Was ist der Mensch? (N. BOLZ / A. MÜNKEL)

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Was ist der Mensch? (N. BOLZ / A. MÜNKEL)
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Was ist der Mensch?


Herausgeber: Norbert Bolz und Andreas Münkel

Verlag: Wilhelm Fink Verlag, München (2003)

ISBN-10: 3-7705-3807-2

237 Seiten, s/w-Abbildungen, kartoniert


Klappentext:

Der Mensch: Woher kommt er? Wodurch unterscheidet er sich von anderen Lebewesen oder von Programmen? Was zeichnet ihn aus? Wie sieht er sich selbst? Was ist seine Zukunft? Was kann er wissen? Was darf er hoffen? Diesen alten Menschheitsfragen gehen an der Wende zu einem neuen Zeitalter der Biotechnologie, der Künstlichen Intelligenz und der Robotik in einem höchst informativen und außerordentlich vielseitigen Band bedeutende Anthropologen und Philosophen, Theologen und Soziologen, Medien- und Kunstwissenschaftler nach und geben neue, überraschende Antworten, welche die zur Zeit allgegenwärtig geführte Debatte beleben werden.


Inhalt:

 

Vorwort 7

NORBERT BOLZ: Einleitung …..11

FRIEDMANN SCHRENK: Afrika - Wiege der Menschheit? …..21

GÜNTER BRÄUER: Die Neanderthaler und der Ursprung des modernen Menschen …..45

WOLFGANG ESSBACH: Von Menschen und Unmenschen …..69

MANFRED FASSLER: Der Mensch und seine sozialen Strukturen …..89

ANTONIO LOPRIENO: Von der Stimme zur Schrift …..119

CHRISTIANE KRUSE: Bilder / Masken / Gesichter …..153

KLAUS BERGER: Entstehung, Geburt, Tod. Zur Spiritualität der Menschheit …..179

OLAF KALTENBORN: Der Traum vom künstlichen Leben …..187

NORBERT BOLZ: Was kommt nach dem Menschen? …..201

WALTHER CH. ZIMMERLI: Der Mensch als Quintessenz …..213

Zu den Autoren …..232


Vorwort:

Der Mensch: Woher kommt er? Wodurch unterscheidet er sich von anderen Lebewesen oder von Programmen? Was zeichnet ihn aus? Wie sieht er sich selbst? Was ist seine Zukunft? Was kann er wissen? Was darf er hoffen?

Diesen alten Menschheitsfragen gehen an der Wende zu einem neuen Zeitalter der Biotechnologie, der künstlichen Intelligenz und der Robotik in diesem Buch Anthropologen und Philosophen, Theologen und Soziologen, Kunst- und Medienwissenschaftler nach. Der Weg führt uns von der Wiege der Menschheit in Afrika zur Ausdifferenzierung des heutigen Menschen vor weniger als 100.000 Jahren, wir lernen Menschen von »Unmenschen« zu unterscheiden und erkennen ihn in und aus seinen sozialen Strukturen. Wir begegnen ihm als einem, der die Stimme und erst recht die Schrift hat (zoon logon echon), der sich in Bildern und Masken ausdrückt und der von Gebürtigkeit und Sterblichkeit gezeichnet über sein enges irdisches Dasein hinaus zu gelangen versucht.

Heute pfeifen es aber die Spatzen von den Dächern, dass der alte anthropologische Schlaf ausgeträumt, die Zeit des Menschen abgelaufen ist, ja am Anfang des dritten Jahrtausends scheint es auch um die antiquierten Menschen selber geschehen. Martin Heideggers Antwort auf die sich gerade formierende neue philosophische Disziplin der »Anthropologie« trifft, wenn es so ist, nunmehr alle Menschenwissenschaften:

Anthropologie ist jene Deutung des Menschen, die im Grunde schon weiß, was der Mensch ist und daher nie fragen kann, wer er sei. Denn mit dieser Frage müsste sie sich selbst als erschüttert und überwunden bekennen.

Im »allgemeinen Wesen des Menschen« zeigt sich nicht nur dessen Kluft und Verfehlung, sondern auch eine Drohung, die in den letzten Jahren und Monaten zu einer radikalen Menschenfassung geführt hat. Michel Foucault hat sie in der noch unveröffentlichten Einleitung zu seiner Übersetzung von Kants Anthropologie in pragmatischer Hinsicht angedeutet: »Die Geschossbahn der Frage: Was ist der Mensch? Auf dem Feld der Philosophie vollendet sich in der Antwort, die diese zurückweist und sie entwaffnet: Der Übermensch«.

Bekanntlich hatte Kant zwischen einer Anthropologie unterschieden, die erforscht und nachkonstruiert, was die Natur aus dem Menschen macht, und einer pragmatischen, die erforscht und vorkonstruiert, was der Mensch aus sich selbst macht. Die Geschichten dieser Anthropologien, die sich in eine Naturwissenschaft vom Menschen und eine geschichtsphilosophisch orientierte Handlungswissenschaft ausdifferenzierte, schienen prima vista keinen gemeinsamen Nenner zu haben. Aber im Gedanken seiner unendlichen Vervollkommnung, der Befreiung des Menschen aus seiner je zufälligen und individuellen Allzumenschlichkeit hin zum »allgemeinen«, »gesellschaftlichen«, »neuen« Menschen trafen sich rasch humanisierende Disziplinen wie Pädagogik, Psychologie, Kriminologie mit anthropotechnischen wie Medizin, Psychotechnik und Bevölkerungspolitik - Menschenzähmung und Menschenzüchtung. Nietzsches hypothetische Annahme jedenfalls, dass der Mensch etwas sei, was überwunden werden müsse, scheint schon der Geburtstunde seiner Wissenschaft eingeschrieben zu sein. Überwunden werden muss insbesondere das Viereck seiner skandalösen und schlechthinnigen Naturabhängigkeit: Seine Gebürtigkeit, seine Sterblichkeit, seine lüsterne und leidende Fleischlichkeit, seine sexuelle Form der Fortpflanzung.

»Die Schaffung des ersten Wesens, des ersten Vertreters einer neuen, intelligenten Spezies, die der Mensch, ihm zum Bilde, zum Bilde des Menschen, schuf«, verlegt Michel Houellebecqs Roman Elementarteilchen auf den 27. März 2029. Des Autors Stellvertreter im Roman, Hubczejak, leitete das Ereignis mit »einer kurzen Rede ein, in der er mit seiner üblichen schonungslosen Offenheit erklärte, dass sich die Menschheit rühmen dürfe, »die erste Spezies der bekannten Welt zu sein, die die Bedingungen geschaffen hat, sich selbst zu ersetzen.«

Diese Spezies, die sich durch Replikation reproduziert und kein Geschlecht, keinen Schmerz, keinen Tod kennt, lebt dem Urteil der letzten, vom Aussterben bedrohten Menschen zufolge glücklich und frei von jeglichem Egoismus. Es kommt übrigens vor, dass sie sich selbst - wenn auch mit einer Spur von Humor - mit dem Namen »Götter« bezeichnen, der so viele Träume bei ihnen ausgelöst hat.

Houellebecqs Frage, was nach dem Menschen kommt, widmen sich die Beiträge im zweiten Teil dieses Bandes. Sie erläutern uns den Traum vom künstlichen Leben und fragen, ob der Mensch die Quintessenz der Schöpfung oder der Evolution ist.

Sicher ist: »Der Mensch« ist heute fragwürdiger als je. Dieser Herausforderung stellen sich die Texte, auf deren Lektüre Sie sich jetzt freuen dürfen. (Norbert Bolz und Andreas Münkel)


 



Hinweis:

Für die Vorstellung des Buches durfte ich mit freundlicher Genehmigung des eBay-Mitglieds Philosoph_in_Frankfurt Inhaltsverzeichnis, Klappentext und Vorwort von dessen eBay-Auktionsseite bzw. aus dessen eigener Datenbank kopieren - herzlichen Dank dafür!  

Nach eigener Auskunft löst Philosoph_in_Frankfurt nach 30 Jahren freiberuflicher Beratung über einen längeren Zeitraum seine umfangreiche Bibliothek auf: Philosophie, Psychoanalyse, Religion, Literatur-, Sprach- und Sozialwissenschaft, Geschichte, Kunst. Wenn Ihr mit Philosoph_in_Frankfurt Kontakt aufnehmen möchtet, dann entweder über eBay oder ich leite Eure Anfragen gerne persönlich weiter.