Nationalismusanspruch von CDU/CSU

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Peter Weber
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Nationalismusanspruch von CDU/CSU
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Nationalismusanspruch von CDU/CSU

Grundlage meines Beitrages ist ein am 30.09.2016 bei taz.de veröffentlichter Artikel mit dem Titel "Leitkultur-Versuch der CSU/CDU Sachsen - Heimat und Patriotismus".

In Zeiten gesellschaftlicher Unruhe wird wichtig, was Halt und Orientierung gibt.“ So lautet der erste Satz eines Papiers, das Vertreter der CSU und der CDU Sachsen in Berlin vorgestellt haben. Was „Halt und Orientierung“ geben soll, steht in ihrem „Aufruf zu einer Leit- und Rahmenkultur“. Als „Kraftquellen“ nennen sie „Heimat und Patriotismus“ sowie „Leitkultur“. - weiter.

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Das hat uns gerade noch gefehlt: Die CDU/CSU will eine Leitkultur für Sachsen unter dem Motto „Heimat und Patriotismus“ installieren. Dann kann man doch nur konstatieren: „Nachtigall ick hör dir trapsen.“ Mit solch populistischen und nationalistischen Sprüchen versucht die CDU/CSU die AfD rechts zu überholen. Populistischer geht es wirklich nicht mehr. Wenn man sich die, nachfolgend zitierten, abgesonderten und absurden Sprüche kritisch betrachtet, stellt sich doch unweigerlich die Frage, ob wir uns im Jahre 2015 oder 1933 befinden:

In Zeiten gesellschaftlicher Unruhe wird wichtig, was Halt und Orientierung gibt.

Da fehlt nur noch Ordnung, Disziplin, Frohsinn und völkisches Denken. Und vor allem der Traum von unserer Überlegenheit über Barbaren.

Aufruf zu einer Leit- und Rahmenkultur“.

Was soll die denn darstellen? Orientierung an Standards einer christlichen Religion, die die Menschheit gegeißelt hat? Oder an eine rein egozentrische nationalistische und wirtschaftsfeudalistische „Kultur“, die andere Länder unterbuttert und niederkonkurriert?

Als „Kraftquellen“ nennen sie „Heimat und Patriotismus“ sowie „Leitkultur“

Deutschland ist kein einheitliches Land. Es ist gekennzeichnet durch viele Völkerschaften mit unterschiedlichen Mentalitäten und Herkünften. Eine Kraftquelle kann nur ein originäres Selbstverständnis, Selbstbewußtsein und eine Identifikation mit ethischen Werten sein. Wer mit „Kraft, Heimat und Patriotismus“  zündelt, der will seine geistige Zuordnung schon gar nicht mehr verbergen.

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Alleinvertretungsanspruch Mitte-Rechts“.

Wer einen Alleinvertretungsanspruch vorgibt, der hat sich schon automatisch disqualifiziert. Das bedeutet nichts Anderes, als daß man die alleinige Wahrheit gepachtet hat. Vorsicht – hier sind die übelsten Rattenfänger am Werk, die nur aufgrund ihrer Machtgeilheit alle ethischen Werte über Bord werfen.

Solidargemeinschaft der Nation

Wie schon erwähnt, die Nation als solches existiert überhaupt nicht. Es gibt nur Volksgruppen mit unterschiedlichen landsmannschaftlichen Interessen und diversen kulturellen Ursprüngen. Und von Solidargemeinschaft zu faseln, wenn man nichts Anderes im Sinne hat, als die Gesellschaft zu spalten, ist Heuchelei hoch drei und reine Demagogie! Eine deutsche „Nation“ gibt es auf dem Papier erst seit Bismarcks Zeiten. Ihr Geschichtsklitterer studiert doch erst einmal die Geschichte dieser Region seit über 2000 Jahren, bevor ihr unqualifizierte Äußerungen absondert.

Auch der selbstverständliche Gebrauch der deutschen Sprache sowie bewährte Umgangsformen seien „sehr konkrete Wege für Zuwanderer, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren“.

Da kann ich nur noch wiehern. Ein Kabarettist hätte es nicht besser formulieren können. Ausgerechnet Bayern und Sachsen machen sich für das Hochdeutsch stark. Ich kenne viele Zugewanderte, die der deutschen Sprache in Wort und Schrift besser kundig sind als ein Großteil der Deutschen. Ich denke nur an Baden-Württemberg, wo man sich erdreistet, sich in Werbeclips zu brüsten: „Wir können alles außer Hochdeutsch“. Und der Spruch mit den „sehr konkreten Wegen“ ist wahrscheinlich einem Orakel entsprungen. Diese Bahnen für konkrete Wege müssen erst einmal durch ethisch-moralische Aufnahme-, Umsetzungs- und Aufenthaltsbedingungen geebnet sein. Andernfalls stellen sie nur Ausreden für eine Abschottungspolitik dar.

Jüdisch-christliche Werte seien in der Tradition der Aufklärung Grundlage des Zusammenlebens in Deutschland

Neue Nationalhymne


Einigkeit unRecht unFreiheit
für das deutsche Trauerland!
Danach lasst sie alle sterben
bürgerlich in Schmerz und Leid! Einigkeit unRecht unFreiheit
sind der Banken Unterpfand!
*** Refrain ***
Glüh im Glanze dieser Tücke,
glühe, deutsches Bankenland!

Das Christentum ist als Ableger des Judentums eine orientalische Wüstenreligion, die nicht unserer westlichen Mentalität entspricht. Die Aufklärung wurde erwiesenermaßen von der römischen Kirche bis zuletzt aufs Messer bekämpft. Deshalb ist es der blanke Hohn, wenn jüdisch-christliches als Rechtfertigung benutzt wird. Wenn nicht der Widerstand desr anti-kirchlichen aufklärerischen Apologeten gewesen wäre, dann befänden wir uns immer noch im finsteren Mittelaltern.

Die schwarz-rot-goldene Fahne und die Nationalhymne seien wichtige Symbole Deutschlands, so wird es uns von unseren christlichen Freunden unter die Nase gerieben. Da bleibt mir doch die Spucke weg. Was soll denn eine reine Flagge als kulturelles und moralisches Symbol darstellen? Es sind nur Farben, die zufällig und willkürlich entstanden sind. Oder eine künstlich geschaffene Nationalhymne, die außer, daß sie schön anzuhören ist, nichts zu besagen hat. Wie viele Nationalhymnen hat sie – zumindest in der 3. Strophe - imperialistische Gedankengut verbreitet. Siehe z. B. die englischen und französischen Hymnen, die vor Nationalismus und Blutdurst nur so schwelgen.

Wenn sich dann noch zutiefst unsolidarische Parteien und trotz ihres christlich-sozialen Anspruches an die unseligen Traditionen anlehnen und Menschen auffordern, wider die Prinzipien der Demokratie und des Humanismus zu handeln, dann ist eine Grenze überschritten. Damit ist gemeint, daß die humanistischen Prinzipien des Abendlandes über Bord geworfen werden und reine Intoleranz eingefordert wird. Damit ist die nicht mehr steigerbare Stufe der Heuchelei erreicht.

Dazu ein bezeichnendes Beispiel zum obigen Thema: die deutschen Flagge. Das nachfolgende Foto entstand im Hambacher Schloß, wo das Original der deutschen Fahne von 1831 aufbewahrt wird. Schaut mal genau hin: Wo ist denn das aufgeblähte "Schwarz-Rot-Gold" geblieben? Verblaßt wie all der unsägliche nationalistische Anspruch! Die Wiedergeburt Deutschlands, wie sie nun bevorsteht, möchte ich lieber nicht mehr erleben!

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Ich habe den Eindruck, daß sich gerade eine Wiedergeburt von Zombies vollzieht, die wiedererweckt wurden und einem stinkenden Sumpf entsteigen. Aber es sind leider noch nicht einmal Untote sondern Menschen, die ihren negrophilen Ungeist bisher unterdrückt haben und so unglaublich mutig sind, ihre abstrusen und neonationalistischen Auswürfe mit anderem Plebs auskotzen zu müssen. Der Mensch läßt seine niedersten Instinkte ans Tageslicht und zeigt seine häßlichste Fratze. Da sind sich selbst die führenden etablierten Parteien sich nicht zu schade, um sich auf dieses unterirdische Niveau einzulassen.

Wenn sich die CDU Sachsens und die CSU Bayerns in freistaatlicher Harmonie verbünden, dann ist Vorsicht am Platze. Bis vor kurzem war ich der Meinung, daß man den ehemaligen Grenzzaun zur DDR wieder errichten sollte. Nun komme ich zu der Ansicht, daß Bayern ebenfalls dort integriert werden muß. Ein neues Großkönigreich Bayern-Sachsen, was für eine glorreiche Vorstellung!  Natürlich möchte ich allen gutartigenund wohlmeinenden Insassen dieser menschenfeindlichen Regionen unbeschränktes Asyl im Westen gewähren. So tolerant und humanistisch sollten wir schon sein!

Peter A. Weber, Klotten



► Bild- und Grafikquellen:

1. TAG DER DEUTSCHEN EINHEIT im Freistaat Sachsen: Ausländer raus. Karikatur von Kostas Koufogiorgos.  Koufogiorgos wurde 1972 in Arta, Griechenland geboren, studierte nach dem Abitur 1989 Wirtschaftswissenschaften an der Universität von Athen und begann zeitgleich als Karikaturist für verschiedene griechische Zeitungen und Magazine zu arbeiten.

nationalismus_nationalism_patriotismus_fremdenhass_auslaenderfeindlichkeit_afd_npd_pegida_kritisches_netzwerk_rassismus_ausgrenzung_diskriminierung_hybris_nationalsozialismus.jpgSeit dem Umzug 2008 nach Deutschland veröffentlicht er seine Karikaturen in verschiedenen Tages-, Wochen- und Online-Zeitungen. Des Weiteren findet man seine Arbeiten in Magazinen (z. B. „Nebelspalter“, „Der Spiegel“), Fach- und Gewerkschaftszeitungen (z. B. „Allgemeine Hotel und Gastronomiezeitung“, „vida“), Onlineportalen (z.B. „web.de“, „gmx.de“), und Bildungsmedien.

2008 wurde sein Buch „Minima Politika“ (mit Wolfgang Bittner) veröffentlicht, 2011 folgte „Frau Schächtele will oben bleiben“ (mit Monika Spang). 2012 erhielt er eine Auszeichnung beim Deutschen Preis für die politische Karikatur „Mit spitzer Feder“. In Griechenland ist er der Karikaturist der Athener Tageszeitung „Eleftherotypia“. Kostas Koufogiorgos lebt mit Ehefrau und Kater in Stuttgart- Bad Cannstatt.

Webseite > www.koufogiorgos.de  > Facebook: www.facebook.com/koufogiorgos .

2. Hitler´s Eagle - Spuren der Vergangenheit: Reichsadler 1935–1945. Foto: Thomas Strosse, Tielt / Belgien. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0).

3. NEUE NATIONALHYMNE. Grafik: Wilfired Kahrs (WiKa)

4. Original Fahne (Trikolore), die beim Zug auf das Schloss vorangetragen wurde, von Johann Philipp Abresch gefertigt. Die Farben sind Schwarz-Rot-Gold wobei Rot sehr ausgeblichen ist. Auf Rot steht in gebrochener Schrift: Deutschlands Wiedergeburt. Standort: Hambacher Schloss. Urheber: EPei / EPei in der Wikipedia auf Deutsch. Quelle: Wikimedia Commons.  Es ist erlaubt, die Datei unter den Bedingungen der GNU-Lizenz für freie Dokumentation, Version 1.2 oder einer späteren Version, veröffentlicht von der Free Software Foundation, zu kopieren, zu verbreiten und/oder zu modifizieren.

5. "Nationalism teaches you to take pride in shit you haven't done & hate people you've never met." Grafik: Anders "Spider" Stolt. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung-Nicht kommerziell 2.0 Generic (CC BY-NC 2.0).