Römisch-katholische Kirchenmitglieder 1953 - 2017

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Römisch-katholische Kirchenmitglieder 1953 - 2017
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Römisch-katholische Kirchenmitglieder 1953 - 2017

Von Carsten Frerk / Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid)

Die Mitgliederzahlen der großen Kirchen haben eine politikbezogene, gesellschaftliche und innerkirchliche Bedeutung. Es geht um Macht, Bedeutung und Finanzen. Insofern müsste man annehmen, dass diese Mitgliederzahlen korrekt erfasst und so detailliert, wie sie veröffentlich werden, verlässlich sind. Das stimmt allerdings nur in etwa. Die Tendenzen sind zwar plausibel richtig, exakt sind sie jedoch nicht. Das soll in zwei Schritten verdeutlich werden. Zuerst die plausiblen Tendenzen, dann die mangelnde Exaktheit.

► 1. Die Gesamttendenz

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Diese Zeitreihe der Mitgliederzahlen beruht auf den Angaben des Statistik-Referats des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz, die in den Statistischen Jahrbüchern der Bundesrepublik Deutschland als offizielle Gesamtzahlen veröffentlicht werden.

In der Anzahl der Kirchenmitglieder ist die katholische Kirche in Deutschland wieder auf dem gleichen Stand wie 1953/54 mit rund 23 Mio. Mitgliedern.

In den absoluten Zahlen lassen sich dabei drei Phasen unterscheiden. 1953 bis 1969 steigen die Mitgliederzahlen, 1970 bis 1989 stagnieren sie, seit 1990 sinken die Mitgliederzahlen.

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Diese drei Zeiträume zeigen sich ebenfalls in den Anteilen der katholischen Kirchenmitglieder an der Bevölkerung, die sich von 1953 bis 1969 von 44 auf 47 Prozent erhöht, von 1970 bis 1989 um die 45 bis 43 Prozent bewegt, und seit 1990 von 35 Prozent auf 28 Prozent am Ende 2017 verringert.

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Für diese drei Phasen gibt es plausible Erklärungen. In der erste Phase ist es das Ansteigen der Geburtenziffern im Geburtenzyklus, mit dem Gipfelpunkt im Jahr 1964. Zusätzlich gibt es eine Zuwanderung von katholischen Arbeitsmigranten (vor allem aus Italien).

Für den Zeitraum der zurückliegenden 25 Jahre (1992 – 2017) zeigt sich in den prozentualen Veränderungen in der Anzahl der Mitglieder ein stärker werdender Trend der Verringerung, die bei einem Mittel von 0,7 Prozent pro Jahr stärker werdende Verringerungen verdeutlichen.

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► 2. Unterschiedlichen Zählungen / Angaben

Hinter der dargestellten Zeitreihe der Mitgliederzahlen verbergen sich allerdings erhebliche Unterschiede. Bereits der Unterschied der Zahlenangaben von 1969 zu 1970 verweist auf eine entscheidende Bezugsgröße: die Angaben der staatlichen Volkszählung.

Die Zahlenangaben haben drei verschiedene Quellen. Zum einen die Angaben der Bistümer/Diözesen, zum anderen die Berechnungen des Statistik-Referates des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz und als drittes die Angaben des Sekretariats in den Kirchlichen Handbüchern.

Im Statistischen Jahrbuch werden die Unterschiede zwischen den ersten und zweiten Mitgliederangaben deutlich. In den 1980er Jahren stehen die Zahlen (des Statistik-Referates) der Deutschen Bischofskonferenz oberhalb der Zahlen der Bistümer und es wird in den Fußnoten 1 und 2 erläutert, dass das Statistik-Referat die Zahlen der Volkzählungen fortschreibt, während die Angaben der Bistümer „mehr oder weniger überhöht“ seien. Die Angaben der Bistümer werden auch nicht als Summe addiert.

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Die Unterschiede zwischen den Angaben sind erheblich. 1985 gibt es nach der Zählung der Diözesen 1.163.000 mehr Katholiken als es das Statistikreferat des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) nennt. Das ist zur Gesamtzahl der DBK ein Mehr von 4,4 Prozent.

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Das ändert sich in der Darstellung im Statistischen Jahrbuch 1996, indem die abgesetzte Darstellung des Statistik-Referates im Kopf aufhört und die Gesamtzahl als Summe unter der „Katholikenzahl nach Angaben der Pfarreien und Bistümer“ steht, wobei für die Summe – die nicht das Ergebnis der Addition darstellt (sie ist um 251.000 höher) – angemerkt wird: „Nach Rück- und Fortschreibung der Deutschen Bischofskonferenz auf Basis der Volkszählung von 1987; in den neuen Ländern und Berlin-Ost nach Angaben der Pfarreien und Jurisdiktionsbezirke.“

Wie auch immer ein Kompromiss zwischen den Diözesen und (dem Statistik-Referat) der Bischofskonferenz gefunden wurde, seit dem Statistischen Jahrbuch 1998 (mit den Abgaben für 1996) ist die Summe der Katholikenzahl mit der Summe der Angaben der Diözesen identisch.

Dabei verweisen die Zahlen für 1996, in denen die Katholikenzahl des Statistik-Referates der Bischofskonferenz überraschenderweise, weil gegen jede Gesamttendenz, um 186.000 ansteigen, dass es sich tatsächlich um einen Kompromiss handelt, bei dem man – als Hypothese – Halbe-Halbe in der Differenz machte: Diözesen um die Hälfte der Differenz herunter, DBK um die Hälfte der Differenz höher.

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Das hat vielleicht etwas mit internen Diskussionen und politischen Entscheidungen zwischen Sekretariat der deutschen Bischofskonferenz und Diözesen zu tun, aber nichts mit korrekter Statistik.

Eine Gegenüberstellung der zweiten und dritten Mitgliederzahlen, die einerseits im Statistischen Jahrbuch der Bundesrepublik Deutschland als Gesamt genannt werden, andererseits im Kirchlichen Handbuch, beides in der Verantwortung des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz, zeigen fünf verschiedene Phasen.

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1953-1956 sind es bis zu einer Million mehr Katholiken im Kirchlichen Handbuch, 1957-1960 (Volkszählung) verlaufen die Zahlen beinahe parallel zueinander, 1961-1969 sind es im Kirchlichen Handbuch bis zu 1,8 Mio. mehr, dann reduzieren sich diese Differenzen, von 1975-1985 gibt es beinahe keine, dann jedoch von 1986-1989 ein erhebliches Mehr in den Kirchlichen Handbüchern, 1990 identisch, 1991-1996 wiederum mehr in den Kirchlichen Handbüchern, seit 1997-2017 nahezu identisch.

Für die Unterschiedlichkeit der Zahlangaben zwischen Diözesen und Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz werden u. a. zwei Faktoren genannt. Zum einen sind es auf der Ebene der Diözesen die Doppelzählungen von Erst- und Zweitwohnsitz desselben Kirchenmitglieds. Das sei vor der Einführung der elektronischen Datenverarbeitung unvermeidlich gewesen, da der Pfarrer seine Kirchenmitglieder in der Pfarrei nicht mehr alle persönlich kennen konnte, also nicht unbedingt wusste, mit welchem Wohnsitz das Kirchenmitglied in der Pfarrei gemeldet war.

Das Sekretariat der Bischofskonferenz weiß das auch nicht so genau, schreibt aber plausibel die Zahlen der Volkszählungen fort. Zum anderen betreffe das vorrangig die bayerischen Bistümer, da in Bayern Staatsleistungen an die Kirchen und Weltanschauungsgemeinschaft pro Kopf der Zahl der Mitglieder gezahlt werden (2018 sind es für jedes Mitglied 6,17 Euro) und da zahlt es sich dann – im wahrsten Sinne des Wortes - aus, wenn man die Zweitwohnsitze einbezieht und die Weggezogenen oder Verstorbenen erst im nächsten Jahr nicht mehr mitzählt.

Mit der schrittweisen Einführung der elektronischen Einwohnermelderegister sind diese Zahlen offensichtlich näher an der Realität als vorher.

► Weitere Unschärfen

Es bleiben jedoch zwei Unschärfen weiterhin bestehen.

Zum einen sind es die Ungenauigkeiten in den Einwohnermelderegistern, die eine Ungenauigkeit von bis zu drei Prozent aufweisen können.

2016 waren in Berlin in den 2,48 Mio. Wahlberechtigten zur Abgeordnetenhauswahl rund 70.000 gemeldete wahlberechtigte Personen nicht erreichbar. Das sind 2,8 Prozent der Wahlberechtigten laut Melderegister, was heißt, dass noch die nicht-wahlberechtigten Kinder hinzu zu zählen sind. Es sind u. a. die Personen, die in Deutschland gemeldet waren und sich beim Fortzug ins Ausland/Rückkehr in ihr Heimatland nicht abgemeldet haben. Allerdings sind diese Wanderungsbewegungen in den Großstädten vermutlich ausgeprägter, wobei die Fortzügler andere Prioritäten haben, als sich melderechtlich abzumelden. Auf ganz Deutschland bezogen wird es dabei vermutlich um 1 – 1,5 Prozent Überhöhung handeln.

Die katholische Kirche wird davon wohl auch stärker betroffen sein, als die EKD-Landeskirchen. So hat das Erzbistum Hamburg 402.576 Kirchenmitglieder. Sie kommen aus 171 Nationen. 86.871 von ihnen haben einen nicht-deutschen Pass, was einem Anteil von 22 Prozent entspricht. „Die größte Gruppe stellen die Polen (41.478) vor den Italienern (7.344) und den Portugiesen (7.014).“ Das Erzbistum Berlin nennt, bei 412.700 Kirchenmitgliedern, ca. 85.000 „fremdsprachige Katholiken“, das sind rund 21 Prozent. Im Zensus 2011 wurden 1.602.000 römische Katholiken bzw. 252.000 EKD-Evangelische mit ausländischer Staatsangehörigkeit gezählt.

Das als Hinweis, dass die Größenordnungen und Tendenzen in den ‚amtlich gezählten‘ Veränderungen zwar richtig, es aber keine exakten Zahlen sind. Bei der Annahme von nur einem Prozent Ungenauigkeit der Melderegister wären das aktuell rund 230.00 Katholiken zuviel.

Zum anderen wird sich für die Prozentangaben der Anteile der Katholiken in Deutschland auf die vom Statistischen Bundesamt hochgerechnete, also geschätzte Gesamtbevölkerung bezogen. Eine ungenaue Zahl wird auf eine andere geschätzte Zahl bezogen: Das Ergebnis kann eigentlich nicht exakt mit einem oder zwei Stellen hinter dem Komma lauten.

► Schlussfolgerungen

1. Es ist beachtlich, dass es seitens des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz keine einfach zugängliche offizielle Zeitreihe der Mitgliederzahlen von 1953 bis 2017 gibt.

2. Es ist ebenso beachtlich, dass die unterschiedlichen Zahlenangaben zwischen dem Statistischen Jahrbuch und dem Kirchlichen Handbuch sowie den Angaben der Diözesen, die bis 1997 einmal in der einen Richtung, dann in der anderen Richtung voneinander abweichen, öffentlich zugänglich benannt aber nicht erläutert werden.

3. Die Zahlenangaben für die Bistümer/Diözesen (die von den Bistümern/Diözesen gemeldet werden) sind bis mindestens 1997 unzutreffend und dürften für Analysen auf dieser Ebene nicht verwendet werden.

4. Wenn das Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz in Kenntnis der Problematik der kommunalen Einwohnermelderegister (als Tatsache, nicht in der genauen Höhe, das weiß niemand) dennoch Mitgliederzahlen veröffentlicht, die nicht zumindest auf Hunderttausend abgerundet sind sondern bis auf die Einserstelle genau sind (für 2017 sind es, auf Seite 47: Exakt 23.311.321) dann grenzt das an Unredlichkeit, weil Vortäuschen einer Exaktheit, die nicht vorhanden ist.

5. Dieses Vorgaukeln einer Exaktheit gilt im Übrigen für die gesamte Kirche, da der Fidesdienst der katholischen Kirche für 2016 genau 1.299.059.000 Katholiken weltweit gezählt hat und diese Zahl, die ja immerhin auf 1.000 genau ist, dann auf die Anzahl der Katholiken pro Priester herunterrecht: es sind 14.366, exakt.

6. Wenn bei der Anzahl der katholischen Kirchenmitglieder (auch noch im Statistischen Jahrbuch 2017, S. 70) angemerkt wird: „Katholikenzahl nach Angaben der Pfarreien und Bistümer“, so ist das nicht korrekt, da es sich um die Angaben aus den Übermittlungen der staatlichen kommunalen Melderegister an die Kirchen handelt.

Carsten Frerk - Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid)
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Die Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid) wurde im Jahr 2005 von der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) gegründet. Fowid ist ein Projekt der gbs und wird von einem offenen Mitgliederkreis getragen. Auf dieser Seite informieren wir Sie über unsere Ziele, Arbeitsweise, Mitglieder und Möglichkeiten der Kooperation und Unterstützung:

Ziele

Auf empirischer Grundlage und mit robusten wissenschaftlichen Methoden will fowid Daten und Fakten zu relevanten Aspekten von Weltanschauungen in Deutschland (und der Welt) erheben, auswerten und der Allgemeinheit zugänglich machen. Wir tragen zu einer wissensbasierten, und gut informierten öffentlichen Debatte in Deutschland bei - tagesaktuell und mit Hintergrundinformationen. Hierzu decken wir die gesamte Bandbreite an Fragen und Themen ab, die mit Weltanschauungen – gleich ob politischer, religiöser oder nicht-religiöser Art – einhergehen. Bitte hier weiterlesen.


► Quelle: carsten_frerk_kirchenrepublik_deutschland_christlicher_lobbyismus_kritisches_netzwerk_kirchensteuer_aemterverquickung_kirchenkritik_kirchenaustritt_ministerialbuerokratie_einfluss_politik.jpgErstveröffentlicht am 28. Dezember 2018 bei https://fowid.de/ >> Artikel. Sämtliche Tabellen und Grafiken dieses Artikels sind Bestandteil der Originalveröffentlichung von Carsten Frerk. Die Erklärungen dazu, ebenso wie Nennung der jeweiligen Quellen und wer die Informationen graphisch aufbereitet hat, ist den einzelnen Darstellungen zu entnehmen.

► Lesetipps:

1. Buchcover: "Kirchenrepublik Deutschland. Christlicher Lobbyismus." von Carsten Frerk. Verlag: Alibri. ISBN 978-3-86569-190-3, erschienen 2015, 303 Seiten, kartoniert, Euro 18. Dr. Carsten Frerk, Politologe/Sozialwissenschaftler, Berlin (Mitglied u. Koordinator der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid).

Carsten Frerk beschreibt, wie die Kirchen in Deutschland systematisch Einfluss auf die Politik nehmen. Dabei zeigt sich, dass katholische und evangelische Stellen in einer Weise in Gesetzgebungsverfahren eingebunden sind wie keine zweite zivilgesellschaftliche Kraft.

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carsten_frerk_violettbuch_kirchenfinanzen_wie_der_staat_die_kirchen_finanziert_kritisches_netzwerk_kirchenaustritt_christen_christentum_katholiken_evangelische_kirche_fowid.jpg2. Buchcover: "Violettbuch Kirchenfinanzen: Wie der Staat die Kirchen finanziert" von Carsten Frerk. Verlag: Alibri. ISBN 978-3-86569-039-5. Dr. Carsten Frerk, Politologe/Sozialwissenschaftler, Berlin (Mitglied und Koordinator der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid).

Obwohl die beiden großen christlichen Kirchen heute weniger als zwei Drittel der Bevölkerung organisieren, werden viele ihrer Belange durch die öffentliche Hand finanziert. Und das betrifft keineswegs nur Krankenhäuser oder Sozialstationen, die von der Allgemeinheit in Anspruch genommen werden können. Ob Bischofsgehälter, die Ausbildung kirchlichen Personals oder Missionswerke – konfessionslose und andersgläubige Bürgerinnen und Bürger zahlen alle kräftig mit.

Carsten Frerk gibt einen systematischen Überblick, zu welchen Gelegenheiten der Staat von den Kirchen zur Kasse gebeten wird. Er problematisiert versteckte Begünstigungen wie die steuerliche Absetzbarkeit der Kirchensteuer, erläutert die rechtliche und historische Fragwürdigkeit der so genannten Staatsleistungen und stellt die Frage, warum die Allgemeinheit soziale Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft bezuschusst, obwohl dort die Arbeitnehmerrechte weitgehend außer Kraft gesetzt sind.

Dabei geht es nicht um Kleinigkeiten: Die Zuwendungen der öffentlichen Hand an die Kirchen übersteigen deren Einnahmen aus der Kirchensteuer beiweitem. Und da die Kirchen steuerbefreit sind, tragen sie nichts zur Finanzierung der gesellschaftlichen Infrastruktur bei, von der sie profitieren. (Verlagstext ⇒ Inhaltsverzeichnis und Probekapitel PDF_Symbol.gif bitte weiterscrollen!)