Das rote Kaninchen: Sigmar Gabriels Zauberhut

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Ulrich Gellermann
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Das rote Kaninchen: Sigmar Gabriels Zauberhut
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Das rote Kaninchen


Sigmar Gabriels Zauberhut


Angst breitet sich aus. Bei Oppermann, Schwesig & Co. Die Verhandlungsführer der SPD-Koalitionäre hatten schon gut gepolsterte Ministersessel vor Augen. Sie konnten die Ledersitze der Dienstwagen fast schon riechen, die bedeutenden TV-Talkrunden beinahe hören, die reichlichen Pensionen zählen. Da gab es böse Nachrichten aus der SPD-Basis. Die Genossen finden, so entnahm man dem Murren in der Mitgliedschaft, die bisherigen Koalitions-Verhandlungsergebnisse als schlichtweg unzureichend. Aber es ist die Basis, die irgendwann im Dezember über den Koalitionsvertrag richten soll. Sie könnte die Blütenträume vom Macht-Zipfelchen zunichte machen. Denn die Liste der jetzt schon gebrochenen SPD-Wahlversprechen ist lang.

Hatte sich die SPD doch vor den Bundestagswahlen geradezu als eine Art Anti-Agenda-2010-Partei dargestellt: Gerechtigkeit hieß der Schlachtruf, jetzt wolle man aber mal die Millionäre zur Kasse bitten, aber hallo! Jetzt würde man aber nicht schon wieder als Zustimmungsmaschine im Bankenrettungsfach auftreten. So nicht, Frau Kanzler! Und vornedran der kühne Oppermann, der die Kanzlerin in der NSA-Abhöraffäre vor sich hertrieb: "Heuchelei, Nichtinformation, Desinformation", Worte wie Steinwürfe in Richtung Kanzleramt. Sigmar Gabriel hatte sogar mal kurzzeitig ein Zeugenschutzprogramm für Edward Snowden gefordert. Jawoll! Und jetzt? Jetzt warnt der Herr Oppermann im Zusammenhang mit Snowden vor "emotionalen und moralischen Höhenflügen".

Die SPD-Mitglieder gehören zu den Weltmeistern im Krötenschlucken. Man war einst schon mal gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik, gegen die NATO, gegen die Notstandsgesetze. Natürlich immer vor einer Regierungsbeteiligung. Danach gingen die SPD-Chefs dann immer in die Ortsvereine und riefen ihre Waren aus: "Kröten, leckere Kröten, einmal schlucken und schon ist alles ganz anders." - Doch Zeiten ändern sich. Nach dem Agenda-2010-Anschlag auf die soziale Marktwirtschaft warfen nicht wenige Sozialdemokraten ihr Parteibuch hin. Noch mehr SPD-Wähler wählten nicht mehr oder was anderes. Was, so dachte sich der Gabriel, wenn die 470.000 SPD-Mitglieder plötzlich von einem moralischen Höhenflug gepackt würden und den Koalitionsvertrag ablehnten?

Flugs guckte der schlaue Siggi in seinen Zylinder, sah das rote Linkspartei-Kaninchen, holte es heraus und schwenkte es vor dem Leipziger Parteitag in der Luft: Huhuh, in vier Jahren, hinter den sieben Bergen und wenn die sieben Brücken nicht brechen, dann sind wir vielleicht bereit, äh, oder so, äh, mit der Linkspartei zu koalieren. Siggi hält die Genossen für doof. Er denkt, die merken nicht, dass wir den Mindestlohn auch ohne Koalition schon erreicht hätten, wenn wir die knappe Mehrheit der SPD, der GRÜNEN und der LINKEN im Bundestag genutzt hätten. Dass mit der selben Mehrheit längst das Asyl für Edward Snowden durchgesetzt wäre. Ja, es wäre sogar eine rot-rot-grüne Regierungskoalition möglich gewesen. Aber was in vier Jahren ist, ob die SPD nach der üblichen Schrumpfkur in einer großen Koalition noch genug Stimmen für einen ordentlichen Gesangverein bekommen wird, das weiß keiner.

Der SPD-Parteitag in Leipzig präsentiert statt eines irgendwie inhaltlichen Slogans ein "Hashtag" auf dem Bühnentransparent: #spdbpt. Hashtags sind jene Computer-Doppelkreuze, die einer Zeichenkette vorangestellt werden, wenn besonders Wichtiges markiert werden soll, wenn man mit einem Meta-Tag, also einer Über-Markierung, die Suche erleichtern will. Such´s Original-Sozialdemokratische ruft das Tag den Delegierten und Mitgliedern zu, und wenn ihr´s nicht in den Koalitionsverhandlungen findet, dann eben in Gabriels Zylinder. So doof kann die SPD-Basis nicht sein, oder?


Ulrich Gellermann
 



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WiKa
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Beigetreten: 16.10.2010 - 23:42
Homoehe derzeit größtes Problem Deutschlands

 

Homoehe derzeit größtes Problem Deutschlands

 

… mehr Macht für den Souverän eher ungewollt!

 

Bananen-Republik-Deutschland: Der Artikel von Ulrich Gellermann ist eine prima Vorlage, da sollte man noch eine weitere Betrachtung nachlegen, wäre doch an der Homoehe fast die Republik zerbrochen. Natürlich macht sich der politisch interessierte Bürger derzeit große Sorgen, völlig zu unrecht. Folgt man der Berichterstattung zu den Kolaitionsverhandlungen, dann ist das größte Problem der Deutschen derzeit ein mögliches Scheitern der Homoehe. Daran könnte Deutschland zerbrechen. So jedenfalls muss man die neuerlichen Befindlichkeiten unserer Volksvertreter interpretieren. Warum sollten wir auch größere Sorgen haben, denn bei der Bankenrettung, dem Sozialabbau, Reallohnsenkungen, Steuererhöhungen und der Überwachung des Souveräns besteht ja bei den Parteien eine überwältigende Einigkeit.

Anlass zu dieser kleinen Betrachtung bot die letzte größere Schreierei innerhalb der Koalitionsarbeitsgruppe „Familie, Frauen und Gleichstellung“ bei den Kopulations Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD. Hier war es dann auch die Vertreterin der SPD, Manuela Schwesig (im Bild nach der entnervenden Sitzungsrunde, der Lippenstift hat durchgehalten, die Frisur nicht), die die vermeintliche Notbremse mit den Worten zog: „Ich kann den SPD-Mitgliedern unter diesen Umständen nicht empfehlen, einer Koalitionsvereinbarung zuzustimmen“DIE WELT hat es belauscht. Einige Anwesende wollten gar das Platzen der großen Koalition schon aus ihrem Gleichgeschlechtlichkeitsgeschrei herausgehört haben. Das käme einem Schwangerschaftsabbruch gleich, hier allerdings noch innerhalb der gesetzlichen Fristen. Aber ganz so schnell wird ein so elementarer Akt natürlich nicht ausgelassen und so wiegelte die SPD inzwischen schon wieder ordentlich ab und behauptete, dass die Aussage so nicht gefallen sei. Fest steht aber, das sich die Union beim Thema Homoehe und beim Herunterlassen der Hosen enorm schwer tut, was die SPD wiederum als reine Prüderie geißelt.

Der Vorgang wirft ein bezeichnendes Schlaglicht auf die wirklich wichtigen Dinge in Deutschland, die es derzeit zu regeln gilt. Als moderner Mensch muss man sich heute ohnehin ernsthaft fragen, wie die Menschheit bis heute ohne Homoehe überleben konnte … oder vielleicht gerade deshalb? Immerhin scheint die SPD-Vizevorsitzende ihr koalitionäres Steckenpferd gefunden zu haben. Wir können uns auf entsprechende Taten einrichten, wenn sie nach den Verhandlungen die „von den Laien“ aus dem Ministerium kanten wird, um deren Schreibtisch zu erben. Schätzen wir uns einfach glücklich, dass die Grünen jetzt nicht dabei sind, sonst hätte womöglich die Legalisierung der Pädophilie zu einem ähnlichen Eklat geführt, obgleich die Grünen heute unablässig beteuern, mit diesem Thema schon lange abgeschlossen zu haben.

Angeblich soll es auch große Unruhe hinsichtlich des Vorstoßes von CSU und SPD zu bundesweiten Volksabstimmungen gegeben haben. Aber der Stellenwert dieses Themas kommt lange nicht an die Homoehe heran. Fachleute sind sich darüber einig, dass diese Forderung nur aus wahltaktischen Gründen überhaupt aufs Trapez kam. Die Volksvertreter sind sich generell darüber einig, den „vollvertrottelten Souverän” (also uns), so gut es geht aus ihrem Klüngel herauszuhalten. Das Mandat haben sie schließlich in der Tasche und die ewigen Nörgeleien der geschundenen Menschen im Lande muss man sich im Regierungsviertel nun wirklich nicht mehr anhören.

Hier verweisen die großen Parteien auch regelmäßig auf ihre Erfolge, die es nicht hätte geben können, wenn beispielsweise der Deutsche befragt worden wäre, ob er den EU-Vertrag so akzeptieren möchte, alle Gewalt nach Brüssel verlagert werden soll und er den Euro überhaupt haben wollte. Auch in Sachen Bankenrettung hätte der Schuss nach hinten losgehen können. So können sich CDU und SPD auch weiterhin bedenkenlos feiern. Merkel stellte schon mehrfach klar, dass indirekte Demokratie alternativlos sei. Alles andere wäre für die Volksvertreter eine Behinderung des bundestäglichen Selbstbedienungsladens. Demzufolge sollte jedermann an dieser Stelle seinen Optimismus bremsen. Da wird auch weiterhin nichts passieren, weil der Bürger immer noch als zu schlecht erzogen gilt und die Suppe seiner Vertreter versalzen könnte.

Befremdlich in diesem Zusammenhang ist allerdings, dass nach Abschluss der Koalitionsverhandlungen angeblich eine kleine Clique (sie nennt sich SPD-Mitglieder), über den Koalitionsvertrag abstimmen dürfen soll. Das steht im krassen Widerspruch zu der generell ablehnenden Haltung in Sachen "Mehr Demokratie". Aber hier will die SPD vermutlich auch nur beweisen, dass der Klüngel wenigstens auf unterster Stammtischebene, rund um die rote Fahne, noch einwandfrei funktioniert.

Letztlich muss sich der Wähler in Deutschland aber keine ernsthaften Sorgen machen, denn die Politik wird ihm, wie schon in Generation zuvor, auskömmlich das Fell über die Ohren ziehen. So nebensächliche Themen wie beispielsweise das weltweit kaputte Geldsystem und die absehbaren katastrophalen Folgen sollte man aus Gründen der Ruhe und aufrecht zu haltenden Ordnung nicht wirklich ansprechen. So etwas macht man auch weiterhin eher im Geheimen. Hier reicht es doch völlig, wenn wir eines Tages alle gemeinsam am Abgrund stehen und besagte Politiker dann noch ein wenig nachschieben, damit wir auch alle sicher über die Klippe kommen. Genau dafür haben ja alle Bürger ihre feinsinnigen und äußerst aussagekräftigen Kreuzchen auf den Wahlzetteln gemacht, in die sie all ihre politische Vorstellungskraft steckten. Wie dumm können Menschen nur sein!

 

Wilfried Kahrs


 

► Quelle:  dieser Beitrag erschien erstmals auf meinem Blog  qpress.de > Artikel

   die 4/2 Wahrheiten

Bildnachweis: Wikimedia | Autor: Thomas Fries | CC-BY-SA 30

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