Bauern-Milliarde: Landwirtschaft ist kein Monopoly

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Bauern-Milliarde: Landwirtschaft ist kein Monopoly
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Bauern-Milliarde: Landwirtschaft ist kein Monopoly

von Gertraud Angerpointner / Bio-Bäuerin, Vors. der AbL Bayern

Wer glaubt, man könne jetzt mit einer Milliarde mal schnell Grundwasser retten und Bauern beruhigen, der hat noch immer nicht kapiert, was in der bayerischen, deutschen und europäischen Agrarpolitik schiefläuft. Eine Agrarpolitik, die Jahrzehnte lang die Bauern auf den Weltmarkt zwingt und mit hohem Input zu erzeugten Höchsterträgen und -leistungen ausbildet, rächt sich jetzt. Alles was diese Entwicklung stoppen könnte, ist eine Umkehr.

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Aber ein Weiter so, sicher auch um der Agrarindustrie und den vor- und nachgelagerten Branchen nicht zu schaden, wird die Situation nur noch weiter verschärfen. Wenn auch bisher noch nicht endgültig geklärt ist, wofür diese „Bauern-Milliarde“ – der Name an sich ist schon eine Frechheit – verwendet werden soll, so ist doch davon auszugehen, dass in erster Linie Güllelager, Gülletransport, Güllefässer, Gülleseparierung und evtl. ein paar Agrarumweltmaßnahmen gefördert werden.

Um diesen Irrsinn zu verstehen, muss man ein bisschen ins Detail gehen: Die Düngeverordnung von 2017 soll ein Instrument sein, um die Nitratwerte im Grundwasser und die Amoniak-Ausgasungen aus der Landwirtschaft zu reduzieren. Sollten die Maßnahmen nicht wirksam sein, drohen Deutschland Strafzahlungen an Brüssel von 800.000 € täglich. [Wegen Verstoßes gegen die EU-Nitratrichtlinie drohen ihr hohe Strafzahlungen von bis zu 857.000 Euro am Tag.; H.S.]. Nun ist es schon sehr erstaunlich, dass erst dieser Druck aus Brüssel notwendig war, dass die Politik in Deutschland den Handlungsbedarf überhaupt erkannte.

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► Zur Düngeverordnung

Anhand eines gelben Heftes, in dem die Bedarfsmengen für die einzelnen Feldfrüchte aufgeführt sind, muss nun jeder Bauer eine Düngebedarfsermittlung erstellen – natürlich abhängig vom Ertrag, den er aber zur Zeit der Düngung noch gar nicht wissen kann, weil die Ernte ja bekanntlich nicht nur von der Düngung, sondern viel mehr noch vom Wetter abhängt. Hier schon die erste Fehlerquelle.

Darüber hinaus hat die Wissenschaft schon lange bemängelt, dass der angegebene Bedarf viel zu hoch ist. Prof. Dr. Friedhelm Taube von der Carl-Albrechts-Universität in Kiel hat errechnet, dass pro Hektar und Jahr ca. 100 Kg Stickstoff (der sich dann zu Nitrat umwandelt) zu viel ausgebracht werden. Und eine Studie des "Verbandes der landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalten e. V." (VDLUFA) ist in 15-jährigen Feldversuchen zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Reduktion des Stickstoffes um 40% im Durchschnitt nur zu einer Verringerung des Ertrages um 10% führt.

Genau diese wichtigen Erkenntnisse finden weder in der Düngeverordnung noch in der landwirtschaftlichen Ausbildung Niederschlag.

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► Zur Ausbringung

Da eine Zwischenfrucht (wird nach der Hauptfrucht z.B. Getreide in den Monaten Juli-August ausgesät) nicht mehr gedüngt werden darf, reduziert sich die Zeit, in der Dünger ausgebracht werden darf im Ackerbau auf drei bis vier Monate. Dafür sollen nun die größeren Güllebehälter gebaut werden. Aber schon der gesunde Menschenverstand sagt einem, dass damit ja die Menge nicht weniger wird.

Dazu muss man noch wissen, dass die Kosten für die jeweilige Investition meist in etwa um den Betrag steigen, wie es Zuschuss gibt. Zufall? Zudem darf Gülle auf bestelltem Acker ab heuer nur noch bodennah ausgebracht werden (im Grünland ab 2025), was einer immensen Kapitalspritze für die Landmaschinenindustrie gleichkommt.

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Die durch viele Bauern und Bäuerinnen ertüftelten und über viele Jahre erprobten Alternativen, wie z.B. Güllebehandlung mit Steinmehl [auch Mehlkorn, Gesteinsmehl oder Füller, Feinanteil mit Korngrößen bis 0,063 mm; H.S.] oder effektiven Mikroorganismen, was auch zu einer Reduktion der Amoniakausgasung führt, wird nicht zugelassen. Nein, es müssen ja immer technische „Lösungen“ her, die uns Bauern viel Geld kosten.

► Gülletransporte

Wenn nun landwirtschaftliche Betriebe zu viel Tiere halten im Verhältnis zu ihrer Fläche, dann muss die Gülle und vor allem auch das Gärsubstrat der Biogasanlagen zu Flächen transportiert werden, die die Gülle noch aufnehmen können – zumindest auf dem Papier. In großem Stil passiert das bereits von Niedersachsen nach Mecklenburg-Vorpommern, aber auch in Bayern kann man immer mehr von diesen Güllelastern sehen. Nun soll dieser Transport wohl gefördert werden.

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Sinnvoller wäre eine flächengebundene Tierhaltung mit max. zwei Großvieheinheiten pro Hektar (1 GV entspricht ca. 1 Kuh). Die Verkürzung der Ausbringzeit zusammen mit vermehrter Dokumentationspflicht und überbürdender Bürokratie kann niemals zum Ziel führen. Vielmehr müsste die Höhe der Mineraldüngermengen reduziert werden, was aber in der neuen Düngeverordnung nahezu unkontrollierbar bleibt.

► Ist es Naivität oder Kalkül?

Mir scheint, diese Düngeverordnung ist genau so konzipiert, dass das bestehende System erhalten bleibt und man versucht, mit ein paar kleinen Stellschräubchen den Strafzahlungen der EU zu entkommen. In die Reihe der visionslosen Agrarpolitik und der stümperhaften Düngeverordnung passt das rausgeschmissene Geld der „Bauern-Milliarde“ ausgezeichnet. Sie wird nur dazu dienen, Bauern und Verbraucher noch weiter auseinander zu bringen.

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Je länger die Politik und ihre Fachbehörden sich nicht eingestehen, dass dieses System geradewegs auf eine Wand zufährt und sich weigern, wirksamen Maßnahmen zu ergreifen, desto teurer, schmerzhafter und schwieriger wird es letztendlich sowohl für die Steuerzahler als auch für die Bauern. Und desto mehr Schaden wird entstehen am Grundwasser, der Artenvielfalt, der Bodenfruchtbarkeit, der ganzen Natur und damit auch an den Menschen.

Gertraud Angerpointner / Bio-Bäuerin, Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Landesverband Bayern e.V. (AbL Bayern). Als Wirtsleut betreiben Gertraud Angerpointner und ihr Partner Schorsch Planthaler mit viel Engagement und Leidenschaft die Fürmann Alm (siehe nächstes Foto), dem höchstgelegenen Bauernhof und Bergwirtschaft der Gemeinde Anger. 

Die Fürmann Alm liegt im Teisenberggebiet, das ein vorgelagerter Höhenrücken des Staufenmassivs ist. Die Straße dorthin ist eine der anspruchsvollsten Strecken in den Chiemgauer Alpen: Auf einer Strecke von ca. drei Kilometern beträgt die Steigung in etwa 20 %. Davon gibt es nicht viele im Berchtesgadener Land. Wenn man oben auf 861 Meter angekommen ist, hat man dafür einen wunderschönen Ausblick über Anger und den Rupertiwinkel sowie das gesamte Voralpenland bis nach Oberösterreich.

Auf der Fürmannalm entdecken Sie die ökologische Landwirtschaft in Bergregionen, Pinzgauer Kühe eine alte Rinderrasse, die Welt der Bienen und einen großen Bauerngarten. Auf einem Rundgang über den Bauernhof stoßen Sie immer wieder auf regionale Köstlichkeiten: von Salami aus eigenem Pinzgauer Rindfleisch über Honigbrot, bis zu den Kräutern aus dem Garten. >> http://www.fuermann-alm.de/ .

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► Quelle: Erstveröffentlicht am 13. Februar 2020 bei isw-München >> Artikel. ACHTUNG: Die Bilder und Grafiken im Artikel sind nicht Bestandteil des Originalartikels und wurden von KN-ADMIN Helmut Schnug eingefügt. Für sie gelten ggf. andere Lizenzen, siehe weiter unten. Grünfärbung von Zitaten im Artikel und einige Verlinkungen wurden ebenfalls von H.S. als Anreicherung gesetzt.

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► Bild- und Grafikquellen:

1. Traktor mit Güllehänger (von oben). Foto: Pascvii / Lodi/Italia. Quelle: pixabay. Alle Pixabay-Inhalte dürfen kostenlos für kommerzielle und nicht-kommerzielle Anwendungen, genutzt werden - gedruckt und digital. Eine Genehmigung muß weder vom Bildautor noch von Pixabay eingeholt werden. Eine Quellenangabe ist nicht erforderlich. Pixabay-Inhalte dürfen verändert werden. Pixabay Lizenz. >> Foto.

2. Gülleanhänger beim Ausbringen. (Seitenansicht). "Düngung aus den Fugen: Die Intensivtierhaltung belastet Böden und Grundwasser. In Deutschland werden immer mehr Felder überdüngt, wodurch sich massive Probleme für Mensch und Umwelt ergeben. Die Ursache liegt in der Massentierhaltung: Die hohe Anzahl an landwirtschaftlichen Nutztieren produziert zu viel Gülle. Die Zeiten sind vorbei, als auf fast jedem Bauernhof fröhlich ein Hahn auf dem Misthaufen krähte. Hähne und Hühner bleiben im Stall, Misthaufen gibt es kaum mehr. Statt strohdurchsetztem Mist fällt in der Landwirtschaft heute flüssige Gülle an. Jedes Jahr produzieren Rinder, Schweine und Hühner davon mehr als 300 Milliarden Liter. Zum Vergleich: Das ist das 33-fache des Bierausstoßes aller deutschen Brauereien." (Text: NABU) >> weiter bei NABU. 

Foto: schauhi / Kurt Bouda, Neuhaus am Inn. Quelle: pixabay. Alle Pixabay-Inhalte dürfen kostenlos für kommerzielle und nicht-kommerzielle Anwendungen, genutzt werden - gedruckt und digital. Eine Genehmigung muß weder vom Bildautor noch von Pixabay eingeholt werden. Eine Quellenangabe ist nicht erforderlich. Pixabay-Inhalte dürfen verändert werden. Pixabay Lizenz. >> Foto.

3. Eine Biogasanlage dient der Erzeugung von Biogas durch Vergärung von Biomasse. In landwirtschaftlichen Biogasanlagen werden meist tierische Exkremente (Gülle, Festmist) und Energiepflanzen als Substrat eingesetzt. In nicht-landwirtschaftlichen Anlagen wird Material aus der Biotonne verwendet oder Abfallprodukte aus der Lebensmittelproduktion. Als Nebenprodukt wird ein als Gärrest bezeichneter Dünger produziert.

Foto / Urheber: Martina Nolte. Quelle: Wikimedia Commons. Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland“ (CC BY-SA 3.0 DE) lizenziert. Es ist nicht gestattet, diese Datei auf Facebook, Youtube, Twitter und viele andere Soziale Medien hochzuladen. Die Nutzungsbedingungen dieser Datei sind nicht mit den Lizenz- und Nutzungsbedingungen von Facebook, Youtube, Twitter etc. vereinbar.

4. Traktor mit Hänger beim Ausbringen von Gülle (Rückansicht). Gülle und Jauche unterscheiden sich in diesem Sinne deutlich in ihrem Nährstoffgehalt. Die Gülle ist konzentrierter, somit reicher an Kalium und Stickstoff. Gülle hat einen höheren Trockensubstanzanteil, da auch Kot und oft auch Stroh (Einstreu) oder ähnliche Materialien enthalten sind. Die Nährstoffe werden durch Gärprozesse zum Teil mineralisiert, das heißt in anorganische Formen überführt (Ammonium, Nitrat, Phosphat) und sind damit sofort für die Pflanzen verfügbar. In der heutigen Landwirtschaft überwiegt deshalb die Gülle als wirtschaftseigener Dünger, zumal sie einer vereinfachten Stalltechnik entstammt. (Text: Wikipedia >> weiter).

Foto: Myriams-Fotos / Myriam Zilles, Belgien. Quelle: pixabay. Alle Pixabay-Inhalte dürfen kostenlos für kommerzielle und nicht-kommerzielle Anwendungen, genutzt werden - gedruckt und digital. Eine Genehmigung muß weder vom Bildautor noch von Pixabay eingeholt werden. Eine Quellenangabe ist nicht erforderlich. Pixabay-Inhalte dürfen verändert werden. Pixabay Lizenz. >> Foto.

5. Luftbild einer Biogasanlage. Neben der Erzeugung von Lebensmitteln leistet die Landwirtschaft seit Jahrzehnten mit Bio-Gas einen Beitrag zur Energieversorgung. Biogas ist ein brennbares Gas, das durch Vergärung von Biomasse jeder Art entsteht. Es wird in Biogasanlagen hergestellt, wozu sowohl Abfälle als auch nachwachsende Rohstoffe vergoren werden. Das Gas kann zur Erzeugung von elektrischer Energie, zum Betrieb von Fahrzeugen oder zur Einspeisung in ein Gasversorgungsnetz eingesetzt werden. Die Bio-Gasproduktion basiert überwiegend auf dem Anbau von Mais als Monokultur. Die dafür notwendigen Anbauflächen erzeugen einen Verdrängungswettbewerb auf dem Pachtmarkt, der es beispielsweise lebensmittelproduzierenden Bauern immer schwerer macht, an Pachtflächen zu kommen. (Text: Gertraud Angerpointner).

Foto / Urheber: Martina Nolte. Quelle: Wikimedia Commons. Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland“ (CC BY-SA 3.0 DE) lizenziert. Es ist nicht gestattet, diese Datei auf Facebook, Youtube, Twitter und viele andere Soziale Medien hochzuladen. Die Nutzungsbedingungen dieser Datei sind nicht mit den Lizenz- und Nutzungsbedingungen von Facebook, Youtube, Twitter etc. vereinbar.

6. Das Flotzmaul eines Rindes. Das Flotzmaul (lat. Planum nasolabiale) ist die Verschmelzung von Naseneingang und Oberlippe bei Rindern. Das Flotzmaul weist durch seichte Furchen abgegrenzte, vieleckige (polygonale) Felder (Areae) mit einem Durchmesser von 2 bis 4 mm auf. Diese Felderung ist, ähnlich einem Fingerabdruck, ein individuelles Erkennungsmerkmal. Die Epidermis (Oberhaut) ist im Bereich des Flotzmauls verdickt. In der Dermis (Lederhaut) finden sich kompakte Lager seröser Drüsen (Flotzmauldrüsen), die in kleinen Grübchen (Foveolae) im Bereich der Flotzmaulfelder münden. Außer einigen einzelnen Sinushaaren ist die Haut haarlos. Text: Wikipedia. Foto/Urheber: Frank Vincentz. Quelle: Wikimedia Commons. Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“ lizenziert.

7. Die Fürmann Alm auf einer Höhe von 861m, betrieben von Gertraud Angerpointner und Georg (Schorsch) Planthaler, Irlberg 41 - 83454 Anger. Echte Bauernhöfe satt Agrarfabriken! Foto / Quelle: http://www.fuermann-alm.de/ . Die Bildrechte verbleiben beim Rechteinhaber.