Bundeswehr zerrt Gauck vom Hocker: Feldjäger attackieren 70-jährigen Zivilisten

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Wolfgang Blaschka
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Beigetreten: 09.11.2010 - 02:16
Bundeswehr zerrt Gauck vom Hocker: Feldjäger attackieren 70-jährigen Zivilisten
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Bundeswehr zerrt Gauck vom Hocker

Feldjäger attackieren 70-jährigen Zivilisten

von Wolfgang Blaschka

Wo die Bundeswehr erst einmal das Sagen hat, ist es mit freier Meinungsäußerung nicht mehr weit her. Da wird die Demokratie ausgehebelt, das Versammlungsrecht zur Farce degradiert und jeder Mucks gegen das Militär rüde unterbunden. Eine Kostprobe gab der Barras kürzlich wieder bei einem seiner immer öfter zelebrierten grundgesetzwidrigen Einsätze im Landesinneren, mitten in München. Dort herrschte probeweise der Ausnahmezustand bei klingendem Spiel mit Tschindarassa-Bumm und Täteretää, dass es schon nicht mehr feierlich war. Es wirkte sogar auf manche Soldaten-Eltern wie antimilitaristische Propaganda. Nicht schlecht!
 

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Unglaubliche Szenen spielten sich am Samstag vor Schloss Nymphenburg ab: Zwei Feldjäger stürzten sich unversehens mit voller Wucht auf einen Mann im schwarzen Anzug, der mit täuschend ähnlich wirkender Gauck-Maske vor dem Gesicht der angetretenen Truppe zugerufen hatte: „Habt acht!“ Keine drei Sekunden später rissen sie ihn von seinem mitgebrachten Schemel brutal zu Boden, sodass seine Brille zerbrach. Sie knieten sich auf ihn, rissen mit ihren rauen Quarzhandschuhen bewehrt seinen Kopf herum und fesselten ihn auf der Wiese liegend, um ihn dann ruppig abzuführen und abseits der Polizei zu übergeben.
 

Diese witzelte in amtseigenem Humor gegen die völlig überzogene Aktion ihrer übergriffigen Militärkollegen: „Da haben Sie ja noch Glück gehabt, dass die Sie nicht gleich erschossen haben“. Zum Glück blieb er bis auf einige Schrammen und Flecken körperlich unversehrt. Sein „Eisernes Kreuz“ konnte er sich später wieder abholen. Gegen ihn wird nun wegen „Hausfriedensbruchs“ ermittelt. Die Bundeswehr reklamierte das gesamte Areal vor dem Schloss an diesem Tag als ihren Privatbesitz und übte das Hausrecht aus. Für Museumsbesucher gab es keine Chance, für Gegner militärischen Gepränges ohnehin nicht. Ein nicht so uniformbegeistertes Pärchen wurde nach dem Präsidentendarsteller ebenfalls vom extra für diesen Tag requirierten Appellplatz geführt.
 

Die Bundeswehr-Universität (UniBW) hatte allerdings kurz zuvor noch zu ihrem Beförderungsappell (443 Offiziersanwärter sollten zu Leutnants und Leutnants zur See ernannt werden) öffentlich eingeladen und schriftlich versichert, „alle Interessierten“ seien „eingeladen teilzunehmen“ an dieser für eine „Parlamentsarmee“ doch sehr befremdlichen Studienabschluss-Feier vor feudaler Schloss-Kulisse. Am Tag vor dem Appell jedoch sollte ihre scheindemokratische Ankündigung plötzlich nichts mehr gelten. Das Ganze wurde zur geschlossenen Veranstaltung umdeklariert. Das Gelände wurde weiträumig abgeriegelt, und jeglicher Protest gegen das absurde Militärspektakel ins weite Rund des Schlossrondells verbannt. Einzelne Frauen in Schwarz standen stumm an den Absperrgittern, als „trauernde Witwen“. Das zumindest mussten die Offiziere zähneknirschend hinnehmen. Ein ortsnaher kollektiver Protest in Sicht- und Hörweite wurde jedoch rigoros unterbunden. Der stand am Rand.
 
Dort pfiffen und hupten ca. 50 Demonstranten mit Transparenten und Schildern, weitab und unbemerkt von Soldaten und dem handverlesenen Gäste-Kontingent, das offenbar deutlich zu knapp bemessen war. Selbst einige nahe Angehörige durften an der Überreichung der Offizierspatente an ihre Kinder oder Enkel nicht teilnehmen. Sie wurden an den Zugangskontrollen brüsk abgewiesen. Ein wütender Vater klagte: „Jetzt sind wir extra aus Nürnberg angereist, und dann dürfen wir nicht einmal bei der Beförderung unseres Buben dabei sein. Sowas ist doch nur einmal im Leben! Das ist doch eine Schweinerei von der Bundeswehr.“ Die schien organisatorisch völlig überfordert und reagierte entsprechend gereizt. Kein gelungenes Werben fürs Sterben.
 

Am Rande der eilig angemeldeten Gegenkundgebung wurde ein junger Antimilitarist festgenommen, weil er ein blaues Hemd mit dem Aufnäher der Freien Deutschen Jugend (FDJ) trug. Nach der eigenwilligen Ansicht eines Kommissars vom Staatsschutz (K44) sei das eine Straftat gegen § 86a StGB: Das Verbot des öffentlichen Zeigens verfassungsfeindlicher Kennzeichen; eigentlich ein Paragraph gegen Nazi-Symbole wie Hakenkreuze und SS-Runen. Ein entsprechender Prozess läuft derzeit in München ohnehin.
 
Im Westen beruft man sich auf das FDJ-Verbot von 1954, also noch vor dem KPD-Verbot der Adenauer-Ära, während im Osten der FDJ per Einigungsvertrag immerhin Straffreiheit garantiert ist. Solche Unterschiede gibt es im angeblich einigen Deutschland, in Bayern ganz besonders liebevoll gepflegt. Die vorübergehende Ingewahrsamnahme zur Feststellung der Personalien geschehe quasi auf Vorrat, begründete der Beamte sein Vorgehen, als er in Erklärungsnöte kam: „Falls es doch strafbar sein sollte“.
 

Nicht einmal ein Bundespräsident schien hier willkommen zu sein. Herr Gauck sollte sich in Zukunft vielleicht etwas zurückhaltender zeigen mit seinen arglosen Auftritten bei Bundeswehr-Paraden, Appellen und Zapfenstreichen. Nicht dass sie ihn am Ende noch mit seinem Double verwechseln und kurzerhand verhaften!
 
Das "Münchner Bündnis gegen Krieg und Rassismus" und das "Münchner Friedensbündnis" protestieren gegen die Inbeschlagnahme öffentlichen Grundes für geschlossene Privatveranstaltungen der Bundeswehr zu militaristischer Propaganda und letztlich als Reklame für den Krieg, in den ihre frisch gebackenen Leutnants aller Voraussicht nach demnächst geschickt werden. Das Studium bei vollem Offiziers-Sold sollen die ja nicht geschenkt bekommen, sondern womöglich mit dem Einsatz ihres Lebens bezahlen.

Wolfgang Blaschka, München
 



Bildquellen: (Den Fotografen herzlichster Dank für die Freigabe zur Veröffentlichung im KN. Alle Rechte verbleiben bei den genannten 3 Fotografen!)
 

1. Prostestlerin mit 2 Schildern. "DU SOLLST NICHT TÖTEN" Foto: © Günther Gerstenberg, IMGA0295.

2. Mann mit Gauck-Maske salutierend. Foto: © Günter Wangerin. (Aktionskünstler, Maler und Maskenbildner aus München)

3. Frau mit Schild "KEIN WERBEN FÜRS STERBEN". Foto: © Günther Gerstenberg, IMGA0322.

4. 70jähriger Mann im Anzug wird von Feldjägern der MP zu Boden gerissen. Foto: © Günter Wangerin.

5. Feldjäger drückt Mann zu Boden und greift ihm brutal ins Gesicht. Foto: © Günter Wangerin.

6. Feldjäger drückt Mann weiter zu Boden. Foto: © Günter Wangerin.

7. Die beiden Feldjäger schaffen den Mann im Anzug weg, um ihn später der Polizei zu übergeben. Foto: © Günter Wangerin. 

8. Frau mit 2 Schildern, an Hecke stehend. Im Hintergrund Schloss Numphenburg. Foto: © Peter Voß, Bild 25_150627BWNymph