100 Jahre Erster Weltkrieg. Emmanuel Macron: "Über Gräber – vorwärts!“

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Ulrich Gellermann
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100 Jahre Erster Weltkrieg. Emmanuel Macron: "Über Gräber – vorwärts!“
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100 Jahre Erster Weltkrieg

Emmanuel Macron: "Über Gräber – vorwärts!“

Rund hundert Jahre ist der Erste Weltkrieg vorbei. Und im Bundestag erinnerte man an das Ende des mörderischen Schlachtens. Mit dabei: Emmanuel Macron, der „chef des armées“, der französische Staatspräsident. Immerhin wüten 6.800 französische Soldaten in Zentral- und Westafrika, um das koloniale Erbe tapfer gegen die Eingeborenen zu verteidigen. Denn die, so muss man vermuten, wollen tatsächlich ihre Rohstoffe selbst verwerten und sie nicht den französischen Konzernen freiwillig überlassen.

Untertänigst darf die Bundeswehr in Mali bei dieser postkolonialen Aktion mitwirken: Gegen Sinn, Verstand und Grundgesetz beteiligt sich die deutsche Armee an der französischen "Anti-Terror-Operation Barkhane". Davon zur Gedenkfeier im Bundestag kein Wort. Aktuelle Tote stören nur, wenn man den längst Verstorbenen gedenkt.

emmanuel_macron_kriegsrhetorik_kriegsverbrecher_criminel_de_guerre_war_criminal_multilateralismus_neokolonialismus_macronismus_kritisches_netzwerk_en_marche_weltordnung_geopolitik.jpg Eilfertig hat das ZDF Macrons Rede als "historisch" überbewertet. Die hohle Phraseologie des smarten Männchen aus Paris bewährte sich vor allem im Aussparen: Wann immer er wohltönend von "Europa" sprach, war immer nur die Europäische Union gemeint. Staaten wie Russland liegen dem Eliteschüler wohl außerhalb jenes Tellerrandes, der die Grenze zwischen Krieg und Frieden markiert: Wer ein Land wie Russland ignoriert, der will es zum Feind erklären.

Erst jüngst forderte Macron, assistiert von Angela Merkel: Europa müsse mehr Verantwortung für seine Verteidigung und seine Sicherheit übernehmen, es brauche eine größere europäische Souveränität. "Dieser Kampf ist nicht gewonnen, dieser Kampf wird nie gewonnen sein". Und so viel Kampf löste dann bei Frau Merkel auch prompt fatale Träume aus: "Wir sollten an der Vision arbeiten, eines Tages auch eine echte europäische Armee zu schaffen", sagte die Dame in einer Rede im Europaparlament in Straßburg.

So hangelte sich Macron dann im Bundestag von Gemeinplatz zu Gemeinplatz, immer schön die deutsch-französischen Gemeinsamkeiten beschwörend und wie nebenbei Goethe zitierend: "Und so, über Gräber vorwärts". Dass dieses Zitat auch schon von Hans von Seeckt, Generaloberst, und von 1920 bis 1926 Chef der Heeresleitung der Reichswehr, mißbraucht worden war, wußte sein Redenschreiber offenkundig nicht. Tatsächlich aber unterstrich es eine Rede, die über die neuen Gräber in Afrika gut zu schweigen wusste und die alten in Verdun oder im Hürtgenwald nur als Staffage für ein fabuliertes neues Europa benutzte.

Macron und Merkel erleben zur Zeit schlechte Umfragewerte. In solchen Zeiten macht sich ein bißchen Militär als Dekoration immer gut. Das muss auch der Präsident des "Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge", Wolfgang Schneiderhan, gedacht haben, der sich bei den im Bundestag anwesenden Soldaten für die Unterstützung des "Volksbund" bedankte. Tatsächlich schaufelt die Bundeswehr fleißig an neuen Kriegsgräbern. In Afghanistan und anderswo.

Über Gräber vorwärts, zu neuen Untaten.

Ulrich Gellermann, Berlin

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Quelle: erstveröffentlicht bei RATIONALGALERIE >> Artikel vom 19. November 2018. Die Fotos und Grafiken im Artikel sind nicht Bestandteil des Originalartikels und wurden von KN-ADMIN Helmut Schnug eingefügt. Für sie gelten ggf. andere Lizenzen, s.u..

Bild- und Grafikquellen:

1. Opération Barkhane: Französische Neokolonialisten im Gespräch mit Einheimischen im Süden Malis, 2016. Foto: TM1972. Quelle: Wikimedia Commons. Diese Datei ist lizenziert unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international“.

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2. Emmanuel Macrons [painted portrait P1030536] Rhetorik über Washingtons und Paris’ ewigen gemeinsamen Kampf für Demokratie, der in unserer Zeit die Form des „Kriegs gegen den Terror“ islamistischer Gruppen angenommen habe, ist nichts als ein Sack voller Lügen. Die Handelsrivalitäten zwischen großen amerikanischen und europäischen Konzernen sowie der Konflikt zwischen den USA und Europa über die Frage, ob man die wirtschaftlichen Beziehungen zum Iran gefährden und einen Krieg im Nahen Osten riskieren sollte, haben nichts damit zu tun, die Demokratie vor dem Terrorismus zu schützen. Thierry Ehrmann / Abode of Chaos - Contemporary Art Museum (Demeure du Chaos - Musée d'Art Contemporain), Saint Romain au Mont d'Or, France >> HD Video. Free download of the entire Abode of Chaos' Opus IX (504 pages). Secrets revealed of the Abode of Chaos (144 pages, adult only). Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung 2.0 Generic (CC BY 2.0).

3. Friedenstaube am Soldatenfriedhof. Foto: Myriams-Fotos / Myriam. Quelle: Pixabay. Alle bereitgestellten Bilder und Videos auf Pixabay sind gemeinfrei (Public Domain) entsprechend der Verzichtserklärung Creative Commons CC0. Das Bild unterliegt damit keinem Kopierrecht und kann - verändert oder unverändert - kostenlos für kommerzielle und nicht kommerzielle Anwendungen in digitaler oder gedruckter Form ohne Bildnachweis oder Quellenangabe verwendet werden. 

4. "Je nach Gesinnung haben die Menschen unterschiedliche Vorstellungen von Friedenstauben". Grafik: Wilfried Kahrs (WiKa).