„Die PKK ist viel mehr, sie ist überall“ - die Rolle der PKK in den kurdischen Regionen.

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„Die PKK ist viel mehr, sie ist überall“ - die Rolle der PKK in den kurdischen Regionen.
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„Die PKK ist viel mehr, sie ist überall“

Ein Gespräch mit zwei Aktivisten aus Gever (Yüksekova), Newroz-Delegation 2017, 23.04.2017

von Civaka Azad – Kurdisches Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit e.V.

Eine Newroz-Delegation von Civaka Azad hat am 22.März 2017 zwei Aktivisten in der kurdischen Stadt Gever (türkisch Yüksekova) getroffen. Wir sprachen mit ihnen über die Auswirkungen der letztjährigen Ausgangssperren, über die anhaltende Repression des türkischen Staates und über die Rolle der PKK in den kurdischen Regionen.

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Delegation: Hallo Ali [1], hallo Güven [1]. Wir sind froh, euch hier in Gever zu treffen. Im letzten Jahr war die Stadt über zwei Monate hinweg massivster militärischer Angriffe ausgesetzt, die Menschen konnten ihre Häuser nicht verlassen. Wir wissen, dass hier aktuell immer noch nächtliche Ausgangssperren gelten. Auch gestern, an Newroz, gab es Schwierigkeiten. Könnt ihr uns erzählen, wie der Tag gestern verlief?

Ali: Wir haben uns an dem Platz versammelt, an dem Newroz gefeiert werden sollte. Vielleicht muss man etwas vorab wissen: Hier in Gever, in der Region, haben fast 99% der Menschen Sympathien für Öcalan, für die PKK. Daher begannen kurz nach Beginn des Festes einige Leute Slogans zu singen und zu rufen, zum Beispiel “Biji Serok Apo” [2]. Die Polizei wollte diese Leute festnehmen, aber die anderen Menschen haben das verhindert. Dann kam die Polizei mit Pfefferballs und Tränengas. Sie haben Personen angegriffen und auch ungefähr zehn Leute verhaftet. Einer davon kommt aus meinem Dorf. Er ist jetzt in Haft.

rojava_kurdistan_kurden_kurds_autonomie_selbstbestimmung_demokratie_syria_syrien_tuerkei_irak_iraq_voelkerrecht_abdullah_oecalan_kritisches_netzwerk_souveraenitaet.png Normalerweise feiern wir Newroz mitten in der Stadt, im Zentrum. Aber dieses Mal gaben sie uns nur die Erlaubnis, Newroz an einem abgelegenen Platz weit außerhalb zu feiern. Darum waren nicht so viele Menschen da, viele konnten gar nicht zu diesem Platz gelangen. Und zudem haben die Leute nach den Ausgangssperren auch Angst, verhaftet zu werden.

Delegation: Und wie ist die Situation mit der Zwangsverwaltung?

Ali: Vor der Zwangsverwaltung hat man die Polizei kaum gesehen; aber nun sind sie auf jeder Straße, an jeder Ecke stehen sie. Der aktuelle Zwangsverwalter ist auch der Gouverneur der Region. Die Leute wenden sich nicht an ihn, aber sie haben die Probleme auch nicht mit ihm, als Person. Die Leute hier, in Kurdistan, haben Probleme mit der Regierung, mit dem System.

Güven: Es ist nur eine Person. Es könnte auch jemand anderes sein, aber das System wäre dasselbe. Es ist eine Art Strategie, hat System: Sie nutzen jede Form der Machtausübung für sich. Wir müssen dieses System zerstören.

Delegation: Könnt ihr uns nochmal ein bisschen davon erzählen, wie die Situation kurz vor und während der Ausgangssperren war?

Ali: or den Ausgangssperren gab es eine ganze Zeit lang Ruhe. Es war, als warteten sie systematisch auf etwas. Sie haben Vorbereitungen dafür getroffen, die ganze Stadt zu zerstören. Mein Haus ist beispielsweise in der Nähe des Stadtzentrums. es gab hier keine PKK-Kämpfer, aber dennoch wurde auch mein Haus zerstört. Mit großem Hass und enormer Zerstörungswut. Sie fragen nur: Bist du kurdisch – und reich? Dann zerstören wir dein Haus gleich mit. Es wurden so viele Häuser in unterschiedlichen Plätzen zerstört. Insgesamt fast 16000 im Gebiet von Gever (Anm. lässt sich leider nicht richtig verifizieren, die offiziellen Zahlen liegen darunter). Viele viele Menschen haben die Stadt verlassen. Sie sind nicht hier geblieben.

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Güven: Weil sie auch nicht mehr bleiben konnten!

Ali: Ja, sie konnten hier nicht mehr bleiben, auch deshalb, weil ihre Kinder weggingen. Die Leute sahen im Fernsehen und in den Medien, was in Çizre, in Suruç oder Nusaybin passierte. Sie bekamen große Angst.

Güven: Es ist auch verständlich, dass man dann die Stadt verlässt, wenn man Angst hat. Das ist menschlich. Sie bleiben nicht, auch wenn sie politisch denken, es sei richtig, weil sie um das Leben ihrer Kinder besorgt sind. Niemand möchte, dass seine_ihre Kinder von der Polizei oder dem türkischen Militär inhaftiert oder getötet werden.

Delegation: Haben denn alle Menschen, deren Häuser zerstört wurden, die Stadt verlassen? Ich habe gehört, dass es Zelte gab für diejenigen, die bleiben wollten.

Ali: Ich gehe davon aus, dass die Hälfte der Leute hier blieben. Die andere Hälfte ist in andere Städte gezogen. Während der Ausgangssperren wurden auch viele Menschen getötet. Die genaue Anzahl der Menschen, die inhaftiert oder getötet wurden, ist aber nicht bekannt.

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Delegation: In welchem Zeitraum wurden die Ausgangssperren genau ausgerufen?

Ali: Sie waren zwischen dem 13. März und dem 31. Mai 2016.

Delegation: Im Sommer 2015 rief die kurdische Bevölkerung ja ihre politische Selbstverwaltung aus. War das auch in Gever der Fall?

Ali: Ja, natürlich auch hier. Die Menschen hier wollten nicht mehr durch den türkischen Staat regiert werden, darum setzen sie die Selbstverwaltung um.

Delegation: Kannst du uns erklären, wie genau das von statten ging?

Ali: Die HDP-Verwaltung bedeutet für die Leute hier vor allem den Rückbezug auf die eigene Tradition. Zum Beispiel wissen die Leute hier genau, wie sie in kleinen Gruppen miteinander leben können, wie sie sich selbst verwalten und gegenseitig unterstützen können. Das ist das soziale Leben der Kurdinnen und Kurden.

Delegation: Zuvor gab es ja auch schon einen HDP-Bürgermeister. Aber nun erhielt die Verwaltung Geld von der Regierung für die Verwaltung des Bezirks, richtig? Wie läuft das dann konkret ab?

Ali: Ja, der Staat hörte nicht auf, Geld zu schicken. Denn wenn sie aufgehört hätten, wäre das ein Eingeständnis: Okay, ihr seid ein anderes Land.

Delegation: Vor und während der Selbstverwaltung gab es ja viele Projekte die angegangen wurden, wie z.B. die Frauenzentren von KJA (Kongreya Jinên Aza; Anm. Kongress der Freien Frauen), Kurdische Schulen, Kulturelle Angebote etc.

Güven: Ja klar, wir hatten einige, auch bereits davor. Aber jetzt gibt es nichts mehr, alles wurde geschlossen. Wir hatten kurdische Vertretungen für fast alle Angelegenheiten. Aber sie haben alles geschlossen.

Delegation: Und wie ist es konkret abgelaufen? Wie reagierte der Staat, die Polizei und das Militär auf die Selbstverwaltung? Am Ende gab es die Ausgangssperre und die Repression, aber wie hat sich die Situation zugespitzt?

Güven: Okay, wir hatten das Budget und die Stadtverwaltung. Die Regeln waren so wie wir sie wollten: Das Gericht ist kurdisch, die Wirtschaft ist kurdisch – wie das kommunale (gemeinschaftliche) System in den Dörfern. Wir hatten das System eigentlich bereits so, aber dann kam der Staat und zerstörte alles.

Ali: Wir sind ein Volk, ein kurdisches Volk. Man macht etwas, aber man fühlt sich nicht wirklich wohl unter der Regierung und mit der Situation. Zum Beispiel ist eine kurdische Schule nicht genug für ein Volk. Das Kurdische ist ja nichts Neues, es handelt sich um ein uraltes Volk. Natürlich war das nicht genug! Wir brauchten die Selbstverwaltung und die öffentliche Erklärung derselben – aber keiner, nicht einmal die PKK, erwartete, dass die Regierung und das Militär so viele Städte zerstören würden. Sie haben natürlich eine Reaktion erwartet, aber nicht in diesem Ausmaß, mit tausenden Soldaten und einer solchen Zerstörung.

Delegation: Fällt mit der Erklärung der Selbstverwaltung auch der Beginn des Aufbaus von Selbstverteidigungsstrukturen zusammen?

Güven: Nein, das fand schon davor statt. Die YPS (Civil Protection Units; Anm. YPS ist die zivile Selbstverteidigungseinheit der Jugend in den Städten) zum Beispiel wurden als Selbstverteidigungskräfte ausgebildet.

Ali: Wisst ihr, was die Polizei gemacht hat? Sie warteten sechs, sieben Monate, bis die YPS wirklich Strukturen aufgebaut hatte. Sie haben die Schützengräben und die Tunnel ausgehoben und vieles mehr. Die Menschen in Gever haben der YPS natürlich dabei geholfen.

Delegation: Waren die YPS von der PKK organisiert?

Güven: Nein, von den Menschen hier.

Ali: Wisst ihr von der Bedeutung der PKK hier? Wir wissen, dass sie in den europäischen Ländern als terroristische Organisation gilt. Aber für die Kurdinnen und Kurden hier, in Kurdistan, haben wir ein Ausdruck: die Menschen sind PKK und die PKK ist hier, in den Städten. die PKK ist viel mehr, sie ist überall. Wir machen keinen Unterschied, keiner macht das hier. Als Beispiel: Ich habe nicht die Macht, eine Waffe zu tragen, vielleicht ist es auch nicht meine Aufgabe, aber ich würde sie tragen, wenn ich müsste. ich stehe der PKK nahe. Ich habe Sympathien für sie, wie alle Leute hier. Wenn dir hier jemand erzählt, dass er oder sie der PKK nicht nahe steht, dann hat diese Person meistens Angst. Die kurdischen Menschen wollen nicht unter der türkischen Regierung regiert werden.

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Delegation: In der Zeit, als die YPS sich für die Selbstverteidigung gerüstet hat, was passierte da mit der Polizei und dem Militär? Blieben diese in der Stadt oder haben sie sich zurückgezogen?

Ali: Die Polizei blieb während dieser Zeit nur in einem Areal, in ihrem Militär-Campus. Sie sind nirgends sonst hingekommen. Sie taten zu dieser Zeit nichts. Als die Ausgangssperren begannen – ihr wisst auch, was da zeitgleich in Çizre, in Nusaybin und Suruç geschah – haben sie begonnen, die Stadt zu zerstören. Und wenn man sich außerhalb der Stadt, in der Umgebung umsieht, da gibt es ebenfalls viele Orte, wo keine Häuser mehr stehen. Sie haben auch dort alles zerstört. In der Türkei sagen die Politiker oft, wir seien alle Brüder im Land. Ja, wir verstehen das so: Wir sind alle Brüder. Aber wie ist das möglich, dass mein Bruder zu meinem Haus kommt und dieses zerstört?

Güven: Weil es unser “Großer Bruder” (Big Brother) ist, der das so entschieden hat.

Ali: Man kann ja sogar vielleicht noch nachvollziehen, weshalb die Regierung die Orte angegriffen hat, an denen Barrikaden standen. Aber es ist nicht zu verstehen, warum sie all die anderen Orte angegriffen und zerstört haben, an denen sich die YPS überhaupt nicht befand und es auch sonst keine Probleme gab. Davon gibt es sehr viele hier in Gever. Sie sind zum Beispiel gezielt in die Häuser gegangen, sie haben in den Fernseher geschossen, sie haben Bilder aus den Rahmen geschnitten, sie haben viele schlimme Dinge dort gemacht.

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Delegation: Meinst du damit, dass sie auch faschistische Parolen an die Wände geschmiert haben?

Ali: Das ist eine ziemlich normale Sache. Wenn man es mit den anderen Dingen vergleicht, ist es nichts.

Delegation: Wie haben sie es geschafft, die Häuser zu zerstören?

Güven: Sie haben damit angefangen und 15 Tage lang nicht aufgehört. Sie haben einfach bombardiert. Die Polizisten und Soldaten sind zu dem Zeitpunkt nicht in die Stadt gekommen. Sie haben einfach nur darauf geschossen, es war egal, ob jemand zu Hause war. Sie haben sich vielleicht zwei Kilometer entfernt aufgestellt und die Stadt mit schwerer Artillerie beschossen. 15 Tage lang. Sie sind nicht in die Stadt selbst gekommen. Sie haben auch einige chemische Bomben genutzt, aber darüber weiß man nichts Genaueres: Die Häuser sind nämlich mit einer speziellen Technik in Brand gesetzt worden. Das waren keine normalen Brände.

Delegation: Meinst du Phosphor?

Güven: Ja, etwas wie Phosphor, aber weniger hart. Sodass Leute nicht sehen, dass es mit Chemikalien gemacht wurde, das könnte sonst Probleme geben. So haben sie alles gesäubert.

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Delegation: Gibt es hier auch etwas wie Özel Tim (Spezialeinheiten) und Scharfschützen?

Güven: Wir haben hier alle möglichen Arten von Militär. Auch so etwas wie SWAT mit jeder Menge Waffen und Spezialtechnik.

Delegation: Außerhalb der Stadt ist eine große Militärbasis. Dort sind momentan rund 80.000 Soldaten stationiert. Das sind so viele wie die Bevölkerung hier.

Güven: Natürlich gibt es auch Scharfschützen! Sie haben uns von den Dächern oder von hinter den Panzern aus attackiert.

Ali: Sie haben ein spezielles Computersystem in ihren Panzern. Aus hunderten Metern Entfernung zielen sie auf dich und treffen. Hätten die Kurdinnen und Kurden eine solche Technologie wie die Armee, dann würde das türkische Militär niemals die kurdische Bevölkerung besiegen. Niemals! Es ist auch ihrer Tradition, zu foltern. Ihr werdet keine kurdischen Menschen, etwa von YPG, sehen, die Folter anwenden. Selbst bei Kämpfern des Daesch nicht. Sie begegnen ihnen Angesicht zu Angesicht, die Gegner werden vielleicht in den Auseinandersetzungen getötet. Aber wenn sie Daesh-Kämpfer oder andere Soldaten gefangen nehmen, foltern sie nie. Das ist ein Grund, weshalb die Menschen sehr tiefe Sympathie für die YPG haben. (Yekîneyên Parastina Gel, deutsch:  bewaffnete kurdische Volksverteidigungseinheiten)

Sogar Menschen aus anderen Ländern kommen nach Rojava und kämpfen für die YPG. Frauen und Männer zusammen. Im Übrigen ist das auch ein anderes Problem, mit dem wir jetzt hier konfrontiert sind: Wie ihr wisst, ist die Rolle der Frauen in der Gesellschaft in der kurdischen Kultur und Geschichte sehr wichtig. Wir respektieren einander, wir sind dasselbe. Nach der Islamisierung hatte sich das geändert, aber heutzutage sind wir mit den Lehren von Abdullah Öcalan dabei, zu unseren Wurzeln zurück zu kehren: Das Frauen denselben Wert haben wie wir Männer. Wir respektieren sie, sie sind gleichgestellt in der Gesellschaft und haben dieselben Rechte wie die Männer. Wir sind zusammen, gleichauf.

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Delegation: Ihr habt über die Zerstörung in den Städten gesprochen. Ist das über die gesamte Stadt verteilt oder gibt es besonders zerstörte Bereiche?

Güven: Es gibt auch Konzentrationen, vor allem in drei großen Stadtteilen. In diesen haben sie alles zerstört. Aber in vielen anderen haben sie auch Zerstörung angerichtet, obwohl es dort keine YPS gab. Sie haben trotzdem die Häuser bombardiert.

Delegation: Wie heißen die Stadtteile, in denen die Zerstörung sehr groß ist?

Güven: Das sind Cumhuriyet, Güngür und Orman. Sie liegen direkt nebeneinander.

Delegation: Können wir sie uns später anschauen?

Güven: Ja, natürlich. Vielleicht alle außer Orman, dort liegt eine große Polizeistation.

Delegation: Wir haben uns in Wan (türk. Van) mit dem IHD (İnsan Hakları Derneği; Menschenrechtsverein) getroffen. Sie haben uns erzählt, das sich in der letzten Zeit etwas geändert hat: Die türkische Armee nimmt zwischenzeitlich keine Menschen mehr gefangen. Sie tötet sie einfach nur. Ihr habt erzählt, dass sie aber auch Leute festnehmen und foltern. Was hattet ihr für einen Eindruck in diesen Tagen? Kam das Militär in die Stadt und hat Leute verhaftet, bei denen sie eine Mitgliedschaft bei der YPS vermuteten, oder haben sie jeden, den sie sahen, einfach getötet?

Ali: Während der Zeit des Ausnahmezustands haben sie einfach Leute getötet. Sie haben niemanden verhaftet. Es wurden auch so viele Zivilisten in dieser Zeit ermordet.

Güven: Oder man musste wirklich nackt sein, um zu beweisen, dass man nicht gefährlich ist. Dann wurde man von der Polizei verhaftet. Wenn einer deiner Verwandten in einer PKK-Gruppe ist, gehst du ins Gefängnis. das war wirklich grauenhaft, wir mussten wirklich alle Kleidung ausziehen. Wie in Çizre, auf den Videos, sie zeigen, wie faschistisch das wirklich alles war.

Ali: In der Zeit der Ausgangssperren haben sie aber gleich geschossen. Sie wollten kein Risiko eingehen. Die Verhaftungen folgten dann nach den Ausgangssperren.

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Delegation: Machte nun der OHAL (Ausnahmezustand), nach dem missglückten Putschversuch, einen Unterschied für die Situation in der Stadt? Hat sich nochmals etwas geändert?

Ali: Ja, natürlich. Vor dem Ausnahmezustand konnte die Polizei dich ja nicht länger als 24 Stunden in Arrest nehmen, beziehungsweise konnten sie eine Person auch nicht ohne Grund festnehmen. Nach dem Putsch und unter OHAL können sie dich nun ohne Zeitlimit inhaftieren. An den Checkpoints führt das zu vielen Problemen. Hunderte von Autos warten dort zeitweise.

Delegation: Ist es möglich für die Familien, wieder an die zerstörten Orte zurück zu kehren? Können sie dort neue Häuser aufbauen?

Güven: Nein, es ist verboten, dort wieder neue Häuser aufzubauen. Sie können zudem auch nicht in die alten Häuser zurückkehren, wegen dem Eisen und den anderen Dingen. Es ist ebenfalls verboten. Sie haben anstatt dessen begonnen, TOKI- Gebäude (Anm. TOKI ist die türkische Städtebaugesellschaft, neue Wohnkomplexe werden danach benannt) in der Umgebung zu bauen – weit weg.

Ali: Es ist nicht so weit weg. Zwei oder drei Kilometer, man kommt daran vorbei, wenn man in Richtung Gever fährt. Sie werden auf den Hügeln gebaut, nicht in der Ebene.

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Delegation: Diese neuen TOKI- Häuser… Sind sie mit einem speziellen Sicherheitskonzept gebaut, damit die Armee dort besser einmarschieren kann?

Güven: Ja, es ist zudem nahe des Armee-Areals, auch die Polizei ist nicht weit entfernt.

Delegation: Akzeptieren die Menschen diese neuen Wohnungen und ziehen dort ein?

Ali: Der Bau der TOKIs hat erst angefangen. Einige Menschen werden sicherlich dorthin gehen, weil sie keinen anderen Ort zum Leben haben. Menschen mit Geld sehen zu, dass sie eigene Häuser mit ihrem eigenen Geld bauen.

Delegation: Können sie diese auf demselben Grund aufbauen, wo sie vormals gewohnt haben?

Ali: In manchen Stadtteilen ist das nicht möglich, in anderen wiederum geht es.

Delegation: Und was wird mit Güngör, Cumhuriyet und Orman geschehen?

Güven: Sie sagen, man kann dort nicht mehr bauen, weil es Erdbeben gibt. Welche Art von Erdbeben? Das Erdbeben hier wird aus der Luft kommen.

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Delegation: Die Stadtteile bleiben also unbebaut?

Güven: Nein, sie wollen dort eine Polizeistation errichten, um die Stadt besser zu kontrollieren und abzuschotten. Die Stadtteile liegen nämlich auf dem Weg der PKK, um in die Stadt zu kommen. Sie wollen diesen Weg blockieren.

Ali: Sie haben so viele Zivilisten ermordet, so viele Kinder. So wurde zum Beispiel während den Ausgangssperren eine Frau auf der Straße getötet. Sie lag dort, zehn Meter entfernt von ihrem Haus und ihre Verwandten konnten ihren Körper nicht erreichen. Solche Ereignisse sind eine große Tragödie für die türkische Bevölkerung. wie gesagt, sie haben hier eine sehr große Sympathie für die PKK.

Die Menschen hier wollen Frieden zwischen den Kurden und den Türken, aber sie wollen das nicht. So sehen wir das. Somit gibt es eine große Hoffnung auf Rache aufgrund der ermordeten Zivilisten. Die türkische Armee besteht aus Söldnern. Somit haben sie eine Wahl, unter diesem System zu arbeiten – und auch eine Wahl, dabei das Leben zu verlieren. Sie haben sich entschieden, für Geld Zivilisten zu töten und auch alles andere zu tun, was die Regierung von ihnen verlangt. Sie haben es damit vielleicht auch verdient zu sterben.

Delegation: Glaubt ihr, dass die Situation nach dem Referendum noch schlimmer wird?

Ali: Das macht keinen Unterschied für die kurdischen Menschen. Die Regierung ist die Regierung, aber natürlich wollen wir Erdoğan nicht. Er ist wie Hitler. Manchmal, wenn ich Videos von Hitler sehe, dann sehe ich wirklich Erdoğan. Ich schwöre, es ist dasselbe. Er ist ein richtiger Diktator. Aber, auch wenn es für die Kurdinnen und Kurden keinen Unterschied macht: Ich habe Sorge um die türkischen Menschen. Wir sind Freunde, manchmal sind wir Nachbarn. Ich mache mir wirklich Sorgen um die Bevölkerung, um die Nation. Sie sehen nicht, was nach einigen Jahren kommen wird.

Das ist das große Problem in der Türkei: Die Menschen, die Erdoğan wählen, sind ungebildet. Sie wissen nicht, warum sie für ein „Ja“ beim Referendum stimmen. Sie wissen nur, was Erdoğan ihnen sagt: „Ja“. Dann wählen sie „Ja“. Ich habe ungebildete Menschen gesagt, aber ich meine damit nicht, dass sie keine Bildung in ihrem Leben hatten. Sie hatten Bildung, aber sie haben davon wenig mitgenommen, sie informieren sich nicht. Sie wissen nicht, warum sie “Ja” wählen. Im Gegensatz dazu wissen 99% der Menschen, die mit “Nein” stimmen, ganz genau warum sie das tun.

Delegation: Was ist die Vision, bzw. der Plan der HDP? und was ist eure Hoffnung? Was würdet ihr gerne erreichen?

Ali: Obwohl es die Verhaftungen der ganzen Politikerinnen und Politiker gab, möchte die HDP weiter Frieden mit der Regierung. Sie wollen vor allem anderen Frieden. Auch die kurdischen Menschen wollen den Frieden. Wenn die Regierung einen erneuten Friedensprozess zwischen Kurden und der Regierung angehen würde, wäre die Bevölkerung hier sehr glücklich. Aber wir sehen: Sie ermorden, sie inhaftieren, sie nehmen uns fest, sie zerstören unsere Städte. Wir sehen, dass sie all dies tun! Natürlich wollen die Leute deshalb, dass die PKK Vergeltung dafür übt.

Güven: Wir wollen den Frieden, aber die AKP-Regierung muss diesen auch wollen, sonst kann das nicht funktionieren.

Delegation: Was ist der Plan, wenn sie weiter keinen Frieden wollen?

Güven: Der Krieg wird weitergehen. Er läuft bereits seit 40 Jahren, und seitdem gibt es auch die PKK. Die Regierung hat in diesem Winter gesagt: “Bis zum Frühling werden wir die PKK vernichten”. Aber es ist unmöglich, die PKK zu vernichten!

Ali: Als der Friedensprozess in der Türkei begann, wollte die ganze Bevölkerung hier, dass die PKK den Krieg nicht weiterführt, auch die PKK selbst. Sie haben sich zurückgezogen, sind in andere Gebiete gegangen. Aber wir verstehen seither eines: Wäre die PKK nicht seit 40 Jahren hier, könnte niemals ein Volk, das sich kurdisch nennt, entstehen.

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Delegation: Die Regierung kann also die PKK nicht zerstören, aber gleichzeitig kann die PKK auch nicht den Krieg gewinnen…

Güven: ja, das weiß jeder hier. Deshalb hat die PKK angeboten, ein Friedensabkommen zu machen. Aber wenn keiner das akzeptiert, was kann man dann machen? Es ist wirklich komplex und mir fällt es etwas schwer, das auf einer anderen Sprache zu sagen, aber: Der Kampf der PKK ist ein Kampf für Demokratie in der Türkei. Alles sollte Schritt für Schritt gehen. Wenn es Demokratie gibt, dann ist der nächste Schritt, eine Selbstadministration für den kurdischen Teil anzustreben.

Aber im Krieg funktioniert das nicht mehr. Und der Krieg hält immer noch an und wird immer schlimmer. Wir werden sehen, in ein oder zwei Monaten wird es wieder Ausgangssperren geben, vielleicht wieder über den ganzen Tag – keiner kann es absehen. Was ist der nächste Schritt der Regierung? Sie haben vor so vielen Dingen Angst.

Ali: Die PKK kämpft nicht nur für die kurdischen Menschen. Auch sind Kurdinnen und Kurden nicht nur muslimisch, es gibt christliche und auch jüdische Kurd_innen. Viele arabische Menschen wohnen hier in den Gebieten. Die PKK kämpft für den mittleren Osten. Sie möchte eine Region, in der es keine Staatsgrenzen gibt und die Menschen in Frieden zusammenleben. Das ist der Plan von Abdullah Öcalan, wisst ihr? Und wir glauben, dass es geschehen wird, auch wenn es vielleicht noch hundert Jahre dauert. Die Menschen hier kämpfen dafür, Schritt für Schritt.

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Delegation: Und wie ist die Situation für die HDP hier gerade? Ist es möglich, als Partei zu arbeiten, etwa die Hayir-Kampagne zu machen?

Ali: Nein, in Gever sind alle Politiker_innen der HDP inhaftiert. Es ist sehr schwierig im Moment. Wir müssen abwarten, bis die Situation sich ein wenig normalisiert. Wir warten zum Beispiel darauf, das Selahattin Demirtas wieder frei kommt.

Delegation: Das kann in 82 Jahren sein!

Ali: Wir glauben, dass er in einem Jahr freikommen wird, alle Parteimitglieder, alle kurdischen Gefangenen. Öcalan hat einen wirklich guten Plan für den Mittleren Osten und wir glauben daran, dass er umgesetzt wird. Insbesondere, seit es die Kämpfe der YPG in Rojava gibt.

Delegation: Das ist eine große Hoffnung!

Ali: Es ist gut, diese Hoffnung zu haben, an etwas zu denken

Güven: Daran, dass wir auch hier etwas ändern können, natürlich.

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Delegation: Zeigt das Beispiel Rojava, dass etwas Ähnliches auch in Bakur, in Nordkurdistan, möglich ist?

Ali: Ja, natürlich, daran glauben wir. Aber wir brauchen viel mehr Zeit dafür, hier in der Türkei. Und wir können uns dessen nicht sicher sein. Wenn man zum Beispiel Syrien anschaut, hätte keiner damit rechnen können, dass es dort zu diesen Entwicklungen kommt. Nun ist dort alles geteilt, so durcheinander. So viele Menschen wurden getötet. Kinder, Frauen, Ältere Menschen, alle werden dort noch immer getötet.

In Rojava hat die YPG erst begonnen, die Zivilbevölkerung zu schützen. Und alle möglichen Länder – in Europa, die USA und Russland, all diese Länder helfen der YPG, weil sie wissen, dass ihre Politik sehr wichtig ist. Sie ist nicht im Namen von Religion oder Nationen. Sie ist für alle Menschen im Mittleren Osten. Die Länder wissen, dass die YPG die Region stabilisieren wird. Das macht den Unterschied.

Güven: Ja, aber Bakur ist gleichzeitig auch der größte Teil Kurdistans und ist auch mächtiger als die anderen Teile – warum also können wir ihn nicht zu unserem eigenen Land machen? Das ist meine Frage. Wir waren wirklich nahe dran, es hätte vielleicht noch fünf Jahre gedauert, aber die Politiker haben alles zerstört. Und damit auch eine mögliche türkische Demokratie. Ich brauche das nicht, weil nun der Krieg weitergeht. 2013 hat der Friedensprozess angefangen, aber nach drei Jahren haben sie all die kurdischen Städte zerstört, was eine politische Entscheidung war. Und nun? Wo ist der Frieden?

Delegation: Vielen Dank für eure offenen Antworten und Analysen, wir wünschen euch natürlich weiterhin viel Erfolg und Widerstandsgeist.

Civaka Azad – Kurdisches Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit e.V.

[1] Die Namen der Interviewpartner wurden anonymisiert.  

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Die Veröffentlichung der zitierten Aussage "Biji Serok Apo" im Kritischen Netzwerk ist lediglich als die - von Artikel 5 GG gedeckte - politische Forderung nach der Freilassung von Öcalan zu verstehen, zumindest aber für bessere Haftbedingungen. Die Bestrebungen der Kurden_Innen nach . . 

  • einem repressionsfreien und selbstverwalteten Kurdistan,
  • Freilassung aller inhaftierten HDP-Mitglieder und zehntausender weiterer politischer Häftlinge, (Lehrer, Richter, Wissenschaftler, Bürgerrechtler, Journalisten etc.)
  • Gewährleistung von Meinungs- und Pressefreiheit,
  • unverfälschten repressionsfreie Wahlen, (im Vorfeld von Wahlen und des Verfassungsreferendums gab es massive Einschüchterungen u. Verhaftungen, die Ergebnisse wurden offenkundig auf perfide Weise manipuliert!)
  • Wahrung der Menschenrechte,

und dem Widerstand gegen das faschistoide AKP-Regime unter Recep Tayyip Erdoğan finden im Kritischen Netzwerk journalistische Unterstützung! Diese richtet sich ausdrücklich NICHT gegen Türken welche sich gegen das korrupte AKP-Regime aussprechen oder es zumindest nicht auf irgendeine Weise unterstützen. 

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pin_green.gif  Lesetipp:

Hier sind vielleicht nicht alle für die HDP, aber alle für die PKK

>> interessanter Artikel von Jin Sosik und Manne Löffler, erschienen 3. April 2017 bei Lower Class Magazine:

"Zum diesjährigen Newroz-Fest war eine von Civaka Azad organisierte Delegetion für einige Zeit in Nordkurdistan/ Bakûr, um sich von den aktuellen politischen Prozessen in bezug auf den Krieg des türkischen Militärs gegen kurdische und türkische Linke sowie dem bevorstehenden Referendum zum Präsidialsystem ein Bild zu machen.

Ein Besuch im nordkurdischen Gever (türk. Yüksekova) ein Jahr nach der Zerstörung durch das türkische Militär. Die Hälfte der 80.000 Bewohner*innen wurden damals gezwungen die Stadt zu verlassen. Bis heute konnten 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung nicht zurückkehren.

Früh morgens steigt unsere siebenköpfige Delegation im osttürkischen Wan (türk. Van) in ein öffentliches  Dolmuş (türk. Sammeltaxi) nach Gever. Die Fahrt führt uns drei Stunden durch die schneebedeckten Berge Nordkurdistans. Teilweise sehen wir um uns nur weiß. Bereits 40 Kilometer vor der Stadt in einer Talenge, die Straße teilt sich hier Richtung Gever und Colemêrg (türk. Hakkâri), erwartet uns der erste Checkpoint des türkischen Militärs. Dabei handelt es sich nicht um eine einfache Straßensperre, sondern um eine große, befestigte Festungsanlage mit Sandsack-geschützten Wachtürmen auf den umliegenden Hügeln und einer Kaserne weiter unten im Tal. Hier wird der Dolmus angehalten und einmal grob durchsucht, einige Meter weiter werden alle Pässe eingesammelt und in einer Hütte überprüft. Nach kurzer Zeit bekommen wir sie wieder und die Fahrt geht weiter nach Gever. Kurz vor der Stadt wartet eine weitere Kontrolle der Militärpolizei. Hier wird die Straße mit Barrikaden und Sandsäcken verengt.

Einige Minuten später steigen wir an der zentralen Kreuzung der Stadt aus dem Bus, wo uns bereits ein Freund erwartet. Wir laufen ein kurzes Stück in die Stadt hinein. An fast allen Straßenecken steht mindestens ein gepanzertes Militärfahrzeug. Auch einige, bereits zugeschneite Räumpanzer entdecken wir. Ein paar Ecken weiter Treffen wir einen Freund. Gemeinsam gehen wir einige Minuten zu dem sehr modernen „People‘s Caffee“ an der Hauptstraße. Dort platziert sich einer unserer Freunde wie selbstverständlich so, dass er die Straße und vorbeifahrende Polizeiwagen im Blick behalten kann.

Als wir sitzen, beginnen die beiden Freunde vom Newrozfest am Vortag zu berichten. Normalerweise würden sich mindestens 30.000 Menschen sammeln, um gemeinsam das kurdische Neujahrsfest zu feiern. Doch dieses Jahr kamen auf Grund der starken Repressionen – es gab umfangreiche Polizeikontrollen und das Fest wurde nur an einem Ort außerhalb der Innenstadt zugelassen – nur etwa tausend Menschen zusammen. Nachdem sich kurz nach Beginn der Feier einer der Redner positiv auf Öcalan bezog, versuchte die Polizei diesen festzunehmen. Die Menge stellte sich dagegen und die Polizei antwortete mit Tränengas. Ungefähr zehn ältere Menschen sowie drei Jugendliche wurden festgenommen und befinden sich noch immer in Haft. Unsere Freunde betonen, dass die Polizei derzeit eigentlich gar keinen Grund mehr braucht, um Menschen ins Gefängnis zu sperren.[. . ]"

 - hier bitte weiterlesen.

pin_green.gif  weitere Lesetipps:

"Präsidialsystem in der Türkei: Ein Blick auf die geplanten Verfassungsänderungen" - weiter.

"Erdoğans Ermächtigungsgesetz: Der Weg zum Kalifat" - weiter.

"Hamed Abdel-Samad: "Erdoğan will aus dem Faschismus eine Staatsdoktrin machen" - weiter.

"Erdoğan droht den Êzîden im Nordirak mit neuer Militärintervention" - weiter.

Bitte um Beachtung der nachfolg. Buchvorstellungen und die 10 angehängten -Text-Dokumente am Seitenende !! 



Quelle:  Chivaka Azad - Kurdisches Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit e. V. > Artikel.

Über Civaka Azad:

Seit Jahrzehnten gibt es in Kurdistan einen Krieg gegen das kurdische Volk. Dabei ist die Forderung der Kurden ausschließlich die Anerkennung ihrer Identität und ihrer Rechte. Allerdings ist diese Forderung Grund genug für die Regierungen der Staaten Türkei, Iran, Irak und Syrien, in denen die Kurden leben, um sie aufs Bitterste bekämpft. Und es ist ein Krieg, der in der Weltöffentlichkeit mehrheitlich keine Beachtung findet.

Das ermutigt die Staaten bei Gelegenheit auch auf eine „schmutzige Kriegsführung“ zurückzugreifen. So werden sowohl zivile Opfer billigend in Kauf genommen, als auch Waffen eingesetzt, die nach Genfer Kriegskonvention geächtet sind. Die Schaffung von Öffentlichkeit und ihre Sensibilisierung für die Geschehnisse in Kurdistan können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, diesen Krieg einzudämmen und mittelfristig den Weg für eine friedliche Lösung zu ebnen. Hierzu möchten wir als Civaka Azad unseren Beitrag leisten.

„Only bad news, are good news“, so lautet die Maxime vieler Mainstream Medien hierzulande. Die Ereignisse aus Kurdistan werden, wenn überhaupt, nur einseitig mit dem Fokus auf den Krieg beleuchtet. Allerdings werden in Kurdistan seit Jahren trotz permanenten Kriegszustands auch Projekte für eine kommunale Selbstverwaltung und zivilgesellschaftliche Organisierung der Bevölkerung vorangetrieben. Die Menschen fangen an die Probleme ihrer Region basisdemokratisch selbst zu lösen. Es keimt ein freiheitliches, demokratisches, ökologisches und geschlechterbefreiendes Bewusstsein in der Bevölkerung auf.

Mit diesem Bewusstsein und den fortschrittlichen Projekten bauen die Menschen aus Kurdistan ihre Civaka Azad – ihre freie Gesellschaft – gegen die permanenten Repressalien durch die jeweiligen Staatsapparate auf. Auch diesbezüglich haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, diese Projekte in eine breitere Öffentlichkeit zu tragen, um sowohl einen Schutz vor Repressalien zu bilden als auch Interessierten einen Einblick in das Projekt der Demokratischen Autonomie zu gewähren.

abdullah_oecalan_zivilisation_und_wahrheiten_maskierte_goetter_und_verhuellte_koenige_manifest_der_demokratischen_zivilisation_kritisches_netzwerk_rojava_david_graeber_reimar_heider.jpg - bitte hier weiterlesen

Bild- und Grafikquellen:

1. Die Kurdinnen und Kurden in Kurdistan haben einen Ausdruck: die Menschen sind PKK und die PKK ist in den Städten. Die PKK ist viel mehr, sie ist überall. Die kurdische Bevölkerung hat Sympathien für die Volksverteidigungseinheiten YPG, YPJ YPS und die PKK. Wenn dir hier jemand erzählt, dass er oder sie der PKK nicht nahe steht, dann hat diese Person meistens Angst. Die kurdischen Menschen wollen nicht unter der türkischen AKP-Regierung regiert werden. Foto/credit: Kurdishstruggle - Team of Kurdish Photographers & Fighters. Quelle/Source: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung 2.0 Generic (CC BY 2.0).

2. Wappen von Rojava - Coat of Arms of Rojava. Urheber: MrPenguin20. Quelle: Wikimedia Commons. Dieses Bild oder darin enthaltener Text besteht nur aus einfachen geometrischen Formen und Text. Sie erreichen keine Schöpfungshöhe (spezifischere Beschreibung auf Englisch), die für urheberrechtlichen Schutz nötig ist, und sind daher gemeinfrei.

3. Zerstörte, unbewohnbare Häuser treiben viele Kurden in die Flucht. Bildquelle: Artikel von Jin Sosik und Manne Löffler, erschienen 3. April 2017 bei Lower Class Magazine mit dem Titel "Hier sind vielleicht nicht alle für die HDP, aber alle für die PKK" - weiter

4. Zertrümmerte Häuser und mit großer Zerstörungswut vernichtete Infrastruktur: Flucht ist oft der einzigste Weg, um dem Elend zu entkommen. Es ist auch verständlich, dass man dann die Stadt verlässt, wenn man Angst hat. Das ist menschlich. KurdenInnen bleiben nicht, auch wenn sie politisch denken, es sei richtig, weil sie um das Leben ihrer Kinder besorgt sind. Niemand möchte, dass seine Kinder von der Polizei oder dem türkischen Militär inhaftiert oder getötet werden. Bildquelle: Artikel von Jin Sosik und Manne Löffler, erschienen 3. April 2017 bei Lower Class Magazine mit dem Titel "Hier sind vielleicht nicht alle für die HDP, aber alle für die PKK" - weiter

5. Logo der HDP (Halkların Demokratik Partisi - Demokratische Partei der Völker) - logo for Peoples' Democratic Party (Turkey). Quelle: Webseite der HDP (derzeit offensichtlich blockiert?) Verwendung: Faire Use. Fair Use besagt, dass die Wiedergabe urheberrechtlich geschützten Materials zum Zwecke der Kritik, der Stellungnahme, der Berichterstattung, der Bildung und der Wissenschaft keine Urheberrechtsverletzung darstellt.

6. JYJ und YPG-KämferInnen. Das Kurdische ist nichts Neues, es handelt sich um ein uraltes Volk. Die Bezeichnung "Kurdistan" bedeutet "Land der Kurden", und geht natürlich auf die Kurden selbst zurück. Die Kurden, die sich selbst "Kurdi" nennen, betrachten sich als Nachfahren der Meder. Die kurdischen Menschen wollen nicht unter der türkischen Regierung regiert werden und darum setzen sie die Selbstverwaltung um, in dem sie sich als Selbstverteidigungskräfte in den verschiedenen Einheiten organisieren. Foto/credit: Kurdishstruggle - Team of Kurdish Photographers & Fighters. Quelle/Source: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung 2.0 Generic (CC BY 2.0).

7. Yüksekova (1) - aufgenommen am 17. Juni 2016 nach einem Angriff der türkischen Regierung. Yüksekova (syrisch-aramäisch ܓܒܼܪ Gawar, Alternativschreibweise ܓܵܒܼܵܪ; kurdisch Gever) ist eine Stadt und ein Landkreis der türkischen Provinz Hakkâri im Südosten der Türkei. Yüksekova bedeutet Hochebene und liegt auf knapp 2000 m Höhe. Die Ausdehnung der Hochebene beträgt 15 mal 40 km. Die Winter sind lang und hart und trotz fruchtbarer Böden sind die landwirtschaftlichen Erträge wegen der niedrigen Temperaturen gering. Urheber: Nedim Yılmaz. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0).

8. Yüksekova (2) - aufgenommen am 19. Juni 2016 nach einem Angriff der türkischen Regierung. Yüksekova (syrisch-aramäisch ܓܒܼܪ Gawar, Alternativschreibweise ܓܵܒܼܵܪ; kurdisch Gever) ist eine Stadt und ein Landkreis der türkischen Provinz Hakkâri im Südosten der Türkei. Yüksekova bedeutet Hochebene und liegt auf knapp 2000 m Höhe. Die Ausdehnung der Hochebene beträgt 15 mal 40 km. Die Winter sind lang und hart und trotz fruchtbarer Böden sind die landwirtschaftlichen Erträge wegen der niedrigen Temperaturen gering. Urheber: Nedim Yılmaz. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0).

9. Kurdish YPG fighters. Die Rolle der Frauen in der Gesellschaft in der kurdischen Kultur und Geschichte sehr wichtig. Man respektiert einander, Männer und Frauen sind dasselbe. Nach der Islamisierung hatte sich das geändert, aber heutzutage sind die Kurden mit den Lehren von Abdullah Öcalan dabei, zu ihren Wurzeln zurückzukehren: Das Frauen denselben Wert haben wie Männer. Frauen sind gleichgestellt in der Gesellschaft und haben dieselben Rechte wie Männer. Man ist zusammen, gleichauf. Foto/credit: Kurdishstruggle - Team of Kurdish Photographers & Fighters. Quelle/Source: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung 2.0 Generic (CC BY 2.0).

10. Yüksekova (3) - aufgenommen am 17. Juni 2016 nach einem Angriff der türkischen Regierung. Yüksekova (syrisch-aramäisch ܓܒܼܪ Gawar, Alternativschreibweise ܓܵܒܼܵܪ; kurdisch Gever) ist eine Stadt und ein Landkreis der türkischen Provinz Hakkâri im Südosten der Türkei. Urheber: Nedim Yılmaz. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0).

11. Yüksekova (4) - aufgenommen am 22. Juni 2016 nach einem Angriff der türkischen Regierung. Yüksekova (syrisch-aramäisch ܓܒܼܪ Gawar, Alternativschreibweise ܓܵܒܼܵܪ; kurdisch Gever) ist eine Stadt und ein Landkreis der türkischen Provinz Hakkâri im Südosten der Türkei. Urheber: Nedim Yılmaz. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0).

12. Cizre (1) - Stadtbild, aufgenommen am 02. März 2016. Cizre (kurdisch Cizîr, auch Cizîra Botan;) ist eine türkische Kreisstadt in der Provinz Şırnak in Südostanatolien mit 112.973 Einwohnern (Stand Ende Dezember 2014), überwiegend kurdischer Abstammung.  Die Stadt Cizre liegt 45 km von der Provinzhauptstadt Şırnak entfernt an der türkisch-syrischen Grenze am Fluss Tigris. Urheber: Nedim Yılmaz. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0).

13. Adolf Hitler - Ölgemälde auf Baumwoll-Leinwand. Maler: Award winner artist Mr. Gopal has made this marvelous German painting "Adolf Hitler" of German Political Leader painting Style. Quelle: http://www.artoflegendindia.com/. Bildbearbeitung: Wilfried Kahrs / QPress.

14. Cizre (2) - Kurdin vor zerstörtem Haus im Hintergrund, aufgenommen am 02. März 2016. Cizre (kurdisch Cizîr, auch Cizîra Botan;) ist eine türkische Kreisstadt in der Provinz Şırnak in Südostanatolien mit 112.973 Einwohnern (Stand Ende Dezember 2014), überwiegend kurdischer Abstammung. Die Stadt Cizre liegt 45 km von der Provinzhauptstadt Şırnak entfernt an der türkisch-syrischen Grenze am Fluss Tigris. Urheber: Nedim Yılmaz. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0).

15. Cizre (3) - Kurdin vor zerstörtem Haus (Nahaufnahme), aufgenommen am 02. März 2016. Cizre (kurdisch Cizîr, auch Cizîra Botan;) ist eine türkische Kreisstadt in der Provinz Şırnak in Südostanatolien mit 112.973 Einwohnern (Stand Ende Dezember 2014), überwiegend kurdischer Abstammung. Die Stadt Cizre liegt 45 km von der Provinzhauptstadt Şırnak entfernt an der türkisch-syrischen Grenze am Fluss Tigris. Urheber: Nedim Yılmaz. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0).

16. Cizre (4) - Kurdin innerhalb eines zerstörten Hauses, aufgenommen am 22. Januar 2016. Cizre (kurdisch Cizîr, auch Cizîra Botan;) ist eine türkische Kreisstadt in der Provinz Şırnak in Südostanatolien mit 112.973 Einwohnern (Stand Ende Dezember 2014), überwiegend kurdischer Abstammung. Die Stadt Cizre liegt 45 km von der Provinzhauptstadt Şırnak entfernt an der türkisch-syrischen Grenze am Fluss Tigris. Urheber: Nedim Yılmaz. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Generic (CC BY-SA 2.0).

17. Das Sonnensymbol als Bestandteil im Mittelpunkt der kurdischen Flagge mit 21 Strahlen - Roj (sun) of Kurdistan flag with 21 rays. Die Sonne wurde schon immer als Symbol der Kurden genutzt. Und die 21 Strahlen symbolisieren die Religion der einheimischen Religion der Yazdani. 21 ist dort eine heilige Nummer.

Die kurdische Nationalfahne ist das einzige kurdische Symbol, mit dem die Kurden aus allen Teilen Kurdistans sich identifizieren und somit anerkennen. Es ist unbestritten, dass die kurdische Nationalfahne, wie wir sie heute kennen (von oben nach unten: rot, weiß, grün und eine Sonne in der Mitte) ihre Legitimation aus der modernen kurdischen Nationalgeschichte des 20. Jahrhunderts bezieht. Es ist zum Symbol der Identität des kurdischen Volkes geworden und damit auch gleichzeitig als Symbol des Widerstands gegen die Besatzerstaaten (Iran, Syrien, Türkei, Irak), die den Kurden ihre Kultur und Sprache berauben wollen, um somit letztendlich ihre Identität und Existenz zu zerstören. International wird das kurdische Volk, nicht zuletzt wegen der Autonomen Region Kurdistan (KRG), damit repräsentiert.

Die kurdische Nationalfahne wird sicherlich als Nationalsymbol zur Einheit des kurdischen Volkes beitragen. Zudem wird sie weiterhin als Widerstandssymbol gegen die Unterdrückung und Entrechtung des kurdischen Volkes durch die oben erwähnten Besatzerstaaten dienen. Die Geschichte der kurdischen Nationalfahne spiegelt letztendlich auch die historische und gegenwärtig erstarkte Forderung der Kurden nach Wiedervereinigung der kurdischen Gebiete und somit die Gründung eines eigenen Staates, in der die kurdische Sprache und Kultur sich frei entfalten und entwickeln können.

Urheber der Grafik: Kurmance Enedolî. Quelle: Wikimedia Commons. Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“ lizenziert.

18. Der kurdische Befreiungskampf wird an vielen Fronten gekämpft. Das Ziel der kurdischen Bewegung ist aber heute nicht mehr die Gründung eines Nationalstaates. Sie will das Zusammenleben im Nahen/Mittleren Osten (und nicht nur dort) in nichtstaatlicher Form auf Basis einer Art Rätedemokratie organisieren, die sich Demokratischer Konföderalismus nennt. Bildquellen: arab.blogsport.de/ und  Chivaka Azad - Kurdisches Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit e. V.

19. Buchcover: "Zivilisation und Wahrheiten. Maskierte Götter und verhüllte Könige. Manifest der demokratischen Zivilisation - Band 1." von Abdullah Öcalan. 1. Auflage März 2017. Taschenbuch-Ausgabe 320 Seiten, 978-3-945326-49-7. Als gebundene Ausgabe ISBN 978-3-945326-48-0. Erschienen in der "International Initiative Köln" www.ocalan-books.com in Zusammenarbeit mit Mezopotamien Verlags GmbH, Neuss. www.pirtuk.info . Vorwort von David Graeber. Übersetzer: Reimar Heider.

Öcalan kritisiert nicht nur den Kapitalismus, sondern weitet den Blick auf die zugrunde liegenden Strukturen der Zivilisation. Indem er die Methoden zum Verständnis von Gesellschaft, Wissen und Macht hinterfragt, bereitet er einer Soziologie der Freiheit den Boden. In diesem ersten Band des »Manifests der demokratischen Zivilisation« reflektiert Abdullah Öcalan seine Erkenntnisse aus 35 Jahren revolutionärer Theorie und Praxis und 10 Jahren Isolationshaft auf einer türkischen Gefängnisinsel.

Abdullah Öcalan - Zivilisation und Wahrheiten. Manifest der demokratischen Zivilisation - komplettes Vorwort von David Graeber - weiter.

Abdullah Öcalan - Zivilisation und Wahrheiten. Manifest der demokratischen Zivilisation - längere Leseprobe von STÊRKA CIWAN - weiter.

20. Buchcover "Revolution in Rojava - Frauenbewegung und Kommunalismus zwischen Krieg und Embargo" von Anja Flach / Ercan Ayboğa / Michael Knapp. Eine Veröffentlichung der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Kooperation mit der Kampagne TATORT Kurdistan. 352 Seiten | EUR 19.80 | VSA Verlag (Link zum Buch)| ISBN 978-3-89965-658-9 Bestellungen bitte direkt an: tatortkurdistanhh@googlemail.com.

21. Buchcover "Demokratische Autonomie in Nordkurdistan. Rätebewegung, Geschlechterbefreiung und Ökologie in der Praxis". Eine Erkundungsreise in den Südosten der Türkei, herausgegeben von TATORT Kurdistan. Als eigenen Beitrag zur friedlichen Lösung der kurdischen Frage hat die kurdische Freiheitsbewegung in der Türkei ein alternatives Gesellschaftsmodell entwickelt: die Demokratische Autonomie.

sevim_dagdelen_der_fall_erdogan_wie_uns_merkel_an_einen_autokraten_verkauft_can_duedar_kritisches_netzwerk_tuerkei_menschenrechte_bosporus_nato_putsch_kurden_syrien_pressefreiheit.jpg Unter schwierigsten Bedingungen gelingt es der Bewegung in Nordkurdistan seit 2005, Strukturen für den Aufbau einer demokratischen, ökologischen und geschlechterbefreiten Gesellschaft zu schaffen. Ihren Kern bildet ein Rätesystem, in dem sich die Bevölkerung in den Dörfern, Straßenzügen, Stadtvierteln und Stadträten basisdemokratisch organisiert. Diese Strukturen ermöglichen zwar noch keine autonome Lebensform jenseits der bestehenden staatlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse, aber sie stellen bereits heute eine relevante zivilgesellschaftliche Gegenmacht dar.

Der radikal-demokratische Aufbruch der Kurd_innen bietet so auch eine Inspiration für die Neugestaltung von Gesellschaften im Mittleren Osten und darüber hinaus. Die in dieser Broschüre dokumentierten Interviews bieten einen ersten Einblick in die konkrete Umsetzung einer linken Utopie.

Weiter Infos unter: http://demokratischeautonomie.blogsport.eu/

Zu bestellen bei ISKU unter: isku@nadir.org .

22. Buchcover: "Der Fall Erdoğan - Wie uns Merkel an einen Autokraten verkauft" von Sevim Dağdelen, mit einem Vorwort von Can Dündar; Erscheinungstermin: 17.10.2016; Seitenzahl: 224 ISBN: 978-3-86489-156-4; Preis: 18,00 €; auch als E-Book und AudioCD lieferbar.

Die verlorenen Menschenrechte am Bosporus – wie lange schauen Deutschland und die EU noch zu?

Nach dem Scheitern des gegen ihn gerichteten Militärputsches ist der türkische Präsident Erdoğan dabei, das NATO-Mitgliedsland Türkei systematisch in einen islamistischen Unterdrückungsstaat umzubauen. Rigoros geht er gegen Andersdenkende vor. Zehntausende Menschen wurden aus dem Staatsdienst entlassen, Massenverhaftungen sind an der Tagesordnung. Im Südosten dauert der Krieg gegen die Kurden an, in Syrien werden islamistische Terrorgruppen unterstützt. Warum hält Bundeskanzlerin Merkel weiter zu dem antidemokratischen Staatschef? Welchen Preis hat der EU-Türkei-Deal in Sachen Flüchtlingspolitik? Sevim Dağdelen beleuchtet die Machtverhältnisse am Bosporus und zeigt politische Alternativen zum unterwürfigen Umgang der Bundesregierung mit der Türkei auf.

Sevim Dağdelen ist seit 2005 Mitglied des Deutschen Bundestages. Die Politikerin ist Sprecherin für Internationale Beziehungen sowie Beauftragte für Migration und Integration der Fraktion DIE LINKE. Die gebürtige Duisburgerin ist Mitglied im Auswärtigen Ausschuss und stellvertretendes Mitglied im Innenausschuss des Bundestages. Sevim Dağdelen besucht regelmäßig die Türkei und den Nahen Osten und setzt sich seit Jahren aktiv für die Rechte von Minderheiten und für verfolgte Journalisten, Künstler, Gewerkschafter und Oppositionelle ein. Als Außenexpertin und Türkei-Kennerin ist sie gefragter Gast in TV und Hörfunk.

23. Transparent an Häuserfront: Erdoğan STOPPEN. Foto: strassenstriche.net. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung-Nicht kommerziell 2.0 Generic (CC BY-NC 2.0).

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