Wenn Frieden mit dem Iran ausbricht …

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Helmut S. - ADMIN
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Wenn Frieden mit dem Iran ausbricht …
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Der Alptraum der Neokonservativen


Wenn Frieden mit dem Iran ausbricht …


von Ron Paul


Letzte Woche war die dramatischste Woche in den Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und dem Iran seit 1979.

Am letzten Wochenende wurden zehn Leute der US-Marine in iranischen Gewässern gefangengenommen, wobei das Pentagon einige Male seine Geschichte änderte, wie sie dorthin gekommen sind. Es hätte für Präsident Obamas großes diplomatisches Spiel über den Konflikt mit dem Iran eine Katastrophe sein können. Aber nach einigen Runden Telefondiplomatie zwischen Außenminister John Kerry und seinem iranischen Gegenüber Mohammed Dschawad Sarif handelte die iranische Führung in höchst vernünftiger Weise: nach Abwägung von Kosten und Nutzen entschied sie, dass es mehr Sinn machte, nicht auf der Frage herumzureiten, was ein bewaffnetes Marineschiff der USA einige Meilen von einer iranischen Militärbasis entfernt zu suchen hatte. Anstatt die Sache zu eskalieren, gab die iranische Regierung den Seeleuten zu essen und schickte sie zurück in ihre Basis in Bahrain.

 

 

Dann, am Samstag, entließen die Iraner vier Iran-Amerikaner aus dem Gefängnis, darunter den Washington Post-Reporter Jason Rezaian. Auf der Gegenseite wurden sieben Iraner begnadigt, die in US-Gefängnissen inhaftiert waren, darunter sechs mit doppelter Staatsbürgerschaft. Die sieben saßen im Gefängnis, weil sie in Verstoß gegen die Jahrzehnte alten Wirtschaftssanktionen versucht hatten, mit dem Iran Handel zu treiben.

Diese beiderseitigen Entlassungen erfolgten wenige Stunden bevor die Vereinten Nationen bestätigten, dass der Iran seine Verpflichtungen laut dem im letzten Sommer abgeschlossenen Atomabkommen erfüllt hat, und dass dementsprechend die Sanktionen der USA und internationale Sanktionen gegen das Land aufgehoben werden.

Wie haben die „irrationalen” Iraner gefeiert, dass ihnen erlaubt wurde, in die internationale Gemeinschaft zurückzukehren? Sie kündigten sofort einen massiven Ankauf von über 100 Passagierflugzeugen von der europäischen Firma Airbus an, auch würden sie Ersatzteile von Boeing in Seattle kaufen. Zusätzlich waren Erdölmanager aus den USA in Teheran, um Handelsverträge auszuhandeln, die abgeschlossen werden sollten, sobald das gesetzlich möglich war. Die Arbeitsplätze, die durch diesen friedlichen Handel geschaffen werden, werden von Nutzen für alle beteiligten Parteien sein. Die einzigen Jobs, die verschwinden sollten, sind die der Washingtoner Befürworter der Wiedereinführung von Sanktionen gegen den Iran.
 

 

Die Ereignisse dieser Woche haben den Washingtoner Neokonservativen einen schweren Schlag versetzt, die seit Jahrzehnten vor jedem Dialog mit dem Iran gewarnt haben. Diese wahren Isolationisten waren darauf fixiert, dass nur Regimewechsel und eine Marionettenregierung in Teheran friedliche Beziehungen zwischen den USA und dem Iran herbeiführen konnten. Stattdessen hat sich der Dialog zum Vorteil der USA und des Iran ausgewirkt.

Auch wenn sich erwiesen hat, dass sie auf dem falschen Dampfer sind, sollten wir von den Neokonservativen nicht erwarten, dass sie sich entschuldigen oder vielleicht sogar eine Pause einlegen, um über ihre Versagerideologie nachzudenken. Stattdessen werden sie weitermachen und unter jedem Vorwand neue Sanktionen fordern. Sie fanden sogar eine Möglichkeit, sich über die Freilassung der Seeleute der USA zu beschweren – sie hätten von von Anfang an nie konfrontiert werden dürfen, auch wenn sie sich in iranischen Hoheitsgewässern befanden. Und sie fanden sogar eine Möglichkeit, sich über die Rückkehr der vier Iran-Amerikaner zu ihren Familien und Lieben zu beklagen – die USA hätten niemals mit den Iranern verhandeln sollen, um die Entlassung von Gefangenen zu koordinieren, maulten sie. Verhandeln war ein Zeichen von Schwäche! Sagt das den Familien auf beiden Seiten, die sich jetzt freuen können, dass ihre Lieben wieder bei ihnen sind!
 

 

Ich habe oft gesagt, dass die größte Angst der Neokonservativen die ist, dass der Frieden ausbricht. Ihre gut bezahlten Jobs sind abhängig von Konflikt, Sanktionen und präventivem Krieg. Sie werden reich durch Konflikt, was nur unsere Wirtschaft belastet. Hoffen wir, dass diese neue Öffnung zum Iran vielen anderen produktiven Amerikanern die Möglichkeit gibt, durch Handel und Geschäftsverbindungen reich zu werden. Hoffen wir, dass viele neue produktive Arbeitsplätze auf beiden Seiten geschaffen werden. Frieden schafft die besten Voraussetzungen für eine gute Zukunft!

Ron Paul
 



Quelle: erschienen am 17. Januar 2016 auf > Ron Paul Institute for Peace and Prosperity > Artikel.

Die Weiterverbreitung der Texte auf dieser Website ist durchaus erwünscht. In diesem Fall bitte die Angabe der Webadresse www.antikrieg.com nicht zu vergessen! Die deutsche Übersetzung wurde dort freundlicherweise von Klaus Madersbacher / A zur Verfügung gestellt.


ABOUT THE INSTITUTE

The Ron Paul Institute for Peace and Prosperity is a project of Dr. Paul’s Foundation for Rational Economics and Education (F.R.E.E.), founded in the 1970s as an educational organization. The Institute continues and expands Dr. Paul’s lifetime of public advocacy for a peaceful foreign policy and the protection of civil liberties at home.

The Institute mobilizes colleagues and collaborators of Dr. Paul’s to participate in a broad coalition to educate and advocate for fundamental changes in our foreign and domestic policy.

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Ron Paul’s real legacy in his writing, teaching, and in politics is his success bringing people of very different backgrounds and perspectives together under the common cause of peace, individual liberties, and prosperity. His institute energetically continues this kind of “coalition-building” in all aspects of its work. The Institute board is itself one of the best examples of how broad a coalition can come together and work for the same shared goals and values.

First and foremost a resource for supporters, the Institute provides timely news and provocative analysis through its engaging website. Features such as “Congress Alert” and “Neo-Con Watch” bring to life the latest threats to our liberties at home and abroad in a capsule format. Longer features and press analysis, as well as blog posts, regularly appear, giving the Institute the character of an online magazine.

The Institute places special emphasis on education and on the next generations, with a foreign policy summer school for university students studying international affairs and journalism.

It will aggressively promote student writing on foreign affairs on its website and will launch a student writing award program to recognize the best of college journalism.


Bild- und Grafikquellen:


1. Mohammad Javad Zarif and John Kerry - Caricatures. John Forbes Kerry, aka John Kerry, is the 68th States Secretary of State and a former Senator from Massachusetts. Senator Kerry was the presidential candidate of the Democratic Party in the 2004 election. Mohammad Javad Zarif Khonsari, aka Mohammad Javad Zarif, is an Iranian diplomat, academic and current Minister of Foreign Affairs.

This caricature of Senator John Kerry was adapted from a photo in the public domainfrom the U.S. Department of State's Flickr Photostream. This caricature of Mohammad Javad Zarif was adapted from a Creative Commons licensed photo available via Wikimedia. Urheber: DonkeyHotey. Quelle: Flickr. Verbreitung unter CC-Lizenz, Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0)

2. Teheran ist die Hauptstadt des Iran und der gleichnamigen Provinz. Im administrativen Stadtgebiet leben knapp 8 Millionen Menschen (laut offizieller Volkszählung von 2006), in der Metropolregion werden rund 15 Millionen Einwohner geschätzt. Eine offizielle Statistik von 2011 geht jedoch von nur 12,2 Millionen Menschen aus, eine zuverlässige Volkszählung ist für 2016 geplant. Als Industrie- und Handelsstadt mit Universitäten, Hochschulen, Bibliotheken und Museen ist Teheran ein bedeutendes Wirtschafts-, Wissenschafts- und Kulturzentrum sowie ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt des Landes.

Foto: Mohammad F. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Generic (CC BY-NC-SA 2.0).

3. Das blaugrundige Eingangsportal der Scheich-Lotfollāh-Moschee. Der Architekt hieß Muhammad Reza ibn Ustad Hosein Banna Isfahani. Die Moschee mit ihrer einfarbigen, hellen Kuppel und dem türkisfarbenem Kleid ist innen und außen mit kostbaren Kacheln geschmückt und wurde in der Zeit von 1603 bis 1616 errichtet. Je nach Lichteinfall changieren die Kuppelfliesen von Rosa über Beige bis karamellfarben. Bis zur Errichtung der Königsmoschee wurde sie vom Schah und seiner Familie benutzt. Sie ist durch einen unterirdischen Gang unter dem Meidān-e Emām mit der gegenüberliegenden Hohen Pforte verbunden, um die weiblichen Angehörigen der königlichen Familie vor fremden Blicken zu schützen.

Foto: Hamed Saber. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung 2.0 Generic (CC BY 2.0).