Die Mobilisierung der Selbsterhaltungskräfte
»Etwas Besseres als den Tod findest du überall«
»Wirklicher Fortschritt ist nicht Fortgeschritten-Sein, sondern Fortschreiten.«
(-Bertolt Brecht, SZ 1988-04-16/17, S. 176)
Von Dr. Gerhard Mersmann | Forum-M7.com
Wem es an dieser Stelle bereits zu kompliziert ist, möge gleich aussteigen. Das ist kein arroganter Hinweis, sondern ernst gemeint. Tatsächlich ist die Frage der Erneuerung und Veränderung eine sehr komplizierte. Das, was zunächst schlicht aussieht, wird schwierig angesichts fast als archetypisch anzusehender Verhaltensmuster des Menschen. Denn selbst die, die einer gewissen Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen sie leben, aufgeschlossen gegenüber stehen, wünschen sich schon bald nach der Anstrengung etwas Ruhe:
• sei es, um das Veränderte zu erleben und zu bewerten, bevor sie sich erneut Gedanken über die Notwendigkeit weiterer Veränderungen machen,
• sei es, weil sie die neuen Verhältnisse so nach ihrem Vorteil geraten sehen, dass sie befürchten, nach weiteren Veränderungen in eine schlechtere Position zu kommen.

Alles steht auf dem Prüfstand, wenn die Veränderung namens Fortschritt in die bestehenden Verhältnisse rauscht und das Leben der Menschen durcheinander wirbelt. Wichtig ist, dass die Menschen, die davon betroffen sind, mit sich im Reinen sind. Sie sollten wissen, dass es sich um einen Prozess handelt, in dem sie Subjekt und nicht Objekt sind. Ist das gegeben, dann kann sich etwas Vernünftiges entwickeln.
Aber, und diese Überlegung drängt sich mit aller Macht auf, wie können Menschen, die seit langer Zeit als Objekte ge- und behandelt wurden, plötzlich zu Subjekten werden? Um es gleich zu sagen: Gar nicht - es sei denn, sie wähnen sich in einer solchen Lage, dass sie bereit wären, der Maxime der Bremer Stadtmusikanten zu folgen: „Etwas Besseres als den Tod findest du überall“. [1]
Die Perspektive, die die vielleicht ungewollten Veränderungen des Fortschritts zeichnet, muss so verheerend sein, dass sich ein Großteil der Menschen nicht mehr getraut, darüber nachzudenken. Dann werden jene Selbsterhaltungskräfte mobilisiert, die aus Objekten Subjekte machen. Diese Subjekte sind jedoch nicht die mit dem Plan für eine vernünftige Veränderung.
Nein, bei ihnen handelt es sich um Angst gesteuerte, in ihrer Existenz bedrohte Menschen, die vermeintlichen Konzepten der schnellen Lösung folgen. Das, was normalerweise dann auch verheerend wirkt, ist nicht notgedrungen alles nur emotional, irreal und destruktiv. Im Kern befindet sich auch bei dieser Gruppe eine durchaus als sehr real empfundene Vorstellung von dem, was ist, und dem, was nicht sein darf.
Die jahrzehntelange Entmündigung großer Teile der Gesellschaft durch eine zunächst als perfide Fürsorgeideologie zu bezeichnende Bevormundung hat dazu geführt, dass nahezu die einzige verändernde Kraft aus den Reihen der großen Masse in einem Kampfdenken gegen das besteht, was vielleicht am besten als die rasende tägliche Veränderung bezeichnet werden kann. Diese Kräfte spüren, dass da etwas in die falsche Richtung gegangen ist und geht und nichts mit dem zu tun hat, was als die große Chance der Veränderung von einigen Kreisen propagiert wird.
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»Fortschritt bedeutet nicht, fortgeschritten zu sein, sondern fortzuschreiten.
Insofern ist die Atomisierung der Gesellschaft, wie wir sie derzeit erleben,
das größte Rollback seit Beginn der Moderne.
Unter technisch exzellenten Voraussetzungen versteht sich.
Interessant ist auch, dass man aus der Ferne begonnen hat, sich
zurückzulehnen und Wetten abzuschließen, wie lange eine Gesellschaft
eine solche Entwicklung (Spaltung / Zersetzung) wohl aushält.
Ob sie weiter den Weg beschreitet, der im Fiasko endet oder ob es Kräfte gibt,
die in der Lage sind, das Ruder noch einmal herumzureißen.«
(-Dr. Gerhard Mersmann, im Mai 2021)
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»Der sogenannte Fortschritt kann also auch Rückschritt bedeuten!
Es braucht Intelligenz, Wissen, Bewusstsein, Mut, Selbstdisziplin und natürlich
den eigenen Willen, sich zumindest den zahlreichen die Gesundheit, die Seele
und das allg. Wohlbefinden schädigenden Aspekte erfolgreich zu widersetzen.«
(Helmut Schnug)
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In diesem Kontext von Fortschritt zu sprechen, fällt schwer. Richtig wäre es, von Veränderungsprozessen auszugehen, die die Gesellschaft überrollen. Mit gemeinsamem Fortschreiten hat das wenig zu tun. Da werden Verhältnisse geschaffen, die angeblich keine Zeit lassen, darüber zu reflektieren und sich Zeit zu nehmen. Das ist das Wesen der Technokratie. Sie schafft Verhältnisse, die nur wenigen Nutzen bringen, aber die als unausweichlich charakterisiert werden. Ein falsches Spiel. Und ein böses Ende.
Dr. Gerhard Mersmann
[1] „Etwas Besseres als den Tod findest du überall“: „Ei was, du Rotkopf“, sagte der Esel, „zieh lieber mit uns fort, wir gehen nach Bremen, etwas Besseres als den Tod findest du überall. Du hast eine gute Stimme, und wenn wir zusammen musizieren, so wäre dies wohl fantastisch.“ Der Hahn ließ sich den Vorschlag gefallen und sie gingen alle zusammen fort.
Der Esel sagt diesen Satz zum Hahn, um ihn zum Mitkommen zu bewegen, da beide dem Schlachten oder Tod entkommen wollen. Die Botschaft: Der Ausspruch steht für Aufbruch, Zuversicht und die Hoffnung auf ein besseres Leben an einem anderen Ort. >> Grimms Märchen DIE BREMER STADTMUSIKANTEN >> siehe dazu den Text. Ergänzt von Helmut Schnug.
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»Kein größerer Irrtum, als zu glauben, dass das zuletzt gesprochene Wort«
stets das richtigere, jedes später Geschriebene eine Verbesserung des
früher Geschriebenen und jede Veränderung ein Fortschritt sei.«
Arthur Schopenhauer (* 1788 in Danzig; † 1860 in Frankfurt/M.)
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»Ratlosigkeit und Unzufriedenheit sind die ersten Vorbedingungen des Fortschritts.«
Thomas Alva Edison (* 1847 in Milan, Ohio; † 1931 in West Orange, New Jersey)
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»Die Kunst des Fortschritts besteht darin, Ordnung inmitten der Veränderung
zu bewahren und Veränderung inmitten der Ordnung.«
Alfred North Whitehead (* 1861 in Ramsgate; † 1947 in Cambridge, Massachusetts)
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»Der Fortschritt in den vergangenen fünf Jahrhunderten war größer
als in der gesamten vorhergehenden Geschichte. Eines der
beunruhigensten Probleme unseres Zeitalters besteht darin,
dass Denkgewohnheiten nicht so schnell geändert werden können
wie die Techniken: mit dem Ergebnis, dass zwar die Fähigkeiten wachsen,
die Weisheit jedoch verkommt.«
Bertrand Russell (* 1872 bei Trellech, Wales; † 1970 in Penrhyndeudraeth, Wales)
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»Den Fortschritt erkennt man schon daran, dass in jedem neuen Krieg
die Menschen auf andere Art getötet werden.«
Will Rogers (* 1879 in Oologah, Oklahoma; † 1935 am Point Barrow, Alaska)
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»Fortschritt besteht nicht in der Verbesserung dessen, was war,
sondern in der Ausrichtung auf das, was sein wird.«
Khalil Gibran (* 1883 in Bischarri, Osm. Reich, heute Libanon; † 1931 in New York, USA),
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»Fortschritt bedeutet, dass man die bekannten alten Sorgen gegen,
unbekannte neue, noch kompliziertere Sorgen eintauschen kann.«
José Ortega y Gasset (* 1883 in Madrid; † 1955 ebenda)
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»Der technologische Fortschritt hat uns lediglich
mit wirksameren Mitteln zum Rückschritt versehen.«
Aldous Huxley (* 1894 in Godalming, Surrey (England); † 1963 in Los Angeles)
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»Fortschritt ist die Fähigkeit der Menschen, Einfaches kompliziert zu machen.«
Thor Heyerdahl (* 1914 in Larvik, Norwegen; † in Colla Micheri, Andora, Italien)
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»Sei aktiv, gehe dahin, wo die Angst ist, tue das, was du für richtig hältst,
erkenne deine Fortschritte an, sei nett zu dir und lerne aus Erfahrung.«
Theo Schoenaker (* 1932 in Doetinchem, NL; † 2021 in Genemuiden, NL)
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»Wenn man im Zustand des Flow verbleiben möchte, muss man Fortschritte machen,
neue und größere Fertigkeiten erwerben und damit zu neuen,
also höheren Ebenen der Komplexität aufsteigen.«
Mihaly Csikszentmihalyi (* 1934 in Fiume; † 2021 in Claremont, USA)
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»Wer vorausdenkt, denkt Veränderung. Wer Veränderung denkt,
denkt quer für diejenigen, die keine Veränderung wollen.«
Kurt Hans Biedenkopf (* 1930 in Ludwigshafen; † 2021 in Dresden)
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»Gehirn: ein Organ, mit dem wir denken, dass wir denken.«
(-Ambrose Bierce, * 1842; † vermutlich 1914, US-amerik. Schriftsteller und Journalist)

Gerhard Mersmann, Dr. phil., (Jahrgang 1956), gebürtiger Westfale, ist studierter Politologe und Literaturwissenschaftler. Er arbeitete in leitender Funktion über Jahrzehnte in der Personal- und Organisationsentwicklung. In Indonesien beriet er die Regierung nach dem Sturz Soehartos bei ihrem Projekt der Dezentralisierung. In Deutschland versuchte er nach dem PISA-Schock die Schulen autonomer und administrativ selbständiger zu machen. Er leitete ein umfangreiches Change-Projekt in einer großstädtischen Kommunalverwaltung und lernte dabei das gesamte Spektrum politischer Widerstände bei Veränderungsprozessen kennen.
Die jahrzehntelange Wahrnehmung von Direktionsrechten hielt ihn nicht davon ab, die geübte Perspektive von unten beizubehalten. Publizistische Aktivitäten durchziehen seine gesamte Biographie. Seine Erkenntnisse gibt er in Form von universitären Lehraufträgen weiter. Sein Blick auf aktuelle gesellschaftliche, kulturelle wie politische Ereignisse sind auf seinem persönlichen Blog M7 regelmäßig nachzulesen. >> https://form-7.com/ .
► Quelle: Dieser Beitrag wurde am 23. September 2026 erstveröffentlicht auf https://form-7.com/ >> Artikel. Eigentümer, Herausgeber und für den Inhalt verantwortlich ist Gerhard Mersmann.
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2. »Die Bremer Stadtmusikanten ist ein bekanntes Märchen (ATU 130). Es steht in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm an Stelle 27 (KHM 27). Der alte Esel soll verkauft werden. Deshalb flieht er und will Stadtmusikant in Bremen werden. Unterwegs trifft er nacheinander auf den Hund, die Katze und den Hahn. Auch diese drei sind schon alt und sollen sterben. Sie folgen dem Esel und wollen ebenfalls Stadtmusikanten werden.
Auf ihrem Weg kommen sie in einen Wald und beschließen, dort zu übernachten. Sie entdecken ein Räuberhaus. Indem sie sich vor dem Fenster aufeinanderstellen und mit lautem „Gesang“ einbrechen, erschrecken und vertreiben sie die Räuber. Die Tiere setzen sich an die Tafel und übernehmen das Haus als Nachtlager. Ein Räuber, der später in der Nacht erkundet, ob das Haus wieder betreten werden kann, wird von den Tieren nochmals und damit endgültig verjagt. Den Bremer Stadtmusikanten gefällt das Haus so gut, dass sie nicht wieder fort wollen und dort bleiben.« Text: Wikipedia-Artikel).
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3. »Denkgewohnheiten müssen nicht für immer sein. Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Psychologie in den letzten zwanzig Jahren ist, dass der Einzelne die Art und Weise, wie er denkt, wählen kann.« (Martin Seligman). - »Habits of thinking need not be forever. One of the most significant findings in psychology in the last twenty years is that individuals can choose the way they think.« (Martin Seligman).
»Wohlbefinden ist in seiner Struktur ähnlich wie "Wetter" und "Freiheit": Kein einziges Maß definiert es erschöpfend, aber mehrere Dinge tragen dazu bei; dies sind die Elemente des Wohlbefindens, und jedes der Elemente ist eine messbare Sache.« ("Gedeihen" von Martin Seligman) - »Well-being is just like "weather" and "freedom" in its structure: no single measure defines it exhaustively, but several things contribute to it; these are the elements of well-being, and each of the elements is a measurable thing.« (- "Flourish" by Martin Seligman).
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4. Das Gehirn (auch Hirn; griechisch Encephalon, lateinisch Cerebrum) ist ein Organ des zentralen Nervensystems aller Wirbeltiere und einiger Wirbelloser, das insbesondere aus Nervengewebe besteht und von Hirnhäuten umgeben wird. Seine Hauptfunktion besteht in der sensorischen Informationsaufnahme, deren Verarbeitung und der Motorik (Steuerung der Muskulatur sowie des Hormonsystems). Die Länge aller Nervenbahnen des Gehirns eines erwachsenen Menschen beträgt etwa 5,8 Millionen Kilometer, das entspricht dem 145-fachen Erdumfang. Das Volumen eines menschlichen Gehirns liegt bei einem Mann bei durchschnittlich etwa 1,27 Liter, bei einer Frau bei etwa 1,13 L.
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