Elektromobilität: Irrsinn mit Methode

1 Beitrag / 0 neu
Bild des Benutzers Helmut S. - ADMIN
Helmut S. - ADMIN
Offline
Beigetreten: 21.09.2010 - 20:20
Elektromobilität: Irrsinn mit Methode
DruckversionPDF version

Elektromobilität: Irrsinn mit Methode

von Egon W. Kreutzer, Elsendorf

Peter-Altmeier-CDU-BMWi-Cliquenwirtschaft-Klientelpolitik-Kritisches-Netzwerk-Insolvenzverschleppungsverlaengerungsgesetz-Delegationsreise-Neoliberalismus-LobbysumpfWirtschaftsminister Peter – Milchmädchen – Altmaier begeistert sich für die so genannte Spitzenglättung. Den Floh haben ihm die Stromversorger ins Ohr gesetzt, die längst wissen, dass die Abschaltung von Kern- und Kohlekraftwerken erhebliche Risiken für die Stabilität der Stromversorgung mit sich bringt, die mit dem zügigen Ausbau der E-Mobilität noch einmal auf ein nicht mehr beherrschbares Niveau gehebelt werden.

Großverbraucher, deren Stromkosten in hohem Maße von der in Anspruch genommenen Spitzenlast beeinflusst werden, haben solche Einrichtungen schon sehr lange installiert. Erreicht der Stromverbrauch im Laufe des Tages einen kritischen Höchstwert, dann werden „unkritische“ Verbraucher für ein paar Sekunden oder Minuten abgeschaltet.

Was „unkritische“ Verbraucher sind, entscheidet das Unternehmen allerdings selbst und es entscheidet, über die Reihenfolge, in der bestimmte Verbraucher abgeschaltet werden, um den Schaden durch Unterbrechung der Stromversorgung so gering wie möglich zu halten. So bleibt es zum Beispiel nahezu folgenlos, wenn die Gargeräte in der Küche der Betriebskantine für ein paar Minuten abgeschaltet werden, während die Abschaltung der IT-Netze katastrophale Folgen haben könnte.

Die Stromversorger haben nun den Gedanken entwickelt, die Ladeinfrastruktur der E-Mobilität dann vom Netz zu trennen, wenn der produzierte Strom im europäischen Verbundnetz nicht ausreicht, um alle Abnehmer damit zu versorgen. Strommangel, wie er hier erwartet wird, kann nämlich relativ schnell zu großflächigen Blackouts führen, wobei ein auf Wind- und Sonnenstrom basierendes Netz nur unter größten Schwierigkeiten und in einem mehrtägigen Prozess wieder hochgefahren werden kann.

Das ist die eine Seite.

Die andere Seite sieht Peter – Milchmädchen – Altmaier in der Rolle des Förderers der E-Mobilität. Da freut er sich mit, wenn die Hersteller verkünden, dass die Ladezeiten bald massiv verkürzt werden können, weil Autos, deren Betankung mehrere Stunden in Anspruch nimmt, von jenen Kunden, die vorher denken, überhaupt nicht angenommen werden. Also bringt VW für den iD.3 jetzt das Laden mit 170 Kilowatt auf den Markt.

Peter-Altmaier-CDU-Elektromobilitet-Elektrowahn-Elektroautomobile-Wachstumsministerium-Kritisches-Netzwerk-Spitzenglaettung-Stromkosten-Milchmaedchenrechnung

Abgesehen davon, dass kaum irgendwo Leitungen liegen, weder im Einfamilienhaus, noch an öffentlichen Straßen, Parkplätzen und Autobahn-Raststätten, deren Querschnitt und Absicherung so bemessen ist, dass, wenn die 170 Kilowatt angefordert werden, weder die Sicherung rausfliegt, noch das Kabel in Brand gerät, bedeutet das gleichzeitige Laden von nur 20 iD.3 mit der 170 Kilowatt Ladefähigeit bereits eine Last von 3,4 Megawatt. Das ist die Leistung einer großen Windturbine – falls denn der Wind weht.

Windstille? Wie viel Leistung bringt Windenergie? Die Antwort, mein Kind, weiß ganz allein der Wind …

Der Wind kann kräftig wehen wenn die Sonne kräftig scheint, er kann kräftig wehen, wenn die Sonne nicht scheint, er kann nicht wehen, wenn die Sonne kräftig scheint und er kann nicht wehen, wenn die Sonne nicht scheint. Addiert man die Windleistung zur Solarstromleistung erfährt die Leistungskurve eine durchaus nicht wegzuleugnende Glättung. Es gibt schließlich folgende Paarungen:

  Sonne Wind Ergebnis
       
Tagsüber viel Sonne viel Wind Spitzenertrag
  wenig Sonne viel Wind mittlerer Ertrag
  viel  Sonne wenig Wind mittlerer Ertrag
  wenig Sonne wenig Wind unzureichender Ertrag
       
Nachts keine Sonne viel Wind mittlerer Ertrag
  keine Sonne wenig wind unzureichender Ertrag
       

 

Für die Zukunft der E-Mobilität lässt sich also eine Vorhersage machen, die ungefähr so lautet:

Je mehr alltagstaugliche, und das heißt eben auch „schnellladefähige“ E-Mobile auf unseren Straßen unterwegs sein werden, desto länger werden die Wartezeiten an der Ladesäule, weil dann nämlich für bis zu zwei Stunden pro Tag kein Strom aus der Steckdose kommt.

Das ist ein Versuch, die Bewirtschaftung des bewusst herbeigeführten Mangels zu optimieren, ohne den Mangel selbst zu beheben.

Volkswagen-ID-3-Eidiedrei-Elektroantrieb-Elektroauto-Elektrofahrzeuge-Elektrifizierung-Elektromobilitaet-Elektropraemie-Kritisches-Netzwerk-MEB-Plattform-ZwickauNatürlich wird der gezielt verursachte Stromausfall relativ bald zur Normalität werden, weil man dem sonst aus Lastgründen drohenden Ausfall der gesamten Stromversorgung vorbeugen muss. (Erinnert irgendwie an die Lockdown-Strategie: Alles herunterfahren, um Schlimmeres zu verhüten.)

Aber die Abschaltung der Ladesäulen wird nur der Anfang sein. Relativ bald wird man der Versorgung weiter Teile der öffentlichen Ladesäulen-Infrastruktur eine sehr hohe Priorität einräumen und stattdessen lieber vermehrt die Last der privaten Haushalte abwerfen. Dank Smart-Meter-Technologie wird das ein Kinderspiel.

Wir werden nie mehr wissen, wann und für wie lange uns elektrische Energie zugebilligt wird. Dafür wird dann irgendwann der Batteriepuffer im Keller verpflichtend vorgeschrieben. Trotz regelmäßiger Kontrolle durch den TüV wird das mittelfristig auch die Prämien der Gebäudebrandversicherung in die Höhe treiben.

Warum der Wirtschaftsminister so widersprüchlich handeln kann, nämlich zugleich den Ausbau der E-Mobilität fördern und die sichere Stromversorgung durch Abschaltung der Grundlastkraftwerke gefährden, würde sich leichter erschließen, wenn der Name des Ministeriums der Wahrheit entsprechend in Wachstumsministerium geändert würde.

Unser gesamtes, funktionierendes Energieversorgungssystem wird mit Abwrackprämien im Umfang von vielen Milliarden Euro in die Verschrottung getrieben, um aus dem so geschaffenen Chaos heraus neues, unsinniges, ressourcenvernichtendes Wachstum zu ermöglichen.

Das ist etwas besser als einen Krieg zu verlieren und hinterher alles neu aufbauen zu müssen. Das stimmt schon. Aber viel intelligenter kommt es mir nicht vor.

Ei-ei-ei, Ei-dideldei, ID.3

Egon W. Kreutzer, Elsendorf

Egon-Wolfgang-Kreutzer-Kritisches-Netzwerk-Helmut-Schnug-Elektroautos-Elektrofahrzeuge-Elektromobilitaet-Elektroschwachsinn-Elektrowahn-Strommangel-Stromverbrauch
_____________________

Link zur geplanten Spitzenglättung: »Zwangsabschaltung für E-Autos gefordert: Stromversorger befürchten Überlastung der Netze«, von Dieter Petereit, t3n.de, 5.12.2020 >> weiter.

170 kw Ladefähigkeit: »Neuer ID.3 soll bald mit bis zu 170 Kilowatt laden können. Der Volkswagen ID.3 soll bald noch deutlich schneller laden können als mit der bisherigen Spitzenmarke von 125 Kilowatt.«, von Andreas Donath, golem.de, 13.12.2020 >> weiter.

»Strombelastbarkeitstabelle« Berechnung von Leitungsquerschnitten: (Ampere x Volt = Watt. 1 Kilowatt = 1000 Watt. Beispiel: 170 kw bei 230 Volt = 740 Ampere//bei 1000 Volt=170 Ampere). >> weiter.

»Software-Probleme: VW parkt Autos, was das Zeug hält. Seit geraumer Zeit schon hat der Konzern Schwierigkeiten bei der Softwareentwicklung - das Elektroauto ID.3 wird deshalb ohne vollständiges Betriebssystem vorproduziert, in der Hoffnung, die Software später draufzuspielen, wenn sie denn irgendwann fertig wird. In der Zwischenzeit parken Tausende ID.3s als seelenlose Hüllen, teils am Gelände der VW-Fabrik in Zwickau, teils auf einem riesigen Parkplatz in Sachsen, den VW der Öffentlichkeit gar nicht gerne zeigt«. von Angelika Slavik, sueddeutsche.de, 19. Mai 2020 >> Artikel.

»Ei-ei-ei, Ei-dideldei, ID.3 - Volkswagen baut den Eidiedrei« von Egon W. Kreutzer, 05. November 2019 >> weiter.


Quelle: Der Artikel wurde am 14. Dezember 2020 erstveröffentlicht auf Egon W. Kreutzers Webseite egon-w-kreutzer.de >> Artikel. Autor Egon Wolfgang Kreutzer, Jahrgang 1949, ist ein selbstdenkender, kritischer und zuweil bissiger Unruheständler aus dem niederbayrischen Elsendorf. Kreutzer greift bewusst regierungs- und systemkonformes Denken und Verhalten an und durchbricht auch mal Tabus. Dabei bedient er sich der Stilmittel der Ironie (harmlos), des beißenden Sarkasmuses (härter) und des verhöhnenden Spotts, welche auch mal in Polemik münden.

Kreutzer wird gelegentlich als zynisch empfunden, allerdings sollte zwischen der 'Äußerung' und der 'Absicht' unterschieden werden. Tatsächlich prangert er - ohne sich hinter einem Pseudo zu verstecken - empfundene Missstände offen und in seiner ureigenen Weise an, was bei Lesern zu unterschiedlichen Reaktionen führt - von Übereinstimmung, Lob, Begeisterung bis hin zu Irritation, Aufregung und Ablehnung.

ACHTUNG: Die Bilder, Grafiken und Illustrationen sind nicht Bestandteil der Originalveröffentlichung und wurden von KN-ADMIN Helmut Schnug eingefügt. Für sie gelten ggf. folgende Kriterien oder Lizenzen, s.u.. Grünfärbung von Zitaten im Artikel und einige zusätzliche Verlinkungen wurden ebenfalls von H.S. als Anreicherung gesetzt.

► Bild- und Grafikquellen:

1. Der CDU-Politiker Peter Altmaier (* 18. Juni 1958 in Ensdorf, Saar) ist seit dem 14. März 2018 Bundesminister für Wirtschaft und Energie im Kabinett Merkel IV. Warum der Wirtschaftsminister so widersprüchlich handeln kann, nämlich zugleich den Ausbau der E-Mobilität fördern und die sichere Stromversorgung durch Abschaltung der Grundlastkraftwerke gefährden, würde sich leichter erschließen, wenn der Name des Ministeriums der Wahrheit entsprechend in Wachstumsministerium geändert würde. Bildbearbeitung: Wilfried Kahrs (WiKa).

2. Peter Altmaier neben Dr. Angela Merkel auf dem CDU-Parteitag 2019 am 23. November 2019 in Leipzig. Foto: © Olaf Kosinsky, Mainz - seit 2009 als Autor und Fotograf in der Wikipedia aktiv, hauptsächlich in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Geschichte. Seine Webseite >> https://kosinsky.eu/ . Kontakt: info@kosinsky.eu . Quelle: Wikimedia Commons. Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland“ lizenziert (CC BY-SA 3.0 DE). Der Bildausschnitt des Originalfotos wurde von KN-ADMIN an der Unterseite etwas eingekürzt. Die Lizenz bleibt erhalten!

3. Symbolfoto: Der VW ID.3 ist das erste rein als Elektroauto konzipierte Auto von Volkswagen. Die offizielle Vorstellung fand am 9. September 2019 auf der IAA in Frankfurt statt. Das Fahrzeug basiert auf der MEB-Plattform als Grundlage einer Vielzahl kommender Elektrofahrzeuge. Foto: Sue Cro. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung-Nicht kommerziell 2.0 Generic (CC BY-NC 2.0).