Paris und was getan werden sollte

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Helmut S. - ADMIN
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Beigetreten: 21.09.2010 - 20:20
Paris und was getan werden sollte
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Paris und was getan werden sollte


von Ron Paul  


Die schrecklichen Attacken am Freitag in Paris haben wie vorhersehbar zu viel Überreaktion und Forderungen geführt, noch mehr von genau den Dingen zu tun, die Menschen radikalisieren und in ihnen den Wunsch wecken, uns zu attackieren. Das französische Militär verlor keine Zeit und bombardierte Syrien als Vergeltung für die Attacken, obwohl unbekannt ist, woher die Angreifer stammten. Tausende ISIS-Kämpfer in Syrien sind keine Syrer, sondern kamen aus einer Reihe von Ländern nach Syrien, um die Regierung Assad zu stürzen – darunter aus Frankreich und aus den Vereinigten Staaten von Amerika.

Ironischerweise war der Sturz Assads auch das Ziel sowohl der USA als auch Frankreichs seit zumindest 2011.
 

 

Weil die USA und ihre Alliierten im wesentlichen auf der gleichen Seite stehen wie ISIS und andere Gruppen – nämlich den Sturz Assads erreichen wollen – sind viele der Waffen, die sie den mehr „gemäßigten“ Fraktionen geschickt haben, die ebenfalls den Sturz Assads suchen, in den Händen radikaler Gruppierungen gelandet. Gemäßigte Fraktionen haben sich mit radikaleren Gruppen die ganze Zeit über zusammengetan, wobei sie ihre von den USA beigesteuerten Ausbildungen und Waffen mitbrachten. Andere gemäßigte Gruppen wurden gefangen oder getötet, auch ihre von den USA gelieferten Waffen gingen an die Radikalen. Auf diese Weise wurden die radikaleren Franktionen besser ausgestattet und besser ausgebildet, während sie gelegentlich von US-Flugzeugen oder deren Alliierten angegriffen wurden.

Gibt es jemanden, der nicht glaubt, dass das ein Tür- und Toröffner ist für die Art von Katastrophe, die wir jetzt in Paris erlebt haben? Besonders die Franzosen waren sehr aktiv bei der Bewaffnung auch der radikaleren Gruppen in Syrien, während diese auf mehr politischen Einfluss in der Region pochen. Warum weigern sie sich noch immer, an das Konzept der Retourkutsche zu glauben? Liegt es daran, dass die Erklärung „sie hassen uns, weil wir frei sind“ es leichter macht, im Ausland zu eskalieren und im Inland hart vorzugehen?

Es ist vielleicht nicht populär, so etwas zu sagen, wenn die Emotionen hoch schlagen und Rufe nach mehr Bombardierungen im Mittleren Osten erschallen, aber es gibt einen anderen Weg, das Problem anzusprechen. Es gibt eine Alternative zum Einsatz von mehr Militär zur Lösung eines Problems, das vor vorneherein durch militärische Intervention verursacht wurde.

Diese Lösung besteht darin, die Militaristen und Isolationisten zurückzuweisen. Es geht darum, die Politik der Verwendung von „Regierungswechsel“ aus zukünftigen politischen Zielen der Vereinigten Staaten von Amerika und aus der westlichen Außenpolitik zu verbannen, egal ob im Irak, in Libyen, in Syrien oder sonst wo. Es geht darum, die närrische Idee zurückzuweisen, dass wir Waffen im Wert von hunderten Millionen Dollars an „Gemäßigte“ im Mittleren Osten liefern und erwarten können, dass keine davon in die Hände von Radikalen fallen.

Mehr Bomben werden die Probleme im Mittleren Osten nicht lösen. Aber ein mehr versprechender Ansatz für den Mittleren Osten steht derzeit unter Beschuss der Isolationisten in Washington. Das Atomabkommen mit dem Iran [hier und hier] beendet die UNO-Sanktionen und öffnet dieses Land für den internationalen Handel. Erst letzte Woche trafen sich die Präsidenten Frankreichs und des Iran, um eine Reihe von Handelsabkommen zu besprechen. Andere Länder sind gefolgt.

Handel und Respekt vor nationaler Souveränität übertrumpfen Gewalt, aber Washington scheint das immer noch nicht zu begreifen. Die meisten Kandidaten für das Präsidentenamt wetteifern, wer am lautesten auf den Tisch haut gegen jedes Abkommen mit dem Iran. Sie werden diese Attacke (in Paris) benutzen, um Propaganda gegen die Befürwortung des Handels mit dem Iran zu betreiben, obwohl der Iran die Attacke verurteilt hat und sich selbst im Fadenkreuz von ISIS befindet.

Hier ist die Alternative: Konzentriert euch auf Handel und freundliche Beziehungen, hört auf Waffen zu liefern, lasst „Regimewechsel“ und andere Manipulationen bleiben, respektiert die nationale Souveränität und haltet eine starke Verteidigung im eigenen Land aufrecht, einschließlich des Schutzes der Grenzen gegen die, die uns vielleicht Schaden zufügen wollen.

Wir sollten mit der gescheiterten Politik der Vergangenheit aufhören, ehe es zu spät ist.

Ron Paul  
 



Quelle:  erschienen am 17. November 2015 auf > Antiwar.com > Artikel.



Die Weiterverbreitung der Texte auf dieser Website ist durchaus erwünscht. In diesem Fall bitte die Angabe der Webadresse www.antikrieg.com nicht zu vergessen! Die deutschsprachige Übersetzung wurde dort freundlicherweise von Klaus Madersbacher / A zur Verfügung gestellt.

Lesetipps:


1. Wie man einen Terroranschlag vorläufig klassifizieren kann - weiter.

2. Nordatlantikvertrag: Acht Gründe für den Austritt Deutschlands aus der NATO - weiter.


Bild- und Grafikquellen:


1. Gasmaske und Patronengürtel. Foto: Christopher Bowley. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 2.0 Generic (CC BY-NC-ND 2.0).

2. "THERE ARE NO HUMANITARIAN WEAPONS." Grafik: Tjebbe van Tijen. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung-Keine Bearbeitung 2.0 Generic (CC BY-ND 2.0).

3. Früchte des Imperialismus - fruits of imperialism. Karikatur von Carlos Latuff, einem "Politischen Karikaturist", geboren November 1968 in Rio de Janeiro, Brazil. Quelle: Wikimedia Commons. Dieses Werk wurde von seinem Urheber Carlos Latuff als gemeinfrei veröffentlicht. Dies gilt weltweit. Carlos Latuff (eigentlich Carlos Henrique Latuff de Souza) gewährt jedem das bedingungslose Recht, dieses Werk für jedweden Zweck zu nutzen, es sei denn, Bedingungen sind gesetzlich erforderlich. Sein Blog > latuffcartoons.wordpress.com