Finanzkraken BlackRock & Co. auf dem Vormarsch

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Finanzkraken BlackRock & Co. auf dem Vormarsch
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Finanzkraken BlackRock & Co. auf dem Vormarsch

Risiken für Beschäftigteninteressen und Wettbewerb

Pressemitteilung der Hans-Böckler-Stiftung

Vermögensverwalter kaufen sich bei deutschen Unternehmen ein, oft finanziert über populäre ETF-Fonds (englisch exchange-traded fund, ETF). Allein der Marktführer BlackRock hielt Ende 2016 Anteile im Wert von 6,1 Prozent der Marktkapitalisierung aller DAX-Konzerne. Die Vermögensverwalter versuchen, eine neue Kultur der Unternehmensführung durchzusetzen, bei der Anteilseigner wie sie noch zusätzliche Einflussmöglichkeiten bekommen.

krake_finanzkrake_black_rock_heimliche_weltmacht_finanzgigant_kritisches_netzwerk_fondsgesellschaft_schattenbank_larry_fink_vermoegensverwalter_vermoegensverwaltung_wall_street.png Die längerfristigen Interessen von Unternehmen u. Verbrauchern, aber vor allem die der Beschäftigten können dadurch an den Rand gedrängt werden, zeigt eine neue Studie aus dem Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.) der Hans-Böckler-Stiftung. Stärkere Mitbestimmungsrechte können ein Gegengewicht bilden.

An Einfluss gewonnen haben vor allem internationale Vermögensverwalter wie BlackRock, State Street Corporation oder Vanguard Group, die häufig ein angelsächsisch geprägtes Verständnis von Unternehmensführung mitbringen, konstatiert Studienautor Alexander Sekanina. Die Finanzkrise hat ihnen wenig anhaben können. Im Gegenteil: Während die Banken aus Sicherheitsgründen stärker reguliert wurden, sind BlackRock und Co. in freiwerdende Geschäftsfelder vorgestoßen. Mittlerweile verkörpern sie damit eine neue Qualität von Anteilseigner: „Neu ist die zunehmende Wucht jener Meinungsmacht, die mit der ähnlichen Ausrichtung, den finanziellen Verflechtungen und dem wirtschaftlichen Einfluss der Vermögensverwalter als maßgeblichen Akteuren an den Finanzmärkten weltweit entstanden ist“, schreibt der I.M.U.-Experte.

Etwa 60 Prozent aller DAX-Aktien befinden sich im Besitz von institutionellen Investoren, der allergrößte Teil davon kommt aus den USA, Großbritannien und dem europäischen Ausland. Allein BlackRock besaß Ende 2016 DAX-Aktien im Wert von rund 62 Milliarden Dollar, was gut sechs Prozent des gesamten Börsenwerts aller Unternehmen im Deutschen Aktienindex entspricht. Vor allem in Unternehmen mit großem Streubesitz verleiht solch ein einstelliger Anteil bereits erhebliches Gewicht. Bei rund einem Drittel der DAX-Konzerne ist der US-Vermögensverwalter größter Einzelaktionär.

heike_buchter_black_rock_eine_heimliche_weltmacht_greift_nach_unserem_geld_kritisches_netzwerk_finanzkrake_krake_fondsgesellschaft_schattenbank_larry_fink_vermoegensverwalter.jpgEin großer Teil des Geldes steckt in passiven, quasi automatisierten Investmentvehikeln, sogenannten ETFs (Exchange Traded Funds). Ein passiver Indexfonds investiert beispielsweise in alle Unternehmen eines bestimmten Index, und zwar so viel, wie es dem Gewicht des Unternehmens im Aktienindex entspricht. Den Anlegern bietet ein ETF die Möglichkeit, mit nur einem Wertpapier in einen ganzen Markt zu investieren. Zu den Kunden zählen in erster Linie Vermögende, aber nicht nur, auch Kleinsparer sind darunter, oft vermittelt über Rentenfonds.

Auch wenn die ETFs bei vielen Anlegern beliebt sind: Ganz so neutral, wie es zunächst den Anschein hat, verhalten sich die Vermögensverwalter nicht. I.M.U. Experte Sekanina sieht problematische Entwicklungen auf drei Ebenen:

Das großflächige Engagement der Vermögensverwalter begünstige „mögliche Kartelltendenzen“. So ist BlackRock nicht nur größter Aktionär bei BAYER, sondern auch zweitgrößter Anteilseigner bei dessen künftigem Fusionspartner MONSANTO. Auch Vanguard ist bei beiden Unternehmen ein maßgeblicher Anteilseigner. Bei der Linde AG und PRAXAIR sind die beiden Vermögensverwalter ebenfalls jeweils stark beteiligt.

Welche Rolle spielt es für einen solchen Deal, wenn auf beiden Seiten die gleichen Großaktionäre stehen?

Was bedeutet es für den Wettbewerb und die Beschäftigten, wenn BlackRock an jedem Unternehmen im DAX beteiligt ist?

Mit dieser Frage beschäftigt sich bereits die deutsche Monopolkommission. Verschärft wird das Problem nach Sekaninas Analyse dadurch, dass etwa BlackRock, StateStreet oder Vanguard untereinander Beteiligungen halten. Zum Zweiten sorge der automatisierte Ansatz der Vermögensverwalter für einen gewissen Gleichklang von Anlageentscheidungen – was einen Herdentrieb auslösen kann, der die Kursschwankungen an den Aktienmärkten verstärkt.

Drittens halten sich die passiven Vermögensverwalter zwar gerne im Hintergrund und überlassen im ungünstigsten Fall aggressiven Finanzinvestoren das Feld. Gleichzeitig verfolgen sie aber – kaum bemerkt von der Öffentlichkeit – auch eigene Ziele. Das zeigen laut Studie zum Beispiel ihre Abstimmungsrichtlinien für Hauptversammlungen, in denen bestimmte Themen immer wieder auftauchen:

stakeholder_interne_externe_teilhaber_anspruchstraeger_kritisches_netzwerk_mitarbeiter_kunden_lieferanten_glaeubiger_blackrock_investmentfonds_schattenregierung_streubesitz_einflussnahme.png- die Verlagerung von Entscheidungen vom Aufsichtsrat in die Hauptversammlung, zum Beispiel in Fragen der Vorstandsvergütung;

- die Forderung nach separaten Gesprächskanälen („Investorengespräche“) zwischen einzelnen institutionellen Investoren und dem Management beziehungsweise dem Aufsichtsratsvorsitzenden;

- die Verlagerung des Unternehmenssitzes ins Ausland, sofern dadurch Kosten gesenkt werden.

All diese Initiativen dienen dazu, erläutert Alexander Sekanina, die Unternehmensführung nach Aktionärsinteressen auszurichten, während der Aufsichtsrat als Mitspracheorgan der Stakeholder – speziell der Beschäftigten – geschwächt wird.

Das deutsche System der Unternehmensführung müsse „wetterfest gegen einen zunehmenden Import interessenmonistischer Ansätze gemacht werden, welche die Unternehmensleitung alleine auf ein Aktionärsinteresse verpflichten wollen“, so Sekanina. Der erhebliche Einfluss von Vermögensverwaltern und Stimmrechtsberatern auf Unternehmen und politische Prozesse lasse erwarten, dass der Druck hinter diesem „Corporate-Governance-Mainstream“ in den kommenden Jahren noch zunehmen wird. „Der zentrale Pfeiler eines Stakeholder-orientierten Gegenmodells muss somit vor allem eine institutionell gestärkte Unternehmensmitbestimmung sein.
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Weitere Informationen:

boeckler.de/pdf/p_mbf_report_2018_42.pdf

Alexander Sekanina: "Finanzinvestoren und Mitbestimmung. Wie der Wandel der Investorenlandschaft die Mitbestimmung herausfordert", Mitbestimmungsreport Nr. 42, April 2018. >> weiter.

Infografik zum Download: in Böckler Impuls 09/2018

Kontakt:

Alexander Sekanina, Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.) der Hans-Böckler-Stiftung >> weiter.

Rainer Jung, Leiter Pressestelle >> weiter.

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pin_green.gifBlackRock - Die Schattenregierung der USA // DOKU (Dauer 43:22 Min.)



► Quelle: Pressemitteilung der Hans-Böckler-Stiftung vom 24.05.2018 >> Text. Die Bilder sind nicht Bestandteil der Pressemitteilung und wurden von KN-ADMIN Helmut Schnug eingefügt. Bitte nachfolgende Hinweise beachten: 

► Bild- und Grafikquellen:

1.  Finanzkrake BlackRock gewinnt unaufhaltsam politischen Einfluss und muss daher als heimliche Weltmacht gesehen werden. Grafik: ArtsyBee / Oberholster Venita  •  Brits/South Africa.  Quelle: Pixabay. Alle bereitgestellten Bilder und Videos auf Pixabay sind gemeinfrei (Public Domain) entsprechend der Verzichtserklärung Creative Commons CC0. Das Bild unterliegt damit keinem Kopierrecht und kann - verändert oder unverändert - kostenlos für kommerzielle und nicht kommerzielle Anwendungen in digitaler oder gedruckter Form ohne Bildnachweis oder Quellenangabe verwendet werden. >> Grafik.

2. Buchcover: "BlackRock. Eine heimliche Weltmacht greift nach unserem Geld" v. Heike Buchter. Campus Verlag Frankfurt / New York. Ersch. 2015, Hardcover gebunden, 24,99 €, ISBN (Print) 978-3-593-50458-2. Auch als PDF und EPUB erhältlich.

Geld. Macht. BlackRock (Verlagstext!)

Mächtig wie kein anderes Unternehmen, doch viel zu vielen unbekannt. Noch nie hat es ein Imperium wie BlackRock gegeben. Mehr als vier Billionen Dollar verwaltet der amerik. Vermögensverwalter. Keine Bank, kein Fonds hat annähernd so viel Einfluss. BlackRock investiert, analysiert und berät Großinvestoren, Finanzministerien, Notenbanken. Längst hält die "Schattenbank", die unterhalb des Radars nationaler und internationaler Bankenaufsichtsbehörden agiert, relevante Anteile der wichtigsten Unternehmen wie Allianz, BASF, Adidas oder der Deutschen Bank.

Gründer und Chef von BlackRock, Larry Fink, spinnt unsichtbare Fäden in der globalen Wirtschaft, aber auch hier, direkt vor unserer Haustür. Eine falsche Bewegung, und die Finanzwelt könnte ins Wanken geraten. Es ist höchste Zeit, BlackRock ins Visier zu nehmen.

Autorin Heike Buchter, New York Korrespondentin für Die ZEIT:

- hat das erste Buch über den mächtigsten Finanzgiganten der Welt geschrieben.
- zeigt, welche Gefahren und Bedrohungen von BlackRock ausgehen.
- macht klar, dass uns die Entscheidungen von BlackRock direkt betreffen, jeden Tag.
- Unverzichtbar für alle, die sich mit der Finanzwelt auseinandersetzen. Und natürlich für alle, die wissen wollen, wer im Hintergrund die Fäden zieht. (Campus Verlag)

3. Stakeholder: Im Unterschied zum Shareholder-Value-Prinzip, das Bedürfnisse und Erwartungen der Anteilseigner einer Organisation (z. B. die Aktionäre bei einer Aktiengesellschaft) in den Mittelpunkt des Interesses stellt, versucht das Prinzip der Stakeholder, die Organisation in ihrem gesamten sozialökonomischen Kontext (der Umwelt) zu erfassen und die Bedürfnisse der unterschiedlichen Anspruchsgruppen in Einklang zu bringen.

In Erweiterung zum sogenannten Customer-Relationship-Management (CRM), welches sich lediglich mit den Beziehungen einer Organisation zu ihren Kunden auseinandersetzt, geht das Prinzip des Stakeholder-Relationship-Managements (SRM) deutlich weiter, da es versucht, die Beziehungen der Organisation zu allen, bzw. seinen wichtigsten Anspruchsgruppen in Einklang zu bringen. >> Infos b. Wikipedia.

Auf dem Bild sind die typischen internen und externen Stakeholder eines Unternehmens zu sehen. Urheber: Grochim. Quelle: Wikimedia Commons. Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung 3.0 nicht portiert“ lizenziert.