . . . . .  198

Teil IV: Organisation und Eigentum

Eine Maschine, die die Zukunft voraussagen kann? . . . . . . . . . . . . . . .  215

Vorüberlegungen zu einer Theorie organisatorischer Großformen . . . . . . . . . . . . . . .  232

Sozialismus . . . . . . . . . . . . . . .  244

Eigentum . . . . . . . . . . . . . . .  251

Neue Eigentumsmodelle . . . . . . . . . . . . . . .  260

Nachwort . . . . . . . . . . . . . . .  279

Anhang


Ernst Friedrich Schumacher (1911–1977), Leben und Werk . . . . . . . . . . . . . . .  285

Zitate zu E.F. Schumacher und Small is beautiful . . . . . . . . . . . . . . .  287

Anmerkungen und Quellenhinweise . . . . . . . . . . . . . . .  291

Personenregister . . . . . . . . . . . . . . .  296

Sachregister . . . . . . . . . . . . . . .  297



Vorwort:   siehe Text im Anhang


► Leseprobe Teil I / Kapitel I: Das Problem der Produktion  (Auszug)
 

Es ist einer der verhängnisvollsten Irrtümer unserer Zeit zu glauben, das „Problem der Produktion“ sei gelöst. Dieser Glaube wird nicht nur mit Überzeugung von Menschen vertreten, die weit von der Produktion entfernt und daher aus Berufsgründen mit den Tatsachen nicht vertraut sind – er wird von praktisch allen Fachleuten, den Managern in der Industrie und in den Regierungen der ganzen Welt, den akademischen und nicht ganz so akademischen Wirtschaftstheoretikern vertreten, ganz zu schweigen von den Wirtschafts-Journalisten. Sie sind möglicherweise über vielerlei uneins, einig aber sind sich alle darüber, daß das Problem der Produktion gelöst, daß die Menschheit endlich erwachsen geworden sei. Sie sagen, daß die wichtigste Aufgabe für die reichen Länder nunmehr die „Bewältigung der Muße“ und für die armen Länder die „Weitergabe von technologischem Wissen“ sei.
 

Daß nicht alles so gut aussieht, wie es müßte, ist sicher auf menschliche Schwächen zurückzuführen. Daher müssen wir ein so perfektes politisches System entwerfen, daß menschliche Schwächen verschwinden und jeder sich wohlverhält, ganz gleich, wieviel Schwächen es in ihm oder ihr gibt. Tatsächlich nimmt man weithin an, jeder werde mit guten Anlagen geboren. Wenn jemand zum Verbrecher oder Ausbeuter wird, liegt das am „System“. Zweifellos ist „das System“ in vielerlei Hinsicht schlecht und bedarf der Änderung. Einer der Hauptgründe dafür, warum es schlecht ist und warum es trotz seiner Mängel weiterbestehen kann, liegt in eben der irrigen Ansicht, das „Problem der Produktion“ sei gelöst. Da dieser Irrtum alle gegenwärtigen Systeme durchdringt, spricht gegenwärtig für keines von ihnen sehr viel.

Das Auftreten dieses Irrtums, der ebenso unglaublich wie fest verwurzelt ist, hängt eng mit den philosophischen, um nicht zu sagen religiösen, Veränderungen zusammen, die in den letzten drei oder vier Jahrhunderten in der Haltung des Menschen der Natur gegenüber eingetreten sind. Vielleicht sollte ich sagen: des westlichen Menschen, doch da die gesamte Welt sich zur Zeit verwestlicht, erscheint die allgemeinere Aussage gerechtfertigt. Der moderne Mensch erfährt sich selbst nicht als Teil der Natur, sondern als eine von außen kommende Kraft, die dazu bestimmt ist, die Natur zu beherrschen und zu überwinden. Er spricht sogar von einem Kampf gegen die Natur und vergißt dabei, daß er auf der Seite der Verlierer wäre, wenn er den Kampf gewönne. Noch bis vor kurzem sah der Kampfverlauf so günstig aus, daß die Selbsttäuschung unbegrenzter Macht daraus erwuchs, doch wiederum nicht so günstig, als daß er die Möglichkeit eines vollständigen Sieges hätte erkennen lassen. Dieser Sieg zeichnet sich nun ab, und viele Menschen, wenn auch nur eine Minderheit, beginnen sich darüber klarzuwerden, was das für das Weiterbestehen der Menschheit bedeutet.

Die Täuschung, über unbegrenzte Kräfte zu verfügen, die durch erstaunliche wissenschaftliche und technische Errungenschaften genährt wurde, brachte zugleich die Täuschung mit sich, das Problem der Produktion wäre gelöst. Und dieses gründet auf der Unfähigkeit, da zwischen Ertrag und Kapital zu unterscheiden, wo es auf diese Unterscheidung am meisten ankommt. Jeder Betriebswirtschaftler und Geschäftsmann kennt den Unterschied und wendet ihn bewußt und mit beträchtlichem Scharfsinn auf alles wirtschaftliche Tun an – außer da, wo es wirklich wichtig wäre: nämlich beim unersetzlichen Kapital, das der Mensch nicht geschaffen, sondern einfach vorgefunden hat und ohne das er nichts tun kann.

Ein Geschäftsmann würde von einer Firma nicht annehmen, daß sie ihre Probleme der Produktion gelöst hat und lebensfähig ist, wenn er sähe, daß sie rasch ihr Kapital aufzehrt. Wie aber könnten wir diesen wesentlichen Tatbestand übersehen, wenn es um dieses sehr große Unternehmen, die Wirtschaft des Raumschiffs Erde, und insbesondere um das jeweilige Wirtschaftssystem seiner reichen Fluggäste geht?

Ein Grund dafür, daß diese wesentliche Tatsache übersehen wird, liegt darin, daß wir uns von der Wirklichkeit entfremdet haben und alles als wertlos ansehen, was wir nicht selbst erzeugt haben. Sogar der große Dr. Marx verfiel diesem verhängnisvollen Irrtum, als er die sogenannte „Arbeitswert-Theorie“ formulierte. Nun, wir haben wirklich gearbeitet, um etwas von dem Kapital zu schaffen, das uns heute bei der Produktion hilft – einen großen Vorrat an wissenschaftlichem, technischem und sonstigem Wissen, eine ausgeklügelte materielle Infrastruktur, zahllose Formen hochentwickelter Technologien und so weiter – aber all das ist nur ein kleiner Teil des Gesamtkapitals, das wir einsetzen. Weit größer ist das von der Natur und nicht vom Menschen zur Verfügung gestellte Kapital – und wir erkennen es nicht einmal als das, was es ist. Dieser größere Teil wird gegenwärtig mit beunruhigender Geschwindigkeit aufgezehrt, und daher ist es ein unsinniger und selbstmörderischer Irrtum zu glauben, das Problem der Produktion sei gelöst, und nach diesem Glauben zu handeln. [….]

siehe Vorwort und komplettes Kapitel 1 als Leseprobe im Anhang