ENTVÖLKERT EUROPA Krönungsmesse für `Angela die Erste´

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Ulrich Gellermann
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ENTVÖLKERT EUROPA Krönungsmesse für `Angela die Erste´
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ENTVÖLKERT EUROPA

Krönungsmesse für `Angela die Erste´


Es sei alles sehr sparsam gewesen, maulte einer der Königs-Kommentatoren im deutschen Fernsehen. Da dankt ein belgischer König ab, ein anderer kommt, und die Wechsel-Aufführung reicht nur für eine kleine Sondersendung. Immerhin, die deutschen Medien haben sich gründlich mit weltbewegenden Fragen auseinandergesetzt: Dem Fehltritt des alten Königs, dem Autismus des neuen, und was man sonst an royalen Intimitäten hat auftreiben können. Der rasante Anstieg der belgischen Schulden spielte in der Berichterstattung keine Rolle. Obwohl der fünfte Platz Belgiens im Ranking der europäischen Staatsverschuldung schon eine Betrachtung wert gewesen wäre.



Dieser Mangel an fiskalischer Recherche kann daran liegen, dass der brave deutsche Mainstream die Parole der Kanzlerin - alles sei gut in der EU, jedenfalls bis zur Bundestagswahl - zur Redaktionsmaxime erhoben hat. Denn was das Europäische Statistik-Amt in diesen Tagen referiert, ist brisant: An der Spitze des europäischen Schuldenwachstums liegt natürlich Griechenland. Die Quote stieg dort im Vergleich des Vorjahreszeitraums um 24 Prozentpunkte. Wie viel Milliarden Nachschlag an Rettungshilfe Griechenland bekommen wird, möchte die Regierungskoalition auch erst nach den Wahlen verkünden. Seit 2010 pumpt die EU Geld in das Land. Immer mit der Aufforderung, es möge sparen. Und das macht die griechische Regierung auch. Zwischenzeitlich sind, sparen hin sparen her, die Schulden weiter gewachsen und ein Ende ist nicht abzusehen. Aber auf einem Gebiet wächst die griechische Exportquote: Im vergangenen Jahr sind 23.800 Griechen allein nach Deutschland ausgewandert .

An zweiter Stelle liegt das rettungsbeschirmte Irland mit einem Anstieg um 18,3 Prozentpunkte. Rund 85 Milliarden hatte die EU den Iren zugesagt. Und wer sich erinnern mag, der hat die Versicherungen noch im Ohr: Alles wird gut, wenn die Iren nur tapfer sparen. Die Iren sparen sich vor allem die Bevölkerung. Jedes Jahr verlassen rund 50.000 junge Iren ihr Land, denn zeitweilig betrug die Jugendarbeitslosigkeit 30 Prozent. Die irischen Banken scheinen saniert zu sein, und wenn die Auswanderung weiter so schnell wächst, dann wird sich das Land auch sanieren: Wenn niemand mehr in Irland wohnt, haben alle Sorgen ein Ende.

Aus Portugal, dem ärmsten Land Europas, wandern noch ein paar Menschen mehr aus: Im vergangenen Jahr waren es rund 52.000. Im Schuldenranking liegt das Land auf einem soliden dritten Platz. Das im Mai 2011 zugesagte Rettungspaket von 78 Milliarden für Portugal hat das arme Land noch ein wenig ärmer gemacht. Experten vergleichen die aktuelle Auswanderungswelle mit der Massenmigration der 1970er-Jahre. Wetten, dass irgendein Sprecher der unsäglichen Bundesregierung auch das als Erfolg verkaufen wird? Vielleicht so: Exodus aus Portugal macht Platz für Deutsche an der Algarve.

Dass sich die italienische Auswanderung in den letzten 12 Monaten um 30 Prozent gesteigert hat, liegt unter anderem daran, dass etwa 60 Prozent der jungen Italiener als "unterbeschäftigte Teilzeitkräfte" arbeiten müssen. Noch hat das Land keine Hilfe aus dem EU-Rettungsschirm beantragt, aber das WALL STREET JOURNAL ist sich sicher: Italien wird in den kommenden sechs Monaten um Rettung bitten. Immerhin rangiert die Republik mit einer Schuldenquote von 130 Prozent auf Platz zwei der europäischen Schuldenländer. Bis zum Jahr 2014 laufen italienische Staatsanleihen im Volumen von 487 Milliarden Euro aus. Um die Gläubiger bedienen zu können, wird der Rettungsschirm aufgespannt werden müssen. Der hält aber nur 500 Milliarden Euro bereit. Und nachdem die Ratingagentur Fitch vor ein paar Tagen 18 spanische Banken herabgestuft hat, geht man davon aus, dass die Spanier noch mal mindestens 100 Milliarden aus dem Schirm brauchen werden. Diese Lage kann dann ganze Länder entvölkern.

Noch rettet sich das europäische System der Guten-Nachrichten-Verbreitung mit den Königshäusern: Es ist ein Junge, god save the baby, erfährt man aus dem Vereinigten Königreich. Nicht, dass die englischen Schulden geringer geworden wären, man liegt auf dem achten Platz, direkt hinter Frankreich. - Den Belgiern könnte man in ihrer Lage die Einsparung des Königshauses empfehlen: Das brächte im Jahr mehr als 11 Millionen Euro. Auch auf der Einnahmeseite wäre einiges zu verändern: Deutsche Konzerne wie Bayer, BASF und Volkswagen profitieren erheblich von Steuerschlupflöchern in Belgien. In Irland zahlen Unternehmen - wenn sie überhaupt Steuern zahlen - 12,5 Prozent Steuern auf ihre Gewinne. Der Steuerwettbewerb in der EU galt bisher als Anreiz zur Wirtschaftsentwicklung. Am Beispiel Irland ist das Modell wie folgt: Andere Ländern stopfen die Löcher im Staatshaushalt, die aus den geringen Einnahmen resultieren. Nur konsequent wäre, wenn alle EU-Länder auf alle Steuern verzichteten, damit sich die begonnene Völkerwanderung beschleunigt. Ein Europa ohne Völker, besiedelt von ein paar Banken und Börsen, scheint der Traum europäischer Politik zu sein. Eine Krönungsmesse für `Angela die Erste´ könnten sich die Europäer dann in irgendeinem Ausland ansehen.

 

Ulrich Gellermann
 



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Peter Weber
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Beigetreten: 23.09.2010 - 20:09
Traumwelt jenseits von EU-Krise

 

Traumwelt jenseits von EU-Krise


Die unsägliche Medienhype, die regelmäßig bei Hochzeiten, Krönungen, Abdankungen, Affären und Geburten des Hochadels und „bei Königs“ veranstaltet wird, geht mir fürchterlich auf den S… - äh, Entschuldigung, nervt mich total! Je schlechter und ungewisser die Zeiten werden und je größer die ungelösten zentralen, nationalen wie globalen, Schieflagen sind, um so stärker fokussieren sich die Medien und die Mehrzahl der Menschen auf diese periphere Welt. Dieser abgehobene Dunstkreis von Blendern und Schmarotzern , die eigentlich die Sorgen, Nöte und Befindlichkeiten des Normalbürgers überhaupt nicht tangiert, wird trotzdem als Traumbild auf einen Schild gehoben. Es ist wohl allzu menschlich, daß persönliche Unzufriedenheit mit dem eigenen Schicksal dazu verleitet, sich in die Welt der Schönen, Reichen und Royals hinein zu versetzen und davon zu träumen, einer von ihnen zu sein. Das geht natürlich zu Lasten des Realitätssinns und eines Interesses am wirklich relevanten politischen Geschehen, das von vielen total ausgeblendet und abgestumpft ignoriert wird.

Der „Postillion“ wartet mit der folgenden traurigen Meldung auf:

„Alles Hoffen, dass das Royal Baby gesund zur Welt kommt, war vergebens. Wie ein Sprecher des englischen Hofes heute bekannt gab, wurde bei dem Neugeborenen die äußerst seltene Erbkrankheit "Windsor" festgestellt. Der Sohn von Prinz William und Herzogin Katherine leidet schon jetzt unter schwülstigen Titeln und wird Zeit seines Lebens nie einen normalen Beruf ausüben können.“
 
Der Name des königlichen Nachwuchs-Paradiesvogels „takes the biscuit“ – oder auf gut deutsch - schießt den Vogel ab: „Sir“ George Alexander Louis und es sei höchste untertänige Bürgerpflicht, ihn als „seine königliche Hoheit Prinz George von Cambridge” anzusprechen. Die von manchen als Spinnerei belächelte Existenz von Parallelwelten ist somit doch eindeutig bewiesen!

Doch nun wieder zurück zum grauen EU-Alltag. Uli Gellermann hat in seinem Aufruf „Entvölkert Europa“ bereits die wichtigsten Fakten genannt, die das marode Europa auszeichnen. Ich möchte nur noch ein paar Informationen zur Lage in Spanienund Irland anbieten, dem flächenmäßig zweitgrößten und bevölkerungsmäßig an vierter Stelle in der EU rangierenden Land.

Letztes Jahr sind die Firmenpleiten in den Südstaaten wiederum drastisch gestiegen: in Portugal um 42 %, in Spanien um 32 % und in Italien um 13,5 %. Noch viel trauriger sind die Rekorde hinsichtlich der Jugendarbeitslosigkeit zu bewerten: Griechenland 62,5 %, Spanien 56,4 %, Portugal 42,5 %, Italien 40,5 % - selbst in der Slowakei, in Zypern, Bulgarien, Polen, Ungarn, Irland oder Frankreich lagen die entsprechenden Zahlen bei über 25 %. Schande über Europa und die EU! Die sog. „Jugendgarantie“ wurde jüngst bei einem EU-Gipfel – angeführt und initiiert vom Lehrmeister Deutschland – in Gestalt der qualifiziertesten Experten für Schaffung von Massenarbeitslosigkeit propagiert.

Darunter muß man sich einen Beruhigungstropfen auf den heißen Stein vorstellen in Form von ein paar läppischen Milliarden vorstellen, der nicht einmal die gröbsten Löcher stopft und nur als Lendenschurz dient. Der Massenexodus der jungen qualifizierten Eliten der südlichen und östlichen EU-Staaten schreitet nicht nur weiter voran – er wird noch forciert. Mit Folgen, die auch uns negativ betreffen und auf die ich lieber erst bei nächster Gelegenheit eingehe.

Spanien ist dabei eins der ernst zu nehmenden Sorgenkindern. Nach Einschätzung der Zentralbank ist dort nicht mit einem baldigen Ende der Krise zu rechnen, ganz im Gegenteil. Für diese Jahr wird von der EZB ein Anstieg der allgemeinen Arbeitslosenquote auf über 21 % sowie eine Schrumpfung der Wirtschaftsleistung um 1,5 erwartet. Legen wir ruhig noch einige Prozentpunkte drauf, dann kommen wir der Realität näher.


Außerdem wird für 2013 eine Auswanderung von 100.00 jungen, gut ausgebildeten Leuten prognostiziert, die in Spanien keine Chance auf einen Arbeitsplatz besitzen. Man muß sich einmal vergegenwärtigen, daß letztes Jahr annähernd 400.000 ausländische Arbeitnehmer, vornehmlich aus Lateinamerika, wieder in ihre Heimat reemigriert sind. Ihr Tenor lautet: Schlecht leben können wir auch zu Hause.

Beispiel Irland:  Irland wurde in seiner Geschichte mehrmals durch extreme Emigrationswellen ausgeblutet. Seit den 90ern bis zur Banken-, EU- und Euro-Krise dank EU-Subventionen sowie aufgrund von finanzpolitischen und wirtschaftlichen Nullnummern hat es sich dann scheinsaniert. Als ich 2003 das letztemal in Irland weilte - später war es mir wegen Arbeitslosigkeit und der hohen Lebenshaltungskosten in Irland nicht mehr möglich – begegnete ich einer irischen Jungunternehmerin. Diese war angesichts des Geldsegens und des horrenden Wirtschaftswachstums schier begeistert, weil sie auch persönlich davon profitierte. Als ich ihr plausibel machen wollte, daß ich in meiner Situation als deutscher Abgehängter mir den aktuellen Besuch in Irland nur durch Unterstützung des mit mir reisenden Bruders leisten konnte, konnte sie es kaum glauben. Erst recht nahm sie mir meine Zukunftsperspektiven für Irland nicht ab. Ich sagte ihr nämlich noch für das laufende Jahrzehnt einen Einbruch voraus, weil mir schon damals schon völlig klar war, daß auf Pump finanzierte Blasen recht bald platzen. Die Verständnislosigkeit der Jungunternehmerin für meinen Pessimismus kannte keine Grenzen und wir sind nicht als Freunde auseinander gegangen.

Den Vorschlag Ulrich Gellermanns in seinem Artikel "ENTVÖLKERT EUROPA",

[quote=Ulrich Gellermann]

Nur konsequent wäre, wenn alle EU-Länder auf alle Steuern verzichteten, damit sich die begonnene Völkerwanderung beschleunigt. Ein Europa ohne Völker, besiedelt von ein paar Banken und Börsen, scheint der Traum europäischer Politik zu sein. Eine Krönungsmesse für `Angela die Erste´ könnten sich die Europäer dann in irgendeinem Ausland ansehen.

[/quote]

ist schon irgendwie zwingend logisch. Allerdings träume ich persönlich davon, daß wir die ganze Finanz-, Kapital- und Politiker-Bagage auf die Cayman Islands oder die Fidschi-Inseln verfrachten, wo sie dann getrost eine feudale Monarchie mit Angela Merkel als Regentin an der Spitze installieren können. Als Mitregenten und Kronprinzen schlage ich Roland Pofalla vor, der sicherlich ein hervorragendes Gruppenbild mit Mutti abgeben würde. Die Krönungsmesse würde gelesen vom Anstaltspfarrer, Joachim G., der eine unüberbotene Kompetenz für salbungsvolle Predigten und Ansprachen besitzt. Dann müßten wir aber aus Sicherheitsgründen noch eine ganz große Käseglocke über diesen Inselgruppen stülpen, damit sie in ihrem Mief ersticken und der ungesunde Geist nicht entweicht.


Peter A. Weber

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