DIA-Bericht - Politik gegenüber Syrien - Ursprünge von ISIS (IS)

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DIA-Bericht - Politik gegenüber Syrien - Ursprünge von ISIS (IS)
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Ehemaliger DIA-Chef warnte das Weiße Haus vor dem Aufstieg von ISIS


von Brad Hoff


In der letzten Folge der Al Jazeera-Sendereihe „Head to Head“ bestätigt der ehemalige Direktor der Defense Intelligence Agency (DIA) Michael Flynn gegenüber Mehdi Hasan, dass er das DIA-Memo, das die Unterstützung des Westens für einen Islamischen Staat in Syrien vorhersagt, nicht nur studiert hat, sondern versichert sogar, dass die Unterstützung des Weißen Hauses für radikale Jihadisten (die dann als ISIL/IS und al-Nusra auftraten) gegen die syrische Regierung eine „vorsätzliche Entscheidungen“:


Hasan: Sie sagen im Grund, dass Sie sogar in der Regierung in der Zeit, in der Sie wussten, dass es diese Gruppen gab, diese Analyse sahen und dagegen argumentierten, aber wer hat nicht zugehört?

Flynn: Ich denke die Administration.

Hasan: Die Administration hat also Ihre Analyse wissentlich ignoriert?

Flynn: Ich weiß nicht, ob sie sie wissentlich ignoriert haben, ich denke, es war eine Entscheidung. Ich denke, es war eine vorsätzliche Entscheidung.

Hasan: Eine vorsätzliche Entscheidung, einen Aufruhr zu unterstützen, an dem Salafisten, al-Qaida und die Muslimbruderschaft beteiligt waren?

Flynn: Es war eine vorsätzliche Entscheidung, das zu tun, was sie tun.


Hasan selbst zeigt sich überrascht über Flynns Freimütigkeit in diesem Teil des Interviews. Während er eine Papierkopie des 2012 freigegebenen DIA-Berichts emporhält, liest Hasan laut Schlüsselpassagen wie: „es besteht die Möglichkeit, einen deklarierten oder nicht deklarierten salafistischen Herrschaftsbereich im Osten Syriens einzurichten, und genau das ist es, was die Mächte wollen, die die Opposition unterstützen, um die syrische Regierung zu isolieren.“

Anstatt die Bedeutung des Dokuments und dieser bestürzenden Passagen herunterzuspielen, wie es das Außenministerium kurz nach seiner Freigabe gemacht hat, macht Flynn das Gegenteil: er bestätigt, dass er als Chef der DIA besonders diesem Bericht „eingehende Aufmerksamkeit widmete“ und fügt später hinzu, dass „die Geheimdienstinformationen sehr klar waren.“

Generalleutnant Flynn, der aus der Sicherheit des Ruhestandes spricht, ist der höchstrangige Geheimdienstbeamte, der öffentlich sagt, dass die Vereinigten Staaten von Amerika und andere Unterstützerstaaten der Rebellen in Syrien al-Qaida wissentlich politische Unterstützung gaben und Waffen geliefert haben, um die syrische Regierung unter Druck zu setzen:


Hasan: 2012 waren die Vereinigten Staaten von Amerika dabei behilflich, Waffenlieferungen an diese Gruppen (Salafisten, Muslimbruderschaft, al-Qaeda im Irak) zu koordinieren. Warum haben Sie das nicht gestoppt, wenn Sie Bedenken hatten wegen des Aufstiegs von „islamischen Extremisten“?

Flynn: Ich hasse zu sagen, dass das nicht meine Aufgabe ist ... aber dass ... es mein Job war ... zu gewährleisten, dass die Genauigkeit unserer Informationen, die vorgelegt worden, so gut wie nur möglich war.


Die ersten Berichte, die das DIA-Memo als berichtenswert und höchst aufschlussreich hinstellten, wurden von einigen Experten kritisiert und sogar verspottet, auch von Medien wie The Daily Beast. Immerhin bestätigt jetzt der DIA-Direktor aus der Zeit, in der das Memo geschrieben und in Umlauf gebracht wurde unmissverständlich, dass das Dokument hohen Stellenwert besitzt und weist darauf hin, dass es als grundlegendes Material in seinen eigenen Diskusssionen mit dem Weißen Haus über die Politik gegenüber Syrien diente.

Da Michael Flynn zudem davor als Geheimdienstdirektor des Joint Special Operations Command (JSOC) in einer Zeit diente, in der dessen primäre globale Mission in der Zerschlagung von al-Qaida bestand, ist sein ehrliches Zugeständnis, dass das Weiße Haus tatsächlich mit al-Qaida verbundene Gruppen bewaffnet und gestärkt hat, besonders schockierend, wenn man seinen Status in Betracht zieht. [Anm. H.S.: da ist doch wirkl. keine neue Erkenntnis! siehe  2. Video]

Bedenken Sie zudem die Unstimmigkeit, die sichtbar wird, wenn der damals höchste Geheimdienstoffizier des Pentagon, der zuständig war für die Jagd auf Osama bin Laden, jetzt ruhig und cool zugibt, dass die Vereinigten Staaten von Amerika die Fußsoldaten Aiman az-Zawahiris in Syrien seit mindestens 2012 direkt unterstützt haben.

Diese Bestätigung ist von Bedeutung für meine eigene Berichterstattung über den DIA-Bericht, da ich von einer Reihe von Leuten kontaktiert wurde, die mir zu versichern versuchten, dass die wahren Experten und „Insider“ wussten, dass das Dokument unwichtig und daher irrelevant in den Geheimdienstkreisen und für die breitere Syrienpolitik war.

Das fing an, nachdem ein Artikel im Daily Beast unter dem Titel „The ISIS Conspiracy That Ate the Web“ ("Die ISIS-Verschwörung die sich im Internet breitmachte") den ehemaligen NSA-Beamten John R. Schindler als einen Experten zitierte. Schindler sagte über das DIA-Dokument: „es ist schwierig, viel bedeutsames darüber zu sagen ... da ist nichts besonderes daran, nicht im geringsten.“

Zu meiner Überraschung wurde ich nur Stunden, nachdem ich eine Widerlegung von Schindler und dem Daily Beast-Artikel veröffentlicht hatte, von einem höheren Beamten der CIA kontaktiert, einem persönlichen Freund aus der Zeit, als ich in Washington D.C. wohnte.

Dieser Beamte, der den größten Teil seiner Laufbahn mit öffentlichen Angelegenheiten der CIA beschäftigt war, ersuchte mich persönlich, meine Argumente fallen zu lassen, mit denen ich John Schindlers Glaubwürdigkeit in Frage stellte, nachdem ich bemerkt hatte, dass Schindler ein höchst ideologischer und skandalbeladener Kommentator ist, der sich zur Unterstützung seiner Argumente ständig auf spezielles Insiderwissen beruft. Dieser CIA-Beamte versuchte außerdem, mich von Schindlers Glaubwürdigkeit als Insider und Experte zu überzeugen, indem er mir versicherte, dass „er aufschlussreich geschrieben hat.“

Mehdi Hasans historisches Interview mit General Flynn sollte der Angelegenheit den Rest geben – es ist jetzt bestätigt, dass der freigegebene DIA-Bericht eine zentrale und entscheidende Quelle ist, die die Ursprünge von ISIS erhellt, und die als Information für eine ehrliche nationale Auseinandersetzung über die amerikanische Politik in Syrien und im Irak dienen muss.

So wie es jetzt unter angesehenen internationalen Historikern bereits zum offiziellen Material über den Konflikt in Syrien gerechnet wird, muss das Wissen über das freigegebene Dokument seinen Weg in jeden amerikanischen Haushalt finden.

Brad Hoff
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Mehdi Hasan goes Head to Head with Michael T Flynn:


 

Hillary Clinton: „al-Qaida von USA erfunden, ausgebildet und finanziert!“



Quellen:  erschienen am 7. August 2015 auf > Antiwar.com > Artikel > Original auf > Levant Report > Artikel (mit Weiterverlinkungen)



Infos zum Autor Brad Hoff:

BRAD HOFF is Managing Editor of Levant Report. He is a former Marine and has taught ancient and modern history at various schools across Texas – both at the college and high school levels. Brad has lived and traveled extensively throughout the Middle East, spending most of his time in Syria prior to the 2011 uprising.

Die Weiterverbreitung der Texte auf dieser Website ist durchaus erwünscht. In diesem Fall bitte die Angabe der Webadresse www.antikrieg.com nicht zu vergessen! Die deutsche Übersetzung wurde dort freundlicherweise von Klaus Madersbacher / A zur Verfügung gestellt.

Bild- und Grafikquellen:


1. Michael T. Flynn ist ein ehemaliger Lieutenant General der United States Army und vormaliger Direktor der Defense Intelligence Agency (vom 24. Juli 2012 bis zum 2. August 2014) sowie vormaliger Kommandeur der Joint Functional Component Command for Intelligence, Surveillance and Reconnaissance (JFCC-ISR) sowie ehemaliges Mitglied des Military Intelligence Board

Foto/Quelle: Defense Intelligence Agency (DIA) website. Veröffentlicht bei Wikimedia Commons. Dieses Werk ist in den Vereinigten Staaten gemeinfrei, da es von Mitarbeitern der US-amerikanischen Bundesregierung oder einem seiner Organe in Ausübung seiner dienstlichen Pflichten erstellt wurde und deshalb nach Titel 17, Kapitel 1, Sektion 105 des US Code ein Werk der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika ist.

2. Die Defense Intelligence Agency (DIA; deutsch Verteidigungsnachrichtendienst) ist ein militärischer Nachrichtendienst der Vereinigten Staaten, der als Dachorganisation der Nachrichtendienste der vier Teilstreitkräfte Army, Navy, Air Force und Marine Corps dient. Deren Auftrag:

Das Sammeln, Analysieren und Weiterleiten von Erkenntnissen der Nachrichtendienste der vier Teilstreitkräfte für das US-Verteidigungsministerium:

Foto zeigt das Wappen der Bundesbehörde. Urheber: Defense Intelligence Agency (DIA). Quelle: Wikimedia Commons. Dieses Werk ist in den Vereinigten Staaten gemeinfrei, da es von Mitarbeitern der US-amerikanischen Bundesregierung oder einem seiner Organe in Ausübung seiner dienstlichen Pflichten erstellt wurde und deshalb nach Titel 17, Kapitel 1, Sektion 105 des US Code ein Werk der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika ist.


3. Prof. Dr. John R. Schindler. Informationen über Schindler hier und hier. Foto/Quelle: U.S. Naval War College website