STAATSAKT - Gedenkfeier für Opfer der Neonazi-Mordserie

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R.K.
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STAATSAKT - Gedenkfeier für Opfer der Neonazi-Mordserie
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STAATSAKT - Gedenkfeier für Opfer der Neonazi-Mordserie


Heute (23.02.) versammeln sich die sich wichtig dünkenden Vertreter des Staates zu einem für sie äusserst peinlichen Termin. Die Öffentlichkeit ist ausgeschlossen, denn es ist ja ein Akt des Staates. Und der Staat ist ein Konstrukt, in dem der Bürger nicht mehr vorkommt. Trauerumflorte Reden werden gehalten, Kränze werden abgeworfen und irgend ein Komponist, der sich gegen diesen Abgrund an Betroffenheits-Kitsch nicht mehr wehren kann, muss mit seiner Musik dafür herhalten, um dem ganzen absurden Theater den passenden festlichen Rahmen zu geben.

 


Was war geschehen?


Da zogen zehn Jahre lang rechtsreaktionäre Neo–Nazi–Horden durch ganz Deutschland und ermordeten wahllos irgendwelche Menschen. Die Opfer dieser Verbrecher hatten nur eine Gemeinsamkeit: Sie trugen eine andere Hautfarbe, beteten zu einem anderen Gott und waren teilweise nicht in Deutschland geboren. Grund genug für diese Nazi–Verbrecher, sie zu ermorden.

Wem waren diese Serienkiller bekannt? Wem in Deutschland war bekannt, dass es eine solche rassistischer Killertruppe überhaupt gab? Der deutsche Durchschnittsbürger erfuhr von diesen grausamen Morden erst Ende letzten Jahres, als eben jener Staat, der heute diese Trauerfeier veranstaltet, seine Mitwisserschaft an den Morden nicht mehr verheimlichen konnte. Verharmlosend und ätzend zynisch führten die Sicherheitsbehörden Deutschlands diese Mordserie als „Dönermorde“, was ein bezeichnendes Licht in die Hirne dieser Beamten wirft. Diese Sichtweise fusst auf einer schändlichen Tradition und kommt nicht von ungefähr.

Als das III. Reich endlich zusammenbrach, entstand nicht etwa ein rechtsfreier Raum, wie man angesichts des Totalschadens einer verbrecherischen Ideologie vermuten sollte. Nein, die NS-Blutjustiz, die Polizeibataillone, die grausame Verbrechen hinter der Front an der Zivilbevölkerung der besetzten Gebiete verübten, die Gestapo, die SS, die SIPO, der SD, die Geheime Feldpolizei, die Abteilung „Fremde Heere Ost“ im Oberkommando des Heeres, die Abteilung Ausland Abwehr im Oberkommando der Wehrmacht, das Reichskriminalamt, die Polizeidienststellen der Länder, die Universitätsprofessoren, sie alle kehrten wieder in ihre alten Positionen zurück, wechselten die Talare und Uniformen, putzten ihr Akten, hängten die Fahnen um und fertig war der Sicherheitsapparat der neuen Bundesrepublik Deutschland. Ohne Hemmungen gaben diese Verbrecher ihre Erfahrungen an ihre Schüler, Studenten und Rechts-Referendare weiter und verdarben eine weitere Generation des bundesdeutschen Sicherheitsapparates.

Es muss hier nicht extra aufgezählt werden, wer die Gründer des Bundeskriminalamtes BKA, der Bundes– und Landesämter für Verfassungsschutz, der Polizeidienststellen, des Staatsschutzes, des Militärischen Abschirmdienstes MAD, des Bundesnachrichtendienstes BND und der vielen Bonner Ministerien waren. Dazu gibt es Gott sei Dank genügend historisches Schriftgut.

Es musste dieser Ansammlung von Verbrechern nicht extra von den Allierten beim Ausbruch des kalten Krieges eingebleut werden, wo der Feind sitzt: DER FEIND STEHT LINKS! Das war die Philosophie des Staatsapparates und ist es bis heute. Dafür tragen auch nach der biologischen Erledigung der Gründerväter die heutigen Repräsentanten des deutschen Staates und seiner Repressionsinstrumente die Verantwortung. Der Ungeist der Gründerväter wabert immer noch durch die Flure und Köpfe dieser Behörden und Beamten. Wie sonst ist es zu erklären, dass schwer bewaffnete Polizeieinheiten die Fackelzüge von Neo–Nazis beschützen und diejenigen, die gegen diese braune Brühe demonstrieren wollen, verprügelt, verletzt, eingesperrt, angeklagt und verurteilt werden?

 


Franz–Josef Strauss war einer der politischen Brunnenvergifter dieser Republik: RECHTS VON MIR GIBT’S NICHTS, war seine Parole. So durfte auch nicht sein, was nicht sein kann, nämlich, dass die Bluttat am Münchner Oktoberfest eben keinem verwirrten Einzeltäter zuzuordnen war, wie es der weisungsgebundene bayerische Generalstaatsanwalt wider besseren Wissens Glauben machen wollte. Heute wissen wir, dass diese Erkenntnis der Ausfluss einer Strafvereitelung im Amt war, denn alle Indizien, die gegen diese These sprachen, wurden unterdrückt!

Der Staat fühlt sich ertappt! Er ist entlarvt und desavouiert als Mitwisser, Dulder, Abwiegler, Verharmloser der „Dönermorde“. Und was tut der Staat, wenn er bei einem peinlichen Verhalten ertappt wird? Er hält einen STAATSAKT ab, der vor Betroffenheit trieft, dessen Heuchelei und Kitsch kaum erträglich sind und dessen Verlogenheit zum Himmel stinkt!

Gab es irgendwelche Konsequenzen aus diesem Totalversagen des Staates und seiner Sicherheitsorgane? Ist irgendjemand zurückgetreten? Der Innenminister? Die Justizministerin? Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, die Präsidenten der Landesämter für Verfassungsschutz? Ein Richter? Ein Staatsanwalt? Ein Polizeiführer? NEIN! Sie tragen für alles die Verantwortung, haften aber für nichts!

Die Gewerkschaften, sonst kaum noch wahrnehmbar in dieser Republik, rufen zu einer Schweigeminute auf! Natürlich schliesst sich die Polizeigewerkschaft diesem Aufruf an. Hören wir etwas von dem Staatsakt? Hören wir die Schweigeminute? NEIN! Niemand hört etwas! Das Schweigen weicht nicht einmal der Scham!

Ja wenn die Gewerkschaften und die Politiker zu einer Demonstration gegen diese Nazi–Brut in allen deutschen Städten aufgerufen hätten und Millionen von Deutschen ihre Solidarität mit den Opfern dieses Verbrechergesindels lautstark manifestiert hätten, dann hätte es sogar das Ausland gehört, dass Deutschland sich eben geändert hat und wieder ein vollwertiges Mitglied der Völkergmeinschaft ist!

Deutschland ist es nicht! Der Chauvinismus kommt von ganz oben und deckt gewollt oder ungewollt durch Tun– oder Unterlassen, moralisch die Mitwisserschaft der Sicherheitsorgane an grausamen Verbrechen. Insofern sind sie alle die geistigen Brandstifter dieser Nazi–Brut!

Rainer Kahni
http://www.monsieurrainer.com


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