Fleischfresser Gabriel - perfide Großmachtphantasien und Kriegsrhetorik

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Fleischfresser Gabriel - perfide Großmachtphantasien und Kriegsrhetorik
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Fleischfresser Gabriel

von Johannes Stern

sigmar_gabriel_aussenminister_muenchner_sicherheitskonferenz_spd_grosse_koalition_grossmachtphantasien_grossmachtplaene_grossmachtpolitik_kritisches_netzwerk_wirtschaftsinteressen.jpgNach Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), die am Freitag [16.02] die "Münchner Sicherheitskonferenz" eröffnete, ließ am Samstag auch Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) keinen Zweifel daran, dass es bei der Bildung einer Neuauflage der Großen Koalition in Berlin um eine massive Aufrüstung der Bundeswehr und die Entwicklung einer unabhängigen Großmachtpolitik geht.

Europa brauche „eine gemeinsame Machtprojektion in der Welt“, erklärte Gabriel und fügte hinzu: „Die darf sich nie auf das Militärische allein konzentrieren, aber sie darf auch nicht vollständig darauf verzichten. Denn als einziger Vegetarier werden wir es in der Welt der Fleischfresser verdammt schwer haben.

Es ist klar, was damit gemeint ist. Deutschland und Europa sind bereits jetzt alles andere als außenpolitische „Vegetarier“. Sie beteiligen sich seit langem an den US-geführten Angriffskriegen in Afghanistan und im Nahen und Mittleren Osten. Wenn Gabriel nun von „Machtprojektion“ und „Fleischfresserei“ spricht, kann das nur bedeuten, dass sich Deutschland und Europa auf noch massivere Kriegseinsätze vorbereiten, um ihre wirtschaftlichen und geostrategischen Interessen weltweit durchzusetzen.

Die europäischen Mitgliedstaaten müssten „ein gemeinsames Verständnis ihrer Interessen in den Außenbeziehungen der Europäischen Union“ und „Strategien und Instrumente entwickeln, um diese Interessen gemeinsam durchzusetzen“, forderte Gabriel. „Vor allem in Afrika“ seien die Europäer mit „eigenen Initiativen“ gefordert, aber auch in der Region „von Osteuropa bis nach Zentralasien“.

bundeswehr_skulls_totenschaedel_todesfall_todesfaelle_soldaten_stahlhelme_bundeswehrsoldaten_kritisches_netzwerk_soldatentod_dienstpflicht_wehrdienst_wehrpflicht_wehrpflichtige.jpg Konflikte zwischen den Großmächten selbst, die bereits im vergangenen Jahrhundert zu zwei Weltkriegen geführt haben, sind dabei vorprogrammiert. „Niemand sollte versuchen, die EU zu spalten – nicht Russland, nicht China, aber auch nicht die Vereinigten Staaten“, erklärte Gabriel drohend. Die Europäische Union sei „ein durchaus selbstbewusster Partner, der vertrauensvoll und auf Augenhöhe mit den USA kooperieren will, aber eben nicht im Gefolgschaftsverband“.

Streckenweise erinnerte Gabriels Rede rhetorisch und inhaltlich an die Großmachtphantasien der Nazis – nur dass er nicht von der deutschen, sondern von der europäischen „Selbstbehauptung in der Welt“ schwadronierte. Die „Europäer“ stünden „vor einer Wegscheide, wie sie die Welt nur alle paar Jahrhunderte erlebt“, erklärte Gabriel. Im 15. Jahrhundert hätten sich die Europäer schon einmal aufgemacht, „um die Welt zu erobern“ und „eine Vorentscheidung über die nächsten Jahrhunderte“ herbeizuführen.

Was werden Historiker in 600 Jahren über unsere Zeit sagen?“, fragte er dann. „Werden sie den Beginn eines neuen asiatischen Zeitalters konstatieren, und die Selbstaufgabe des damals sogenannten Westens am Beispiel Europas? Oder werden sie eine Entscheidung unseres Kontinents feststellen, den Mut aufgebracht zu haben, sich nicht aus der Welt zurück zu ziehen, sondern sich den Herausforderungen einer weit unbequemeren und risikoreicheren Welt zu stellen...?“ Zumindest er wolle sich „nicht mit einer schicksalhaften Entwicklung abfinden“, sondern die „Zukunft gestalten und nicht erdulden“.

In Wirklichkeit hat die gesamte herrschende Klasse entschieden, ihre „Zukunft zu gestalten“, wieder aufzurüsten und sich auf Krieg vorzubereiten. „Für eine stärkere europäische Außenpolitik“ müsse „auch Deutschland seine Beiträge leisten“, stellte Gabriel klar. „Die Koalitionsvereinbarung, die CDU/CSU und SPD hier im Land ausgehandelt haben“, stelle „daher den Zusammenhalt Europas nach vorn“ und sehe „massive Investitionen in die Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik vor. Unsere Ausgaben für Krisenprävention, humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit steigen mit diesem Beschluss im Verhältnis 1 zu 1 mit den Ausgaben für Verteidigung.

sigmar_gabriel_jens_stoltenberg_minister_of_foreign_affairs_nato_secretary_general_kritisches_netzwerk_spd_kriegseinsaetze_kriegsrethorik_militarisierung_ruestungsausgaben.jpgGabriel bestätigte damit, was die Kernaufgabe der nächsten Großen Koalition sein wird: die milliardenschwere Militarisierung der gesamten deutschen Außenpolitik. „Im Mittelpunkt der Außenpolitik der künftigen Bundesregierung“ stehe „ein umfassender Begriff vernetzter Sicherheit“. Was genau darunter zu verstehen ist, macht ein Blick in den Koalitionsvertrag [siehe PDF im Anhang, H.S.] deutlich. So sollen die deutschen Großmachtpläne in enger Zusammenarbeit mit den politischen Stiftungen, Thinktanks und der Auswärtigen Kulturpolitik erarbeitet und verwirklicht werden.

Im Abschnitt „Außen-, sicherheits- und entwicklungspolitische Handlungs- u. Strategiefähigkeit sicherstellen“ heißt es: „Angesichts der internationalen Herausforderungen muss Deutschland seine Kapazitäten zur strategischen Analyse stärken und seine strategische Kommunikation intensivieren“. Und im Abschnitt zur Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik: „Der härter werdende globale Wettbewerb um Köpfe, Ideen und Werte verdeutlicht die wichtige Aufgabe der "Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik" (AKBP) für Deutschlands Ansehen und Einfluss in der Welt.

Dominieren wird auch beim dritten deutschen Griff nach der Weltmacht das Militärische. Im Abschnitt „Moderne Bundeswehr“ versprechen SPD und Union, „den Soldatinnen und Soldaten die bestmögliche Ausrüstung, Ausbildung und Betreuung zur Verfügung zu stellen“, damit die Armee „die ihr erteilten Aufträge in allen Dimensionen sachgerecht erfüllen kann“.

Die Bundeswehr beschaffe, „was sie braucht, und nicht was ihr angeboten wird“. Notwendig sei ein „effektives und in seinen Prozessen optimiertes Rüstungswesen“. Dazu werde man „die in der vergangenen Legislaturperiode begonnene Erneuerung, Modernisierung und Erweiterung der Bundeswehr fortführen und dabei für eine Beschleunigung der Prozesse, insbesondere des Beschaffungswesens, sorgen.

Johannes Stern

Lesetipps:

Todesfälle in der Bundeswehr - Berlin, 13.11.2018 - Seit Gründung der Bundeswehr im Jahr 1955 haben rund 3.200 militärische und zivile Angehörige der Bundeswehr infolge der Ausübung ihrer Dienstpflichten ihr Leben verloren. >> Bundeswehr.de >> Zahlen und Statistiken. (aktualisiert am 07.12.2018, H.S.)

Todesfälle im Auslandseinsatz - Berlin, 01.12.2018 - Von den seit 1992 in die Auslandseinsätze entsandten Bundeswehrangehörigen starben 110 – 37 Soldaten fielen durch Fremdeinwirkung, 73 kamen durch sonstige Umstände ums Leben. >> Zahlen und Statistiken. (aktualisiert am 07.12.2018, H.S.)

Selbsttötung: Neben Unfällen und natürlichen Todesfällen kommt es in der Bundeswehr auch zu Selbsttötungen. Mehr als 3.500 BW-Angehörige begangen seit 1957 Suizid. >> Bundeswehr.de >> Zahlen und Statistiken.



Quelle:  WSWS.org > WSWS.org/de > Erstveröffentlicht am 19. Februar 2018 >> Artkel. Die Bilder im Artikel sind nicht Bestandteil des Originalartikels und wurden von KN-ADMIN Helmut Schnug eingefügt. Für sie gelten ggf. andere Lizenzen, s.u..

Dank an Redakteur Ludwig Niethammer für die Freigabe zur Veröffentlichung.

► Bild- und Grafikquellen:

1. Sigmar Gabriel, Vice Chancellor and Federal Minister for Foreign Affairs, Federal Republic of Germany, @ Munich Security Conference 2018, 17. Februar 2018, 09:15. Bildquelle / Fotograf: MSC / Mueller. Quelle: securityconference.de/. Fotos der Konferenz, die zum Download angeboten werden, können honorarfrei genutzt werden, soweit der Name des Fotografen genannt wird. Die Fotos sind unter der Creative Commons Attribution 3.0 Germany License lizensiert (CC BY 3.0 DE).

2. Skulls: Todesfälle bei der Bundeswehr in Ausübung ihrer Dienstpflichten [sic!]. Grafik: thommas68 - Iván Tamás  •  Budapest/Magyarország. Quelle: Pixabay. Alle bereitgestellten Bilder und Videos auf Pixabay sind gemeinfrei (Public Domain) entsprechend der Verzichtserklärung Creative Commons CC0. Das Bild unterliegt damit keinem Kopierrecht und kann - verändert oder unverändert - kostenlos für kommerzielle und nicht kommerzielle Anwendungen in digitaler oder gedruckter Form ohne Bildnachweis oder Quellenangabe verwendet werden. 

3. Bilateral meeting between Sigmar Gabriel (Minister of Foreign Affairs, Germany) and NATO Secretary General Jens Stoltenberg. Foto: Official Flickr photo stream NATO - North Atlantic Treaty Organization. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 2.0 Generic (CC BY-NC-ND 2.0).

4. NATO raus - raus aus der NATO. Grafik: Wilfried Kahrs (WiKa) / QPress.

5. Texttafel HÄNDLER DES TODES - Rüstungsexporteure und Waffenlieferanten: DIEHL, EADS (EADS heißt seit 2014 Airbus Group und hat eine neue Struktur. Im neuen Teilkonzern Airbus Defence and Space (ADS) sind jetzt die bisherigen EADS-Teilkonzerne Airbus Military, Astrium und Cassidian zusammengefasst.), HECKLER & KOCH, KRAUSS MAFFEI-WEGMANN, MAN, RHEINMETALL, SIEMENS, THYSSEN KRUPP. Grafik: Wolfgang Blaschka (WOB), München.