Studie: Beschäftigte im Handwerk liegen beim Verdienst deutlich zurück

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Helmut S. - ADMIN
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Studie: Beschäftigte im Handwerk liegen beim Verdienst deutlich zurück
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Beschäftigte im Handwerk liegen beim Verdienst deutlich zurück

Mangelnde Tarifbindung ein wichtiger Grund

von Hans-Böckler-Stiftung

Im Handwerk verdienen Beschäftigte im Schnitt deutlich weniger als in anderen Branchen. Der Abstand beim Stundenlohn beträgt durchschnittlich knapp 3,50 Euro brutto. Das liegt unter anderem an den Qualifikationsstrukturen – und an fehlender Tarifbindung. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie.

Sprichwörtlich heißt es, das Handwerk habe goldenen Boden. Wer dort als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer tätig ist, dürfte das allerdings anders sehen: Laut einer Studie von Dr. Katarzyna Haverkamp und Kaja Fredriksen liegen die Löhne im Handwerk etwa ein Fünftel unter dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. Die Mitarbeiterinnen des Volkswirtschaftlichen Instituts für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen haben für die Hans-Böckler-Stiftung die Lohnstrukturen in dieser Branche analysiert. Für das Verdienstgefälle zu den übrigen Wirtschaftszweigen machen sie vor allem den geringen Anteil Hochqualifizierter, die vielen Kleinbetriebe und die vergleichsweise schwach ausgeprägte Tarifbindung verantwortlich.

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Die Arbeitgeber klagen über Fachkräftemangel im Handwerk. Die Studie zeigt aber, dass insbesondere die Fachkräfte im Vergleich zu anderen Branchen wenig verdienen, auch weil die Tarifbindung im Handwerk besonders niedrig ist“, sagt Dr. Stefan Lücking, der die Untersuchung in der Forschungsförderung der Hans-Böckler-Stiftung begleitet hat. „Eine stärkere Tarifbindung wäre das beste Rezept, um das Handwerk für Fachkräfte attraktiv zu machen.

Für ihre Untersuchung haben Haverkamp und Fredriksen mehrere umfangreiche Datensätze des Statistischen Bundesamts und des Bundesinstituts für Berufsbildung  (BIBB) ausgewertet. Wegen unterschiedlicher Abgrenzungen der Stichproben sind die Einzelergebnisse zum Teil nur begrenzt vergleichbar. Dass das Handwerk beim Lohnniveau deutlich zurückliegt, gilt allerdings unabhängig von der Methode und dem Zeitpunkt der Erhebung.

Der Analyse zufolge haben Vollzeitbeschäftigte im Handwerk 2016 monatlich im Schnitt 3217 Euro brutto und damit etwa 1000 Euro weniger verdient als in anderen Branchen. Pro Stunde haben Handwerksbetriebe 2014 durchschnittlich 14,25 Euro gezahlt, andere Betriebe 17,74 Euro.

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Bei den Geringverdienern fallen die Unterschiede kaum ins Gewicht: Das unterste Zehntel der Lohnverteilung erhielt 2014 im Handwerk durchschnittlich 6,89 Euro pro Stunde, in anderen Wirtschaftszweigen 6,97 Euro. Weitaus größer ist die Lücke bei den relativ hoch bezahlten Tätigkeiten: Beschäftigte im obersten Zehntel der Lohnverteilung kamen im Handwerk auf einen durchschnittlichen Stundenlohn von 29,55 Euro, in den anderen Branchen waren es 43,05 Euro. Das Lohnspektrum sei also weniger ausdifferenziert, schreiben die Forscherinnen. Das sehe man auch daran, dass Führungskräfte im Handwerk 2,5-mal so viel wie ungelernte Beschäftigte verdienen, während sie andernorts das 3,2-Fache bekommen.

Wenn man die Löhne in den verschiedenen Handwerksberufen untereinander vergleicht, schneiden Beschäftigte in Metallberufen und im Baugewerbe am besten ab, im Lebensmittelhandwerk, in textilen Berufen, im Verkauf und in der Körperpflege am schlechtesten. Anders sieht es dagegen aus, wenn die Lohndifferenz zu anderen Branchen als Maßstab dient. Dann stehen die Handwerker in den Lebensmittelberufen ziemlich gut da: Sie verdienen mit 11,67 Euro pro Stunde sogar etwas mehr als diejenigen, die in anderen Wirtschaftszweigen Lebensmittel herstellen oder verarbeiten und im Schnitt auf 11,01 Euro kommen. Bei den Metall- und Elektroberufen liegt der Stundenlohn im Handwerk mit 15,15 Euro dagegen deutlich unter dem Wert von 21,83 Euro in anderen Branchen.

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Als Ursache für das vergleichsweise niedrige Lohnniveau im Handwerk nennen Haverkamp und Fredriksen zum einen die Qualifikationsstruktur. Während von den Handwerkern nur 12 Prozent Abitur und lediglich 4 Prozent einen Hochschulabschluss haben, sind Beschäftigte in anderen Bereichen der Wirtschaft zu 33 Prozent studienberechtigt und zu 19 Prozent Akademiker.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Studie zufolge die Tarifbindung. Etwa 70 Prozent der Arbeitnehmer im Handwerk – und damit 20 Prozentpunkte mehr als in anderen Sektoren – sind bei Betrieben ohne Tarifbindung angestellt. Der Stundenlohn ist dort mit 13,71 Euro im Schnitt gut zwei Euro niedriger als bei Arbeitgebern mit regionalem Branchentarif. Die Schwächen bei der Tarifbindung wiederum dürften auch mit der kleinbetrieblichen Struktur des Handwerks zusammenhängen: Über zwei Drittel der Beschäftigten arbeiten in Firmen mit weniger als 50 Mitarbeitern, in anderen Branchen sind es nur 38 Prozent.

Wenn man zusätzlich das Alter, das Geschlecht und die Region berücksichtigt, lasse sich der Verdienstunterschied zwischen dem Handwerk und dem Rest der Wirtschaft statistisch zu 90 Prozent erklären, so die Ökonominnen. Fast die Hälfte der Differenz ist demnach auf das Qualifikationsniveau zurückzuführen, über ein Drittel auf den hohen Anteil von Kleinbetrieben. Die schwache Tarifbindung ist für 21 Prozent des Lohnunterschieds verantwortlich.

Weitere Informationen:

Katarzyna Haverkamp, Kaja Fredriksen: Lohnstrukturen im Handwerk (PDF >> bitte HIER weiterlesen), Study der Hans-Böckler-Stiftung Nr. 380, März 2018.

Autorinnen:

Dr. Katarzyna Haverkamp studierte Wirtschaftswissenschaften und internationale Politik an der Wirtschaftsuniversität (SGH) Warschau sowie an der Universität Uppsala (Schweden) und promovierte 2006 an der Universität Göttingen. Seit 2007 ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (ifh Göttingen) tätig. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen der empirischen Berufsbildungs- und Arbeitsmarktforschung.

Kaja Fredriksen ist seit Oktober 2015 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am ifh Göttingen tätig. Sie promoviert an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen. Zuvor studierte Frau Fredriksen Volkswirtschaftslehre an der Sorbonne und am Institut Sciences-Po Paris. Die Schwerpunkte ihrer Forschungsinteressen liegen in den Bereichen Public Policy und Einkommensungleichheit.

Kontakt: Dr. Stefan Lücking >> Referatsleiter Forschungsförderung der Hans-Böckler-Stiftung. - Rainer Jung >> Leiter Pressestelle.   



► Quelle: Pressemitteilung der Hans-Böckler-Stiftung vom 15. März 2018 zu Studie Nr. 380 "Lohnstrukturen im Handwerk" >> Pressetext. Die Fotos sind NICHT Bestandteil der Pressemitteilung oder Studie und wurden von KN-ADMIN Helmut Schnug eingefügt.

► Bild- und Grafikquellen:

1. Ein Zimmerer oder Zimmermann, weibliche Bezeichnung Zimmerin, ist ein Beruf des Holzbaugewerbes. Die Mehrzahl lautet Zimmerleute. Zimmerer und Zimmerin sind Berufe der Sparten Bauwesen und Holzverarbeitung. Zimmerleute fertigen, errichten und reparieren Bauwerksteile, wie Dachkonstruktionen, Fachwerk, Balkone und Veranden und Innenausbau (Wandverkleidungen, Fußböden und Holzdecken, Treppen, zusammen mit dem Bautischler, und auch ganze Bauwerke aus Holz (Block- und Fertighäuser, Nebengebäude etc.).

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2. Installateur bedeutet wörtlich „Einbauer“. Diese tätigkeitsbeschreibende Berufsbezeichnung wird oft durch den Zusatz des Fachgebiets konkretisiert: Gas- und Wasserinstallateur oder Sanitärinstallateur, Heizungsinstallateur (Heizungsbauer), Elektroinstallateur. Die neue Bezeichnung des Berufsbildes lautet in Deutschland „Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik“. Nach Vollendung des dritten Ausbildungsjahres (also ein halbes Jahr vor der Gesellenprüfung) wird dabei einer der Zusätze „Schwerpunkt Umwelttechnik“, „Schwerpunkt Wärmetechnik“, „Schwerpunkt Gas- Wassertechnik“ oder „Schwerpunkt Klimatechnik“ gewählt.

Foto: fran1. Quelle: Pixabay. Alle bereitgestellten Bilder und Videos auf Pixabay sind gemeinfrei (Public Domain) entsprechend der Verzichtserklärung Creative Commons CC0. Das Bild unterliegt damit keinem Kopierrecht und kann - verändert oder unverändert - kostenlos für kommerzielle und nicht kommerzielle Anwendungen in digitaler oder gedruckter Form ohne Bildnachweis oder Quellenangabe verwendet werden. >> Bild.

3. Grafik: Gleicher Beruf, ungleiche Bezahlung. Quelle: Katarzyna Haverkamp, Kaja Fredriksen - Study der Hans-Böckler-Stiftung Nr. 380, März 2018.