Die Hinterfragung herrschaftsbedingter Tabus
»Was ist die Signatur einer aufgeklärten Zeit? . . Richtig!
Verbannung des Tabus in die Arsenale der Vergangenheit.«
Von Dr. Gerhard Mersmann | Forum-M7.com [3]
Wenn Tabus herrschen, dann ist das der Ausdruck einer unausgesprochenen Herrschaft von Menschen, Interessen und Konventionen. Letzteres ist in der Menschheitsgeschichte eher der Normalfall. Doch wenn die Form von Herrschaft vor allem vom Tabu bestimmt wird, dann ist auch der Diskurs über die Herrschaft unterbunden.
Wenn nicht mehr gefragt werden darf, warum etwas so ist, wie es ist, dann ist wird die Herrschaft der Vernunft entzogen. Man könnte auch sagen: alles was dem Räsonnement verwehrt wird, ist eine Form der Despotie.

Es existieren Tabus, die sich vor allem auf das Sittenleben beziehen, die einem tiefen gesellschaftlichen Konsens entspringen. Sie beziehen sich auf das Zusammenleben und ergeben durchaus einen Sinn. Die Menschenrechte sind so ein Beispiel. Wenn es Tabu ist,
• Menschen zu diskriminieren,
• Menschen in ihrer Meinungsfreiheit zu beschränken,
• ihnen das Recht auf Freizügigkeit zu verwehren,
dann ist das eine Sache, die der Zivilisation wie der Vernunft entspringt. Wenn es jedoch nicht mehr gelingt, die vernünftige Grundlage eines unausgesprochenen Tabus zu erklären, dann ist auch in dieser Gesellschaft etwas schief gelaufen.
[4]Der Zeitgeist, auf den wir gesellschaftlich im Hier und Heute treffen, ist jedoch auf eine ganz andere, exzentrische Weise auf eine Tabuisierung zurückzuführen, die jeden Akt einer erratischen [unberechenbaren, chaotischen] Regierungsführung unter Schutz stellen soll. Jede wie auch immer geartete Form von Regierungshandeln unterliegt dem Tabu der Nachfrage.
Wir alle kennen es:
• Wer nachfragt, welche tatsächlichen Interessen hinter militärischen Interventionen außerhalb des eigenen Territorium stecken,
• wer sich erkundigt, warum eine Regierungskrise in Hongkong die Regierung mehr erregt als ein Bürgerkrieg im benachbarten Frankreich,
• wer wissen will, welchen ökologischen Impact militärische Operationen haben
• oder wer generell danach fragt, warum einerseits kritische Stimmen mit dem Bann belegt werden während andere, eindeutig interessenfinanzierte Meinungsmacher ein breites Forum bekommen,
wird zur Paria [im Sinne von Ausgestoßener, Außenseiter, gesellschaftlich Geächteter, Diskriminierte; H.S.] erklärt. Zumeist mit dem zynischen Kommentar, wer wirres Zeug redet, müsse damit rechnen, auch Gegenwind zu bekommen.
Alle, wirklich alle despotischen Herrschaftsformen haben sich des Mittels bedient, diejenigen, die die herrschaftsbedingten Tabus hinterfragt haben, ob ihrer geistigen Zurechnungsfähigkeit anzuzweifeln, um sie dann — bei Bedarf, wenn der Ruf der Delinquenten erst einmal ruiniert war — zu vernichten. Das Beispiel Julian Assange zeigt, wie despotisch es zugeht. Weil er das Tabu gebrochen hat, den Terror und die Folter der Mächte des „Guten“ mit Schweigen zu belegen, soll er nun vernichtet werden.

»Nahezu alle Kriege der letzten 50 Jahre sind ein Resultat medialer Lügen.
Die Medien hätten sie stoppen können. Bevölkerungen wollen keinen Krieg.
Bevölkerungen müssen in Kriege getrieben werden. [..]
Das Ziel ist ein endloser Krieg — nicht ein erfolgreicher Krieg.«
(- Julian Paul Assange)
Denken wir auch an die Gedenkfeiern der letzten Tage und den eindringlichen Appell der überlebenden Opfer des Holocausts, die Reaktion der demokratischsten Gesellschaft aller Zeiten ist Gleichgültigkeit!
Geistig Verwirrte, von 'Russland Bezahlte', von 'Verschwörungstheorien Besessene', von 'der Komplexität der Welt Überwältigte' stehen denen gegenüber, die jeden Herrschaftsmythos unreflektiert glauben schenken und sich in einer langweiligen, öden, überall immer gleichen Welt eines platzenden Warenmarktes als Gewinner der Globalisierung von den tatsächlichen Profiteuren und ihren Meinungsmaschinen feiern lassen.
⭐⭐⭐⭐⭐
»Es gibt keine gefährlichen Gedanken, das Denken an sich ist gefährlich.
Regierungen wollen keine Bevölkerung mit der Fähigkeit kritischen Denkens.
Sie wollen fügsame, obrigkeitshörige Arbeiter.
Menschen also, die gerade mal schlau genug sind, die Maschine am laufen zu halten,
doch gleichzeitig auch dumm genug, ihre Situation widerstandslos zu akzeptieren.« (H.S.)
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»Der Deutsche gleicht dem Sklaven, der seinem Herrn gehorcht ohne Fessel,
ohne Peitsche, durch das bloße Wort, ja durch einen Blick.
Die Knechtschaft ist in ihm selbst, in seiner Seele;
schlimmer als die materielle Sklaverei ist die spiritualisierte.
Man muss die Deutschen von innen befreien, von außen hilft nichts.«
(Heinrich Heine - Gedanken und Einfälle, Kap. 4)
⭐⭐⭐⭐⭐
Sie gleichen — dieser Hieb sei erlaubt — den bigotten Pietisten aus grauer Vorzeit, die jedes Tabu dazu nutzen, ihren eigenen, kleinlichen, selbstsüchtigen und schmutzigen Interessen im Schutze der Dunkelheit nachzugehen.
Denjenigen, die die profanen Tabus unserer Tage auf den hell erleuchteten Seziertisch werfen, gebührt Respekt.
In jeglicher Hinsicht.
Dr. Gerhard Mersmann

Gerhard Mersmann, Dr. phil., (Jahrgang 1956), gebürtiger Westfale, ist studierter Politologe und Literaturwissenschaftler. Er arbeitete in leitender Funktion über Jahrzehnte in der Personal- und Organisationsentwicklung. In Indonesien beriet er die Regierung nach dem Sturz Soehartos bei ihrem Projekt der Dezentralisierung. In Deutschland versuchte er nach dem PISA-Schock die Schulen autonomer und administrativ selbständiger zu machen. Er leitete ein umfangreiches Change-Projekt in einer großstädtischen Kommunalverwaltung und lernte dabei das gesamte Spektrum politischer Widerstände bei Veränderungsprozessen kennen.
Die jahrzehntelange Wahrnehmung von Direktionsrechten hielt ihn nicht davon ab, die geübte Perspektive von unten beizubehalten. Publizistische Aktivitäten durchziehen seine gesamte Biographie. Seine Erkenntnisse gibt er in Form von universitären Lehraufträgen weiter. Sein Blick auf aktuelle gesellschaftliche, kulturelle wie politische Ereignisse sind auf seinem persönlichen Blog M7 regelmäßig nachzulesen. >> https://form-7.com/ [3] .
► Quelle: Dieser Beitrag wurde am 07. Mai 2026 erstveröffentlicht auf https://form-7.com/ >> Artikel [5]. Eigentümer, Herausgeber und für den Inhalt verantwortlich ist Gerhard Mersmann.
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1. Schweigen (Redeverbot, Sprechverbot, Mundtotmachen, Nachfrageverbot). Wenn nicht mehr gefragt werden darf, warum etwas so ist, wie es ist, dann ist wird die Herrschaft der Vernunft entzogen. Man könnte auch sagen: alles was dem Räsonnement verwehrt wird, ist eine Form der Despotie. Illustration: geralt / Gerd Altmann, Freiburg (user_id:9301). Quelle: Pixabay [6]. Alle Pixabay-Inhalte dürfen kostenlos für kommerzielle und nicht-kommerzielle Anwendungen, genutzt werden - gedruckt und digital. Eine Genehmigung muß weder vom Bildautor noch von Pixabay eingeholt werden. Auch eine Quellenangabe ist nicht erforderlich. Pixabay-Inhalte dürfen verändert werden. Pixabay Lizenz [7]. >> Illustration [8].
2. Meinungsunfreiheit. Das Kanalisieren von Narrativen endet in einem Informationsmonopolismus der Herrschenden und ihrer treuherzigen Marionetten, der den beliebigen und dehnbaren Maßstab für das Richtige, Gute und Zulässige darstellen soll – und neben dem alle anderslautenden Standpunkte, Positionen und Äußerungen als anrüchig, verwerflich oder illegitim angesehen werden.
Das in einer Volksherrschaft so immanent verhaftete Merkmal größtmöglicher Meinungsvielfalt wird im Augenblick durch diejenigen zerstört, die für ihre ökosozialistische Manier Absolutheit beanspruchen – und in der öffentlichen Wahrnehmung jede Form von Patriotismus, Identitarismus und Konservativismus mit einem Gefühl des Ekels versehen möchten. Und weil dies in einer zunehmend aufklarenden Gesellschaft immer mühseliger wird, holt man neben der Moralkeule nun auch vermehrt das Instrument des Verbots heraus.
Foto: Angela_Yuriko_Smith / Angela Yuriko Smith, Niceville/Brasil (user_id:6341455). AngelaYSmith.com. Quelle: Pixabay [6]. Alle Pixabay-Inhalte dürfen kostenlos für kommerzielle und nicht-kommerzielle Anwendungen, genutzt werden - gedruckt und digital. Eine Genehmigung muß weder vom Bildautor noch von Pixabay eingeholt werden. Auch eine Quellenangabe ist nicht erforderlich. Pixabay-Inhalte dürfen verändert werden. Pixabay Lizenz [7]. >> Foto [9].
3. Julian Paul Assange (* 3. Juli 1971 als Julian Hawkins in Townsville, Queensland) ist ein australischer investigativer Journalist, Politaktivist, ehemaliger Computerhacker, Programmierer und Gründer sowie Sprecher der Enthüllungsplattform WikiLeaks. Diese sammelt Dokumente von Regimekritikern und Whistleblowern aus der ganzen Welt und stellt sie online zur Verfügung. Dadurch sollen der Öffentlichkeit illegale und unethische Aktivitäten von Regierungen und Institutionen zugänglich gemacht werden. Dafür erhielt Julian Assange zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Amnesty International Media Award (2009) und den Global Exchange Human Rights Award (2013).
Julian Assange wurde wegen seiner journalistischen Arbeit über Kriegsverbrechen von einem Imperium inhaftiert, das vorgibt, Journalisten zu verteidigen und Kriegsverbrechen zu bekämpfen. Assange und seine Verfolgung decken die riesigen Löcher in jeder Geschichte auf, die die westlichen Machtstrukturen erzählen. Es ist ein Justizskandal sondersgleichen. Am 25. Juni 2024 konnte Julian Assange überraschend aus Großbritannien ausreisen, da es zu einem Deal zwischen ihm und den US-Behörden gekommen war.
»Nahezu alle Kriege der letzten 50 Jahre sind ein Resultat medialer Lügen. Die Medien hätten sie stoppen können. Bevölkerungen wollen keinen Krieg. Bevölkerungen müssen in Kriege getrieben werden. [..] Das Ziel ist ein endloser Krieg — nicht ein erfolgreicher Krieg.« (-Julian Assange)
Illustration: CaitlinJohnstone / Caitlin Johnstone, Melbourne/Australia. (user_id:19695443). Quelle: Pixabay [6]. Alle Pixabay-Inhalte dürfen kostenlos für kommerzielle und nicht-kommerzielle Anwendungen, genutzt werden - gedruckt und digital. Eine Genehmigung muß weder vom Bildautor noch von Pixabay eingeholt werden. Auch eine Quellenangabe ist nicht erforderlich. Pixabay-Inhalte dürfen verändert werden. Pixabay Lizenz [7]. >> Illustration [10]. >> https://caitlinjohnstone.com/ [11] .
4. Texttafel: „Autocracy depends on loyality.“ - „Autokratie ist auf Loyalität angewiesen.“ - „L'autocratie dépend de la loyauté.“ Grafik (nur engl. Text): Christopher Dombres, Sète/France. Quelle: Flickr [12]. Die Datei ist mit CC-Lizenz CC0 1.0 Universell (CC0 1.0) Public Domain Dedication - Kein Urheberrechtsschutz lizenziert. Die Textgrafik besteht nur aus einfachen geometrischen Formen und Text. Sie erreichen keine Schöpfungshöhe, die für urheberrechtlichen Schutz nötig ist, und sind daher gemeinfrei. Die deutsch- und französischsprachigen Textzeilen wurde von Helmut Schnug eingearbeitet.
Als Autokratie oder Selbstherrschaft wird in der Politikwissenschaft eine Herrschaftsform bezeichnet, in der eine Einzelperson oder Personengruppe unkontrolliert politische Macht ausübt und keinen verfassungsmäßigen Beschränkungen unterworfen ist bzw. sie diese kontinuierlich aushebeln und unterlaufen. Autokratie ist eine durch den alleinigen Machtträger aus eigener Vollkommenheit selbst legitimierte Herrschaft. Ohne die Loyalität von Millionen Menschen (Wähler, Parteimitglieder, Gehirngewaschene, Mitläufer, Angepasste und Desinteressierte = nützliche Idioten) wären totalitäre und autokratische Verhältnisse, wie wir sie derzeit im Bund und in der EU erleben, nicht ausführbar.