Neuer Wettlauf um Afrika

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Helmut S. - ADMIN
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Neuer Wettlauf um Afrika
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Neuer Wettlauf um Afrika


von Felix Wiesel, Infomail 767, 13. August 2014


Am 4. August, lud US-Präsident Obama 50 afrikanische Regierungschefs nach Washington zu einem dreitägigen US-Afrika-Gipfel, um das nachzuholen, was das chinesische Kapital seit schon seit geraumer Zeit tut: Investitionen, Einfluss und Zugriff auf Ressourcen in Afrika zu sichern.

Die Konkurrenz zwischen den USA und China äußert sich auch in einem neuen "Scramble for Africa", einer Neuauflage des Wettrennens um den Zugang zu Märkten und den Zugriff auf natürliche Ressourcen. "Damit Amerika langfristig mit China und anderen konkurrieren kann, braucht es Partnerschaften", hieß es ohne Umschweife auf dem Forum.
 

 

Im 19. Jahrhundert hatten die europäischen Kolonialmächte Afrika untereinander aufgeteilt und in der Schlussakte der Berliner Konferenz von 1885 ihre territorialen Ansprüche kodifiziert. Die Kolonien und deren Ausplünderung sicherten den Zugriff auf billige Arbeitskraft und auf natürliche Ressourcen, die das europäische Kapital dringend und zu möglichst niedrigen Preisen benötigte. Zugleich waren sie ein Absatzmarkt für europäische Produkte. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gros afrikanischen Länder unabhängig, viele davon im Jahr 1960, dem "Afrikanischen Jahr".

Nach Jahrzehnten vergeblicher "Entwicklungshilfe" scheint die Obama-Administration nun dem Ruf von Republikanern und Neokonservativen zu folgen, für die Entwicklungshilfe seit jeher nur ein unliebsamer Fremdkörper im "freien Markt" ist. Einige Autoren sehen im Zugang zum internationalen Markt und den Finanzmärkten einen emanzipatorischen Schritt Afrikas aus der Bevormundung durch die Entwicklungshilfe.

Der Warenaustausch zwischen China und Afrika belief sich 2013 auf 170 Mrd. US-Dollar, während der US-Handel mit dem Kontinent ein Volumen von 60 Milliarden hatte, jener der EU umfasst 200 Milliarden. Auch der Handel Brasiliens, Russlands, Indiens und der Türkei mit Afrika nimmt zu. In der vergangenen Periode hat der US-Imperialismus in Afrika deutlich an Boden - v.a. gegenüber China - verloren.



Die Profiteure

Einen großen Teil des Handels nimmt der Export von Öl ein, Angola beliefert die USA, der Sudan  China. Frankreich, Italien und Britannien kaufen in Nigeria und Libyen günstig ein. Dazu sind all diese Länder bereit, Satellitendiktaturen zu hofieren, undemokratische Wahlen anzuerkennen, wie in Nigeria, und korrupte Eliten zu finanzieren.

Der Handel, den das Kapital mit dem Kontinent abwickelt, nützt allerdings der Bevölkerung in Afrika nichts. Die Gewinne aus der Ausbeutung der Ressourcen des afrikanischen Kontinents, seiner Bauern und seines Proletariats fließen in die Kassen der imperialistischen Konzerne oder in die Taschen afrikanischer Oligarchen und deren korrupter Bürokratie. Die Bevölkerung hingegen verelendet immer mehr und leidet unter Unterentwicklung, Bürgerkriegen und Umweltzerstörung z.B. durch die Ölförderung im Nigerdelta. Gerade China betreibt in großem Stil Landaufkauf, um dort Monokulturen für den internationalen Markt anzubauen oder Bio-Sprit zu erzeugen - während Millionen AfrikanerInnen hungern.

Denn das Geld, das aus Handel oder Entwicklungshilfe in die Länder fließt, bewirkt nicht den "trickle-down-effect" (Tröpfeleffekt), den sich manche westliche Ökonomen erhoffen oder wenigstens als „Zukunftsperspektive“ versprechen. Eher fließt das Kapital dahin zurück, woher es kam: auf die Schweizer Nummernkonten kleptokratischer Potentaten und korrupter Geschäftemacher und Kapitalisten. Als Oberst Mobutu nach langjähriger Herrschaft über den Kongo nicht mehr von seinen US-Schirmherren gedeckt wurde, galt er als einer der reichsten Männer der Welt, sein Geld lag in Europa, wohin seine Familie zu Shopping-Ausflügen zu fliegen pflegte.

Die nötigen Infrastrukturprojekte, die das chinesische Kapital allerorts finanziert, beäugt der Westen mit Skepsis. Vom Indischen Ozean, durch Tansania, Kenia, Uganda bis in den Kongo werden Straßen von chinesischen Firmen gebaut. "Die Chinesen fragen nicht nach und finanzieren Diktatoren wie Mugabe in Simbabwe und al-Bashir in Sudan", heißt es dann und alle Welt vergisst dann, wer zuvor Mobutu im Kongo, Mubarak in Ägypten oder Jonas Savimbi in Angola finanziert hat - richtig, der Westen! Was an den chinesischen Investitionen erstaunt, ist, dass von Arbeitern bis zum Gerät alles Nötige aus China mitgebracht wird, wie beim Bau der britischen Eisenbahn in Indien, als die Kolonialmacht von der Schwelle bis zur Schraube alles aus England einschiffte. Der europäische Markt blühte!

Galten Mikrokredite einige Zeit als Wunderwaffe gegen Armut, da sie die Eliten umgehen und direkt an die Ausgebeuteten gezahlt wurden, stellte sich heraus, dass die EmpfängerInnen sie nicht, wie erhofft, dazu nutzten, die Produktionsmittel zu entwickeln. Stattdessen nutzten sie die Kredite als Handelskapital, um billige Güter aus China und Indien zu kaufen und tw. weiter zu verkaufen. Damit jedoch verdrängten sie die lokale Produktion durch die günstigere Konkurrenz. Zugleich wurden sie damit zu einem Rad im Getriebe, das der Überproduktion des Kapitals in den reichen Ländern in den verarmten Ländern Absatz verschafft. "Wir werden die Entwicklung Afrikas voranbringen und mehr Produkte verkaufen, die das stolze Label tragen: Made in America", meinte Obama ganz unverhohlen auf dem Gipfeltreffen. [Anm. Admin: siehe Begrüßungsrede am Ende]

Die Märkte der imperialistischen Länder hingegen sind oft durch Subventionen gegen die Konkurrenz aus den verarmten Ländern immunisiert. Die hohen Subventionen auf die Agrarwirtschaft in der EU und den USA sichern deren Wirtschaft gegen Konkurrenz und ihren Absatz in den afrikanischen Ökonomien, wo sie die lokale Produktion in die Ecke drängen.



Neuer Kolonialismus

Die "alte" Form imperialer Machtausübung mittels Kolonien, in welchen nur jeweils ein Kapital herrscht, wurde abgelöst durch ein System von Halbkolonien, die formell-politisch zwar unabhängig, jedoch praktisch auf allen Gebieten vom Imperialismus abhängig sind. Ihre schwachen Ökonomien haben auf dem Weltmarkt eine untergeordnete und benachteiligte Stellung, die sie permanent in Abhängigkeit und Verschuldung hält. Ihre Ausbeutung und Ausplünderung im "freien Weltmarkt" zugunsten internationaler Konzerne wird durch den Kauf von korrupten Politikern und ganzen Regierungen gesichert.

Der Gipfeltreffen zwischen Obama und den 50 afrikanischen Regierungschefs [Anm: zur offiziellen Webseite] dient dazu, dass die USA den verlorenen Boden auf dem afrikanischen Kontinent wieder gutmachen und dem US-Kapital wieder besseren Zugang verschafft, um v.a. gegenüber dem chinesischen Kapital aufzuholen.

Felix Wiesel

 


 



Quelle:  Gruppe Arbeitermacht - deutsche Sektion der Liga für die 5. Internationale > zum Artikel


Bild- u. Grafikquellen:

 

1. U.S.-Africa Leaders Summit: U.S. President Barack Obama participates in a family photo with African leaders on the final day of the U.S.-Africa Leaders Summit at the U.S. Department of State in Washington, D.C., on August 6, 2014. Foto/Autor: U.S. Department of State. Quelle: Wikimedia Commons. This work is in the public domain in the United States because it is a work prepared by an officer or employee of the United States Government as part of that person’s official duties under the terms of Title 17, Chapter 1, Section 105 of the US Code. See Copyright

2. Bauern in Burkina Faso. Quelle: Wikimedia Commons. Dieses Bild ist gemeinfrei (public domain), da es Material enthält, das ursprünglich vom Agricultural Research Service, der Forschungseinrichtung des Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten, stammt.

3. Armenviertel in Soweto, Südafrika. Foto: Matt-80. Quelle: Wikimedia Commons. Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung 2.0 generisch“ (US-amerikanisch) lizenziert.