Wir leben im Reich der Trottelbegriffe

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Helmut S. - ADMIN
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Beigetreten: 21.09.2010 - 20:20
Wir leben im Reich der Trottelbegriffe
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Wir leben im Reich der Trottelbegriffe.

von Franz Schandl

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Ihr Körper bebte und sie schrie wie die Leibhaftige: „Wer schafft die Arbeit? Wer schafft die Arbeit? Wer schafft die Arbeit? Na sorry, wer schafft die Arbeit? Die Wirtschaft schafft die Arbeit! Bitte merkt’s euch das einmal!“

Wir merken auf und merken an: Nicht die Arbeit schafft die Wirtschaft, sondern die Wirtschaft schafft die Arbeit. Warum muss dann aber die Wirtschaft Arbeitskraft ankaufen, um die Arbeit, die sie ja schon geschaffen hat, verrichten zu lassen? Wie kann die Wirtschaft etwas schaffen, das erst geschaffen werden muss? Wäre die Arbeit schon da, bräuchte es ja keine Arbeiter mehr. Da es sie aber braucht, kann das wohl nicht stimmen, was die Beate Hartinger-Klein, Asozialministerin der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ), da so in Rage versetzt von sich gibt.

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Des Rätsels Lösung ist einfach: Es funktioniert andersrum. Sprachlich ist es ja auch naheliegend: Es arbeitet der Arbeiter. Es arbeitet die Arbeiterin. Arbeiter arbeiten. Die Wirtschaft arbeitet mit der Arbeit, sie realisiert Wert und Mehrwert, denn ohne dem könnten die Unternehmen keine Profite machen. Das führt freilich zur nächsten Einsicht: Die Arbeitgeber nehmen die Arbeit und die Arbeitnehmer geben die Arbeit. Was klar sein müsste, wird freilich in unserem Vokabular völlig spiegelverkehrt abgebildet. Es herrscht eine irre Nomenklatur.

Warum die Arbeitgeber Arbeitnehmer heißen, ist das nächste Rätsel. Dass Arbeitgeber Arbeit geben und der Arbeitnehmer Arbeit nehmen, ist Unfug. Der gemeingefährliche Schwachsinn liegt darin, durch Fehlbenennungen falsches Bewusstsein zu generieren und immer wieder zu regenerieren. Das Problem ist nicht, was die Hartinger-Klein da schreit, das Problem ist, dass die große Mehrheit dies genauso auffasst. An dieses Wirtschaftswunder der Wunderwirtschaft glauben Ministerien wie Medien, Universitäten, Unternehmen, Gewerkschaften bis hin zu den Stammtischen. Wir leben im Reich der Trottelbegriffe.

Franz Schandl
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Franz Schandl, geb. 1960 in Eberweis/Niederösterreich. Studium der Geschichte und Politikwissenschaft in Wien. Lebt dortselbst als Historiker und Publizist und verdient seine Brötchen als Journalist wider Willen. Mitglied der Redaktion der Streifzüge. Vater dreier erwachsener Kinder.


► Quelle: Erstveröffentlicht am 29. März 2019 in Streifzüge Lebensweise >> Artikel. "Streifzüge - Magazinierte Transformationslust" ist eine Publikation des Vereins für gesellschaftliche Transformationskunde in Wien. Verbreitung: COPYLEFT. „Jede Wiedergabe, Vervielfältigung und Verbreitung der Publikationen in Streifzüge ist im Sinne der Bereicherung des allgemeinen geistigen Lebens erwünscht." (Kritischer Kreis. Verein für gesellschaftliche Transformationskunde, Wien.). Die Bilder und Grafiken im Artikel sind nicht Bestandteil des Originalartikels und wurden von KN-ADMIN Helmut Schnug eingefügt. Für sie gelten ggf. andere Lizenzen, s.u..

Beate Hartinger-Klein-Trottelbegriffe-Streifzuege-Kritisches-Netzwerk-Franz-Schandl-Wien

► Bild- und Grafikquellen:

1. Die österreichische Asozialministerin Mag. Beate Hartinger-Klein trat 2018 für eine Kürzung der Mindestsicherung ein, in einem Fernsehinterview stellte sie fest, man könne von 150 Euro monatlich leben, wenn man die Wohnung finanziert bekomme. Für diese Aussage wurde Hartinger-Klein von oppositionellen Politikern kritisiert. SP-Abgeordnete Elisabeth Feichtinger und Ex-Sozialminister Alois Stöger übergaben in der Nationalratssitzung 2.639 Unterstützungserklärungen einer Bürgerpetition für das Projekt gegen Sozialabbau an die rechtspopulistische Sozialministerin Hartinger-Klein (Bildausschnitt!), 21. April 2018. 

Im Juli 2018 bewarb Hartinger-Klein bei einer Nationalratsdebatte den Zwölf-Stunden-Arbeitstag mit einem angeblich von Karl Marx stammenden Zitat - dumm-dreister geht`s kaum noch!

Urheber: SPÖ Presse und Kommunikation. Quellen: Wikimedia Commons und Flickr. Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 generisch“ (US-amerikanisch) lizenziert.