Martin Luther: Volksheld – Antisemit – Hassprediger

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Martin Luther: Volksheld – Antisemit – Hassprediger
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Martin Luther: Volksheld – Antisemit – Hassprediger

Giordano-Bruno-Stiftung veröffentlicht kritische Broschüre zum Luther-Jahr

martin-luther-volksheld-antisemit-hassprediger-kritisches-netzwerk-antijudaismus-antisemitismus-lutherjahr-playmobilfigur-judenhass-thesenanschlag-95-thesen-giordano-bruno-stiftung.jpgRund 250 Millionen Euro aus allgemeinen Steuergeldern bringt die öffentliche Hand für die "Luther-Dekade" auf. Der 500. Jahrestag seines angeblichen "Thesenanschlags" soll sogar als bundesweiter Feiertag begangen werden. Doch war Martin Luther ein Mann, den man feiern sollte? Nein, sagt die Giordano-Bruno-Stiftung, die in ihrer heute veröffentlichten kritischen Luther-Broschüre aufzeigt, dass der Reformator einer der "wirkmächtigsten Vertreter des Judenhasses von Golgatha bis Auschwitz" war.

Für Adolf Hitler war Martin Luther "ein großer Mann, ein Riese", der "den Juden" sah, "wie wir ihn erst heute zu sehen beginnen." Auch für den evangelischen Landesbischof Martin Sasse, der 1938 (nach der Reichspogromnacht) das Heft "Martin Luther über die Juden: Weg mit ihnen!" herausgab, war der Reformator ein leuchtendes Vorbild, der "größte Antisemit seiner Zeit, der Warner seines Volkes wider die Juden".

Die Nationalsozialisten setzten um, was Luther 400 Jahre zuvor in seiner Hetzschrift "Von den Juden und ihren Lügen" gefordert hatte, nämlich Zwangsarbeit und Zwangsunterbringung für Juden sowie das Niederbrennen ihrer Synagogen. Von Martin Luther übernahmen die Nazis auch den Leitspruch ihres Hetzblattes "Der Stürmer": "Die Juden sind unser Unglück!" Kein Wunder also, dass sich "Stürmer"-Herausgeber Julius Streicher 1946 beim Nürnberger Prozess mit Berufung auf Martin Luther verteidigte: "Dr. Martin Luther säße heute sicher an meiner Stelle auf der Anklagebank, wenn dieses Buch von der Anklagevertretung in Betracht gezogen würde. In dem Buch ‚Die Juden und ihre Lügen‘ schreibt Dr. Martin Luther, die Juden seien ein Schlangengezücht. Man solle ihre Synagogen niederbrennen, man solle sie vernichten."

Den meisten protestantischen Theologen sind diese geschichtlichen Zusammenhänge wohlbekannt, weshalb sie auf kritische Nachfragen durchaus einräumen, dass es bei Martin Luther "dunkle Flecken" und "beschämende Aussagen" gebe. Allerdings legt die "Evangelische Kirche in Deutschland" (EKD) großen Wert darauf, dass hierdurch das öffentliche Bild des Reformators nicht beschädigt wird. Daher soll die Beschäftigung mit Luthers "dunklen Flecken" möglichst Fachkreisen vorbehalten bleiben, während für die breite Bevölkerung das Loblied auf den Verkünder der "Freiheit des Christenmenschen" angestimmt wird - angereichert mit allerhand harmlos-lustigem Luther-Tand wie etwa "Luther-Lutschern", "Luther-Bonbons" oder "Luther-Playmobilfiguren".

martin-luther-von-den-juden-und-ihren-luegen-karl-heinz-buechner-bernd-kammermeier-reinhold-schlotz-robert-zwilling-kritisches-netzwerk-hetzschrift-antisemitismus-lutherjahr.jpgDie Giordano-Bruno-Stiftung möchte diesem unkritischen, geschichtsverfälschenden Luther-Bild entgegenwirken. Zu diesem Zweck lässt sie den Reformator in der Broschüre selbst zu Wort kommen. Dabei zeigt sich, dass Luther nicht nur ein besonders vehementer religiöser Judenhasser (Antijudaist) war, der den Begriff der "Judensau" wie kaum ein Zweiter popularisierte, sondern dass er auch im Sinne eines vormodernen Rassismus (Antisemitismus) gegen "die Juden" agitierte. So schrieb Martin Luther im Jahr 1543: "Das israelitische Blut ist vermischt, unrein, verwässert und verwildert worden. […] Dieser trübe Bodensatz und stinkender Abschaum, dieser verschimmelte Sauerteig und sumpfige Morast von Judentum sollte die Erfüllung des Messias verdient haben, aber doch nichts weiter ist als ein fauler, stinkender, verrotteter Bodensatz vom Blut ihrer Väter?"

Neben Luthers unbändigen Judenhass werden in der gbs-Broschüre auch die menschenverachtenden Positionen des Reformators gegenüber Frauen, "Hexen", Behinderten und aufständischen Bauern dokumentiert. Allerdings kann eine 12-seitige Broschüre nur einen kurzen Einstieg in Luthers Weltbild bieten. Daher verweist der Text zur weiteren Vertiefung auf die aktuelle dreibändige Edition der judenfeindlichen Schriften Luthers, herausgegeben von Karl-Heinz Büchner, Bernd P. Kammermeier, Reinhold Schlotz und Robert Zwilling (allesamt Mitglieder der gbs-Regionalgruppe Rhein-Neckar). Außerdem bezieht sich die Broschüre auf die von der gbs-Rhein-Neckar konzipierte Ausstellung "Von Golgatha nach Auschwitz" sowie auf das gleichnamige Buch von Reinhold Schlotz. Buch und Ausstellung ordnen Luthers Denken historisch ein und belegen anhand zahlreicher Quellen, dass die christliche Judenfeindschaft zwar keine hinreichende, wohl aber eine notwendige Voraussetzung für den Holocaust war.

Wer die Broschüre "Martin Luther: Volksheld – Antisemit – Hassprediger" im Luther-Jahr verteilen oder als Korrektiv zu den offiziellen EKD-Materialien im Unterricht einsetzen möchte, kann gedruckte Exemplare über dieses Formular kostenfrei beim Stiftungssekretariat bestellen. Die Onlineversion der Luther-Broschüre ist ab sofort als pdf-Datei über die gbs-Website verfügbar.    

Giordano-Bruno-Stiftung >> www.giordano-bruno-stiftung.de/ .

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pin_green.gifLesen Sie zum Thema auch:

    ⇒ Interview zum Luther-Jahr mit gbs-Vorstandssprecher Michael Schmidt-Salomon (NOZ, 25.3.2017) - weiter.

    ⇒ Interview mit den Herausgebern zur Neuedition von Luthers Hetzschriften gegen die Juden (hpd, 17.3.2016) - weiter.

    ⇒ Die Kosten der Lutherdekade 2008 - 2017 (fowid, 31.10.2016) - weiter.



reinhold-schlotz-von-golgatha-nach-auschwitz-mitverantwortung-christentums-holocaust-kritisches-netzwerk-christliche-judenfeindschaft-judenhass-neues-testament-antijudaismus-hitler.jpg► Quelle: Erstveröffentlicht am 03. Mai 2017 auf der Webseite der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) > Artikel.

Die gbs ist eine Denkfabrik für Humanismus und Aufklärung, die sich am Leitbild des evolutionären Humanismus orientiert und der sich viele renommierte Wissenschaftler, Philosophen und Künstler angeschlossen haben. Aktuell unterstützen bereits mehr als 7.000 Fördermitglieder die Anliegen der Giordano-Bruno-Stiftung. (weiterlesen).

► Bild- und Grafikquellen:

1. Cover der von der Giordano-Bruno-Stiftung veröffentlichten kritischen Broschüre zum Luther-Jahr: Broschüre "Martin Luther: Volksheld – Antisemit – Hassprediger". Wer die Broschüre im Luther-Jahr verteilen oder als Korrektiv zu den offiziellen EKD-Materialien im Unterricht einsetzen möchte, kann gedruckte Exemplare über dieses Formular kostenfrei beim Stiftungssekretariat bestellen. Die Onlineversion der Luther-Broschüre ist ab sofort als pdf-Datei über die gbs-Website verfügbar > www.giordano-bruno-stiftung.de/ .

2. Cover des Buches: "Martin Luther: Von den Juden und ihren Lügen". Erstmals in heutigem Deutsch mit Originaltext und Begriffserläuterungen Luthers judenfeindliche Schriften, Band 1. Herausgegeben von Karl-Heinz Büchner, Bernd P. Kammermeier, Reinhold Schlotz und Robert Zwilling. Zweite, korrigierte Auflage. 347 Seiten, kartoniert, Euro 20.-; ISBN 978-3-86569-196-5; erschienen 2016 bei Alibri.

Mit Martin Luther hat die Evangelische Kirche ein erhebliches Problem: der Reformator war ein wirkmächtiger Judenhasser. Unter seinen judenfeindlichen Hetzschriften sticht sein Buch Von den Juden und ihren Lügen von 1543 in makabrer Weise hervor. Darin entwickelt er sein berüchtigtes Sieben-Punkte-Programm zur Beseitigung des Judentums in Deutschland:

  • Verbrennen ihrer Synagogen
  • Zerstörung ihrer Häuser und Zwangsunterbringung
  • Wegnahme ihrer religiösen Bücher
  • Lehrverbot für Rabbiner bei Androhung der Todesstrafe
  • Aufhebung der Wegefreiheit
  • Zwangsenteignung
  • Zwangsarbeit

Hatte der Philosoph Karl Jaspers also Recht, als er bemerkte: „Was Hitler getan, hat Luther geraten, mit Ausnahme der direkten Tötung durch Gaskammern“?

Diese Ausgabe stellt erstmals Luthers Originaltext einer werkgetreuen Übertragung in heutiges Deutsch gegenüber – ergänzt durch eine Einführung und 200 Begriffserläuterungen. Dies ermöglicht es, die fatale Wirkung des Reformators zur Verbreitung der Judenfeindschaft in Europa zu erkennen. (Klappentext)

3. Buchcover: "Reinhold Schlotz: Von Golgatha nach Auschwitz. Die Mitverantwortung des Christentums für den Holocaust". 125 Seiten, kartoniert, Euro 10.-; ISBN 978-3-86569-242-9; erschienen 2016 bei Alibri.

Das Buch gibt einen kompakten Überblick über die christliche Judenfeindschaft und ihre dramatischen Folgen für die jüdische Bevölkerung. Es zeigt, dass der Judenhass schon im Neuen Testament angelegt ist und durch die ersten heiligen Kirchenväter in den christlichen Gesellschaften  so gefestigt wird, dass er sich in den folgenden Jahrhunderten bis in die Zeit des Nationalsozialismus und darüber hinaus immer wieder Bahn bricht. Thematisiert wird auch die Verstrickung beider Großkirchen mit dem nationalsozialistischen Regime, einschließlich der Rechtfertigungsgrundlage Martin Luthers für die Judenverfolgung im Dritten Reich. Die Quintessenz des Buches ist die Erkenntnis, dass die christliche Judenfeindschaft zwar keine hinreichende, aber sehr wohl eine notwendige Voraussetzung für die Katastrophe des Holocaust war. (Klappentext)

Aus dem Inhalt:

  • Die Verleugnung jeglicher Verantwortung
  • Die christliche Judenfeindschaft im Neuen Testament
  • Christlicher Antijudaismus: Heilige Konzilien
  • Christlicher Antijudaismus: Auf dem Weg zu den Kreuzzügen
  • Die Inquisitionsorden: Dominikaner und Franziskaner
  • Martin Luther: Der Leitfaden zum Holocaust
  • Katholische Judenhasser: Adolf Hitler, Joseph Goebbels, Heinrich Himmler
  • Die Reinwaschungen der Kirchen nach dem Zusammenbruch der Naziherrschaft
  • 2000 Jahre christlicher Antisemitismus und kein Ende?