Die Hundejahre haben längst begonnen

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Die Hundejahre haben längst begonnen
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Die Hundejahre haben längst begonnen

Hundstage: die heißen Sommertage und frieren in kühlen Zeiten

by Gerhard Mersmann | NEUE DEBATTE

Nun sind sie wieder da, die Hundstage, seit Beginn der Aufzeichnungen in unseren Gefilden die heißeste Zeit des Jahres. Von Ende Juli bis Ende August bringen sie Hitzewellen, alles liegt unter einem erdrückenden Teppich. Die Hunde, nach denen diese alljährliche Episode benannt ist, liegen faul im Schatten herum und tun das, was nicht nur für ihre Spezies das Vernünftigste zu sein scheint. Sie vermeiden hektische Bewegungen und pflegen eine Tugend, die vielen Menschen augenscheinlich verloren gegangen ist: Sie warten auf kühlere Zeiten.

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► Wachstum, Hitze, keine Kühlung

Dass das, was die verschiedenen Nachrichtenmagazine als ihr Geschäftsmodell bezeichnen, nämlich in kurzer Abfolge zu verkaufende Sensationen liefern, weiter betrieben wird, kann als ein Störfaktor bezeichnet werden, der vor allem in Kulturkreisen in voller Blüte steht, in denen Wachstum und Profit im Mittelpunkt der Gesellschaft stehen.

Blickt man sich global um, dann ist das nicht überall so und bestimmte Jahreszeiten haben immer noch die Macht, den gesellschaftlichen Rhythmus zu bestimmen. Wenn die Sonne am höchsten steht oder die Regenzeit das Zepter in die Hand nimmt, tun es dort die Menschen privat wie im öffentlichen Bereich den Hunden während unserer Hundstage gleich: Sie ziehen sich zurück, nehmen das Tempo aus dem Leben und erlauben sich, im Dämmerzustand das Dasein zu reflektieren.

Doch bleiben wir hier bei uns. Für diejenigen, die hoffen, dass die unerträgliche Hitze bald vorbei ist, sei der Gedanke erlaubt, dass auch mit dem Zurückweichen der Hitze, die das Thermometer anzeigt, und trotz der Prognosen, dass im kommenden Winter viele Menschen aufgrund der dramatisch gestiegenen Energiepreise frieren werden, eine ganz andere, vielleicht noch wesentlich gefährlichere Hitze bleiben wird. Es ist die gesellschaftliche Hitze, die sich seit Langem, auch schon vor den Hundstagen anbahnt. Zuviel ist geschehen, als dass die Abfolge kleinerer Gewitter zu einer Kühlung führen könnte.

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► Hundejahre oder schweres Gewitter

Verschiedene Ereignisse, die allesamt nicht nur in der Ferne, sondern durch das eigene, bewusste Zutun zustande kamen, haben zu einem trockenen Hoch geführt, das jederzeit entzündbar ist.

Da ist die Bezahlung von Arbeit, da sind exorbitante Reproduktionskosten von Miete, Nahrung, Energie und Mobilität, da ist ein seit Langem für dramatische Episoden nicht mehr auskömmliches Gesundheitswesen und da ist das Abgleiten des gesellschaftlichen Diskurses zu einem Ausgrenzungskampf. Da ist die Bruchlandung der internationalen Diplomatie, in der die Realpolitik beseitigt und eine Mentalität des Kreuzzugs etabliert wurde, da ist der Verlust von Vertrauen durch Korruption, Kollusion und Nepotismus (Vetternwirtschaft) und da ist der Hohn derer, die in monetärer Wollust mit der Zunge schnalzen gegenüber jenen, die mit hängender Zunge um das Überleben kämpfen.

Und die Institutionen, von denen lange Zeit geglaubt wurde, sie kümmerten sich um die Belange zumindest ihrer Klientel, haben sich verselbstständigt und kämpfen allenfalls um den eigenen Vorteil.

Die Parteien, die in der Vergangenheit für die Interessen der abhängig Beschäftigten eintraten, zählen genauso dazu wie diejenigen, die als Stronghold (Bollwerk) des Unternehmertums galten. Und die, die die Ökologie auf ihren Fahnen trugen, haben sich auch eingereiht in den fahnenflüchtigen Marsch. Die Einzigen, die ihrer Klientel konsequent die Stange gehalten haben, sind die Lobbyisten der Couponschneider, der Satten und der vor den Kosten des Gemeinwesens Flüchtigen.

Wer angesichts dieser Gemengelage an der Illusion festhält, die Hundstage mögen bald vorüber sein, sollte sich an den Zustand gewöhnen. So wie es aussieht, haben längst die Hundejahre begonnen. Oder kommt doch ein kräftiges, brutales, zerstörerisches Gewitter, das die Kühle zurückbringt?

Gerhard Mersmann

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Quelle: Dieser Artikel von Gerhard Mersmann wurde am 13. August 2022 unter dem Titel "Hundstage und kühle Zeiten" erstveröffentlicht auf der Webseite NEUE DEBATTE - "Journalismus und Wissenschaft von unten" >> Artikel.

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Gerhard Mersmann, Dr. phil., (Jahrgang 1956), gebürtiger Westfale, ist studierter Politologe und Literaturwissenschaftler. Er arbeitete in leitender Funktion über Jahrzehnte in der Personal- und Organisationsentwicklung. In Indonesien beriet er die Regierung nach dem Sturz Soehartos bei ihrem Projekt der Dezentralisierung. In Deutschland versuchte er nach dem PISA-Schock die Schulen autonomer und administrativ selbständiger zu machen. Er leitete ein umfangreiches Change-Projekt in einer großstädtischen Kommunalverwaltung und lernte dabei das gesamte Spektrum politischer Widerstände bei Veränderungsprozessen kennen.

Die jahrzehntelange Wahrnehmung von Direktionsrechten hielt ihn nicht davon ab, die geübte Perspektive von unten beizubehalten. Publizistische Aktivitäten durchziehen seine gesamte Biographie. Seine Erkenntnisse gibt er in Form von universitären Lehraufträgen weiter. Sein Blick auf aktuelle gesellschaftliche, kulturelle wie politische Ereignisse ist auf seinem Blog M7 sowie bei Neue Debatte regelmäßig nachzulesen. Mersmanns persönliches Blog >> https://form7.wordpress.com/ .


► Bild- und Grafikquellen:

1. Drei Hunde im Schatten: Die Hunde, nach denen diese alljährliche Episode 'Hundstage' benannt ist, liegen faul im Schatten herum und tun das, was nicht nur für ihre Spezies das Vernünftigste zu sein scheint. Sie vermeiden hektische Bewegungen und pflegen eine Tugend, die vielen Menschen augenscheinlich verloren gegangen ist: Sie warten auf kühlere Zeiten. Foto: Counselling / Ulrike Mai, Cape Town/South Africa. Quelle: Pixabay. Alle Pixabay-Inhalte dürfen kostenlos für kommerzielle und nicht-kommerzielle Anwendungen, genutzt werden - gedruckt und digital. Eine Genehmigung muß weder vom Bildautor noch von Pixabay eingeholt werden. Auch eine Quellenangabe ist nicht erforderlich. Pixabay-Inhalte dürfen verändert werden. Pixabay Lizenz. >> Foto.

2. Frierender Hund mit warmer Mütze, Mäntelchen und Schal: »Bereitet Euch auf den nächsten Winter vor. (Prepped for winter weather). Kein russisches Öl? Keine russische Kohle? Kein russisches Erdgas? Kein Atomstrom mehr? Kein Heizen mit Holz? Jetzt auch noch Strommangel, knapper werdende Lebensmittel und Kostenexplosion? Und an all dem soll wieder mal Putin Schuld sein? Na dann, zieht Euch mal warm an!« Foto OHNE TEXT: wirestock. Quelle: freepik >> https://de.freepik.com/ . Freepik-Lizenz: Die Lizenz erlaubt es Ihnen, die als kostenlos markierten Inhalte für persönliche Projekte und auch den kommerziellen Gebrauch in digitalen oder gedruckten Medien zu nutzen. Erlaubt ist eine unbegrenzte Zahl von Nutzungen, unbefristet von überall auf der Welt. Modifizierungen und abgeleitete Werke sind erlaubt. Eine Namensnennung des Urhebers (wirestock) und der Quelle (Freepik.com) ist erforderlich. >> Foto. Textinlet von H.S. eingearbeitet, Lizenz bleibt erhalten.

3. Schäferhund mit Sonnenbrille: Warnsignale, dass Hunde stark unter der Hitze leiden, können starkes Hecheln und Unruhe sein, bei zunehmender Überhitzung auch eine rote Zunge, Teilnahmslosigkeit, ein glasiger Blick oder taumelnder Gang. Auch für Vierbeiner kann ein Hitzschlag lebensbedrohlich sein. Hund und Hitze: 4 häufige Gefahren >> wirliebenhunter.de/ >> weiter.

Foto: gagnonm1993 / Melissa, Philadelphia/USA. Quelle: Pixabay. Alle Pixabay-Inhalte dürfen kostenlos für kommerzielle und nicht-kommerzielle Anwendungen, genutzt werden - gedruckt und digital. Eine Genehmigung muß weder vom Bildautor noch von Pixabay eingeholt werden. Auch eine Quellenangabe ist nicht erforderlich. Pixabay-Inhalte dürfen verändert werden. Pixabay Lizenz. >> Foto.

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Peter Weber
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Verbunden: 23.09.2010 - 20:09
HUNDEJAHRE


HUNDEJAHRE

Wie es ausschaut, sind wir auf den Hund gekommen. Wer hätte das noch vor zwei, drei Jahren gedacht? Und nun ist auch noch alles für die Katz, was wir uns aufgebaut haben. Wo sind unsere Illusionen von dem besten Deutschland aller Zeiten, dem Vorzeigeland der Demokratie und die Selbstverständlichkeit des niemals endenden Wohlstands geblieben?

Wir haben es erlaubt, daß uns die verantwortliche Politiker und auch die Medien, allen voran die Öffentlich-Rechtlichen und die Konzernmedien, einen Altar gezimmert haben, auf dem wir für aus dem Finger gesogene „Werte“ unser Eingemachtes opfern sollen.

Für was eigentlich?

Für fremde Interessen, die nichts mit unseren eigenen zu tun haben?

Für die Bereicherung von Finanz- und Energieindustrie oder der Rüstungskonzerne?

Für die hegemonialen und geostrategischen Belange der USA?

Für den Narzissmus des Selenskyj-Regimes und die korrupte Oligarchie der Ukraine?

Das alles ist nicht einen Pfifferling wert!

Und wer glaubt noch an diese Ammenmärchen und die westliche Fake-Propaganda? Wer verschafft den olivgrünen Faschisten noch zusätzliche Umfrageergebnisse? Unglaublich von wieviel Dummheit und Unwissenheit die Mehrheit der Bürger beherrscht ist!

Peter A. Weber, Klotten

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