Andreas Schockenhoff: Der Kakerlak im Keller der USA

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Ulrich Gellermann
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Beigetreten: 22.03.2013 - 15:43
Andreas Schockenhoff: Der Kakerlak im Keller der USA
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Andreas Schockenhoff


Der Kakerlak im Keller der USA


Ein kleines Video ziert die Homepage des Vize-Chefs der CDU-Bundestagsfraktion Andreas Schockenhoff: Da eilt er durch lange, anonyme Gänge des Bundestagskomplexes, sitzt in Büros, seltener im Parlament, und trifft andere Schlipsträger in der Anonymität der Macht: Sechzehn-Stunden-Sitzungen und Besprechungen, klagt der schwer katholische Bundestagsabgeordnete, sechzehn Stunden Apparats-Gewese am Tag, sechzehn Sunden in der Isolierstation des Polit-Betriebes, verhinderten seinen Besuch in der Oper oder dem Olympia-Stadion. Diesem sozial stark gestörten Menschen gefiel es jüngst, den russischen Präsidenten Putin als "paranoiden Herrscher" zu bezeichnen.

Als der junge Andreas sein Studium begann, trat er flugs der "Katholischen Studentenverbindung Alamannia", Tübingen (K.St.V. Alamannia) bei. Zwar rühmt sich die Verbindung während der Nazi-Zeit verboten gewesen zu sein, verschweigt aber vornehm, aus welchem braunen Loch ihr Wiedergründer gekrochen war: Gebhard Müller, zeitweilig Staatspräsident von Württemberg-Hohenzollern, war vorher ein braves Mitglied des "Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen" (BNSDJ) und ein geneigtes Förder-Mitglied der SS. Dass sich in diesem katholischen Studenten-Sumpf auch der spätere Bundeskanzler Kiesinger einfand, früher Mitglied der Nazipartei, SA-Mitglied und Gelegenheits-Blockwart, versteht sich: Das Nazi-Braun konnte am Besten mit dem tiefen Katholen-Schwarz übertüncht werden. Diese neuen Netzwerke zogen junge Karrieristen an, zu denen neben Andreas Schockenhoff auch der spätere ZDF-Intendant Dieter Stolte gehörte.

"Der Bär ist los", so titelte die Konrad-Adenauer-Stiftung ihre jüngste Diskussionsveranstaltung zu "Russland als Herausforderung für Europa". Und dieser tierische Vergleich ist alt: Der Russe, sagt uns das zoologische Bild, der Russe ist stark, unberechenbar und hinterlistig. Da ist dann Schockenhoffs Paranoid-Beleidigung, die er auf dieser Tagung dem russischen Präsidenten anklebte, nur die Verlängerung der rassistischen Katalogisierung mit anderen Titeln. Es wäre interessant zu beobachten, wie die deutschen Eliten reagieren würden, wenn die russische Debatte sie als "Kakerlaken im Keller der USA" bezeichnen würde.

Schockenhoff meldet sich gern zu Wort, wenn es um Brachiales geht: Mal ist er für einen Kampfeinsatz der Bundeswehr in Mali, dann setzt er sich für die Beschaffung von Drohnen für die Bundeswehr ein, auch findet er Waffenlieferung in den Irak einfach prima. Selbst eine gute Prise Homophobie ist bei dem Mann aus dem südlichen Oberschwaben zu finden: "Beck wollte eine Schlagzeile für sich" grölt er dem GRÜNEN Abgeordneten Volker Beck hinterher, als der bei einer Demonstration von Lesben und Schwulen in Moskau verletzt wird. So schwankt der Messdiener aus Ravensburg zwischen provinziellen Sexualängsten und kompensatorischer Großmannssucht.

"Hegt Zar Putin gar imperiale Träume? Will er damit letztlich nur von der eigenen Schwäche ablenken? Welche Rolle spielen die Sanktionen des Westens? Jenseits der Frage "Wer hat Recht” steht die Politik in Deutschland und Europa vor der großen Herausforderung" textet die Konrad-Adenauer-Stiftung zu ihrer Tagung. Der Satz, der auf das "Jenseits vom Recht" hinweist, ist für die Stiftung, die in der Ukraine versucht hat, einen promovierten Boxer zum Präsidenten zu machen, besonders pikant. Diese gut finanzierte Einmischung in die inneren Angelegenheiten von Nachbarländern wird dann noch von Schockenhoff ergänzt: Er habe es nicht für möglich gehalten, "dass Putin die europäische Friedensordnung über den Haufen wirft." Da stellt die Gier nach neuen Märkten Ursache und Wirkung einfach auf den Kopf.

Zu Beginn seiner Kariere war Andreas Schockenhoff mal als Lehrer im Ravensburger Bildungszentrum St. Konrad tätig. Der Namensgeber des Zentrums, der absolut heilige Konrad, ist mit dem Wunder der unversehrten Spinne bekannt geworden: Einst fiel eine Spinne in den Kelch, aus dem Konrad Messwein trank. Obwohl Konrad sie runterschluckte, krabbelte sie später unbeschädigt aus seinem Mund. Seit dieser Zeit, so muss man annehmen, spinnen die Netzwerke der Macht ihr Netz über jede Vernunft. So ist es denn alles andere als ein Wunder, dass im Schockenhoff-Papier zur "Neubestimmung der Beziehungen zu Russland" den Russen der "Erwerb von Energie-Infrastruktur" auch dann versagt werden soll, wenn "die Beziehungen zwischen Russland und der EU wieder nachhaltig verbessert (sein) sollten."

US-Penthouse funkt an German-Keller: "Brav, Kakerlak! Brav."

Ulrich Gellermann, Berlin

 



► Quelle:  RATIONALGALERIE > Artikel


Bild- und Grafikquellen:


1. Andreas Schockenhoff (* 23. Februar 1957 in Ludwigsburg) ist ein CDU-Politiker seit 1990 Mitglied des Deutschen Bundestages. Bei der Bundestagswahl 2013 wurde er zum siebten Mal in Folge über ein Direktmandat für den Bundestagswahlkreis Ravensburg in den Deutschen Bundestag gewählt. Foto: Frank Bergmann. Quelle: Wikimedia Commons. Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.5 generisch“ (US-amerikanisch) lizenziert.

2. "Ich glaub, ich spinne!". Grafik: Internetfund. Ersteller nicht bek.