Nordkorea: Wasserstoffbomben zum Geburtstag von Kim Jong-un

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Nordkorea: Wasserstoffbomben zum Geburtstag von Kim Jong-un
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Nordkorea: Wasserstoffbomben zum Geburtstag v. Kim Jong-un

von Eric S. Margolis

Nordkorea_Volksrepublik_Pjoengjang_Pyongyang_North_Korea_Wasserstoffbombe_fusion_hydrogen_bomb_Kernwaffen_Kritisches_Netzwerk_nuclear_weapon_Suedkorea_Kim_Jong-un„Beginnen wir 2016 … mit der erregenden Explosion unserer ersten Wasserstoffbombe, so dass die gesamte Welt auf unsere sozialistische, atomar bewaffnete Republik und die große Partei der Arbeit Koreas schauen wird!“ (-Kim Jong-un)

Die Nordkoreaner sind vielleicht glücklich, aber der Rest der Welt ist es sicher nicht. Wie vorherzusehen schäumten die Vereinigten Staaten von Amerika, Japan, Australien und Südkorea vor Wut über die explosiven Nordkoreaner. China blickte finster und brummelte.

Diese Scheinheiligkeit und Hysterie machten die Finanzmärkte der Welt, die bereits aufgrund der groben Fehler Chinas schwankten verrückt, da uninformierte Investoren es eilig hatten, in die Rettungsboote zu flüchten. Die UNO schüttelte ihr Fäustchen gegen Nordkorea, wobei sie ignorierte, dass die USA, das Vereinigte Königreich, Frankreich, Russland und China allesamt gegen das Verbot von Kernwaffenversuchen aus dem Jahr 1963 verstoßen.

Da gab´s keinen Pieps in Richtung der atomaren Gesetzesbrecher Israel, Pakistan und Indien. Kein Wort darüber, dass die heute aufgeregten Südkorea und Taiwan von der CIA auf frischer Tat bei dem Versuch ertappt worden waren, ihre eigenen Atomwaffen herzustellen.

Entspricht Nordkoreas Behauptung einer Wasserstoffbombe der Wahrheit? Die unterirdische 6-7 Kilotonnen Atomexplosion – nahe der Nordgrenze Chinas – wies nicht auf eine wirkliche thermonukleare Waffe hin. Es könnte allerdings ein Test des atomaren Sprengsatzes gewesen sein, der benutzt wird, um eine ausgewachsene Wasserstoffbombe zu zünden.

Was aber wirklich zählte, egal ob es sich um eine Wasserstoffbombe gehandelt hat oder nicht, war dass Pjöngjang frohlockte, dass das Gerät „miniaturisiert“ worden ist. Nordkoreas Feinde haben lange befürchtet, dass es einen atomaren Sprengkopf so weit verkleinern und leichter machen könnte, dass dieser an der Spitze einer der Raketen aus dem 1.000 –Meilen Mittelstreckenarsenal des Nordens befördert werden könnte. Es wird angenommen, dass Nordkorea rund zehn Atomsprengköpfe besitzt, die aber schwer und nicht geeignet für den Einsatz mit Raketen sind.

Dennoch scheint wenig Zweifel daran zu bestehen, dass Nordkorea gut auf dem Weg ist, eine respektable strategische Atommacht auf die Beine zu bringen. Die Norkoreaner haben Jahrzehnte lang Gras gegessen, um dieses Ziel zu erreichen.

In Pjöngjangs Augen planen die USA, Japan und Südkorea allesamt in Nordkorea einzumarschieren und ein weiteres westliches Satrapenreich daraus zu machen. Nur Nordkoreas respekteinflößende, wenn auch veraltete Millionen-Mann Streitkräfte verhindern diese Invasion, sagt Pjöngjang. Alljährlich abgehaltene massive Militärmanöver der USA und Südkoreas, bei denen ein Einmarsch in Nordkorea geprobt wird, tragen nicht dazu bei, Pjöngjangs Paranoia zu mäßigen.

Auch ein wichtiges Element der inner-koreanischen Politik wurde hier vorgeführt. Der Norden behauptet, er sei das einzige wahre authentische Korea. Südkorea, ätzt Pjöngjang, ist eine amerikanische Kolonie, besetzt von US-Soldaten und regiert von Marionetten. Die südkoreanischen Streitkräfte stehen in Kriegszeiten noch immer unter dem Befehl eines Viersternegenerals der USA. Nordkoreas nuklearer Fortschritt steht in scharfem Kontrast zu dem des Südens, der von Washington abgedreht worden ist.
 

Ungeachtet seiner das Blut in den Adern gerinnen lassenden Drohungen gegen die USA ist Nordkorea noch weit davon entfernt, Langstreckenraketen zu produzieren, die atomare Sprengköpfe nach Nordamerika befördern können. Das reale Ziel für Nordkoreas Raketen wären US-Stützpunkte in Südkorea, Okinawa, Japan und Guam. Aber so gut wie sicher nur im Fall eines umfassenden Angriffs gegen den Norden unter Führung der USA.

Das Militär der Vereinigten Staaten von Amerika kämpft nicht gerne gegen Gegner, die richtige Armeen besitzen. Es wurde geschätzt, dass eine amerikanische Invasion des Nordens mehr als 200.000 tote amerikanische Soldaten zur Folge hätte. Der wahrscheinlichste Grund für einen Einmarsch durch die USA und Südkorea wäre der Zusammenbruch oder Sturz der Kim-Dynastie. China könnte Nordkorea überrollen, um zu verhindern, dass es unter westliche oder japanische Kontrolle fällt.

Japan ist insgeheim zufrieden, wenn Korea geteilt bleibt. Ein vereintes Korea wäre ein entschlossener geopolitischer und wirtschaftlicher Konkurrent Japans. Die Koreaner sind Japan weiterhin in tiefer Feindschaft verbunden. Südkorea sieht seine größte Bedrohung in einer „unerwarteten Wiedervereinigung“: einen Zusammenbruch Nordkoreas, der Millionen von hungernden Flüchtlingen in den Süden treibt und Seoul zwingt, den Norden zu ernähren und wiederaufzubauen.
 

Das größte Bedenken in den USA ist, dass nordkoreanische Atom- und Raketentechnologie an Israels arabische und iranische Feinde verkauft wird. Pro-israelische Neokonservative sabotierten 1994 ein Abkommen mit Pjöngjang über einen atomaren Abbau. Außerdem wollen die USA weiterhin mächtige, atomar bewaffnete Militärkräfte in Südkorea und in dieser strategisch höchst bedeutsamen Region stationiert haben.

Nordkoreas Kim Jong-un ist vielleicht ulkig und provokant, aber er zeigt keine Lust, atomaren Selbstmord zu begehen, indem er die USA angreift. Daher alles Gute zum kommenden Geburtstag, Marshall Kim. Die Vorstellung einer angeblich von einem Unterseeboot abgefeuerte Rakete war seine Geburtstagsüberraschung im letzten Jahr. Bitte versuchen Sie, den Westen zu beruhigen.

Eric S. Margolis


   
Quelle:  erschienen am 09.01.2016 auf > www.ericmargolis.com > Artikel.

Die Weiterverbreitung der Texte auf dieser Website ist durchaus erwünscht. In diesem Fall bitte die Angabe der Webadresse www.antikrieg.com nicht zu vergessen! Die deutsche Übersetzung wurde dort freundlicherweise von Klaus Madersbacher / A zur Verfügung gestellt.

► Informationen über den Autor Eric S. Margolis - weiterlesen (engl.)

Bild- und Grafikquellen:

1. Kim Jong-un (* 8. Januar 1983 in Pjöngjang) ist nordkoreanischer Diktator, erster Vorsitzender der Nationalen Verteidigungskommission, Oberkommandierender der Koreanischen Volksarmee und erster Sekretär der Partei der Arbeit Koreas sowie seit 29. Dezember 2011 der sogenannte „Oberste Führer“ der Demokratischen Volksrepublik Korea („Nordkorea“). Er ist der dritte und jüngste Sohn seines am 17. Dezember 2011 verstorbenen Vorgängers Kim Jong-il und wurde bereits am 27. September 2010 zum General ernannt. Er folgte seinem Vater nach dessen Tod in den Führungspositionen nach.

Bild: Kim Jong-un Faceoff - Caricature. Urheber: DonkeyHotey. Quelle: Flickr. Verbreitung unter CC-Lizenz, Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0).

2. Die Demokratische Volksrepublik Korea, besser bekannt als Nordkorea, ist ein Staat in Ostasien. Er wurde am 26. August 1948 proklamiert und umfasst den nördlichen Teil der Koreanischen Halbinsel. Nordkorea, obwohl offiziell demokratisch, wird diktatorisch regiert und gilt als das weltweit restriktivste politische System der Gegenwart.

Im Norden grenzt Nordkorea an die Volksrepublik China, im äußersten Nordosten an Russland. Nordkoreas Westgrenze bildet das Gelbe Meer, im Osten umgibt das Japanische Meer das Land. Im Süden bildet die Militärische Demarkationslinie in der Mitte der demilitarisierten Zone die faktische Grenze zu Südkorea (Republik Korea). Pjöngjang, auch Pyongyang geschrieben, ist die Hauptstadt der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) und liegt im Südwesten des Landes. Sie steht unter zentraler Verwaltung der Regierung.

Foto: Flickr-user (stephan). Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0).

3. Kim Jong-un ist vielleicht ulkig und provokant, aber er zeigt keine Lust, atomaren Selbstmord zu begehen, indem er die USA angreift. Artwork by Digi-Artist Surian Soosay. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung 2.0 Generic (CC BY 2.0).     

4. Artikelfoto auf der Startseite: North Korea — Pyongyang, Arirang (Mass Games). Foto: Flickr-user (stephan). Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0).